
Liebe Leser*innen
vor fünf Jahren veröffentlichte der Paritätische Gesamtverband zum ersten Mal ein Magazin, das seinen Schwerpunkt auf unsere Mitgliedsorganisationen aus dem Bereich LGBTIQ legte, also die Mitglieder, die für die Community von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Intergeschlechtlichen und queeren Menschen arbeiten. Das Magazin trug die verbreitete Bezeichnung „Queer.“ Dies ist der große Schirm als Begriff, unter dem sich diejenigen einfinden, die nicht unter die heteronormativen Vorstellungen der Gesellschaft fallen.
Queere Organisationen sind seit langem ein Teil des Paritätischen. Überregionale Mitgliedsorganisationen wie der LSVD+ oder die Aidshilfe gehören schon lange zu uns, ebenso viele Mitglieder in unseren Landesverbänden. In den 2010er-Jahren konnten wir erfreulicherweise eine Eintrittswelle queerer Vereine und Verbände verzeichnen. In der Zeit gründeten sich zahlreiche Projekte für queere Jugendliche sowie für Transpersonen, die wir bald willkommen heißen durften. Hinzu kam, dass sich immer mehr queere Arbeitsgruppen in vielen Mitgliedsorganisationen gründeten, die das Thema fortan in ihrem Verband stark machten. Das Magazin aus dem Februar 2020 machte es sich daher zur Aufgabe, mal einen Überblick über die queere Vielfalt der Mitgliedschaft zu geben, ihre Arbeit vorzustellen und diese zu würdigen.
Seitdem hat sich einiges für die LGBTIQ-Community entwickelt, nicht immer zum Besseren. Es gab weitere gesellschaftliche Fortschritte, wie etwa das Selbstbestimmungsgesetz der Ampel-Regierung. Das veraltete und entwürdigende „Transsexuellengesetz“ wurde Ende 2024 endlich abgeschafft und erleichterte Transpersonen ihr Leben immens. Aber an den kontroversen und nicht selten menschenverachtenden Debatten um dieses Gesetz, welches primär nur eine Vereinfachung bei Namensänderung und Geschlechtseintrag regelte, konnte man die wieder zunehmende Feindlichkeit gegen queere Menschen exemplarisch ablesen. Längst schlägt sich das auch in der Gewaltstatistik nieder. Erschreckend war besonders, dass Anfeindungen nicht mehr nur vom rechten Rand, sondern auch aus der vermeintlich demokratischen Mitte kamen.
Das sollte uns besorgen, denn gerade scheint hier etwas zu kippen. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Grundrechte für queere Personen werden auch in Demokratien unter autokratischer Führung wie in den USA rückabgewickelt. LGBTIQ sollen wieder unsichtbar gemacht werden zugunsten einer konstruierten „Normalität.“ Das muss uns als Verband, der für eine offene und vielfältige Gesellschaft steht und eintritt, umtreiben.
Dieser gesellschaftliche Rollback zieht sich auch durch die zweite Queer-Ausgabe unseres Mitgliedermagazins. Die meisten Artikel thematisieren die Probleme offen. Aber natürlich wollen wir auch wie immer die wichtige Arbeit unserer Mitglieder hervorheben und feiern. Und vielleicht feiern sie auch dieses Jahr mit uns wieder auf dem Christopher Street Day in ihrer Stadt.























