
Paritätische Queer-Positionen vorgestellt
Am 16. und 17. März 2026 fand der Kongress „Armut und Gesundheit“ in Berlin statt. Titel des Kongresses war in diesem Jahr: „Gesundheit ist politisch! Was ist uns Chancengerechtigkeit als Gesellschaft wert?“. Im Rahmen des Workshops „Sichtbar, gestärkt, versorgt – Queersensibilität als gemeinsame Aufgabe für Public Health " stellte der Paritätische Gesamtverband sein queerpolitisches Grundsatzpapier vor. Das Papier mit dem Titel „Demokratie braucht Vielfalt - Vielfalt braucht Demokratie!“ hatte der Verband 2025 verabschiedet.
Papier mit 14 Handlungsfeldern
Der Paritätische hat mit dem queerpolitischen Grundsatzpapier 2025 eine verbandliche Grundlage geschaffen, sich weiterhin und auf Grund des politischen Druckes verstärkt, für die Rechte queerer Menschen einsetzen zu können. Gesundheitspolitik ist dabei nur ein Thema von vielen. Im Grundsatzpapier werden 14 konkrete Handlungsfelder identifiziert, in denen dringender politischer Handlungsbedarf besteht. Zu den zentralen Forderungen zählen: menschenrechtskonforme Umsetzung des Selbstbestimmungsgesetzes, überfällige Modernisierung des Abstammungsrechts, Beendigung von Diskriminierung im Gesundheitssystem, Stärkung des Gewaltschutzes und konsequente Bekämpfung von Hasskriminalität, Schutz geflüchteter LSBTIQA*-Personen, Gewährleistung von Räumen sowie Partizipation und Bildung für queere Kinder und Jugendliche.
Psychosoziale Beratung als Teil von public health
Gesundheitspolitisch fordert der Paritätische in dem Papier u.a. Stigmatisierung und Pathologisierung zu beenden, eine Leistungspflicht der Krankenkassen einzuführen, Begutachtungs- und Nachweisverfahren abzuschaffen, mehr Versorgungsangebote und Fachpersonal, dies besonders auch im ländlichen Raum, sowie die Lehrpläne der Sozial- und Gesundheitsberufe anzupassen. Vor Ort wurde das Engagement des Verbandes begrüßt. Die Anwesenden diskutierten, wie queere Themen, insbesondere auch im Bereich Gesundheit, besser verankert werden können. Im Fokus stand dabei auch die psychosoziale Versorgung als Teil von public health. Deutlich wurde, wie wichtig das Engagement eines Spitzenverbandes der Wohlfahrt ist, um queere Themen auch in Regelstrukturen einzufordern und zu leben.
Strukturelle Barrieren verhindern gute Versorgung queerer Menschen
Denn, obwohl das Recht auf gesundheitliche Chancengleichheit gesetzlich verankert ist (§ 20 SGB V, PrävG), verhindern strukturelle Barrieren noch immer eine gleichberechtigte Versorgung. Dies verdeutlichte auch der Review des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage von LSBTIQ+-Personen im Rahmen der Veranstaltung. Dr. Kathleen Pöge referierte hierzu. Außerdem berichtete Carsten Vitt von der Aidshilfe Hamburg aus der Praxis.
Auf die Niedrigschwelligkeit kommt es an
Alle Beiträge (und vor allem auch die Fragen aus dem Publikum) zeigten: Niedrigschwellige Selbsthilfe-, Beratungs- und Begegnungsangebote stärken die Gesundheitskompetenz und psychosoziale Stabilität von LSBTIQ+ Personen. Sie sind aber auch durch prekäre Finanzierung existentiell bedroht. Publikum und Referierende waren sich schließlich einig: Ziel von Politik muss sein, diese Strukturen zu sichern und das in den Communities entwickelte Praxiswissen systematisch in Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung einzubinden. Der Paritätische macht sich hierfür stark.
Katrin Frank
