Sprachmittlung

Sprachliche Verständigung ist eine Grundvoraussetzung für den Zugang zu bestimmten sozialen Leistungen und somit für gesellschaftliche Teilhabe. Für die nach Deutschland eingewanderten Menschen, die die deutsche Sprache nicht im ausreichenden Ausmaß beherrschen, ist die sprachliche Kommunikation mit  Behörden und Diensten, die für die Gewährung und Ausführung von Sozialleistungen zuständig sind, häufig nur mithilfe einer Sprachmittlung möglich. Durch fehlende oder qualitativ unzureichende Sprachmittlung kommt es zu Problemen bei der tatsächlichen Gewährung von Sozialleistungen und zur Minderung deren Qualität oder des Leistungsumfangs.

In der Wissenschaft sind die positiven Auswirkungen der Sprachmittlung anerkannt und verlässliche strukturelle Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Sprachmittlung werden als unerlässlicher Schritt zur interkulturellen Öffnung und zum Abbau von Zugangsbarrien für Migrant*innen gesehen (vgl. hier beispielhaft: Borde, Theda; Kommunikation und Sprache. Herausforderungen und Chancen einer diversitätgsgerechten Gesundheitsversorgung, in: Gynäkolische Endokrinologie (2018), S. 3-9).

Aufgrund der migrationspolitischen Entwicklungen ab 2015 ist der Bedarf an Sprachmittlung gestiegen. Der hohe Bedarf an Sprachmittlung im Kontext der Ausführung von Sozialleistungen besteht - so Erfahrungen der Paritätischen Mitgliedsorganisationen und kooperierenden Initiativen - besonders beim Kontakt mit Behörden und Einrichtungen des Gesundheitswesens, aber auch bei den durch die Freie Wohlfahrtspflege ausgeführten sozialen Dienstleistungen, wie beispielsweise Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung,  Angeboten im Rahmen des Hilfesystems bei Gewalt oder in den Kindertageseinrichtungen und den Hilfen zur Erziehung (s.. hierzu: Münder; J.: Sprachmittlung als Teil der Leistungen in der Kinder- und Jugendhilfe: www.sgbviii.de/files/SGB%20VIII/PDF/S191.pdf ).

Auch die Angebote der Migrations- und Flüchtlingssozialarbeit, wie zum Beispiel Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) oder Psychosoziale Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer, ihrer Zielsetzung nach auf die Kommunikation mit nicht deutschkundigen Menschen personell und strukturell ausgerichtet, vermelden aufgrund der erhöhten Heterogenität der Zielgruppen einen steigenden Bedarf an Sprachmittlung.

Diesem Bedarf wird durch unterschiedliche Modelle entsprochen. Auch Paritätische Mitgliedorganisationen engagieren sich zunehmend in dem Bereich. Trotz diverser Lösungsansätze vor Ort bekommt der Paritätische viele Problemmeldungen bezüglich der sprachlichen Verständigung im Kontext der Beantragung, Ausführung und Inanspruchnahme von Sozialleistungen aus den unterschiedlichen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit. Bemängelt werden vor allem fehlende gesetzliche Grundlagen für die Refinanzierung der Sprachmittlung, aber auch verlässliche Qualitätsstandards für die Sprachmittlung und schneller Zugang zu dieser Dienstleistung.

Der Paritätische fordert Sicherstellung der Sprachmittlung beim Zugang zu Sozialleistungen

Der Paritätische hat im September 2018 ein Positionspapier „Sicherstellung der Sprachmittlung als Voraussetzung für Chancengleichheit beim Zugang zu Sozialleistungen“ veröffentlicht. In dem Papier fordert der Paritätische die Sicherstellung der sprachlichen Verständigung durch  Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für Sprachmittlung bei Beantragung und Ausführung von Sozialleistungen im Allgemeinen Teil der Sozialgesetzbücher (SGB I). Menschen ohne ausreichende Sprachkenntnisse, die in Deutschland nach geltendem Recht Ansprüche auf soziale Leistungen haben, dürfen nicht bei der Wahrnehmung ihrer Rechte durch Sprachbarrieren gehindert werden. Wenn die sprachliche Verständigung zur Klärung von Ansprüchen, Beantragung und Ausführung von Sozialleistungen erforderlich ist, soll diese durch den Einsatz einer adäquaten Sprachmittlung von den Leistungsträgern sichergestellt werden. Darüber hinaus fordert der Paritätische den Auf- und Ausbau  entsprechender Strukturen für Qualifizierung und Vermittlung von Sprachmittler/-innen und deren Finanzierung sowie Schaffung von Qualitätsstandards.

https://www.der-paritaetische.de/fachinfos/stellungnahmen-und-positionen/paritaetisches-positionspapier-sicherstellung-der-sprachmittlung-als-voraussetzung-fuer-chancengleich/

Neben der eigenen Positionierung trägt der Paritätische die Stellungnahme „Dolmetscherleistungen für fremdsprachige Patientinnen und Patienten bei der gesundheitlichen Versorgung“  des Bundesweiten Arbeitskreises Migration und Öffentliche Gesundheit bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration als Mitglied des Arbeitskreises mit. Der Arbeitskreis hält es für erforderlich,  eine sprachlich-kulturelle Vermittlung als Standard bei der medizinischen Versorgung einzuführen und  entsprechende gesetzlichen Grundlagen, Qualitätsstandards und Strukturen zu schaffen.

https://www.integrationsbeauftragte.de/Webs/IB/DE/Service/Downloads/gesundheit-arbeitskreis-stellungnahme-sprachmittlung.pdf?__blob=publicationFile&v=3


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