Fachinformationen Arbeit, Rente und Sozialpolitik

Arbeitsmarkt und Flüchtlinge - aktuelle Daten

Während die Arbeitsagenturen ihre Arbeitsförderung für Geflüchtete zurückfahren, sind die Jobcenter mit dem Aufbau beschäftigt.


Nach neuen Arbeitsmarktdaten der BA ist die Zahl der arbeitssuchenden bzw. arbeitslosen Personen mit Fluchthintergrund im Vergleich zum Vorjahr weiter angestiegen, in geringerem Umfang aber auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Beschäftigungschancen von arbeitslosen Geflüchteten sind geringer als im Durchschnitt aller Arbeitslosen; die sog. Abgangsrate, die die Chance abbildet, die Arbeitslosigkeit im nächsten Monat durch Beschäftigungsaufnahme zu beenden, liegt bei aktuell 3,4% (im Vergleich für alle Arbeitslosen bei 7,2 Prozent.) Fast jede dritte Beschäftigungsaufnahme erfolgt bei Menschen mit Fluchtgeschichte in der Leiharbeit. Damit hat dieser Beschäftigungsbereich für die Zielgruppe in den letzten Monaten noch einmal erheblich an Bedeutung gewonnen.

Eine aktuelle Arbeitslosenquote wird im Unterschied zur vorherigen Berichterstattung nicht mehr ausgewiesen (Bericht Fluchtmigration Februar 2017 mit einer Arbeitslosenquote von 50% für Flüchtlinge aus den zugangsstärksten Asylherkunftsländern). Aktuell (Jan 18) sind 482.000 Geflüchtete als arbeitssuchend registriert; rund 270.000 als Beschäftigte erfasst (davon 210.000 sozialversicherungspflichtig, Daten November 2017).

Unter den Arbeitsuchenden mit Fluchthintergrund wird nur der kleinste Teil von einer Agentur für Arbeit betreut (derzeit rund 50.000), während die allermeisten mit einem Jobcenter zu tun haben (derzeit rund 430.000). Dabei ist zu bedenken, dass nach internen Angaben der BA von nur etwa 18,2% der Gestatteten bzw. rund 5% der Geduldeten überhaupt Kontakt mit einer Arbeitsagentur haben. Hierbei spielen offenbar rechtliche (etwa weitgehender Ausschluss von Asylsuchenden, bei denen keine „gute Bleibeperspektive“ angenommen wird und bei Geduldeten von der Arbeitsmarktförderung) und faktische Zugangsbarrieren (Angebot, Erreichbarkeit) eine Rolle.

Die Jobcenter haben demgegenüber binnen eines Jahres einen Zuwachs von 57% bei der Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit Fluchtgeschichte zu verzeichnen gehabt und sind im gesetzgeberischen Sinne des „Förderns und Forderns“ auch in der Leistungsverpflichtung. Im Oktober 2017 erhielten zuletzt 597.000 Flüchtlinge als erwerbsfähige Leistungsberechtigte Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Das sind knapp 14% aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten. Gut 44.% der Leistungsberechtigten mit Fluchtgeschichte leben in einem Partner-Haushalt mit Kindern, 38% in einer Single-BG. Die Anzahl und der prozentuelle Anteil der Leistungsberechtigten mit Fluchtgeschichte (an allen Leistungsberechtigten) schwankt von Jobcenter zu Jobcenter: Während das Jobcenter der Stadt Rosenheim z.B. nur 162 Leistungsberechtigte mit Fluchthintergrund (Anteil an allen 5,4%) betreut, sind es im Regionalverband Saarbrücken 4.823 Personen (16,2% Anteil).

Zur Arbeitsmarktförderung: Während die Zahl der arbeitssuchenden Geflüchteten zuletzt stark angestiegen ist, ist die Arbeitsförderung insgesamt leicht rückläufig. So wurde die Förderung in Maßnahmen der Arbeitsförderung im Vorjahresvergleich von den Arbeitsagenturen zuletzt stark reduziert (-1/3). Im Gegensatz dazu haben die Jobcenter die Teilnehmerzahlen in Maßnahmen der Arbeitsförderung gesteigert (+1/4). Im Oktober 2017 wurden in Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik insgesamt fast 74.000 Geflüchtete gefördert, darunter mehr als die Hälfte in Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Rund 180.000 Geflüchtete befand sich in einer sog. Fremdförderung, v.a. in den Integrationskursen. Auffällig ist nach den aktuellen Förderstatistiken, dass die vorwiegend für Geflüchtete konzipierten Maßnahmen (PerF PerjuF, PerF-W, KompAS, Kommit) rein quantitativ gesehen nicht so sehr ins Gewicht fallen, sondern die weit überwiegende Anzahl der Maßnahmenteilnehmer/-innen an allgemeinen Maßnahmen teilnimmt. Die berufliche Fort- und Weiterbildung spielt nur eine geringe Rolle. Trotz geringer Förderzahlen macht die Gruppe Geflüchteter derzeit einen großen Prozentsatz der Teilnehmenden der Assistierten Ausbildung (22,6%iger Anteil) und EQ (42,7%) aus, während ihr Anteil in BvB (2,7%) und BAE (2,5%) deutlich geringer ausfällt. Die Jobcenter versuchen nach wie vor, neue Förderwege für die Zielgruppe zu beschreiben; während ihr Anteil an den „Beschäftigung schaffenden Maßnahmen“ gering ausfällt (3,4%), haben sie einen Anteil an rund 21,1% der Teilnehmenden in der „Freien Förderung“.

Hintergrund: BA-Statistiken Migration und Arbeitsmarkt

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