
Vor Gewalt geflohen, von Gewalt empfangen
Queere Menschen, die in Europa Sicherheit suchen, haben oftmals eine gewaltvolle Vergangenheit durchlebt, sowohl im Herkunftsland als auch auf der Flucht. Leider endet das Erleben von Gewalt für Asylsuchende häufig nicht mit der Ankunft in den Unterkünften in Deutschland. Auch diese sind für die meisten queeren Menschen Orte der Unsicherheit, Angst und Einsamkeit. Nicht selten kommt es zu verbalen und / oder körperlichen Übergriffen. Oft führen Unsicherheit, Angst und Scham dazu, dass viele queere geflüchtete Personen sich nicht trauen, über die erlebte Gewalt in den Aufnahmeeinrichtungen zu sprechen.
Um dieser Gewaltkontinuität etwas entgegenzusetzen und gewaltbetroffene queere Geflüchtete zu unterstützen, wurde 2025 durch den LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt das Projekt „Gewaltfrei Ankommen – die Rechte von queeren Geflüchteten in Aufnahmeeinrichtungen“ ins Leben gerufen. Das Projekt hat Informationsmaterialien auf 12 verschiedenen Sprachen entwickelt, die über die Rechte und Unterstützungsmöglichkeiten aufklären. Diese können kostenfrei bestellt werden. Ergänzend dazu ist das Projektteam ansprechbar, um den Kontakt zu entsprechenden Fachberatungsstellen und queeren Gruppenangeboten herzustellen. Sollte zum Beispiel wegen der ländlichen Lage einiger Unterkünfte kein passendes Angebot in der Nähe auffindbar sein, begibt sich das Projektteam auf die Suche nach Online-Angeboten oder unterstützt selbst aus der Ferne.
Ein weiterer Baustein des Projekts ist die Sensibilisierung und Weiterbildung des Personals in den Unterkünften. In Workshops werden Grundlagen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt vermittelt, um anschließend herauszuarbeiten, wie der Gewaltschutz für queere Menschen in den Aufnahmeeinrichtungen spezifisch mitgedacht werden kann. Das Angebot besteht sowohl online als auch in Präsenz. 2025 konnten so über 300 Personen aus allen 16 Bundesländern geschult werden. Präsenzschulungen fanden bisher in acht Landesunterkünften in vier verschiedenen Bundesländern statt.

Neben den Mitarbeitenden in Unterkünften, die im direkten Kontakt mit geflüchteten Menschen stehen, sind auch weitere Berufsgruppen an der Unterbringung beteiligt. Für Aufnahmebehörden und Unterkunftsbetreibende bietet das Projekt von Unterkunftsleitenden bis hin zum zuständigen Landesministerium fachliche Beratung zum Gewaltschutz für queere geflüchtete Personen an. Themen können dabei beispielsweise die Identifizierung des Schutzbedarfes LSBTIQ*, Schutzkonzepterstellung und -überarbeitung sowie einzelne Gewaltschutzmaßnahmen sein.
Schließlich ist dem Projekt die Vernetzung ein großes Anliegen: Sowohl für Beratungs- und Beschwerdestellen, als auch für queere Geflüchtete selbst. Dies soll auch der Vereinzelung entgegenwirken, Handlungsfähigkeit stärken und die Möglichkeit der Selbstermächtigung bieten. Bei den professionellen Strukturen soll dadurch ein Erfahrungsaustausch stattfinden, um so die Unterstützungsmöglichkeiten weiter auszubauen.
Am 17.06.2026 veranstaltet das Projekt einen Fachtag unter dem Titel „Unterbringung im Übergang – Schutz von queeren Geflüchteten in Landesunterkünften im Licht und Schatten der GEAS-Reform“ in Köln. Die Anmeldung wird in Kürze möglich sein.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.rainbow-shelter.de. Bei Fragen können Sie sich gerne an das Projektteam wenden. Dieses ist unter rainbow-shelter@lsvd.de zu erreichen.
