Fachinformationen Migration und Flucht

Publikation "Gelebte Vielfalt: Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland" des BMFSFJ

In fast jeder dritten Familie in Deutschland hat mindestens ein Elternteil einen ausländischen Pass oder wurde eingebürgert. Die neue Publikation „Gelebte Vielfalt: Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland“ nimmt diese Familien in den Blick. Sie bündelt zentrale Daten der Lebenslage von Familien mit Migrationshintergrund, zur Bildungsteilhabe, zur wirtschaftlichen Situation und beruflichen Integration der Familien sowie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aktuelle statistische Daten werden ausgewertet und von Expertinnen und Experten eingeordnet. In einem kurzen Exkurs wird auch ein Blick auf geflüchtete Familien geworfen. Jedem Kapitel sind die wichtigsten Aussagen vorangestellt und die Darstellung von Fakten und Zahlen auf einen Blick ermöglichen einen guten und schnellen Einblick in die Thematik.

Das BMFSFJ nimmt in seiner Publikation die Lebenslagen von Familien mit Migrationshintergrund in den Blick und behandelt neben dem Bildungsstand von Müttern und Vätern mit Migrationshintergrund auch Themen wie die der wirtschaftlichen Situation von Familien mit Migrationshintergrund sowie deren Teilhabe am Arbeitsmarkt und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die zentrale Datengrundlage der Publikation ist eine Sonderauswertung der Mikrozensus-Daten von 2015.

Anbei einige Auszüge zu ausgewählten Themen:

Viele Geflüchtete, die seit 2013 nach Deutschland gekommen sind, sind jung und haben schon Familie. Unter den erwachsenen Frauen sind drei Viertel Mütter.
Ein großer Teil der Geflüchteten hat eine hohe Arbeitsmotivation und diese Motivation ist über alle Herkunftsregionen hinweg sehr hoch, unter den Frauen nur etwas geringer als unter Männern: Nur eine kleine Minderheit von 16 % der Frauen gibt an, dass sie "wahrscheinlich" oder "sicher" keine Erwerbstätigkeit aufnehmen will.

Bei der Teilhabe am Arbeitsmarkt zeigt sich, dass jede zweite Mutter mit Migrationshintergrund berufstätig ist. Nichtdestotrotz sind sie deutlich seltener erwerbstätig als Mütter ohne Migrationshintergrund. Zwei Drittel der gerade nicht erwerbstätigen Mütter mit Migrationshintergrund haben allerdings den Wunsch, (wieder) arbeiten zu gehen, die meisten in Teilzeit (70 %). Bei der Umsetzung des Wunsches unterstützt das Projekt "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein", das mittlerweile auch für geflüchtete Frauen geöffnet wurde. Für weitere Infos siehe: www.starkimberuf.de

Als Hürde auf dem Weg in die Erwerbstätigkeit von Personen mit Migrationshintergrund nennen Unternehmen die noch nicht ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse. Unternehmen rekrutieren Ihre Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund am häufigsten über persönliche Kontakte. Möglichkeiten der Probearbeit bzw. Praktika haben sich bei mehr als der Hälfte der Unternehmen als erfolgreicher Einstiegsweg in das Unternehmen herausgestellt. Diese Möglichkeiten der unverbindlichen Arbeitsproben und des direkten Kontakts in Betrieben sind insbesondere für die Arbeitsmarktintegration von jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund und niedrigen Bildungsabschlüssen von Bedeutung.

Hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zeigt sich, dass Familien mit Migrationshintergrund mit 21 % Kinderbetreuungsangebote für 0 bis unter 3-jährige weiterhin seltener nutzen als Familien ohne Migrationshintergrund mit 38 %. Bei Familien mit Migrationshintergrund ist das klassische Einverdienermodell mit erwerbstätigem Vater verbreiteter (38 %) als bei Familien ohne Migrationshintergrund (24%). Im Zeitvergleich verlieren klassische Rollenmuster auch bei Einwandererfamilien immer mehr an Bedeutung. Innerhalb von Familien mit Migrationshintergrund vollzieht sich zwischen den Generationen ein beachtlicher Einstellungswandel - so geben 43 % der Eltern mit Migrationshintergrund an, dass sie deutlich andere Vorstellungen von einer idealen Rollenaufteilung in der Familien haben als ihre eigenen Eltern. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass sich die Rollenbilder von Zugewanderten mit und ohne Kinder sehr schnell an die Denkmuster der jeweiligen neuen Heimat anpassen - speziell auch hinsichtlich der Erwerbstätigkeit von Frauen.

Die Publikation ist unter folgendem Link abrufbar: www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/gelebte-vielfalt--familien-mit-migrationshintergrund-in-deutschland/116882


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