Der Osten ist nach wie vor deutlich stärker von Armut betroffen als der Westen. Doch zeigt der Osten – mit Ausnahme von Berlin – insgesamt eine deutlich positivere Entwicklung als der Westen. Hier verdient das Ruhrgebiet als neue Problemregion mit besorgniserregender Dynamik besondere Aufmerksamkeit.
Signifikante negative Entwicklungstrends zeigen in NRW zwar auch Regionen wie Bielefeld (von 13,9 % auf 15,8 %) oder die deutlich heraus fallende Raumordnungsregion Siegen mit einem Anstieg der Armutsquote von 9,1 auf 14,2 Prozent.
Und auch in Rheinland-Pfalz fallen die negativen Entwicklungen in der Region Rheinhessen-Nahe (von 13,4 % auf 16,1 %) und in der Rheinpfalz (von 11,9 % auf 14,1 %) ins Auge, doch handelt es sich beim Ruhrgebiet mit über 4 Millionen Einwohnern um das größte Ballungsgebiet Deutschlands und immerhin um das fünftgrößte Ballungsgebiet Europas.
So hat die relative Armut in der Stadt Dortmund seit 2005 um 24 Prozent zugenommen – von 18,6 auf 23 Prozent – eine Quote, die noch über der von Mecklenburg-Vorpommern liegt. In Duisburg waren es sogar 26 Prozent Zunahme – von 17 auf 21,5 Prozent.
(siehe Tabelle 3)
13 Prozent Zuwachs hat auch die Region Bochum/Hagen – von 15,1 auf 17,1 Prozent. Und auch die Ruhrgebietsregion Emscher/Lippe liegt mit einer Quote von 18,3 Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt von 14,5 Prozent.
(siehe Tabelle 4)
Diese dramatische Entwicklung des Ruhrgebiets wird durch die Hartz IV-Zahlen noch unterstrichen. So waren im Juli 2011 in Dortmund und Duisburg 17,8 Prozent der Einwohner bis 65 Jahren auf Hartz IV angewiesen, in Essen waren es 18,2 Prozent und in Gelsenkirchen sogar 21,6 Prozent. Nicht ein einziger Ruhrgebietskreis liegt unter dem Bundesdurchschnitt von 9,8 Prozent. Besonders besorgniserregend dabei ist, dass diese Quoten in den einzelnen Städten und Landkreisen entweder auf sehr hohem Niveau verharren oder sogar im Trend nach oben zeigen, wie etwa in Mülheim an der Ruhr, in Hamm, in Essen oder in Gelsenkirchen.
(siehe Tabelle 5)