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Ausgabe 01 | 2026: Still Queer!
Sozialpolitik
Sven Serkis
Prof. Dr. Rolf Rosenbrock bei seiner Verabschiedung auf der Mitgliederversammung am 6. Dezember 2024.
Buchrezension

Neues Buch: "Selbstgestaltung und Soziale Arbeit"

Der ehemalige Vorsitzende Prof. Dr. Rolf Rosenbrock hat ein neues Buch veröffentlicht. Wir haben es gelesen.

„Ich glaube nicht, dass ich ein großer profilgebender Vorsitzender war oder bin“, sagte der Gesundheitswissenschaftler Rolf Rosenbrock, der von 2012 bis 2024 Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes war, bescheiden über sich selbst in einem Interview 2024 für dieses Magazin

Was stimmt ist, dass Professor Rosenbrock kein Mensch ist, der mit Lautstärke die Öffentlichkeit sucht. Verankert in der evidenzbasierten Wissenschaft war es ihm aber wichtig, als Vorsitzender dieses Verbandes seine Stimme sachlich und fundiert da einzubringen, wo er das Gefühl hatte, etwas beitragen zu können. Damit hat er vor allem gesundheitspolitisch dem Verband mehr Profil gegeben, als er im damaligen Interview zugeben wollte. Rolf Rosenbrock war und ist einer der Experten in Deutschland, die den Zusammenhang von Armut und gesundheitlicher Verfassung immer zusammengedacht und öffentlich thematisiert haben. 

Als Universitätsprofessor hat er umfassend dazu wissenschaftlich publiziert. Jetzt hat Rolf Rosenbrock im VSA-Verlag ein schlankes Buch mit dem Titel „Selbstgestaltung und Soziale Arbeit“ vorgelegt, mit dem sein Lebensthema auch jenen zugänglich wird, die kein Studium der Gesundheitswissenschaften vorzuweisen haben. Grundlage sind die Reden, die er als Vorsitzender des Paritätischen in seiner Amtszeit gehalten hat. 

Auf 150 Seiten bekommt man nun einen profunden Überblick über das Schaffen von Rolf Rosenbrock in seiner Zeit als Vorsitzender des Gesamtverbandes und davor. Der Autor geht grundsätzlichen Fragen nach den Aufgaben und Zielgruppen der Wohlfahrt und ihrer Legitimation nach. Selbstverständlich nimmt auch die Gesundheitspolitik einen breiten Raum ein. Besonders hervorzuheben ist hier der Beitrag „Primärprävention zur Bekämpfung von Ungleichheiten“, der einen spannenden Überblick über die aktivistische Gesundheitspolitik in Deutschland seit ihren Anfängen im 18. Jahrhundert bietet und herausarbeitet, wie darauf basierend das entstanden ist, was wir heute mit dem Anglizismus „Public Health“ bezeichnen. 

Im letzten Drittel von „Selbstgestaltung und Soziale Arbeit“ widmen sich die Beiträge verschiedenen Einzelfeldern wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr, der sozialen Rolle der Hochschulen, Flüchtlingspolitik, Ernährung, Gefängnisaufenthalten und einigen mehr. Das Buch schließt mit einem starken, persönlichen Beitrag zum aktuellen Rechtsruck.  

Komprimiert bekommt man also so einiges auf wenig Platz. Bei einigen Texten wäre ein noch gründlicheres Redigat wünschenswert gewesen, um aus den Redemanuskripten einen flüssigeren Text zu extrahieren und Redundanzen zu beseitigen.  

Rolf Rosenbrock beschränkt sich in seinem neuesten Buch nicht nur auf nüchterne Zustandsbeschreibungen, sondern äußert auch immer wieder seine Ansichten zum Zustand der Gesellschaft. Als roter Faden zieht sich die heiß diskutierte Frage zur Finanzierung des Sozialstaates und damit auch der Wohlfahrt durch die Beiträge. Die immer weiter zunehmende Kommerzialisierung der sozialen und gesundheitlichen Arbeit sieht der Gesundheitswissenschaftler mit großer Skepsis und erweist sich als engagierter Streiter für die Gemeinnützigkeit.

Philipp Meinert

Weitere Infos

Rolf Rosenbrock

Selbstgestaltung und Soziale Arbeit.
Erkenntnisse und Positionen zur Wohlfahrtspflege: gegen Armut und Opferschelte.

VSA-Verlag.

152 Seiten | 2026 | EUR 14.80
ISBN 978-3-96488-260-8

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