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Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien gestartet

Der Paritätische Gesamtverband unterstützt die am 14. Februar 2021 beginnende Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien von NACOA Deutschland. Viele Paritätische Mitgliedsorganisationen beteiligen sich bundesweit mit vielfältigen Veranstaltungen und Aktionen, um auf die oft desaströse Situation der Kinder aufmerksam zu machen. Es finden bundesweit digitale Sprechstunden, Mitmachaktionen und Ausstellungen für die betroffenen Kinder und Jugendliche statt. Erzieher*innen, Lehrer*innen und Fachkräfte können sich in online Seminaren, digitalen "Snacks" und Fachveranstaltungen informieren. So berichtet Condrobs e.V. in München über die aufsuchende Familienarbeit in Suchtfamilien. Das Projekt A:aufklaren vom PARITÄTISCHEN Landesverband in Hamburg klärt auf, was der Unterschied zwischen Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen für die Kinder bedeutet.

Zum Auftakt der Aktionswoche hatten NACOA Deutschland und der Paritätische Gesamtverband am 12. Februar 2021 zu einer gemeinsamen Pressekonferenz eingeladen um deutlich zu machen: Suchterkrankungen sind noch immer ein Tabu in unserer Gesellschaft. Statt Hilfe zu suchen, verschweigen die Kinder die familiäre Suchtbelastung aus Angst, das „Familiengeheimnis“ öffentlich zu machen. Fachkräfte in Bildungseinrichtungen wie Kita und Schule ist häufig nicht geschult, die Not dieser Kinder zu erkennen und sie anzusprechen. Es fehlt auch an familienorientierten Präventionsangeboten für Kinder und ihre Eltern in der Fläche, es gibt viel zu wenig Beratungsangebote, die mit dem Thema vertraut sind. Der Bundestag hat das Leid dieser Kinder erkannt und bereits 2017 Aufklärungsmaßnahmen und Entstigmatisierungskampagnen beschlossen. Diese vom Parlament beschlossenen Maßnahmen müssen aus Sicht des Paritätischen Gesamtverbandes jetzt endlich auch bundesweit gestartet werden. Es ist höchste Zeit, dass Kinder angstfrei über die elterliche Erkrankung sprechen können und dass jedes Kind, egal wo es wohnt, Anlauf- und Beratungsstellen finden kann und wo es über seine Sorgen und Nöte sprechen kann. Hierzu liegt ein Katalog von 19 gesundheits- und sozialpolitische Empfehlungen, der 2019 von der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern“ im Auftrag des Bundestages erarbeitet wurde, vor. Das Problem ist seit vielen Jahren bekannt, die Lösungen liegen auf dem Tisch. Prof. Rolf Rosenbrock, Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes fordert mit Blick auf die Umsetzung der 19 Empfehlungen jetzt konsequentes politisches Handeln:

  • Präventions- und Hilfestrukturen müssen unter echter Beteiligung der Zivilgesellschaft aufgebaut und dabei auch bestehende Strukturen und Netzwerke genutzt werden. Ziel muss es dabei sein, die vielen jetzt schon hervorragend arbeitenden Projekte dauerhaft zu finanzieren und in die Fläche zu bringen.
  • Der vom Bundesgesundheitsministerium initiierte Dialogprozess zur Weiterentwicklung der Hilfen für psychisch erkrankte Menschen muss genutzt werden, auf für Kinder aus suchtbelasteten Familien bereichsübergreifende Versorgungsangebote zu entwickeln.
  • In den Kommunen müssen Konzepte für interdisziplinäre, familienorientierte Angebote mit passenden Netzwerkstrukturen entwickelt und aufgebaut werden, die den Bildungsbereich, die Kinder- und Jugendhilfe, Suchthilfe und die Gesundheitshilfen auch mit ihren jeweiligen Präventionsangeboten zusammenbringt.
  • Die Regierungen und zuständigen Ministerien (Gesundheit, Familie, Soziales, Bildung) der Länder müssen sich stärker dafür einsetzen, dass die Empfehlungen der Arbeitsgruppe Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern (AG KpkE), auf Landesebene und in den Kommunen unter Einbeziehung aller Stakeholder umgesetzt werden.
  • Die Umsetzung der Empfehlungen muss durch einen öffentlich berichtspflichtigen Monitoringprozess auf Bundes- und Länderebene begleitet werden.


Mit der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien vom 14. bis zum 20. Februar 2021 möchte der Paritätische Gesamtverband einen Beitrag zur Aufklärung leisten und die „vergessenen Kinder“ ans Licht der Öffentlichkeit holen. Weitere Hinweise zu den geplanten Aktionen unter: https://coa-aktionswoche.de/

PM Aktionswoche Rolf Rosenbrock.pdfPM Aktionswoche Rolf Rosenbrock.pdf








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