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Wie organisiere ich eine Videokonferenz?

Es tut gut, sich im Team trotz räumlicher Trennung auch mal ins Gesicht schauen zu können. Videokonferenzen sind daher sehr gefragt – und der Markt an Angeboten ist entsprechend groß. Wir stellen beispielhaft ein paar Möglichkeiten vor.

Was benötige ich für Technik?

Kommerzielle Videokonferenzanbieter erlauben diverse Möglichkeiten der Teilnahme.  Die beste besteht in einem PC oder Laptop mit (eingebauter) Webcam und einem Headset zwecks Sprachqualität. Meist gibt es ein kleines Dienstprogramm („Clienten“), das auf dem Rechner installiert werden muss; wer sich nichts installieren darf oder möchte, kann auf den Browser ausweichen, genießt aber nicht die volle Funktionsvielfalt. Alternativ gibt es meist auch Apps für Smartphones, die ebenfalls Zugang mit Bild und Ton ermöglichen. Wer kein Internet zur Verfügung hat, kann sich über spezielle Telefonnummern dazu wählen – muss dann aber auf die Videokonferenz-Vorteile ganz verzichten. Auch ein fehlendes Mikrofon am Rechner kann durch einen begleitenden Telefonanruf ersetzt werden.

Die Gratis-Alternativen arbeiten mit einer speziellen Browserfunktion („WebRTC“), die es aber nur in den aktuellsten Versionen von Chrome, Firefox, Opera, Safari oder Edge gibt.

Den browserbasierten Varianten ist gemein, dass der Browser selbst eine Sicherheitsabfrage zwischen schaltet, ob der Seite XY der Zugriff auf Webcam und Mikrofon gewährt wird. Manchmal geht diese Sicherheitsabfrage unter oder die Erlaubnis „hakt“ – in dem Fall ist es hilfreich, den Browser bzw. die Anmeldung nochmal neu zu starten.

Üblicherweise erlauben Videokonferenzen neben dem Austausch per Video auch noch einen parallelen Live-Chat (z.B. zum Hinterlegen von Links) sowie das Screen-Sharing, also das Übertragen des eigenen Bildschirms an alle Beteiligten. Auf diese Weise kann z.B. eine Präsentation angeschaut, eine Softwarebedienung erklärt oder ein Text diskutiert werden. Kommerzielle Anbieter bieten darüber hinaus noch zahlreiche Optionen z.B. zur Durchführung von professionellen Webinaren, Abstimmungstools, Whiteboard, Markierungsfunktion, Kleingruppenräume, Branding etc. etc.

Videokonferenzen belasten die Bandbreite recht stark, jede*r Teilnehmende erhält die Videostream aller anderen Teilnehmenden auf den eigenen Rechner. So kann zum einen der eigene Haus-Internetanschluss zum Nadelöhr werden; in Stoßzeiten sind zudem die Server der Anbieter überlastet. In diesem Fall empfehlen wir, möglichst viele Webcams auszuschalten und/oder auf Smartphone-Zugang zu wechseln (Smartphones senden ihr Bild mit angepasster Datenrate).

Einige Videokonferenz-Angebote zum Ausprobieren

Jitsi Meet

Jitsi Meet ist eine Open Source-Software, die verschlüsselte Videokonferenzen erlaubt. Voraussetzung ist die Anmeldung über einen Jitsi Meet Server. Auch Jitsi arbeitet browserbasiert (am besten über Chrome), bietet aber zusätzlich noch eine Android- und iOs-App an. Die Verbindungstechnik bietet durchgängig verschlüsselte Konferenzen nur zwischen zwei Personen an. Bei Gruppenkonferenzen ist nur der Weg zum und vom Server verschlüsselt, deswegen ist es sinnvoll, sich einen vertrauenswürdigen Jitsi-Server auszuwählen. Eine Öffnet externen Link in neuem FensterAnleitung zur Nutzung incl. einiger Serveradressen findet sich im verlinkten Artikel.
Nach unseren Erfahrungen eignet sich Jitsi Meet gut für kleine Gruppen von 5-6 Personen, bei >10 Personen wurde es hakelig. Zudem arbeitet das Programm weiterhin am besten mit Chrome; Firefox hat immer mal wieder Probleme.
Anmeldung direkt über Aufruf der erwählten Serveradresse.
Empfehlenswerte Adressen Öffnet externen Link in neuem Fenstersiehe Artikel oben sowie
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://jitsi.rocks/ - nichtkommerzieller, antifaschistischer Serverknoten
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://meet.philunet.de/ - Jitsi-Server in NRW, Empfehlung eines Paritätischen Kollegen.
Eine Öffnet externen Link in neuem Fensterumfangreiche Liste diverser Jitsi-Server gibt es im verlinkten Wiki.

Zoom

Zoom ist ein kommerzieller Videokonferenzanbieter mit verschiedenen Preismodellen. Es erlaubt jedoch kostenlose Videokonferenzen für max. 100 Teilnehmende und bis zu 40 Minuten (anschließender Neustart möglich). Voraussetzung ist eine Anmeldung. Zoom funktioniert am besten mit der angebotenen Client-Software, läuft aber auch im Browser (siehe Kommentar im Abschnitt Technik). Der Anbieter ist vergleichsweise günstig, eine Lizenz kann im Team geteilt werden und ermöglicht beliebig viele Videokonferenzen nacheinander; für gleichzeitige Konferenzen braucht es entsprechend viele Lizenzen (allerdings ermöglicht Zoom ab der Pro-Version sogenannte "Breakout-Rooms", also die zeitweilige Aufteilung der Hauptkonferenz in Unter-Arbeitsgruppen von bis zu sechs Personen). Stifter-helfen.de bietet Zoom mit Öffnet externen Link in neuem Fenstervergünstigten Preisen für NGOs.
Achtung: Öffnet externen Link in neuem FensterZoom steht zunehmend in Kritik aufgrund unsauberer Geschäftspraktiken (Umgehen von Sicherheitsmaßnahmen auf Apple-Geräten; heimliche Datenweitergabe an Facebook über die iOs-App; Tracking auf der Zoom-Webseite; etc.). Das Unternehmen empfiehlt sich damit nicht als vertrauenswürdiger Dienstleister.
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.zoom.us/

Talky.io

Talky ist ein kostenloses Angebot einer US-Firma, die damit Werbung für ihre Programmierkompetenzen machen möchte. Der Dienst setzt aktuelle Browser voraus und sollte nur in Gruppen verwendet werden, die überschaubar an der Zahl sind und die Funktion zuvor getestet haben. Dann handelt es sich aber um einen schnellen und schlanken Dienst für den (bevorzugt: privaten) Einsatz.
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://talky.io/

Videokonferenzen per Messenger

Zahlreiche Messengersysteme bieten ebenfalls Videoanruffunktionen für zwei Personen oder im kleinen Kreis an. Genannt seien hier Google Hangouts, Facebook Messenger, Skype oder Facetime. Über den DSGVO-konformen Messenger Wire lassen sich Videokonferenzen mit bis zu vier Personen führen. Auch Teamarbeits- und Projektmanagementsuiten enthalten teilweise Videokonferenzfunktionen, etwa Microsoft Teams.

Barrierefreie Videokonferenzen?

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe hat einen Öffnet externen Link in neuem Fensterumfangreichen Leitfaden samt Marktüberblick zu Online-Konferenz-Tools zusammengestellt, der neben Fragen der Nutzer*innenfreundlichkeit und des Datenschutzes ganz besonders auch die Barrierefreiheit der jeweiligen Angebote in den Blick nimmt. Laut BAG lässt sich derzeit keines der untersuchten Tools uneingeschränkt empfehlen. Höchst empfehlenswert ist dafür der besagte Leitfaden, der insgesamt acht Anbieter ausführlich unter die Lupe nimmt und hilft, die eigenen Anforderungen zu klären und die Auswahl einzugrenzen.


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