„Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom“ (Albert Einstein)

Vorurteile sind vorgefasste Meinungen, die vor dem Prozess einer eigenen Urteilsbildung stehen und nicht selten ganze Gruppen ungerecht beurteilen und bewerten.

Wer Vorurteile hat, denkt häufig ohne ausreichende Begründung schlecht über andere. Und wer schlecht über andere denkt und redet, richtet häufig auch sein Handeln danach aus. Gerade das macht Vorurteile gefährlich, denn auf lange Sicht führen sie zu Diskriminierung und Ausgrenzung. Klar ist: rassistischen und diskriminierenden Aussagen sollte stets und umgehend mit Gegenwind und Argumenten begegnet werden.

Bekanntermaßen argumentieren rechte Demagogen häufig vorurteilsgeprägt und versuchen diese Vorurteile durch ständige Wiederholung in den Köpfen zu verankern. Aber nicht nur in beispielsweise PEGIDA-Kreisen gehören Vorurteile gegen Geflüchtete, Frauen oder Menschen mit Behinderung zum normalen Sprachgebrauch. Rassistische, sozialdarwinistische und chauvinistische Tendenzen treffen auch in der breiteren Bevölkerung auf Zustimmung, wie die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung und Universität Bielefeld belegen.

Ausdruck und Verbreitung finden diese Vorurteile häufig in den Sozialen Netzwerken. Der Paritätische will sich dieser rassistischen Stimmungsmache entschieden entgegenstellen. Wir haben unten stehend gängige Vorurteile rechter Demagogen gesammelt und ihnen Argumente und Fakten für eine sachliche Diskussion entgegengestellt. Denn insgesamt gilt: nicht zu widersprechen, bedeutet Zustimmung. Auch und gerade bei Vorurteilen.

Fakten gegen Vorurteile!

Der Islam gehört nicht zu Deutschland.

Falsch, denn:

  • Der Islam gehört zur deutschen Gesellschaft genau wie andere Religionen oder Menschen, die keiner Religion angehören.
  • Vorurteile und Islamfeindlichkeit verhindern ein friedliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Menschen.
  • Terrorismus ist kein typisch muslimisches, sondern ein weltweites Problem.

Fakten und Argumente:

Der Islam gehört zur deutschen Gesellschaft genau wie andere Religionen oder Menschen, die keiner Religion angehören.

Genau wie das Judentum, das Christentum und der Buddhismus gehört auch der Islam zur deutschen Gesellschaft. Neben Synagogen und Kirchen gibt es Moscheen oder buddhistische Tempel. Die religiose Vielfalt ist ein Merkmal von modernen Gesellschaften und eine alltägliche Realität. Die Menschen, die die Augen angesichts dieser Realität verschließen, verpassen den Anschluss an die Modernität. Es ist unmöglich über „den Islam“ zu reden, denn wie bei allen anderen Religionen gibt es auch beim Islam verschiedene Strömungen und Glaubensausprägungen. Der Islam gehörte immer zur europäischen Kultur und prägt sie immer noch.

Vorurteile und Islamfeindlichkeit verhindern ein friedliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Menschen.

Wenn die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland in Frage gestellt wird, stecken dahinter vielmehr Vorbehalte und Vorurteile gegen die Menschen, die diese Religion praktizieren. In den letzten Jahren ist die Islamfeindlichkeit angestiegen. Pegida-Anhänger/-innen propagieren ein Bedrohungsszenario einer angeblichen „Islamisierung des Abendlandes“ und auch die Berichterstattung zeichnet häufig ein einseitiges Bild des Islam – und das bereits seit 9/11. Oft entstehen daraus Ängste und Ablehnungen, die sich – oftmals ohne direkten persönlichen Kontakt zu haben –  im Alltag auch gegen Menschen muslimischen Glaubens richten. Aktuell wird die Angst vor einer vermeintlichen „Islamisierung“ auch im Zusammenhang mit steigenden Zahlen an Zuwanderung auf Geflüchtete projiziert. Diese Bedrohungsszenarien verhindern den Dialog und treiben einen Keil zwischen verschiedene Bevölkerungsgruppen.

Terrorismus ist kein typisch muslimisches, sondern ein weltweites Problem.

Terrorismus ist kein typisch muslimisches, sondern ein weltweites Problem. In der öffentlichen Meinung wird häufig die Angst vor islamistischen Terror, der vorgibt, islamisch zu sein, mit der Weltreligion Islam gleichgesetzt. Doch der gewaltbereite Terror ist auch in der islamischen Welt eine moderne Erscheinung. Dass auch die christliche Vergangenheit in Europa von Fanatismus, Kriegen und Gewalttaten geprägt ist, wird häufig verdrängt und nicht im Widerspruch zur christlichen Nächstenliebe gesehen. Terroristische Anschläge seitens der Neonazis genießen nicht die mediale Aufmerksamkeit, wie andere Anschläge von radikalen Islamisten. Es wird suggeriert, dass die nicht muslimische Welt am meisten zu befürchten hat, es ist jedoch so, dass die meisten Opfer von terroristischen Anschlägen mit einem vermeintlichen islamischen Hintergrund selbst Muslime waren, allein in Irak zwischen 2010 und 2015 gab es mehr als 52.000 Opfer von terroristischen Anschlägen.

Zur Vertiefung:

Decker, Oliver; Johannes Kiess, Elmar Brähler (2016): Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland. 

Mediendienst Integration (2016): Journalisten-Handbuch zum Thema Islam.


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