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Wie gelingen Wiedereinstiege in Gesellschaft und Arbeitsmarkt bei exkludierten Personen ? - Ergebnisse eines Forschungsprojekts, indem Betroffene zu Wort kamen

„Was benötigen und wie gelingen Wiedereinstiege von exkludierten Personen in soziale und arbeitsmarktliche Zusammenhänge?“ – der Abschlussbericht aus dem Forschungsprojekt des „Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung“ (FIS) liegt vor.

In dem Forschungsprojekt wurden Menschen in schwierigen Lebenssituationen über einen längeren Zeitraum begleitet und danach gefragt, wie es ihnen gelingt, sozialstaatliche Unterstützungsleistungen für sich zu erschließen und ihre Lebenssituation zu verbessern. Darunter waren u.a. Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, wohnungslose Menschen, Haftentlassene oder von Gewalt betroffene Menschen.

Aus den Ergebnissen der Gespräche mit diesen Menschen und Gesprächen mit ExpertInnen haben die Forscher Rückschlüsse daraus gezogen, welche Faktoren zum Gelingen von Wiedereinstiegen in soziale und arbeitsmarktliche Zusammenhänge beitragen. Diese betreffen alle für die Existenzsicherung, für die Ermöglichung sozialer Teilhabe und die Förderung von Arbeitsmarktteilhabe zuständigen sozialstaatlichen Institutionen, darunter Jobcenter, Sozialämter, Jugendämter, aber auch soziale Einrichtungen und Maßnahmeträger.
Der Bericht enthält detaillierte Schlussfolgerungen und Empfehlungen v.a. zur Ausgestaltung der materiellen Existenzsicherung (S. 192 ff.), zum Wohnen (S. 200 ff.), zur Netzwerkarbeit von sozialen Diensten und Einrichtungen (S. 202 ff.), zur Sozialen Teilhabe (S. 204 ff.), zum Gewaltschutz (S. 205 ff.) , niedrig schwelliger sozialer Infrastruktur (S. 208 ff), Teilhabe am Arbeitsmarkt (S. 211 ff. ) und Gesundheit (S. 222 ff.).
Ausgewählte Ergebnisse zum Themenbereich Teilhabe am Arbeitsmarkt:

    -\tArbeit und Tätigsein sind wichtig. Die große Mehrzahl der Teilnehmenden der vorliegenden Studie räumte Erwerbstätigkeit in der einen oder anderen Form einen zentralen Stellenwert in ihrem Leben ein, weil sie soziale Integration und Anerkennung ermögliche.
    -\tOhne abgeschlossene Ausbildung ist Beschäftigung in der Regel nur in Zeitarbeit, zu Niedrigeinkommen, geringfügig oder in prekärer Selbständigkeit möglich. Prekäre Beschäftigungen führen oft zu frühzeitiger physischer oder psychischer Erschöpfung, auch weil die Menschen keine Perspektive für eine Verbesserung ihrer Lage sehen. Wenn Menschen mit derartigen beruflichen Biografien zu einem späteren Zeitpunkt die Initiative ergreifen, einen höheren Schulabschluss bzw. eine Berufsausbildung zu erwerben, dann sollten sie darin flexibel und wertschätzend unterstützt werden. Auch Menschen, die älter als 30 Jahre alt sind, benötigen häufig eine erneute berufliche Orientierung.
    -\tDie individuellen Prioritäten der Leistungsberechtigten in der Hilfeplanung und zeitlichen Umsetzung der Hilfestellungen sind unbedingt zu berücksichtigen; es kommt oft auf „das richtige Timing an“. Eine Entschleunigung von Integrationsprozessen etwa aufgrund von Beraterwechseln in den Jobcentern oder prioritärer Bearbeitung aller möglichen „Vermittlungshemmnissen“ vor einem Kontakt zur Arbeit sind dabei nicht zielführend.
    -\tGerade in den Jobcentern sollten die Potentiale und Stärken der Menschen besser erkannt werden. Selbsthilfepotenziale der Menschen und vorhandene Reflexionsfähigkeit werden zu wenig genutzt, um individuelle Stärken zu erkennen und auszuschöpfen.

\t-Viele Fördermaßnahmen der Jobcenter zielen weiterhin vor allem auf die Reduktion von Hemmnissen und weniger auf die Förderung von sozialen Kompetenzen, das Training \tvon Resilienz oder die Förderung anderer relevanter individueller Ressourcen und non-formaler Kompetenzen. Deshalb sollten die gesetzlichen Regelungen und die \t\tAusführungsbestimmungen zu Förderinstrumenten flexibilisiert werden und weniger detailliert Aspekte wie Zielgruppen, Einsatzorte, Förderhöhen etc. definieren.

Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Im wissenschaftlichen Beirat des Forschungsprojekts wirkte u.a. Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, mit. Einen Beitrag zur Entwicklung des Forschungsdesigns, zur Konzeption des Feldzugangs und zur kritischen Reflexion der Ergebnisse haben auch weitere Vertreterinnen und Vertreter von Wohlfahrtsverbänden und Fachverbänden bzw. Facharbeitsgemeinschaften der Wohnungsnotfallhilfe, der Suchthilfe, der Schuldnerberatung und des Gewaltschutzsystems geleistet.

Anlage: Abschlussbericht
zep_2019_wie_gelingen_wiedereinstiege.pdfzep_2019_wie_gelingen_wiedereinstiege.pdf

Abruf des Berichts auch unter https://zep-partner.de/4.html


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