
Liebe Leser*innen
ich unterstelle Ihnen einfach mal, dass der Gang zu den Ämtern auch nicht zu ihren bevorzugten Freizeitaktivitäten gehört. Aber wir alle müssen hin und wieder über die Hürden der Bürokratie springen und einen Ausweis beantragen, ein Auto oder neuen Wohnsitz anmelden oder irgendwelche Dokumente anfordern. Das gehört leider in einer modernen Gesellschaft gelegentlich dazu.
Für Menschen in Sozial- und Pflegeberufen ist diese Bürokratie in noch deutlich ausgeprägterer Form Teil ihres Alltags. Zahlreiche Vorschriften binden unsere Kolleg:innen an Melde- und Dokumentationspflichten. Wer bewusst einen Beruf in der Wohlfahrt ergriffen hat, um nah am Menschen zu sein und anderen zu helfen, verbringt immer mehr Zeit am Schreibtisch. 2023 fand eine Untersuchung beispielsweise heraus, dass Pfleger:innen rund 42 Prozent ihrer Arbeitszeit für Bürokratie aufwenden müssen.
Natürlich darf man nicht verallgemeinern. Viele Vorschriften sind sinnvoll und gerechtfertigt. Die meisten unserer Angebote werden aus öffentlichen Mitteln finanziert und über die angemessene Verwendung der Gelder Rechenschaft abzulegen, ist auch in unserem Interesse.
Kritisch sehe ich aber die Zunahme an Bürokratie. Und die ist auch nachweisbar. Die European School of Managment and Technology (ESMT) Berlin erhob einen Bürokratiekostenindex und konnte aufzeigen, dass die Normseiten von Bundesgesetzen zwischen 2010 und 2024 von 31.000 auf 50.000 angestiegen sind. Einfach übersetzt lässt sich sagen, dass ein Mehr an Gesetzen auch ein Mehr an bürokratischen Auflagen ist – bei nicht zwingend mehr Personal in unseren Mitgliedsorganisationen. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter:innen dementsprechend auch immer öfter nachgeschult und auf den neuesten Stand gebracht werden müssen. Bürokratie kostet also nicht nur Zeit, sondern auch Geld.
Doch es sind nicht nur die Kolleg:innen der Wohlfahrt, die unter dem Zuwachs an Bürokratie leiden. Auch unsere Klient:innen bekommen das zu spüren. Wer Hilfe benötigt, muss bei Ämtern und Behörden immer mehr Dokumente ausfüllen und Belege vorbringen. Oft ist das für Menschen in schweren Lebenslagen kaum zu bewerkstelligen.
Darum soll es in diesem Magazin gehen. Aber natürlich möchten wir auch wie immer nicht nur kritisieren, sondern auch Alternativen aufzeigen, wie es vielleicht mit dem ein oder anderen Formular weniger gehen könnte, damit wieder mehr Zeit für die Menschen bleibt.
Herzlich, ihr





















