
Fische für alle!
Allen, wie bist du persönlich zum FISH-Projekt gekommen und was genau sind deine Aufgaben?
Ich arbeite für eine Nichtregierungsorganisation namens Namibia Nature Foundation. Wir engagieren uns für eine nachhaltige Entwicklung und arbeiten mit Gemeinden zusammen, um Artenvielfalt zu erhalten und eine sinnvolle Nutzung der natürlichen Ressourcen zum Wohle aller Namibier*innen zu gewährleisten. Die Gebiete, in denen ich tätig bin, sind die nordöstlichen Regionen Namibias. Dort sind vor allem die Flüsse Kavango und Sambesi, die für die Gemeinden von großer Bedeutung sind.
Es ist uns gelungen, mit der Hilfe von SODI Fördermittel zu erhalten, um diese Gemeinden weiterhin bei der Einrichtung sogenannter Fischreservate oder Fischschutzgebiete entlang des Kavango und des Sambesi zu unterstützen.
Am Projekt sind drei Organisationen beteiligt. Neben uns gibt es SODI und außerdem EduVentures Trust, die für das Bildungsprogramm zur Sensibilisierung im Umweltbereich zuständig sind. Dass wir drei von Anfang an gemeinsam an der Ausarbeitung des Vorschlags sowie an der Planung der Aktivitäten für das erste Quartal arbeiten konnten, hat es uns ermöglicht, ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln.
Wie würdest Du die Situation der Fischer in Namibia beschreiben? Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen?
Fisch ist eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen bzw. Lebensgrundlagen für viele Gemeinden im Nordosten Namibias. Er ist eine Lebensgrundlage. Die Namibier*innen erzielen Einnahmen aus Fischverkäufen. Einerseits als Tauschobjekte, andererseits als günstige Proteinquelle, die leicht verfügbar ist.
Dann gibt es auch noch die kulturellen Aspekte, die mit dem Fluss zusammenhängen. Die Menschen fühlen sich mit dem Fluss verbunden. Sie sind eins mit dem Fluss.
Außerdem gibt es im Fluss einige der kommerziell nachgefragten Fischarten. Das hat das Flusssystem bereits stark belastet, da der Einsatz illegaler Netze zugenommen hat. Die Fischer verwenden Monofilamentnetze, die leicht erhältlich und günstig zu beschaffen sind. Dabei handelt es sich um ein sehr dünnes, feines und durchsichtiges Netz. Allein das hat bereits zu Überfischung und zur Zerstörung der Fischlebensräume geführt. Da die Fischbestände immer weiter zurückgehen, dringen die Menschen nun in die Laichgebiete der Tiere vor. Sie roden daher die Ufervegetation.
Die Menschen fischen nun auch nachts. Dabei wenden sie auch das sogenannte „Bashing“ an – eine Methode, bei der sie mit Holz auf das Wasser schlagen, um die Fische aufzuscheuchen. Dieses Geräusch verscheucht die Fische, die sich dann in Richtung der ausgelegten Netze bewegen.
Das sind also die Herausforderungen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind und die zu einem Rückgang der Fischbestände führen, was sich letztendlich negativ auf die Gemeinden auswirkt, da diese vom Fischfang abhängig sind.

Und wie genau hilft das FISH-Projekt?
Das FISH-Projekt steht für „Freshwater Initiative for Sustainable Habitats“ – so lautet die vollständige Bezeichnung. Das ist im Grunde genommen auch schon die Bedeutung. Wir versuchen, lokale Gemeinschaften durch einen rechtsbasierten Ansatz zu stärken, der es ermöglicht, stärkere Mitsprache und Verantwortung bei Entscheidungen über ihre Ressourcen zu erlangen.
Das Projekt ist eine Möglichkeit, den Gemeinden die Eigenverantwortung für ihre Ressourcen zu übertragen, damit sie diese gemeinsam als Gruppe zum Wohle künftiger Generationen verwalten können. Wir versuchen, drei Komponenten innerhalb des Projekts umzusetzen, die auf die Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften abzielen.
Die erste besteht darin, ein Netzwerk von Fischereireservaten aufzubauen. Die zweite Komponente befasst sich mit institutioneller und politischer Unterstützung. Und die dritte Komponente zielt auf die Sensibilisierung für das Thema bei jungen Menschen in Schulen ab. Die jüngere Generation ist es, die diese Arbeit dann in die Zukunft weitertragen soll.
Die Aufgabe des Projekts besteht also darin, mit den Gemeinden in den Regionen Kavango und Sambesi zusammenzuarbeiten, um ihnen bei der Einrichtung von Fischschutzgebieten zu helfen. Dabei handelt es sich um Gewässer, die zu Erhaltungs- oder Schutzzwecken ausgewiesen werden – je nachdem, welche Regeln von ihrer Seite festgelegt werden und wie sie den Zugang zu den Fischbeständen vor Ort regeln wollen.
Der zweite Schwerpunkt zielt darauf ab, der Fischerei auf nationaler Ebene und auch innerhalb der Gemeinden mehr Gehör zu verschaffen. Deshalb arbeiten wir mit ausgewiesenen Naturschutzgebieten zusammen und versuchen, die Fischerei ebenfalls in die Diskussionen einzubeziehen, wenn Gemeinden sich auf regionaler oder auf nationaler Ebene austauschen – sei es im Rahmen nationaler Plattformen, bei Workshops, Symposien oder anderen Veranstaltungen –, damit die Menschen die Bedeutung des Fisches für diese lokalen Gemeinschaften verstehen lernen.
Gleichzeitig haben wir erkannt, dass es eine Lücke in der Politik gibt: Es gibt derzeit keine eigenständige nationale Community Fisheries Policy, die sich speziell mit der kommunalen Fischerei befasst. Es ist daher schwierig, die Stimme der Fischerei zu stärken und diesen Gemeinschaften zu helfen und eine Politik zu erwirken, die die Einrichtung und Etablierung von Fischereireservaten in ihren Gebieten fördert und unterstützt.
Die Umweltbildung begeistert uns besonders, da wir in früheren Projekten nie wirklich eine Verbindung zwischen Wissenschaft und traditionellem Wissen hergestellt haben. Hier versuchen wir nun also, die beiden Aspekte zusammenzuführen. All dies ermöglicht es uns, die Gemeinden umfassender zu erreichen und sie angemessen im Bereich der Anwendung von traditionellem und neuem Wissen, aber auch bei der Durchsetzung von Recht sowie bei der Sensibilisierung künftiger Generationen zu unterstützen.

Das Projekt hat im Dezember 2025 begonnen. Es ist noch etwas zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Aber welche ersten Erfolge kannst du bereits benennen?
Ja, das Projekt begann im Dezember. Kurz vor Weihnachten waren die Leute schon in Festtagsstimmung, daher lief es zunächst etwas schleppend. Aber ich denke, das erste Highlight war schnell die überwältigende Unterstützung, nicht nur von den Gemeinden, die ebenfalls erkannt haben, dass sie es sind, die Veränderungen bewirken können.
Die Gemeinden sind es, die den Ausschlag geben, wenn es um die Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen auf lokaler Ebene geht. Wir hatten auch die Unterstützung der Regierung, was ebenfalls wichtig ist, da sie die Verantwortung trägt und den Auftrag hat, diese Gemeinden auch nach Abschluss des Projekts weiter zu begleiten und zu unterstützen.
Wir arbeiten bereits mit zwei Gemeinden zusammen, die Interesse an der Einrichtung von Fischschutzgebieten gezeigt haben – eine im Sambesi, eine im Kavango. Wir führen sozioökonomische Erhebungen durch und helfen bei der Ausarbeitung von Satzungen, damit die Gemeinden sich selbst verwalten können. Das haben wir in kurzer Zeit geschafft.
Außerdem arbeiten wir mit Schulen zusammen, um das Wissen über Fischereimanagement an die Schüler, die Lehrer sowie an die Jugendlichen weiterzugeben.
Was müsste sich deiner Meinung nach auf politischer Ebene für die Fischer*innen ändern?
Hier sind voneinander isolierte nationale Politiken ein Problem. Namibia teilt sich den Kavango mit Angola. Den Sambesi teilt es sich mit Sambia und mit Botswana. Auch beim Kavango teilen wir uns den Fluss ebenfalls mit Botswana. Man sieht also, dass diese Flüsse von Natur aus grenzüberschreitend sind.
Die Nationen haben ihre eigenen Strategien, die festlegen, wie sie vorgehen wollen, also Gesetze und Richtlinien, die regeln, wie wir unsere Ressourcen verwalten wollen. Vor Ort kommt es dann immer wieder zu Konflikten, wenn ein Ungleichgewicht entsteht. Mein größter Traum oder meine größte Hoffnung ist, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, die Richtlinien zu harmonisieren – möglicherweise in der gesamten Kaza-Region, der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area, aber auch in ganz Afrika –, damit wir uns integrieren und einheitlich arbeiten können, um den Gemeinden die Unterstützung zu bieten, die sie benötigen.
Denn uns Menschen trennen lediglich die physischen Grenzen. Fische und Wildtiere jedoch kennen keine Grenzen – sie überschreiten sie. Und als solche sollten wir bedenken, dass wir trotz der bestehenden physischen Grenzen immer noch in der Lage sind, entweder Vorgehensweisen zu harmonisieren und hoffentlich auch Richtlinien zum Wohle der Nationen zu harmonisieren. Aber auch den kommenden Generationen müssen wir etwas hinterlassen, von dem sie sagen können: Ja, die Generation vor uns hat tatsächlich etwas Gutes für uns getan.
Das Interview führte Philipp Meinert