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Projekt

Partizipation und Demokratiebildung in der Kindertagesbetreuung

Verschiedene Spielzeuge wie Holzbuchstaben und Knete stehen auf dem Tisch einer Kita zur Auswahl
Gautam Arora/Unsplash
Die meisten Kinder in Deutschland besuchen vor dem Schuleintritt eine Kita oder eine Tagespflegestelle. Sie erleben zum ersten Mal eine Gemeinschaft mit Menschen außerhalb ihres vertrauten familiären Umfelds und die Möglichkeit, im Miteinander weitere wichtige Erfahrungen zu sammeln. Im Kita-Alltag erleben sie Vielfalt und erfahren Demokratie. Hier setzt die Demokratiebildung in der Kindertagesbetreuung an. Interessierte und Fachkräfte der Kindertagesbetreuung finden auf diesen Seiten Videos, Dokumentationen, praktische Arbeitshilfen u.v.m. zu den Themen Partizipation, Kinderrechte, Vielfalt, Beschwerdemöglichkeiten für Kinder, Demokratiebildung in der Kita etc.

Beteiligungs- und Beschwerderechte in Krisenzeiten

Kinderrechte sind Menschenrechte. Gerade in Krisenzeiten sind Grund- und Menschenrechte für Viele wichtiger denn je! Das merken wir auch als Erwachsene. Die Corona-Pandemie hat uns deutlich vor Augen geführt, was es bedeutet, wenn zur Gesundheitsvorsorge der Allgemeinbevölkerung Grundrechte eingeschränkt werden. Trotz spürbarer politischer Bemühungen, um die schwierige Lage zu meistern, fühlten sich viele gesellschaftlichen Gruppen nicht angemessen mit ihren Bedürfnissen berücksichtigt. So auch Kinder, Eltern und Fachkräfte. Besonders Kinder sind eine vulnerable Gruppe. Sie haben zwar die gleichen Rechte wie Erwachsene, sind aber keine kleinen Erwachsenen. Daher ist die Berücksichtigung ihrer Rechte von großer Bedeutung. Von Kontaktsperren, Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens und der damit einhergehenden häuslichen Isolation sind Kinder in besonderem Maße betroffen.

Was haben wir (bisher) aus der Corona-Pandemie gelernt?

Solange die Kitas geschlossen waren, konnten die Kinder in der Kita nicht, oder nur begrenzt partizipieren. In sehr vielen Fällen brach der Kontakt zwischen Fachkräften und Kindern während des Lockdowns ab. Einige Einrichtungen und Träger haben auf zum Teil sehr kreative Art und Weise "den Kontakt gehalten". Vielfach nutzten sie dafür die digitalen Medien, auch um nicht Gefahr zu laufen, eine Krankheit zu übertragen. Von diesen Erfahrungen lässt sich viel lernen. Auch für andere Situationen, in denen der Kontakt zwischen Kindern und "ihren" Fachkräften erschwert oder unterbrochen ist, bspw. wenn Kinder erkrankt oder für längere Zeit abwesend sind.

Mit der zunehmenden Öffnung der Notbetreuung hin zur Regelbetreuung unter Pandemiebedingungen, sollten wieder mehr Mitbestimmungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für die Kinder bestehen. Die Kitas sind jedoch weiterhin an Hygienevorschriften und Infektionsverordnungen gebunden, sowie an eventuelle Vorgaben von ihren Kita-Trägern. Alle stehen vor der Frage, wie sie den Alltag konkret innerhalb der verschiedenen Vorgaben gemeinsam mit den Kindern gestalten können. Das ist sehr belastend. Dennoch dürfen gerade in diesen Zeiten die Partizipations-und Beschwerdemöglichkeiten für die Kinder nicht auf der Strecke bleiben. Die Kinder müssen durch die Fachkräfte gut informiert werden, was gerade geschieht, welche Rahmenbedingungen und welchen Handlungsspielraum es gibt. Eine große Herausforderung besteht in der offenen Arbeit. Hygienebestimmungen sehen vor, dass zumindest für die Zeit der Notbetreuung keine Durchmischung der Gruppen stattfinden sollte, um die Ansteckungsgefahr zu verringern und im Infektionsfall nur eine Gruppe schließen zu müssen. Die einzelnen Gruppen sollen auf Abstand agieren und in jeweils zugeteilten Räumen verbleiben. Diese Situation ist für Kinder und Fachkräfte vor allem in offenen Konzepten ungewohnt, wenn nicht sogar irritierend und ausbremsend. Die über Jahre erarbeitete, von Team undLeitungbewusst gewählte pädagogische Leitlinie, offen zu arbeiten, wird von einem Tag auf den anderen für unbestimmte Zeit aufgehoben. Auch wenn offene Arbeit nur noch in ausgewählten Ansätzen stattfinden kann, ist es wichtig, dass zumindest eine offene Haltung im Team bestehen bleibt und gepflegt wird.

Beschwerdemöglichkeiten sind Kinderschutz

In Krisen-Zeiten muss wie so Vieles auch der Kinderschutz neu gedacht und täglich angepasst werden. Kinder verstehen, dass durch Krisensituationen Einschränkungen von jedem abverlangt werden. Kinder müssen einen geschützten Rahmen finden, indem sie ihre Erfahrungen rund um die Pandemie thematisieren können, ihre Sorgen und Ängste, aber auch ihre Beschwerden und Wünsche und Dinge, die sie bewegen äußern können. Kinder erleben Situationen, in denen sie sich unwohl fühlen, die sie wütend oder traurig machen, die sie als ungerecht empfinden. Es gilt daher für die Fachkräfte in Krisenzeiten besonders sensibel für die Beschwerden der Kinder zu sein, und den betroffenen Kindern Stimme und Gehör zu geben, Auseinandersetzungsprozesse zuzulassen und dann gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden. Ganz wichtig ist es, die Kinder zu informieren, warum die Situation jetzt anders ist, als die Kinder es gewohnt sind. Es ist wichtig, die Kinder ernst zu nehmen und Verständnis zu haben, wenn es ihnen schwerfällt, ein selbstverständliches Recht abzugeben oder mit einer neuen Regelung umzugehen. Die Ermunterung der Kinder zu Beschwerden in persönlichen Angelegenheiten ist unverzichtbar auf dem Weg zu mehr Kinderschutz. Von Krisen und Pandemien sind alle betroffen- Erwachsene und Kinder. Es ist und bleibt jedoch Aufgabe der Erwachsenen, sich dafür einzusetzen, dass die Grund- und Beteiligungsrechte der Kinder eingehalten werden.

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