
Klimaanpassung im Quartier – Resiliente Städte für alle
Klimaanpassung betrifft nicht nur den Umweltschutz, sondern auch soziale Gerechtigkeit. Wie können wir Quartiere klimaresilient gestalten und gleichzeitig die sozialen Bedürfnisse der Bewohner*innen berücksichtigen? Von innovativen Projektideen in Saarbrücken über nachhaltige Gemeinschaftsinitiativen in Hannover bis hin zu Nachbarschaftshilfen in Berlin – wir zeigen, wie Gemeinwesenarbeit die Folgen der Klimakrise für Betroffene abmildern und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt stärken kann.
Klimaanpassung im Quartier: Soziale Gerechtigkeit als Schlüssel
Prof. Dr. Christian Schröder, htw saar, macht in seinem Vortrag deutlich, dass die Klimakrise auch eine soziale Krise ist. Wohlhabende verursachen durch Konsum und Investitionen deutlich höhere Emissionen und kontrollieren die Kapitalströme, die globale Emissionen antreiben. Gleichzeitig sind arme und verletzliche Gruppen am stärksten von den Auswirkungen betroffen, obwohl sie wenig zur Krise beigetragen haben. Wohlhabende haben bessere Möglichkeiten zur Anpassung, während ärmere Menschen oft keine Ressourcen dafür haben. Diese Ungleichheiten können durch Klimaschäden und ungleiche Investitionen weiter verschärft werden.
Städte sind sowohl Treiber als auch Opfer des Klimawandels: Sie verursachen einen großen Teil der Emissionen und sind gleichzeitig besonders anfällig für Klimarisiken wie Hitze, Überschwemmungen und den Meeresspiegelanstieg. Eine integrative Stadtplanung und -governance sind entscheidend, um Klimafaktoren in Planung, Infrastruktur, Wohnen und Verkehr zu integrieren. Besonders wichtig ist die starke Beteiligung lokaler Gemeinschaften, vor allem der vulnerabelsten Gruppen.
Die Gemeinwesenarbeit und Soziale Arbeit spielen eine zentrale Rolle bei der Klimaanpassung auf lokaler Ebene. Sie setzen direkt an den Lebenswelten der Bewohner*innen an und nehmen deren klimabezogene Anliegen auf. Durch kollektives Empowerment und den Aufbau sozialer Netzwerke stärken sie die Handlungsfähigkeit der Gemeinschaften gegenüber Klimafolgen. Sie fördern Resilienz, Nachbarschaftshilfe und Teilhabe bei extremen Wetterereignissen und unterstützen eine gerechte Klimaanpassung. Community Organizing hilft dabei, gemeinsame Interessen zu mobilisieren und zu vertreten.
Schröder stellte das Projekt „Klima und Gesundheit“ in den Saarbrücker Quartieren Brebach und Folsterhöhe vor, einen experimentellen Ansatz zur Entwicklung von Maßnahmen für Klimaminderung und -anpassung, basierend auf einer sozialraumorientierten Analyse der spezifischen Bedürfnisse der Bewohner*innen. Besonders marginalisierte Gruppen, die oft in belasteten Stadtteilen ohne ausreichend Grünflächen oder bei schlechter Luftqualität leben, sind stärker von den Folgen der Klimakrise betroffen. Die Nadelmethode, eine partizipative Technik, wurde genutzt, um durch Kartenarbeit die Wahrnehmungen und Erfahrungen der Anwohnerinnen in Bezug auf klimatische und soziale Herausforderungen sichtbar zu machen. Diese Methode ermöglichte es, sowohl gesundheitliche als auch emotionale Belastungen in den sozialen Kontext einzubetten, was konkrete Handlungsempfehlungen für klimagerechte Sozialräume lieferte. Die Ergebnisse führten zu Vorschlägen wie der Schaffung von schattigen Plätzen, grünen Begegnungsräumen und kühlenden Wasserelementen, um den Stadtteil klimaresilienter und sozial gerechter zu gestalten. Mehr Infos dazu hier: https://www.sozialraum.de/klimakrise-und-klimagerechtigkeit.php
Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft: Bürger*innen gestalten Klimaanpassung
In Hannover verfolgt Claudia Koch von der kommunalen Wohnungsbaugenossenschaft KSG mit dem Quartiersmanagement in vier Stadtteilen eine langfristige Strategie der Klimaanpassung, bei der Bewohner*innen aktiv in den Veränderungsprozess eingebunden werden. Durch kontinuierliche Gespräche, die direkte Beteiligung und die Entwicklung bedarfsgerechter Lösungen entsteht ein Klima der Nachhaltigkeit, das über die reine Projektarbeit hinausgeht. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung des Wohnumfeldes, sondern auch um Themen wie Müllvermeidung, Lebensmittelrettung und Gesundheitsförderung, die die Lebensqualität im Quartier spürbar erhöhen.
Resiliente Nachbarschaften: Soziale Netze gegen die Hitze
Bär meets Adler e.V., vorgestellt von Annett Ochla, geht in Berlin und Brandenburg einen innovativen Weg, um die Community Resilienz zu stärken. Mit einem Netzwerk von „Hitzehelfer*innen“ und einem kreativen Mix aus Informationsmaterialien und Schulungen werden Bewohnerinnen mobilisiert, sich gegenseitig bei der Bewältigung von Hitzetagen zu unterstützen. Durch den Austausch in der Nachbarschaft und die Vernetzung verschiedener Akteure vor Ort entsteht eine stärkere, solidarische Gemeinschaft, die nicht nur gegen die Hitze kämpft, sondern auch die langfristige Anpassung an den Klimawandel aktiv gestaltet.
Klimaanpassung ist ein vielschichtiger Prozess, der soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung miteinander verbinden muss. Die Praxisbeispiele aus verschiedenen Städten zeigen eindrucksvoll, wie Gemeinwesenarbeit, soziale Infrastruktur und die Beteiligung der Bevölkerung zu resilienteren Quartieren führen. Es liegt in unseren Händen, klimaresistente, gerechte Städte zu gestalten – für eine lebenswerte Zukunft für alle.