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Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen: Paritätischer legt erstmals Teilhabebericht vor

Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember stellt der Paritätische heute mit Unterstützung der Aktion Mensch Stiftung erstmals seinen Teilhabebericht vor. Der Paritätische nutzt dabei erstmals repräsentative Befragungsdaten des sog. Sozio-ökonomischen Panels, um die bestehende Teilhabeforschung um weitere Aspekte zu ergänzen, um Bedarfe und Barrieren auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft zu identifizieren und einen Beitrag dazu zu leisten, die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen zu verbessern.

Der Schwerpunkt der Berichts liegt in diesem Jahr bei der Lebenssituation älteren Menschen mit Beeinträchtigungen, definiert als Personen, die über 65 Jahre alt sind. Insbesondere ihnen soll (neben Frauen und Mädchen) laut Artikel 28 Absatz 2 der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) der Zugang zu Programmen des sozialen Schutzes und der Armutsbekämpfung zugesichert werden.

Aktuell gibt es keine repräsentativ erhobenen Daten zu den Lebenslagen der Menschen mit Beeinträchtigungen. Ein Survey der Bundesregierung soll das in den kommenden Jahren ändern. Ein Schwerpunkt im Teilhabebericht des Paritätischen liegt aufgrund der Datendefizite auf der Teilhabe von Menschen in Privathaushalten. Statistische Daten allein genügen jedoch nicht, um ein Bild von der Lebenssituation von Menschen mit Beeinträchtigungen zu bekommen. Zudem leben Menschen mit Beeinträchtigungen auch häufig nicht (mehr) in Privathaushalten. Es kommen deshalb im Rahmen des Projekts auch Menschen mit Beeinträchtigungen selbst zu Wort – in Form von qualitativen Interviews sowie unterschiedlichen Workshops.
Die Lebenslagen der Menschen mit Beeinträchtigungen in Privathaushalten werden für das Jahr 2016, aus dem die aktuellsten verfügbaren Daten sind, anhand von 22 Indikatoren analysiert. Neben allgemeinen soziodemografischen Merkmalen zu Menschen ohne und mit Beeinträchtigungen bzw. Schwerbehinderung werden die Bereiche materielle Situation, soziales Netz, Gesundheit, Freizeit und Kultur, Sicherheit sowie politische und gesellschaftliche Partizipation analysiert. Neben Kennzahlen zur Teilhabe werden jeweils die Zufriedenheit bzw. die Sorgen von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen dokumentiert.

Dabei zeigt sich: In fast allen untersuchten Bereichen können Menschen mit Beeinträchtigungen bzw. Schwerbehinderung in Privathaushalten weniger teilhaben als Menschen ohne Beeinträchtigungen. Dies schlägt sich auch auf ihre Zufriedenheit nieder bzw. spiegelt sich in ihren Sorgen wider. Dabei dürften diese Zahlen eher noch ein im Vergleich zur tatsächlichen Lebenslage günstigeres Bild zeichnen, da davon auszugehen ist, dass Menschen in Einrichtungen und mit besonders starken Beeinträchtigungen nicht repräsentativ in der Datengrundlage erfasst sind.

Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
-\tMenschen mit Beeinträchtigungen über 65 Jahren in Privathaushalten haben im Schnitt weniger Einkommen und Vermögen in Form von Wohneigentum oder Rücklagen für Notfälle zur Verfügung als Menschen ohne Beeinträchtigungen. Daraus resultiert auch eine geringere Zufriedenheit mit dem eigenen Einkommen und eine größere Sorge um die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Diese Kluft gilt es zu schließen. Ein Mittel dazu muss es sein, die Anrechnung von Einkommen und Vermögen weiter zu reduzieren.
-\tAuch bei der Zufriedenheit mit der Freizeitgestaltung gibt es negative Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen in Privathaushalten. Bezüglich der Ursachen für das Ausbleiben von Freizeitaktivitäten und Urlauben lassen die vorliegenden Daten jedoch nur wenige Rückschlüsse zu – finanzielle Gründe sind zumindest meist nicht die Hauptursache. Die Förderung von Barrierefreiheit im öffentlichen Raum sowie die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur könnten somit Faktoren sein, um bestehende Unterschiede zu vermeiden.
-\tDie Hälfte der Menschen mit Schwerbehinderungen in Privathaushalten hat ein starkes oder sogar sehr starkes Interesse an Politik. Ihre Sorge um den Zusammenhalt der Gesellschaft ist ähnlich hoch ausgeprägt wie bei Menschen ohne Beeinträchtigungen. Quer durch alle Gruppen hinweg bestehen große oder zumindest einige Sorgen um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Es ist deshalb wichtig, die spezifischen Interessen und Bedarfe von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen stärker in der Politik zu berücksichtigen und gleichzeitig, die betroffenen Menschen stärker einzubinden und zu beteiligen.

Ermöglicht wird der Bericht durch die Aktion Mensch Stiftung. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Internetseite
https://www.der-paritaetische.de/teilhabe

Der Bericht selbst kann über den folgenden Link abgerufen werden:
https://www.der-paritaetische.de/publikation/paritaetischer-teihlabebericht-2019/

Eine Berichtsfassung in leichter Sprache, eine Hörfassung mit zentralen Ergebnissen und weitere barrierefreie Dokumente zum Bericht werden in den nächsten Tagen auf der o.a. Projektseite veröffentlicht.


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