Fachinformationen Migration und Flucht

Armutsrisiko Geschlecht. Armutslagen von Frauen in Deutschland

Neue Publikation: „Armutsrisiko Geschlecht. Armutslagen von Frauen in Deutschland“ Frauen sind - noch immer - stärker armutsgefährdet als Männer. Ein tieferer Blick in die verschiedenen Lebenslagen von Frauen macht dabei deutlich: Armut hat viele Gesichter und die Ursachen dafür sind vielfältig.

Frauen leisten über die Hälfte mehr unentgeltliche Sorgearbeit und müssen häufiger in prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig sein. Eine Folge davon sind geringere Renten und damit ein deutlich erhöhtes Risiko von Altersarmut betroffen zu sein. Besonders gefährdet sind alleinerziehende Frauen, aber auch Frauen mit Beeinträchtigungen, Frauen mit Migrationshintergrund und geflüchtete Frauen sind häufiger von Armut bedroht.

Mit ihrer Broschüre „Armutsrisiko Geschlecht. Armutslagen von Frauen in Deutschland“ veröffentlicht die Nationale Armutskonferenz (nak) Positionen und Forderungen zu Lebenslagen von armutsbetroffenen Frauen in Deutschland. Fachautorinnen und Betroffene berichten über das Aufwachsen in Armut, über prekäre Beschäftigung, Erwerbslosigkeit, die negativen Folgen des Ehegattensplittings, Gewalt gegen Frauen, Altersarmut, die Lebensrealitäten alleinerziehender Frauen, geflüchteter Frauen, wohnungsloser Frauen, verschuldeter Frauen sowie von Frauen mit Rassismuserfahrung oder Behinderung.

Am Beispiel geflüchteter Frauen wird dabei eine doppelte Diskriminierung deutlich: als Frau und zugleich als Geflüchtete. Elizabeth Ngari von der selbstorganisierten Geflüchtetenorganisation Women in Exile betont: “Everyone wants to be independent and live a dignified life. But refugee women find themselves being denied most basic things such as freedom of choice, being forbidden to work, chances of using their skills and being accommodated in isolated areas.”

Die Armut beginnt meist direkt in den Unterkünften, sagt Elizabeth Ngari. Daneben sind es psychische Belastungen, Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen und strukturelle Probleme wie mangelnde finanzielle Mittel, gesundheitliche Versorgung und aufenthaltsrechtliche Unsicherheit, die die Lebensumstände und somit auch die Armutsgefährdung von geflüchteten Frauen und Mädchen kennzeichnen. Geflüchtete Frauen partizipieren deutlich seltener als Männer am Arbeitsmarkt; durchschnittlich haben sie ungünstigere Bildungsvoraussetzungen und geringere Erwerbserfahrungen. Gleichzeitig leisten sie häufiger unbezahlte Arbeit in der Versorgung der Kinder. Zwar haben sich mit den jüngsten gesetzlichen Änderungen einige Verbesserungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt ergeben, jedoch gelten diese längst nicht für alle. Viele geflüchtete Frauen finden bisher kaum für sie passende Beratungs- und Bildungsangebote. Sie nehmen auch seltener an Integrations- oder Sprachkursen teil, unter anderem weil eine flächendeckende Kinderbetreuung fehlt.

Viele geflüchtete Frauen wünschen sich Stabilität, Sicherheit und eine selbstbestimmte Zukunft, möchten an Sprache, Bildung und Erwerbsarbeit partizipieren. Es braucht daher in erster Linie Perspektiven und aufenthaltsrechtliche Sicherheiten; die individuellen und spezifischen Bedarfe von Frauen und Mädchen müssen bei einer gezielten Förderung und Unterstützung der Öffnung der Regelsysteme noch mehr berücksichtigt werden. Darüber hinaus braucht es auch ein Verständnis von Integration als Prozess, der ohne Gleichberechtigung und inklusiven Gedanken von allen Seiten der Gesellschaft nicht funktionieren kann. Elizabeth Ngari fordert: “Our main demand is that women and children should be given the chance to live in flats and not in the isolated lagers (…) and to live in a society without discrimination and racism.”

Die Broschüre kann auf der Webseite der Nationalen Armutskonferenz herunter geladen werden:

www.nationale-armutskonferenz.de

Zur Pressemitteilung der nak:

www.nationale-armutskonferenz.de/2017/10/16/armut-von-frauen-in-deutschland-nicht-laenger-hinnehmen/


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