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Ausgabe 01 | 2026: Still Queer!
Schwerpunkt
Interview

Buchstabensalat und Lebenshilfe

Das Queer Lexikon startete als Nachschlagewerk, die über die zahlreichen queeren Begriffe aufklären wollte. Inzwischen bietet es viel mehr. Was genau, erklärt uns Aurora Herbst im Interview.

Aurora Herbst, wie sind Sie zum Queer Lexikon und welche Aufgaben haben sie dort. 

2019 habe ich über Twitter das Queer Lexikon gefunden. Kurz darauf wurde es zu einem Verein.  Zunächst habe ich mich in der Technik eingebracht. Wir haben viel IT im Hintergrund, die verwaltet werden muss. Inzwischen bin ich die zweite Vorsitzende beim Queer Lexikon. Aktuell mache ich von allem ein bisschen etwas. Ich unterstütze in den einzelnen Bereichen, wenn es nötig ist, und mache weiterhin die Technik. Mit dem restlichen Vorstand teile ich mir organisatorische Verwaltungsthemen und das Finanzielle. 

Wie entstand die Idee, ein Lexikon mit queeren Begriffen online zu stellen? 

Das Queer Lexikon in seiner Ursprungsversion ist 2012 entstanden. Damals gab es einfach keine gute, deutschsprachige und aktuelle Sammlung queerer Begriffe. Es gab einige englische Webseiten und wenige deutsche Webseiten mit einzelnen Begriffserklärungen. In der queeren Community ist es aber so, dass die Sprache sich sehr schnell ändert. Neue Begriffe kommen dazu, alte Begriffe werden nicht mehr benutzt und durch passende Begriffe ersetzt . Ein bekanntes Beispiel wäre „Transsexuell“, der heute von vielen trans Personen abgelehnt wird. Stattdessen werden eher Begriffe wie "transgeschlechtlich" oder einfach nur "trans" bevorzugt. 

Ursprünglich ist Queer Lexikon nur eine Webseite gewesen, die Begriffe sammelt. Alles weitere ist dann dazugekommen. Wir bieten einen Kummerkasten, Broschüren und noch einiges anderes, was im Laufe der Jahre dazu gekommen ist. Unser Lexikon ist natürlich immer noch da und wird aktualisiert. Aber es ist definitiv nicht mehr unsere Kernaufgabe. 

An wen richtet sich das Queer Lexikon? 

Wir sind eine große Online-Anlaufstelle rund um queere Themen und für sexuelle, romantische und geschlechtliche Vielfalt. Primär haben wir uns an Kinder und Jugendliche gerichtet. Alle unsere Inhalte sind aber für Menschen in allen Altersstufen nutzbar. Trotzdem haben wir ein paar gezieltere Angebote für Kinder und Jugendlichen, etwa eine Karte mit queeren Jugendgruppen im deutschsprachigen Raum, moderierte Chaträume für diverse Altersgruppen und unseren Kummerkasten, wo wir komplett anonym Fragen beantworten. Ein bisschen wie früher in der Bravo bei Dr. Sommer. Wir machen außerdem Broschüren, die wir kostenlos Schulen, Jugendgruppen und Arztpraxen zur Verfügung stellen. Außerdem machen wir einfach Bildungsarbeit, betreiben einen Blog und äußern uns politisch. Es ist also ziemlich viel, was wir anbieten. 

Aurora Herbst

Mit welchen Anliegen und Problemen wenden sich die Menschen an den Kummerkasten? 

Das ist sehr vielfältig. Oft sind es Jugendliche, die sich fragen, ob sie schwul oder lesbisch sind. Es sind viele Unsicherheiten über die eigene Identität, aber auch über die Gesellschaft und die aktuelle politische Situation. Manche haben Probleme mit den Eltern oder in der Schule aufgrund sexueller und geschlechtlicher Identität. Viele Fragen richten sich auch danach, ob bestimmte Sachen „normal“ oder „OK“ sind, zum Beispiel Selbstbezeichnungen. 

Es reicht ja schon bei einigen Menschen, wenn man „Queer“ verwendet. Erleben Sie auch Anfeindungen? 

Dadurch, dass wir online agieren und kein festes Büro haben, bekommen wir das nicht so direkt mit. Uns kann ja niemand die Scheiben einschlagen. Über unsere Mails bekommen wir natürlich regelmäßig Anfeindungen. Das meiste davon wird jedoch einfach gelöscht, da wir weder die Ressourcennoch die Möglichkeiten haben, da irgendwas zu verfolgen. Wir merken es immer mal wieder, wenn zum Beispiel eine rechte Zeitung irgendwas berichtet. Dann nehmen solche Anfeindungen immer mal wieder kurzzeitig zu. 

Haben die Anfeindungen in den letzten Jahren zugenommen? 

Ich glaube schon. Das mag auch daran liegen, dass wir in den letzten Jahren größer geworden sind, mehr auffallen und auf irgendwelchen Portalen mit negativer Berichterstattung landen. Das hat schon deutlich zugenommen. Der Ton hat sich deutlich verschärft. Der Hass und die Drohungen haben sich schon verstärkt. 

Was würden Sie sich denn für eine Unterstützung wünschen?  

Das ist schwierig. Online können wir nicht so viel Unterstützung bekommen. Mehr Unterstützung aus der Gesellschaft hingegen würde uns sicher mehr helfen. Derzeit passiert eher das Gegenteil. Ich glaube nicht, dass sich an den Anfeindungen was ändern wird, wenn wir politisch nichts verändern. 

Weitere Infos

Das Queer Lexikon

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