Fachinformationen Migration und Flucht

Besser Schneider heißen - Jobcenter benachteiligen Menschen mit ausländischen Namen

Ausländer werden laut Wissenschaftlern vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung schlechter behandelt als Deutsche. Bei Anfragen erhalten sie häufiger unzureichende Informationen wie ein Test gezeigt hat.

Im Rahmen des Tests verschickten die Wissenschaftler in den Jahren 2014 und 2015 fiktive E-Mails an 408 Jobcenter und stellten Fragen zum Thema Hartz IV. Dabei erhielten Menschen mit türkischen oder rumänischen Namen qualitativ schlechtere Auskünfte als Menschen mit deutschen Namen.
Die Forscher verwendeten sechs deutsch, türkisch und rumänisch klingende Namen. Die Mails variierten unter anderem in Berufsbezeichnung, Geschlecht und Sprachstil.

In den Mails fragten die potenziellen Antragsteller, welche Unterlagen für eine Antragstellung beim Arbeitslosengeld II benötigt würden und ob auch Unterlagen von Familienangehörigen für den Antrag wichtig seien. Im Nachgang analysierten die Wissenschaftler die Antworten der Jobcenter. Das Ergebnis zeigt: Die Jobcenter beantworteten unabhängig vom Namen alle Mails, aber die Fragesteller mit ausländischen Namen erhielten häufiger unzureichende und weniger detaillierte Informationen. Das Informationsdefizit hätte sie davon abhalten können, einen Antrag auf eine Grundsicherung nach Hartz IV zu stellen.

Jobcenter unter kommunaler Verwaltung schnitten dabei deutlich schlechter ab als Jobcenter, die direkt der Bundesagentur für Arbeit unterstellt sind. Gleichermaßen schnitten westdeutsche Behörden schlechter ab als ostdeutsche Behörden.
Welche Arbeitsagentur welche E-Mail erhielt, wurde in dem Forschungsprojekt zufällig festgelegt. Somit konnten die Autoren sicherstellen, dass nur die Namen (und nicht andere Faktoren) erklären, warum Menschen mit Migrationshintergrund anders behandelt werden.

Die Studie von Anselm Rink und Johannes Hemker wurde unter dem Titel „Multiple dimensions of bureaucratic discrimination: Evidence from German welfare offices“ im American Journal of Political Science veröffentlicht und in einem Artikel von MIGAZIN vorgestellt.

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