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„Keine Blindheit gegenüber dem Geschlecht“ – Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung empfiehlt, Frauen mit Fluchtgeschichte besonders zu fördern

In einem aktuellen Forschungsbericht fasst das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einschlägige Erkenntnisse zur Integration von Frauen mit Fluchtgeschichte zusammen und formuliert praxisorientierte Handlungsempfehlungen. Hauptbotschaft ist: Es gibt Geschlechterunterschiede bei der Integration und darauf muss Integrationsförderung reagieren.

Der IAB-Forschungsbericht 8/2021 „Integrationshemmnisse geflüchteter Frauen und mögliche Handlungsansätze – eine Übersicht bisheriger Erkenntnisse" (von Laura Goßner und Yuliya Kosyakova) macht darauf aufmerksam, dass sich bei der Integration von Menschen in Fluchtgeschichte deutliche Geschlechterunterschiede zeigen. Die Integration der jüngst nach Deutschland gekommenen Menschen mit Fluchthintergrund ist größtenteils erfolgreich verlaufen; das zeigt sich etwa bei der Beschäftigungsbeteiligung und erworbenen Deutschkenntnissen. Im Vergleich zwischen Männern und Frauen schneiden letztere aber deutlich schlechter ab. Fünf Jahre nach dem Zuzug sind nur halb so viele Frauen mit Fluchtgeschichte in Beschäftigung wie Männer. Ihr Anteil an Sprach- und Bildungsmaßnahmen liegt ebenso deutlich unter dem der Männer wie der Anteil derjenigen, die gute oder sehr gute Deutschkenntnisse aufweisen.

Das Institut macht zugleich deutlich: Etwa ein Drittel der in Deutschland registrierten Schutzsuchenden sind Frauen. Eine gesamtgesellschaftliche Integration der Geflüchteten in Deutschland kann deshalb nur funktionieren, wenn diese Gruppe nicht vernachlässigt wird, zumal ihre nicht nur für sie selbst, sondern auch für die nachfolgende Generation positive Auswirkungen hat.

Handlungsansätze zur Förderung der Integration von Geflüchteten, welche entsprechende Besonderheiten vernachlässigen und nicht nach Geschlecht differenziert sind, würden deshalb den speziellen Integrationsbedürfnissen geflüchteter Frauen nicht gerecht. Das IAB macht zwei Schlüsselbereiche für eine geschlechtersensible, zielgenauere Förderung aus.
Zum einen geht es um die Verbesserung der Kinderbetreuung. Die Forscher empfehlen den Kapazitätsausbau von Betreuungsangeboten in Kommunen verbunden mit der Empfehlung, weiter zu untersuchen, inwiefern die Angebotsknappheit für geflüchtete Familien durch eine Diskriminierung in der Platzvergabe verschärft wird. Beratungs- und Informationsangebote sollten verstärkt werden, um fehlenden Informationen und gegebenenfalls mangelndem Vertrauen in Kinderbetreuung entgegenzuwirken. Lernangebote in Online-Form hätten das Potenzial, die Vereinbarkeit von Spracherwerb, Kompetenzaufbau für den Arbeitsmarkt und Kinderbetreuungspflichten zu vereinbaren. Allerdings sei zu hinterfragen, ob Frauen auf diesem Wege beim Aufbau sozialer Kontakte unterstützt würden.
Denn gerade beim Aufbau sozialer Kontakte seien Frauen mit Fluchtgeschichte gegenüber Männern benachteiligt. Zugleich legten aktuelle Erkenntnisse nahe, dass ein relevanter Anteil des Geschlechterunterschieds bei der Erwerbstätigkeit durch unterschiedlich große oder ausgeprägte soziale Netzwerke erklärt werden kann. Fehlende Netzwerkkontakte und schlechtere Beteiligung am Arbeitsmarkt verstärken sich wechselseitig.

Um das soziale Netzwerk der geflüchteten Frauen zu stärken, empfehlen die Autorinnen des Forschungsberichts geschlechtergetrennte Sprachkurse, Mentor/-innen-Programme sowie über soziale Medien bereitgestellte Plattformen.

Link zur Publikation:

www.iab.de/185/section.aspx/Publikation/K210817LDZ

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