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Kita-Bericht 2026 – Weniger Kinder heißt nicht weniger Kita-Krise

Der neue Kita-Bericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbandes zeigt: Sinkende Kinderzahlen lösen die strukturellen Probleme der Kindertagesbetreuung nicht, sie verschärfen sie regional sogar. Besonders Kinder in sozial belasteten Familien geraten zunehmend ins Hintertreffen.

Mit 3.267 erfassten Einrichtungen ist der Kita-Bericht 2026 die bislang größte Datenbasis des Paritätischen Gesamtverbandes zur Situation in deutschen Kindertageseinrichtungen. Sein zentrales Ergebnis widerspricht einer Erzählung, die sich derzeit in vielen Debatten festsetzt. Weil Kinderzahlen sinken und bundesweit mehr als 550.000 Kitaplätze ungenutzt bleiben, gilt der Fachkräftemangel manchen bereits als Problem von gestern. Der Bericht zeigt, dass diese Hoffnung trügt. Personalmangel ist vielerorts zum Dauerzustand geworden: Bundesweit fehlen rechnerisch rund 107.000 pädagogische Mitarbeitende, während zwei Drittel der Einrichtungen den vorhandenen Personalschlüssel für unzureichend halten.

Der Rückgang der Kinderzahlen in den ostdeutschen Bundesländern hat bereits massive Auswirkungen auf die Kita-Teams: In Sachsen schrumpfen 50,6 Prozent der Teams, weil mehr Fachkräfte gehen, als neue hinzukommen. Ähnlich angespannt ist die Lage in Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Gleichzeitig steigt der Anteil der Fachkräfte die angeben, dass den Bedürfnissen der Kinder mit dem vorgegebenen Personalschlüssel nicht entsprochen werden kann und liegt mit 65,3 Prozent auf einem neuen Rekordwert. 

„Wer glaubt, weniger Kinder bedeute automatisch weniger Druck auf die Kitas, irrt“, erklärte Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Wo eine Kita schließt, verschwindet eine Infrastruktur, die übermorgen wieder gebraucht werden könnte. Für Familien bedeutet das oft längere Wege und weniger Zeit füreinander.“

Der Personalmangel und -ausfall wirkt sich spürbar auf den Alltag von Familien aus: 51,5 % der Kitas mussten in den vier Wochen vor der Befragung die Betreuung zeitweise einschränken. In mehr als jeder vierten Kita (28,2 %) waren Betreuungseinschränkungen wegen Personalmangels innerhalb von nur vier Wochen sogar mehrfach erforderlich. 

Diese höhere Belastung schlägt unmittelbar auf das Personal durch. Die psychische Belastung von Fachkräften hat ein alarmierendes Niveau erreicht: Fast 90 Prozent der Einrichtungen berichten von einer starken psychischen Beanspruchung des Personals, und in 43,5 Prozent der Kitas hat innerhalb eines Jahres mindestens eine Fachkraft die Einrichtung aus psychischen Gründen verlassen.

Und ausgerechnet die Kinder, die von guter frühkindlicher Bildung am stärksten profitieren würden, treffen vielerorts auf die größten Personalengpässe und die höchsten Belastungen im System. So zeigt der Kita-Bericht 2026, dass Einrichtungen mit vielen Kindern aus sozial benachteiligten Familien besonders häufig berichten, dass der vorhandene Personalschlüssel nicht ausreicht, um den Sprachförderbedarf zu decken. Gleichzeitig gibt es dort häufiger Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache und erhöhtem Sprachförderbedarf. 

Der Paritätische Gesamtverband fordert deshalb einen Sozialindex in der Kita-Finanzierung. Ressourcen sollen sich künftig nicht allein an der Zahl der betreuten Kinder bemessen, sondern gezielt nach Belastungslagen wie Armut, Migration und Inklusionsbedarf verteilt werden. „Jetzt ist nicht die Zeit für Personalabbau. Sondern es ist Zeit, Bildungsgerechtigkeit endlich umzusetzen“; so Joachim Rock.