
Stärkung der Resilienz ambulanter Pflegedienste durch Risikoanalysen
Der Arbeiter-Samariter-Bund in Nordrhein-Westfalen empfiehlt ambulanten Pflegediensten die Durchführung von Risikoanalysen zur Entwicklung einer umsetzbaren Vorgehensweise im Schadensfall und zur Stärkung der Resilienz gegenüber möglichen Gefahren im Betriebsablauf.
Beschreibung der Maßnahme
Eine Risikoanalyse für Einrichtungen und Dienste in der ambulanten Pflege kann als Grundlage für angepasste Maßnahmenplanungen für den Auftritt eines Schadensfalls in allen erdenklichen Gefahrszenarien dienen.
In der Risikoanalyse wird auf Einrichtungsebene zunächst das Schutzziel und Schutzgut festgehalten und beschrieben. Im Fall des ASB in NRW: „Die Gesundheit und das Leben der Kund*innen und der Mitarbeiter*innen des ASB in NRW sollen geschützt werden.“
Die kritischen Komponenten für die Leistungserbringung in der Einrichtung werden im nächsten Schritt anhand der Leitfrage „Welche Komponenten haben bei einem Ausfall Einfluss auf meinen Dienstbetrieb?“ definiert und beschrieben. Wie kritisch die betrieblichen Komponenten sind, hängt von der Auswirkung auf das Schutzziel im Falle eines Ausfalls ab. So sind beispielsweise ein möglicher Personalausfall oder der Ausfall der Patientenmedikation in Abhängigkeit zum Faktor Zeit unterschiedlich kritisch zu bewerten.
Die Gefahren für jede betriebliche Komponente der Einrichtung werden in der anschließenden Verwundbarkeitsanalyse anhand der verschiedenen denkbaren Schadensereignisse identifiziert, woraus sich ein worst-case-Szenario als Betrachtungsrahmen entwickeln lässt. Unter Berücksichtigung von Schnittmengen der betrieblichen Komponenten und von Kaskadeneffekten im Schadensfall werden dann die notwendigen Maßnahmen beschrieben, um der Gefahr zu begegnen und das definierte Schutzziel zu erreichen.
Ergebnisse und Wirkung
Durch die strukturierte Herangehensweise und dem All-Gefahren-Ansatz kann die betriebliche Risikoanalyse dazu beitragen, mit wenig Aufwand und Kosten Gefährdungspotenziale eines Betriebs skalierbar zu analysieren. Sie legt den Grundstein dafür, welche Vorgehensweise bei Eintritt eines Schadensereignisses notwendig ist, um ein definiertes Schutzziel innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu erreichen. Zum Beispiel könnte das Schutzziel eines ambulanten Pflegedienstes so formuliert worden sein, dass beim Schadensereignis Überflutung die Versorgung und Sicherheit aller Kund*innen innerhalb von 8 Stunden sichergestellt sein soll. Die dafür nötigen Maßnahmen können mithilfe der Risikoanalyse und einer worst-case-Betrachtung vorab festgelegt werden und somit einen schnelleren und besseren Ablauf der Gefahrenabwehr im Schadensfall sicherstellen.
Herausforderungen und Lösungen
Für eine Risikoanalyse auf Einrichtungsebene müssen zeitliche und personelle Ressourcen verschiedener betrieblicher Abteilungen eingeplant werden. Eine moderierte Risikoanalyse benötigt außerdem Honorarmittel für die Moderation.
Die Detailtiefe einer Risikoanalyse kann auf die verfügbaren personellen und finanziellen Mittel einer Einrichtung angepasst werden. Je mehr Ressourcen in die Erstellung investiert werden, desto präziser fällt das Ergebnis aus. Wichtig ist jedoch, dass sich Einrichtungen mit der Thematik beschäftigen. Gesetzliche Pflichten und Rahmenbedingungen müssen in jedem Fall beachtet werden.
Es muss davon ausgegangen werden, dass bei einem großen Schadensereignis eine Vielzahl an Hilfeersuchen an die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) gerichtet werden. Dementsprechend müssen Einsatzschwerpunkte priorisiert werden. Umso wichtiger ist daher, die eigene Selbsthilfefähigkeit zu stärken, um die Zeit bis zum Eintreffen von Hilfskräften überbrücken zu können. Hinzu kommt, dass der Katastrophenschutz in Nordrhein-Westfalen nur sehr rudimentär auf die Versorgung von vulnerablen Bevölkerungsgruppen vorbereitet ist. Hier zeigt sich, dass (ambulante) Pflege und Gefahrenabwehr aufeinander angewiesen sind.
Finanzierung
Fördermittel und Eigenmittel
Beteiligte Akteur*innen
Die Beteiligung von Akteur*innen des Bevölkerungsschutzes, wie den Katastrophenschutzeinheiten des ASB, ist ein wichtiger Bestandteil für eine gute Vorplanung. Durch eine Zusammenarbeit können weitere Ressourcen eingebracht und Prozesse aufeinander abgestimmt werden.
Kontakt
Arbeiter-Samariter-Bund NRW e.V.
https://www.asb-nrw.de/, E-Mail