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Zum Weltfrauentag: Paritätischer kritisiert mangelnden Schutz vor Gewalt und vielfältige Benachteiligung von Frauen

Pressemeldung vom 7. März 2018

Frauen und Mädchen sind nach wie vor in vielen Bereichen der Gesellschaft strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt. Insbesondere im Bereich des Schutzes vor Gewalt gebe es nach wie vor Schutzlücken, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband anlässlich des Weltfrauentags und fordert die Bundesregierung auf, endlich Zugang zu Zuflucht und Hilfe für alle von Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern in Deutschland zu garantieren.

Der Paritätische Gesamtverband appelliert an die Bundesregierung, zügig die im Februar in Kraft getretene Istanbul-Konvention umzusetzen, nach welcher Frauen und Mädchen vor allen Formen von Gewalt geschützt werden sollen. Die unterzeichnenden Staaten haben sich verpflichtet, Maßnahmen zum Gewaltschutz und Prävention zu ergreifen. „Schutz vor Gewalt darf nicht vom Wohnort einer Frau abhängen. Die Umsetzung der Istanbul-Konvention in Deutschland ist überfällig“, so Marion von zur Gathen, Leiterin der Abteilung „Soziale Arbeit“ beim Paritätischen Gesamtverband. In Deutschland ist jede vierte Frau mindestens einmal im Leben körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Partner ausgesetzt. Der Paritätische fordert die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Schutz und Unterstützung für alle gewaltbetroffenen Frauen und deren Kinder und den Ausbau niedrigschwelliger und bedarfsgerechter Hilfs- und Unterstützungsangebote. Notwendig sei eine verlässliche und adäquate finanzielle Ausstattung von Frauenhäusern und Fachberatungsstellen. „Es ist zu begrüßen, dass das Thema im Koalitionsvertrag verankert wurde. Der Absichtserklärung müssen jetzt aber Taten folgen und es müssen verbindlich finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden“, mahnt von zur Gathen.

Anlässlich des Internationalen Frauentages weist der Paritätische zudem auf das nach wie vor für Frauen deutlich höhere Risiko der Altersarmut hin. Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, stieg die Zahl von Bezieherinnen einer Grundsicherung zwischen 2006 und 2016 von 371 000 auf 682 000 Menschen, davon sind 59 Prozent Frauen. Ein Hauptgrund sind die Unterbrechungen der Erwerbsbiografien nach der Geburt der Kinder. Marion von zur Gathen erklärt dazu: „Es kann nicht sein, dass eine Geburt für die Frau das Risiko erhöht, im Alter zu verarmen, weil sie nicht so viele Rentenpunkte wie ein Mann sammeln kann. Bisherige Maßnahmen aus der Politik wie das ElterngeldPlus und der Ausbau der Kinderbetreuung waren gut gemeint, aber nur selten gut oder vollständig umgesetzt. Wir erwarten von der kommenden Bundesregierung, dass sie allen Frauen die Gewissheit gibt, dass sie im Alter und auch sonst niemals Armut erleiden müssen.“

Im Rahmen der Paritätischen Jahreskampagne „Mensch, Du hast Recht“ plant der Verband mit seinen Mitgliedsorganisationen unter anderem zahlreiche Veranstaltungen zum Menschenrecht auf Schutz, Zuflucht und Hilfe. Das Thema Gewalt- und Diskriminierungsschutz sowie insbesondere die Frage der Frauenrechte spielen dabei eine zentrale Rolle. Mehr Informationen unter: www.mensch-du-hast-recht.de


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