(5) Auch Sachsen-Anhalt steht mit 19,8 Prozent durchaus besser da als im Jahr 2005 (22,4 %), doch ist im Verlauf der Daten kein eindeutiger Trend auszumachen.
Anders sieht es aus, wenn wir die Ergebnisse auf Länderebene vergleichen
(siehe Tabelle 2). Was die Armutsgefährdungsquoten anbelangt, bewegt sich bei neun der 16 Bundesländer kaum etwas, sieben Länder zeigen aber durchaus – zum Teil gegenläufige – Bewegungen. Entscheidender als statistische Ausschläge in einzelnen Jahren ist dabei die Frage, ob in dem Auf und Ab der Daten möglicherweise Trends im Sinne einer über mehrere Jahre, kontinuierlichen und signifikanten Entwicklung zu erkennen sind. Dies ist bei fünf Ländern tatsächlich der Fall.
So gingen in Hamburg, Brandenburg und Thüringen die Armutsquoten seit 2005 kontinuierlich und nennenswert zurück. In Hamburg und Brandenburg betrug der Rückgang jeweils 15 Prozent – wenn auch auf sehr unterschiedlichen Niveaus: von 19,2 auf 16,3 Prozent in Brandenburg und von 15,7 auf 13,3 Prozent in Hamburg. In Thüringen fiel die Quote im gleichen Zeitraum kontinuierlich von 19,9 auf 17,6 Prozent, ein Rückgang um über 10 Prozent.
(5)
In Berlin und Nordrhein-Westfalen sind die Armutsquoten von 2005 auf 2006 zwar erfreulich gesunken, steigen seitdem jedoch stetig und spürbar an. In Berlin nahm die Armutsgefährdungsquote von 17 Prozent im Jahr 2006 auf 19,2 Prozent in 2010 zu – ein Zuwachs um 13 Prozent. In Nordrhein-Westfalen ist im gleichen Zeitraum ein kontinuierlicher Anstieg von 13,9 auf zuletzt 15,4 Prozent festzustellen.
So konnte sich Hamburg im Länderranking im Vergleich zum Jahr 2005 gleich um fünf Plätze von Rang 9 auf Rang 4 verbessern, während Nordrhein-Westfalen von Rang 6 auf Rang 9 abrutschte
(siehe Grafik 2).
Halten wir die Hartz IV-Quoten daneben, fällt auf, dass in den einzelnen Ländern die Armutsentwicklung nicht zwingend mit der Entwicklung der Hartz IV Zahlen einhergehen muss. So verlaufen die negativen Trends in Berlin und Nordrhein-Westfalen, die Armutsgefährdungsquoten betreffend, bei fast gleichbleibenden Hartz IV-Quoten. Der Anstieg der relativen Armut resultiert somit insbesondere aus einer Zunahme der armutsnahen und armen Bevölkerung außerhalb bzw. oberhalb des Hartz IV-Bezugs. Anders in Mecklenburg- Vorpommern: Hier ging die Hartz-IV-Quote zwischen 2005 und 2010 zwar um immerhin fast 19 Prozent von 19,8 auf 16,1 Prozent zurück, die relative Armutsquote jedoch fiel im gleichen Zeitraum nur um 12 Prozent von 24,1 auf 22,4 Prozent.
Bewegungen oder Stagnationen bei den Hartz-IVQuoten lassen sich also nicht zwingend auf die Entwicklung relativer Armutsquoten übertragen. Länderrankings zur relativen Armut und zu Hartz IV fallen daher zum Teil sehr different aus
(siehe Grafik 2 und 3). So schafft es Mecklenburg-Vorpommern, Schlusslicht bei der relativen Einkommensarmut, beim Hartz IV-Vergleich immerhin auf Rang 13. Das Hartz-IVSchlusslicht Berlin wiederum belegt bei der Armutsgefährdung lediglich Platz 12.