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"Selbsthilfe und Selbsthilfeförderung für Pflegende"

Fachtag am 5. Mai 2015 in Berlin / Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Seit 2013 besteht die gesetzliche Verpflichtung der sozialen Pflegekassen, 10 Cent je Versichertem und Kalenderjahr zur Förderung und zum Auf- und Ausbau von Selbsthil­fegruppen, -organisationen und -kontaktstellen zu verwenden, die sich die Unterstützung von Pflegebedürftigen, von Personen mit erheblichem Betreuungsauf­wand sowie deren Angehörigen zum Ziel gesetzt haben. Bei einem vom Paritätischen Gesamtverband und der NAKOS am 5. Mai 2015 gemeinsam veranstalteten bundesweiten Fachtag wurde erstmals Bilanz gezogen.

Nach einer Einführung zu den gesetzlichen Grundlagen durch Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands erläuterte Ursula Helms, Geschäftsführerin der NAKOS, Ergebnisse einer Befragung der NAKOS zum Stand der Umsetzung des § 45 d Abs. 2 SGB XI in den Bundesländern.

Obwohl in fast allen Bundesländern die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen durch entsprechende Rechtsverordnungen geschaffen wurden, besteht in Bezug auf die Fördervolumina noch erhebliches Entwicklungspotential. Von insgesamt 7,94 Millionen Euro, die im Jahr 2013 von den Pflegekassen für Angebote der Selbsthilfe in der Pflege zur Verfügung standen, wurden von den Bundesländern nur 331.050 Euro explizit für die Selbsthilfeförderung verausgabt. Die Berichte der Vertreterinnen und Vertreter aus den Bundesländern zeigten die Uneinheitlichkeit der Förderpraxis. Kritisiert wurde auch ein hoher bürokratischer Aufwand sowie zu strenge und die Engagementform zu stark bindende Fördervoraussetzungen, die nicht die Vielfalt von Selbsthilfeaktivitäten abbilde. Konsens herrschte daher in der Auffassung, dass die Förderung sich an den Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen orientieren müsse: Vernetzung und Transparenz seien zu intensivieren und hauptamtliche Ansprechpersonen, beispielsweise aus Selbsthilfekontaktstellen durch eine angemessene Förderung in ihrer Arbeit zu stärken, so dass entsprechende Unterstützungs- und Begleitungsangebote gezielt geschaffen und ausgebaut werden könnten. Berlin mit insgesamt 12 Kontaktstellen Pflegeengagement könne dafür Vorbild sein.

Verdeutlicht wurde, was in der Politik und Gesellschaft häufig verkannt ist: Pflegende Angehörige gibt es nicht nur für alte oder dementiell erkrankte Menschen, sondern ebenso für Menschen mit Behinderungen, chronisch kranke Menschen, Menschen nach Schlaganfall, im Wachkoma, Eltern pflegebedürftiger Kinder, Kinder und Angehörige psychisch kranker Menschen. Jede dieser Gruppen braucht eine eigene Ansprache und ein eigenes Netz professioneller Hilfen. Arbeitskreise und Netzwerke, wie der überregionale und multiprofessionelle Arbeitskreis in Nienburg, der vorgestellt wurde, können dafür Modelle sein.

Deutlich wurde auch, dass pflegende Angehörige eine außergewöhnliche Zielgruppe für Selbsthilfekontaktstellen sind, die in besonderer Weise „abgeholt“, zur Gruppenselbsthilfe motiviert und begleitet werden müssen. Einig waren sich die Teilnehmenden deshalb darin, dass sich die weitere Ausgestaltung der Förderung an den Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen orientieren müsse.

Fazit der Veranstaltung:

Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen brauchen verlässliche Strukturen und Anlaufstellen, um für gemeinschaftliche Selbsthilfe sensibilisiert und motiviert zu werden. Die Weiterentwicklung der Selbsthilfeförderung im Bereich Pflege müsse durch die Definition konzeptioneller Anforderungen befördert werden. Menschen in Pflege zu erreichen, zu ermutigen, ihre Selbsthilfepotenziale zu wecken und sie in ihrer Selbstorganisation zu unterstützen und zu begleiten, ist eine notwendige und wichtige Aufgabe auf kommunaler Ebene. Die Möglichkeiten der Förderung durch die sozialen und privaten Pflegekassen bieten Chancen, die von den Ländern und Kommunen genutzt werden sollten.

Jutta Hundertmark-Mayser
NAKOS