Unabhängigkeit

Selbsthilfegruppen und -organisationen engagieren sich für die Interessen von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen. Viele Betroffene wenden sich an die Selbsthilfe, um Informationen über ihre Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten zu erhalten. Eine unabhängige und neutrale Information stellt eine Grundvoraussetzung dar, dass diese Informationsvermittlung glaubhaft und vertrauenswürdig ist. Dies kann nur gelingen, wenn die Selbsthilfe ihre Unabhängigkeit und Neutralität gegenüber anderen Akteuren im Gesundheitswesen bewahrt.

Ein besonderer Fokus liegt daher auf mögliche Verflechtungen mit der Gesundheitswirtschaft. Viele Organisationen sind auf Spenden und sonstige Förderungen angewiesen, um ihre verschiedenen Angebote und Aktivitäten zu finanzieren. Hierzu zählt unter anderem auch die Förderung durch Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten, die ihre finanzielle Unterstützung anbieten und eine Kooperation mit der Selbsthilfe eingehen. Im Idealfall können von einer solchen Zusammenarbeit beide Partner profitieren: Selbsthilfe wird in ihrer Arbeit unterstützt und kann zur Entwicklung bedarfsgerechter Produkte beitragen. Wirtschaftsunternehmen erhalten wichtige Informationen über die Nutzer ihrer Produkte und können das Erfahrungswissen der Selbsthilfe bei der Entwicklung ihrer Arznei- oder Hilfsmittel berücksichtigen. Die Annahme von Fördermitteln birgt jedoch immer auch die Gefahr, dass sich Selbsthilfeverbände bewusst oder unbewusst an den Anliegen der Wirtschaftsunternehmen orientieren. Teilweise versuchen Unternehmen auch gezielt, auf die Willensbildungsprozesse der Selbsthilfe Einfluss zu nehmen.

Unabdingbare Voraussetzung ist daher, bestimmte Regeln einzuhalten, damit die Selbsthilfe nicht Gefahr läuft, ihre Neutralität und Unabhängigkeit zu verlieren. Bereits 2005 haben das FORUM chronisch kranker und behinderter Menschen im Paritätischen und die BAG SELBSTHILFE verbindliche „Leitsätze für die Zusammenarbeit mit Personen des privaten und öffentlichen Rechts, Organisationen und Wirtschaftsunternehmen, insbesondere im Gesundheitswesen“ verabschiedet. Zur Absicherung der Leitsätze wurde ein Monitoring-Ausschuss ins Leben gerufen, der Selbsthilfeorganisationen in Bezug auf Spenden und Sponsoring durch Wirtschaftsunternehmen berät und ggf. leitsatzwidriges Verhalten überprüft.

Im Jahr 2016 wurden die Leitsätze reformiert. Alle Verbände, die für ihre Arbeit die Leitsätze anerkannt haben, sind ab 2017 verpflichtet, Fakten über ihre Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen und über die erhaltenen Zuwendungen auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. 

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