Zum Hauptinhalt springen

Klimaschutz in der Praxis

Münzighof von oben. Foto: Hanna Cremer

„Bioenergiedorf“ Münzinghof: Strom und Wärme aus Eigenproduktion

Die Lebensgemeinschaft Münzinghof erzeugt ihre benötigte Energie durch ein ausgefeiltes, nachhaltiges Energiekonzept nahezu selbst. Sie versorgt damit ihre Wohnhäuser, eine Gärtnerei, eine Käserei, eine Bäckerei und verschiedene Werkstätten.

Worum geht‘s?

Seit 2010 wird in der Dorfgemeinschaft Münzinghof, ein Wohn- und Arbeitsort für Menschen unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen in der fränkischen Alb, ein vielseitiges Energiekonzept umgesetzt: ein mit Hackschnitzel betriebenes Block-Heiz-Kraft-Werk (BHKW), eine Hackschnitzelheizung, zwei Stückholzheizungen, Solarthermie und ein Nahwärmenetz versorgen die Wohnhäuser, Gärtnerei, Käserei, Bäckerei und verschiedene Werkstätten mit Energie. Seit 2020 wird durch vier Photovoltaikanlagen sowohl Strom für die Eigennutzung als auch für das öffentliche Netz erzeugt. Neben der eigenen Herstellung erneuerbarer Energien möchte die Dorfgemeinschaft Münzinghof auch unnötig verbrauchte Energie einsparen: So werden die Wege von der Herstellung der Produkte aus der Gärtnerei, Land- und Forstwirtschaft bis zur Vermarktung kurz gehalten, um dadurch Transportenergie zu sparen. Die Hackschnitzel und Stückholz werden entweder selbst erzeugt oder regional bezogen. Auch beim Bau von neuen Gebäuden und Sanierungsmaßnahmen wird durch effiziente Technologien und die Nutzung erneuerbarer Energien CO2 eingespart. Nur für den Notfall und für sehr kalte Winter steht noch ein Ölbrenner als Reserve zur Verfügung. Für ihr Energiekonzept erhielt die Lebensgemeinschaft Münzinghof 2014 den Umweltpreis der bayerischen Landesstiftung.

Vielfältige Wirkung

Das Energiekonzept vereint eine Vielzahl an positiven ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen: Durch das Kraftwerk, das über einen Generator im Jahr rund 220 Megawattstunden (MWh) Strom erzeugt, kann der Münzinghof zwei Drittel des benötigten Stroms erzeugen. Der restliche Bedarf wird durch die Photovoltaikanlage, über die etwa 90 MWh Strom gewonnen werden, gedeckt. Dadurch kann die Lebensgemeinschaft weit über 60.000 € im Jahr sparen. Durch die eigene Wärmegewinnung können jährlich zudem 100.000 Liter Heizöl eingespart werden. Das BHKW, als eine Säule des Energiekonzepts, trägt einerseits zum Umweltschutz bei und unterstützt andererseits durch lokale Kooperationen die Landwirtschaft vor Ort. Durch das neue Energiekonzept konnten zusätzlich neue, attraktive Arbeitsplätze für die Menschen mit Assistenzbedarf im Dorf geschaffen werden. Dabei können Menschen unterschiedlichster Qualifikationen und Fähigkeiten eingebunden werden, denn die unterschiedlichen Anlagen benötigen auch sehr verschiedene Wartungsleistungen: Heckenpflege, Brennholzmachen, Entleeren von Aschekästen, Beschicken eines zusätzlichen Scheitholzkessels oder die Wartung des Stromgenerators. 

Ständige Entwicklung

Die Dorfgemeinschaft arbeitet stetig daran, ihr Energiekonzept zu verfeinern. Aktuell planen sie, die PV-Anlagen zu erweitern und eine Ladestation für E-Autos einzurichten. Das Ganze funktioniert leider nicht ohne bürokratischen Aufwand und finanzielle Herausforderungen. Deshalb gibt es aktuell noch keine „echten“ Ladesäulen für E-Fahrzeuge, dennoch können die Mitarbeitenden bereits an drei Ladepunkten ihre E-Fahrzeuge laden.

Kontakt:

Geschäftsführer Finanzen Michael Taubmann (michael.taubmann@muenzinghof.de)


Sie haben weitere Praxisbeispiele? Schreiben Sie uns: klimaschutz(at)paritaet.org