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Ausgabe 03 | 2026: Armut bekämpfen!
Schwerpunkt

Raus aus der Einsamkeit

Armut bedeutet mehr als materieller Verzicht, weiß Sirkka Jendis, Geschäftsführerin von Tafel Deutschland. Deshalb bieten viele Tafeln neben der Lebensmittelausgabe auch Projekte an, die armutsbetroffene Menschen stärken und ihnen soziale Teilhabe ermöglichen.
Navina Neuschl / navinafotografiert
Sirkka Jendis

Wenn andere Familien in den Sommerferien an die Ostsee fahren, bleiben Sandra und ihre beiden Kinder zuhause. Wenn ihre Klassenkameradinnen am Wochenende ins Kino gehen, bleibt Elif zuhause. Wenn sich die Senior*innen aus seiner Nachbarschaft zum Kaffeekränzchen treffen, bleibt Karl-Heinz zuhause.

Wer wenig Geld hat, muss oft an Grundlegendem wie gesunden Lebensmitteln oder der Heizung im Winter sparen. Doch Armut bedeutet mehr als materiellen Verzicht: Betroffene leben isoliert, haben kaum Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, und fühlen sich deshalb häufiger einsam. Davon berichten auch Tafel-Kund*innen bei ihren Besuchen. Immer wieder erzählen uns Menschen, dass sie bewusst zeitiger zur Ausgabe kommen, weil sie dort Menschen mit ähnlichen Erfahrungen treffen und sich mit ihnen ungezwungen unterhalten können. Ohne ihre Lebensumstände erklären zu müssen.

Viele Tafeln bieten deshalb neben der Lebensmittelausgabe Projekte und Freizeitangebote für armutsbetroffene Menschen an. Als Dachverband von über 980 Tafeln unterstützt Tafel Deutschland viele dieser Vorhaben finanziell und berät Tafeln zu möglichen Zusatzangeboten.

Über unsere Projekte „Tafel stärkt Kinder“ und „Tafel-Bildungschancen“ fördern wir Angebote für Kinder und Jugendliche. Schließlich sind erschreckende 29 Prozent der 1,5 Millionen Tafel-Kund*innen minderjährig. Bei Kindern macht sich Armut zudem in geringeren Chancen auf eine höhere Bildung bemerkbar. Auch die aktuelle PISA-Studie hat gezeigt, dass Familienarmut den Bildungserfolg zunehmend negativ beeinflusst.

Philip Wilson
Eine Aktion des Projekts "Tafel stärkt Kinder."

Ehrenamtliche Angebote wie die der Tafeln ersetzen keine politischen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung; sie unterstützen armutsbetroffene Kinder und Jugendliche so gut wie möglich. Mit Kreativ-Workshops, Ausflügen oder Musikunterricht tragen Tafeln dazu bei, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben und vom Alltag abschalten können. 

Wir sehen deutlich, wie positiv sich solche Angebote auswirken: Amir freut sich jede Woche auf den Kinderkochkurs, den seine Tafel anbietet. Leon kommt in der Schule besser mit, seit ihm Tafel-Aktive im Kindertreff ehrenamtlich bei den Hausaufgaben helfen. Sophie hat bei der Einschulungsfeier ihrer Tafel mit gleichaltrigen Kindern ihren Schulbeginn gefeiert und konnte sogar einen gespendeten Schulranzen und eine gefüllte Schultüte mit nach Hause nehmen. 

Erwachsene mit Armutserfahrung laden die Tafeln ebenfalls zu vielseitigen Projekten ein. Das Angebot reicht von Kursen zur Ernährungsbildung über Spielenachmittage bis hin zu interkulturellen Familienfesten. Viele Angebote bringen Tafel-Kund*innen und Tafel-Helfer*innen jenseits der Ausgabe zusammen, etwa im Rahmen des Projektes „Tafel stärkt interkulturelle Begegnungen“. Ältere Menschen treffen sich zudem in Projekten, gefördert von „Tafel stärkt Senior*innen“, um etwa mit leichter Gymnastik oder Handarbeiten Zeit zusammen zu verbringen. 

Zusätzlich zu Lebensmitteln finden armutsbetroffene Menschen in den Tafeln Gemeinschaft, Wertschätzung und Ablenkung vom Alltag. Tafeln sind Orte der Begegnung und des Miteinanders. Gemeinsame Erlebnisse verbinden, überwinden Einsamkeit und schaffen Raum, sich persönlich zu entfalten. So können wir armutsbetroffenen Menschen zeigen, dass sie eine Stimme haben und ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind.

Sirkka Jendis

Oliver Vaccaro
Spaß beim Projekt "Tafel stärkt Senior*innen."
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