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Projekt

Partizipation und Demokratiebildung in der Kindertagesbetreuung

Verschiedene Spielzeuge wie Holzbuchstaben und Knete stehen auf dem Tisch einer Kita zur Auswahl
Gautam Arora/Unsplash
Die meisten Kinder in Deutschland besuchen vor dem Schuleintritt eine Kita oder eine Tagespflegestelle. Sie erleben zum ersten Mal eine Gemeinschaft mit Menschen außerhalb ihres vertrauten familiären Umfelds und die Möglichkeit, im Miteinander weitere wichtige Erfahrungen zu sammeln. Im Kita-Alltag erleben sie Vielfalt und erfahren Demokratie. Hier setzt die Demokratiebildung in der Kindertagesbetreuung an. Interessierte und Fachkräfte der Kindertagesbetreuung finden auf diesen Seiten Videos, Dokumentationen, praktische Arbeitshilfen u.v.m. zu den Themen Partizipation, Kinderrechte, Vielfalt, Beschwerdemöglichkeiten für Kinder, Demokratiebildung in der Kita etc.

Strukturelle Verankerung - 8 Fragen zur Einführung eines Beschwerdeverfahrens in der Kindertagesbetreuung

Beschwerdeverfahren brauchen klare und transparente Strukturen, um als Orientierung für alle Beteiligten zu dienen.

Die Bearbeitung einer solchen eigenen Struktur ist mithilfe der "Acht Leitfragen zur Einführung eines Beschwerdeverfahrens in der Kita" von Rüdiger Hansen und Reingard Knauer vom Institut für Partizipation und Bildung möglich. Anhand dieser acht Fragen erhalten die Fachkräfte die Möglichkeit zu erörtern, wie sie die Beschwerden der Kinder wahrnehmen, aufnehmen und bearbeiten können. Sie legen Strukturen für Gremien und Abläufe fest, verabreden Verantwortlichkeiten und beschreiben damit die Grundlage für eine verbindliche Beschwerdekultur in der Kindertageseinrichtung.

Nachfolgend sind die acht Fragen aufgeführt, erläutert und mit konkreten Arbeitsaufgaben versehen. Damit möchten wir Sie in der Erarbeitung Ihres eigenen Beschwerdeverfahrens unterstützen.

Los geht's!

"Kinder haben das Recht, sich in persönlichen Angelegenheiten zu beschweren." Das ist in der UN-Kinderrechtskonvention verankert und wirkt bis in das Kinder- und Jugendhilferecht im § 45 SGB VIII hinein. Aber wie weit reicht dieses gesetzlich garantierte Beschwerderecht?

Hinter jeder Beschwerde steht immer ein Wunsch bzw. ein unerfülltes Bedürfnis oder eine Enttäuschung. Zu den menschlichen Grundbedürfnissen zählen körperliche Bedürfnisse, psychische Bedürfnisse und soziale Bedürfnisse. Die Befriedigung der Bedürfnisse ist die Grundvoraussetzung für körperliches und seelisches Wohlbefinden und damit für seelische und geistige Gesundheit und Entwicklung. Das heißt, dass die Kinder das Recht haben, alles vorzubringen, was sie stört, um Abhilfe einzufordern.

Dies umfasst nicht nur Beschwerden über die Angebote, die Ausstattung oder die Versorgung in der Kindertageseinrichtung, sondern auch über das Verhalten von Kindern, Eltern oder Fachkräften. Es erfolgt unabhängig davon, ob eine solche Beschwerde von den Erwachsenen als berechtigt empfunden wird oder nicht. Die Kinder sollen sich über alles beschweren, was ihnen Unbehagen bereitet und was sie bedrückt. Das Beschwerderecht darf inhaltlich in keiner Weise eingeschränkt sein. Hier ist ausdrücklich auch das Recht des Kindes eingeschlossen, sich über die Fachkräfte der Einrichtung zu beschweren. Kinder müssen daher vollständige, in ihrem Alter zugängliche und angemessene Informationen über ihr Recht erhalten, Meinungen fei zu äußern.

Arbeitsaufgabe

Bitte nehmen Sie sich 20 Minuten Zeit und gehen folgender Frage in Zweier- oder in Kleingruppen nach:

Was sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit Situationen, bei denen Sie sich in ihren Rechten verletzt gefühlt haben? Wie wurde damit umgegangen? Was würden Sie mit diesen Erfahrungen als besonders wichtig im Umgang mit Kritik und Beschwerden benennen?

Schreiben Sie die Ergebnisse auf Moderationskarten und stellen Sie diese nachher der ganzen Gruppe bzw. dem Team vor.

„Kinder haben 100 Sprachen“ – auch, um sich zu beschweren. Das gilt es wahr und ernst zu nehmen. Beschwerden sind nicht an ein Mindestalter und auch nicht an eine bestimmte sprachliche Form gebunden.

Gerade bei kleinen Kindern können körpersprachliche – mimische und gestische – Äußerungen oder Zeichnungen Unzufriedenheit im Sinne einer Beschwerde ausdrücken. Es ist davon auszugehen, dass Kinder ihre Beschwerde nur selten verbal differenziert ausdrücken.

Fachkräfte sind gefordert, die vielfältigen Ausdrucksformen von Kindern achtsam, feinfühlig und wertschätzend wahrzunehmen und gegebenenfalls als Beschwerde zu interpretieren. Die vielfältigen Unmutsäußerungen von Kindern werden erst zu einer Beschwerde, die bearbeitet werden kann, wenn sie als solche erkannt wird. Das ist nicht immer einfach!

Arbeitsaufgabe

Bitte nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit und gehen folgender Frage nach:

Was könnten Beispiele für oben beschriebene Beschwerden sein? Sammeln Sie Beispiele aus der Praxis. Wie haben Sie die Beschwerde wahrgenommen? Welches Bedürfnis steckt eventuell dahinter? Wie zeigen Kinder Beschwerden?

Schreiben Sie die Ergebnisse auf Moderationskarten und stellen Sie diese nachher der ganzen Gruppe bzw. dem Team vor.

Nicht alle Kinder sind es gewohnt, Beschwerden vorzubringen. Kinder müssen erst einmal lernen, sich zu beschweren. Dies geschieht in der gelebten Praxis im Alltag der Kindertageseinrichtung.

Kinder lernen sich zu beschweren, indem sie sich beschweren!

Daher sollten die pädagogischen Fachkräfte die Kinder dazu anregen und diesen Prozess unterstützen. Kinder müssen in die Lage versetzt werden, ihr Unwohlsein zu spüren, zu benennen, zu adressieren und Abhilfe einzufordern. Pädagogische Fachkräfte können solche Bildungsprozesse von Kindern herausfordern und begleiten, wenn sie eine lebendige Partizipationskultur aufbauen, in der Konflikte gern gesehen sind und es erwünscht ist, sich einzumischen und zu beschweren. Dazu bedarf es einer bestimmten Haltung, die Beschwerden der Kinder nicht „unqualifiziert“ als Verletzung oder als „Petzen“ abzutun bzw. zu behandeln. Zudem müssen die Kinder um Unterstützung bei der Lösung von Konfliktsituationen und bei Meinungsverschiedenheiten gebeten und nicht immer gleich die Lösungen präsentiert werden.

Die Möglichkeit der Beschwerde muss den Kindern im Alltag vertraut werden. Hierzu zählen auch regelmäßige „Feedback-Runden“ – wertschätzendes Feedback kann nur funktionieren, wenn es nach gemeinschaftlich vorher vereinbarten festen Regeln verläuft –, Zufriedenheitsabfragen oder „Blitzlichter“ im Rahmen des Morgenkreises und die aktive Auseinandersetzung mit den Fragen: Was gefällt mir? Was mag ich nicht? Geht es mir gut? Geht es mir schlecht?

Das Umfeld und die Vorgehensweisen sollten an die Fähigkeiten der Kinder angepasst sein. Es sollten ausreichend Zeit und Methoden zur Verfügung stehen, um sicherzustellen, dass Kinder vorbereitet sind und Vertrauen und Gelegenheit haben, ihre Meinung einzubringen. Je nach Alter und Fähigkeiten der Kinder sind unterschiedliche Unterstützungsangebote und Beteiligungsformen nötig.

Arbeitsaufgabe

Bitte nehmen Sie sich 20 Minuten Zeit und gehen folgender Frage in Kleingruppen nach:

Welche konkreten Methoden können Sie sich in Ihrer Kindergruppe vorstellen, um die Kinder anzuregen, ihre Wünsche, Emotionen, Beschwerden und Anregungen auszudrücken? Bedenken Sie auch die Möglichkeiten, wie Sie und die Kinder diese visualisieren können!

Halten Sie die Ergebnisse auf einem Flipchart fest und stellen sie nachher der ganzen Gruppe bzw. dem Team vor.

Damit Kinder sich wirkungsvoll beschweren können, müssen alle im Prozess beteiligten Akteure wissen, wo und bei wem sie das tun können. Generell sollten die Kinder ihre Beschwerde überall und allen gegenüber vorbringen können. Sie benötigen ein Angebot verschiedener Beschwerdestellen, um sich wirkungsvoll zu beschweren. Beteiligungsgremien wie Kinderkonferenzen, Kinderversammlungen oder Kinderparlamente können als Beschwerdestellen für die Themen der Kinder fungieren. Die Kindersprechstunde bei der Leitung ist für viele Kinder gut erreichbar und als interne und übergeordnete Beschwerdestelle sinnvoll und in vielen Einrichtungen erprobt.

Hilfreich sind auch Beschwerdehelfer, also andere Kinder oder Erwachsene, die die Kinder beim Vorbringen der Beschwerde unterstützen. Häufig nutzen Kinder ihre eigenen Eltern zum Weiterleiten einer Beschwerde an die Fachkraft oder die Leitung. Die Eltern sollten auf jeden Fall als Beschwerdestelle in ein Beschwerdeverfahren einbezogen werden, Beschwerden, die über die Eltern herangetragen werden, müssen ebenso eingebunden werden.

Arbeitsaufgabe

Bitte nehmen Sie sich 20 Minuten Zeit und gehen folgender Frage in Kleingruppen nach:

Welche konkreten Adressaten für die Beschwerden der Kinder können Sie sich für Ihre Einrichtung vorstellen? Wie können Sie die Kinder ermuntern, es weiterzusagen, wenn andere Kinder ihr Unbehagen mitteilen?

Schreiben Sie Ihre Ergebnisse auf Moderationskarten, stellen sie der ganzen Gruppe bzw. dem Team vor und führen diese zu einem Gesamtergebnis zusammen.

Angesichts des Rechts von Kindern, sich über alles zu beschweren, was sie bedrückt und der Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten, die sie dafür nutzen, können pädagogische Fachkräfte alltäglich mit einer große Anzahl von Beschwerden konfrontiert sein. Es scheint kaum praktikabel, alle Beschwerden in ein förmliches Verfahren laufen zu lassen. Beim Aufnehmen einer Beschwerde ist es notwendig, zunächst herauszufinden, worum es dem Kind genau geht und welches Bedürfnis hinter seinen Äußerungen steckt.

Um Beschwerden von Kindern aufzunehmen, sind vielfältige Methoden vorstellbar: Gesprächsrunden, Befragungen der Kinder, Aufstellungen und Skalierungen, Ampelabfragen, das Arbeiten mit Smileys, aber auch Beschwerdewände oder Meckerkästen.

Wenn eine Beschwerde unmittelbar bearbeitet werden kann und sie zurückgewiesen oder Abhilfe geschaffen werden kann, sollte die Beschwerde nur dokumentiert werden, wenn sie für die Zukunft bedeutsam zu sein scheint. Wenn Beschwerden von Kindern allerdings nicht unmittelbar bearbeitet werden können, sollte es selbstverständlich sein, diese Beschwerden aufzunehmen und zu dokumentieren, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Diese Dokumentationen gilt es zu so zu visualisieren und zu verwahren, dass sie allen Beteiligten verständlich und zugänglich sind.

Arbeitsaufgabe

Bitte nehmen Sie sich 20 Minuten Zeit und gehen folgender Frage in Zweiergruppen nach:

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Beschwerden von Kindern gemacht? Welche würden Sie auf jeden Fall dokumentieren, und wie können Sie sich die Dokumentation vorstellen?

Schreiben Sie Ihre Ergebnisse auf Moderationskarten, stellen sie der ganzen Gruppe bzw. dem Team vor und führen diese zu einem Gesamtergebnis zusammen.

Veronika Werner erläutert, wie sie und ihre Kolleginnen in ihrer Kita mit den unterschiedlichen Arten von Beschwerden umgehen.

Die Bearbeitung von Beschwerden kann je nach Art der Beschwerde auf vielfältige Weise geschehen. Im Alltag einer Einrichtung gibt es bei Beschwerden der Kinder die Möglichkeit, individuelle Wege mit dem einzelnen Kind oder mit der Gruppe zu suchen. Nachdem das hinter der Beschwerde steckende Bedürfnis herausgefunden, konkretisiert und formuliert wurde, wird entschieden, welcher Beschwerdeweg möglich ist.

Einmal aufgenommene Beschwerden dürfen nicht folgenlos bleiben. Jede Beschwerde muss geprüft und es muss im Einzelfall entschieden werden, ob Abhilfe geschaffen werden kann oder nicht, auf welche Weise auch immer. Bei der Bearbeitung der Beschwerde achten die Fachkräfte möglichst darauf, eine einrichtungsinterne Öffentlichkeit herzustellen, indem andere Fachkräfte oder gegebenenfalls Kinder hinzugezogen werden. Pädagogische Fachkräfte sind gefordert, Beschwerden von Kindern, insbesondere solche über pädagogische Fachkräfte, in einem geschützten „öffentlichen Rahmen“ zu behandeln, um zu verhindern, dass diese „im Geheimen“ abgehandelt werden. Dazu kann es notwendig sein, dass Fachkräfte sich in Interaktionen zwischen Kindern und anderen Fachkräften einmischen.

Wie wird Abhilfe geschaffen?

Ein häufiger Anlass für Beschwerden ist die Verletzung von Grenzen und Rechten. Hier ist es hilfreich, gemeinsam mit den Kindern Regeln und Signale wie z. B. Stoppzeichen festzulegen, um dem Gegenüber zu zeigen, dass eine persönliche Grenze erreicht ist. Die die Beschwerde führenden Kinder entscheiden mit, wer an der Bearbeitung beteiligt werden soll. Die pädagogischen Fachkräfte müssen sicherstellen, dass die Bearbeitung der Beschwerden so zeitnah wie möglich erfolgt.

Ein strukturiertes Verfahren regelt den Ablauf der Bearbeitung. Strukturierte formelle Verfahren haben den Vorteil, dass sie die Umsetzung des Beschwerdeverfahrens durch ihren klar definierten Ablauf bei Fachkräften und Kindern erleichtern und eine Bearbeitung unabhängig von einzelnen Fachkräften gewährleisten. Eine gute Möglichkeit des Austausches und der Information aller Fachkräfte besteht darin, sich regelmäßig über die aktuellen Beschwerden von Kindern auszutauschen und diese zu besprechen.

Arbeitsaufgabe

Bitte nehmen Sie sich 30 Minuten Zeit und gehen folgender Frage in Kleingruppen nach:

Welchen Weg nimmt eine Beschwerde oder Anregung eines Kindes in Ihrer Einrichtung? Welche Strukturen und Gremien sind dafür vorhanden?

Sammeln Sie Ihre Ideen und halten Sie die Ergebnisse in Form eines Flussdiagramms auf einem Flipchart fest. Stellen Sie Ihre Ergebnisse der ganzen Gruppe bzw. dem Team vor und sammeln die Gemeinsamkeiten.

Damit Beschwerdeverfahren von Kindern genutzt werden, müssen die Interaktionen zwischen Fachkräften und Kindern respektvoll gestaltet werden. Die Fachkräfte müssen zum Ausdruck bringen, dass sie die Beschwerde der Kinder und die damit verbundenen Gefühle ernst nehmen, indem sie sich den Kindern aufmerksam zuwenden, sich Zeit für sie und ihr Anliegen nehmen und keine Beschwerde unter den Tisch fallen lassen. Dazu gehört auch, den Kindern voller Aufmerksamkeit und Anteilnahme zuzuhören.

Jede Beschwerde muss zeitnah und transparent bearbeitet werden. Pädagogische Fachkräfte sind gefordert, die Kinder im gesamten Beschwerdeverfahren zu unterstützen, auch wenn es um Beschwerden gegen Fachkräfte geht. Die Meinungen der Kinder müssen mit Respekt behandelt werden, und die Kinder sollten Gelegenheit haben, eigene Ideen und Haltungen einzubringen. Kinder sollten niemals gezwungen werden, ihre Meinungen entgegen ihren Willen zu äußern, und sie sollten darüber informiert sein, dass sie ihre Beteiligung zu jedem Zeitpunkt beenden können.

Arbeitsaufgabe

Bitte nehmen Sie sich 30 Minuten Zeit und gehen Sie folgender Frage in Zweier- oder Kleingruppen nach:

Erinnern Sie sich an Situationen in Ihrer Gruppe bzw. Einrichtung, in der Kinder Beschwerden oder Anregungen vorgebracht haben: Wie sind Sie damit umgegangen? Wie haben Sie Ihre Reaktion und Ihr Verhalten in der Kommunikation und Interaktion mit dem Kind/den Kindern wahrgenommen?

Halten Sie Ihre Gedanken in kurzen Stichpunkten fest, stellen diese in der Zweier- bzw. Kleingruppe vor und holen sich bei Bedarf ein Feedback aus der Zweier- bzw. Kleingruppe.
Teilen Sie die wichtigsten Ergebnisse der ganzen Gruppe bzw. dem Team mit.

Vereinbaren Sie Regeln zum respektvollen Umgang mit den Kindern in der ganzen Gruppe bzw. im Team.

Eine beschwerdefreundliche Einrichtung ist durch transparente Abläufe sowie eine wertschätzende und fehlerfreundliche Haltung der Fachkräfte gekennzeichnet. Gegenseitige Anerkennung und Fehlerfreundlichkeit tragen zu einer offenen Atmosphäre bei, in der Probleme und Meinungsverschiedenheiten angesprochen und bearbeitet werden können. Beschwerdeverfahren für Kinder in Kindertageseinrichtungen basieren in hohem Maß auf dem Vertrauen der Fachkräfte auf einen demokratischen und gerechten Umgang mit Beschwerden, gerade im Umgang mit Beschwerden über die Fachkräfte selbst.

Es bedarf eines strukturierten, fairen Verfahrens, wie mit Beschwerden von Kindern über Fachkräfte umgegangen wird, jedoch auch einer Klärung, welche Rechte die Fachkräfte selbst in diesen Verfahren haben. Eine fehlerfreundliche Haltung, regelmäßiger Austausch im Team zum Thema Partizipation und Beschwerden sowie die Reflexion der Partizipations- und Beschwerdepraxis im Team bis hin zu Supervision sind eine große Unterstützung für die Teams. Nur so wird einzelnen Fachkräften die Sorge genommen, der Behandlung einer Beschwerde nicht gewachsen zu sein.

Für diese Auseinandersetzung braucht ein Team Zeit, um gemeinsame Spielregeln zu entwickeln. Dazu eine Atmosphäre, in der sich die Fachkräfte weitgehend frei von Ängsten äußern können, sowie eine Leitung, die auf offen gelegte Fehler nicht mit Sanktionen reagiert.

Arbeitsaufgabe

Bitte nehmen Sie sich 30 Minuten Zeit und gehen folgender Frage in Zweier- oder in Kleingruppen nach:

Gibt es Situationen, in denen Sie Unterstützung benötigen? In welchen Situationen wollten Sie oder haben Sie in eine Situation eingegriffen, die Sie zwischen Kind und Fachkraft beobachtet haben? Was wünschen Sie sich von Ihren Kolleg*innen im Team?

Halten Sie Ihre Gedanken in kurzen Stichpunkten fest, diskutieren diese in der Zweier- bzw. Kleingruppe und teilen Sie die wichtigsten Ergebnisse der ganzen Gruppe bzw. dem Team mit.

Vereinbaren Sie Regeln zum Umgang miteinander in der ganzen Gruppe bzw. im Team.

Fertig! Und nun?

Die Beantwortung und Diskussion der acht Fragen im Team der Kindertageseinrichtung machen deutlich, dass es nicht ausreichend ist „guten Willen“ zu zeigen und eine grundsätzliche Haltung zum Thema Beteiligung und Beschwerden im Konzept festzuschreiben.

Eine auf die Einrichtung bezogenen Strukturierung und Konkretisierung ist zwingend notwendig, und individuelle Möglichkeiten der Beschwerde müssen erarbeitet und ausformuliert werden.

Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse

Nutzen Sie die Ergebnisse der Diskussionen zu den einzelnen Fragestellungen und halten die Ergebnisse in Stichpunkten fest.

Führen Sie alle Stichpunkte zusammen und entwickeln Sie Ihr Beschwerdeverfahren für Ihre Einrichtung.

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