
Kita-Bericht 2026
Mit 3.267 erfassten Einrichtungen basiert der Kita-Bericht 2026 auf der bislang größten Datenlage des Paritätischen Gesamtverbandes zur Situation in Kindertageseinrichtungen. Die Ergebnisse zeigen ein System, das vom hohen Engagement der Fachkräfte getragen wird, gleichzeitig aber zunehmend unter strukturellem Druck steht. Über nahezu alle Themenfelder hinweg wird deutlich, dass die Anforderungen an Kitas schneller wachsen als die verfügbaren personellen, finanziellen und organisatorischen Ressourcen.
Besondere Bedarfe von Einrichtungen
Die sozialen Ausgangsbedingungen der Einrichtungen unterscheiden sich erheblich. Migration, Mehrsprachigkeit und Armut gehören in vielen Kitas zum Alltag. 79,8 Prozent der Einrichtungen betreuen Kinder geflüchteter Eltern und nur 7,2 Prozent ausschließlich Kinder, die in der Familie vorrangig Deutsch sprechen. Gleichzeitig betreut knapp jede fünfte Einrichtung einen hohen Anteil von Kindern aus Familien mit Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT).
Besonders auffällig ist die Konzentration hoher Unterstützungsbedarfe in sozial belasteten Sozialräumen. Dort liegt der Anteil von Kindern mit Eingliederungshilfe nahezu fünfmal höher als in wenig belasteten Sozialräumen. Gleichzeitig steigt die Zahl von Kindern mit therapeutischem Förderbedarf und ungedeckten Unterstützungsbedarfen deutlich an. Zusätzlich berichten 15,7 Prozent der Leitungen in offenen Antworten ausdrücklich von herausforderndem Verhalten, Verhaltensauffälligkeiten oder Aggressionen bei Kindern. Viele Einrichtungen sehen sich zunehmend mit Bedarfen konfrontiert, die sie mit den vorhandenen Ressourcen nicht ausreichend bewältigen können.
Bedarfsgerechte Teilhabe
Deutschland verfügt über so viele freie Betreuungsplätze wie nie zuvor: bundesweit bleiben über 550.000 Plätze ungenutzt. Dabei zeigen sich große regionale Unterschiede: In Ostdeutschland bleiben Plätze vor allem wegen sinkender Kinderzahlen frei. In vielen westdeutschen Regionen verhindert dagegen der Fachkräftemangel die Nutzung vorhandener Kapazitäten.
Gleichzeitig berichten 51,5 Prozent der Einrichtungen, dass Familien in den vier Wochen vor der Befragung mindestens einmal gebeten wurden, Kinder wegen Personalmangels nicht zu bringen oder früher abzuholen. In sozial belasteten Quartieren und Großstädten treten diese Einschränkungen besonders häufig auf.
Fachkraft-Kind-Schlüssel
Die Personalsituation bleibt angespannt. Hochgerechnet waren rund 49.000 Stellen aufgrund fehlender Fachkräfte unbesetzt. Weitere 58.000 Stellen fielen durch längere Abwesenheiten aus. Insgesamt waren rechnerisch etwa 107.000 Personalstellen zum Umfragezeitpunkt unbesetzt. Gleichzeitig halten 65,3 Prozent der Befragten den bestehenden Personalschlüssel für nicht ausreichend, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden.
Besonders problematisch ist, dass 63,6 Prozent der Teilnehmenden einen Mangel an inklusionsspezifisch qualifiziertem Personal sehen, nur 30,5 Prozent der Einrichtungen über Funktionsstellen für Spezialisierungen wie Inklusion oder Sprachbildung verfügen und 62,1 Prozent von regelmäßigen Überstunden berichten.
Fachkräftegewinnung und -sicherung
Im Durchschnitt verlassen innerhalb eines Jahres 2,4 Fachkräfte eine Einrichtung, während lediglich 2,2 neue Mitarbeitende eingestellt werden können. Mehr als ein Drittel der Einrichtungen verliert insgesamt Personal.
Auch die Bewerbungslage bleibt angespannt. 15 Prozent der Einrichtungen erhalten keine geeignete Bewerbung auf ausgeschriebene Stellen. Die Mehrheit erhält durchschnittlich nur ein bis zwei geeignete Bewerbungen auf eine ausgeschriebene Stelle.
Positiv bewertet wird die praxisintegrierte Ausbildung (PiA): 55,7 Prozent der Einrichtungen würden gern zusätzliche PiA-Auszubildende beschäftigen. Zudem gibt es einen großen Bedarf an personeller Unterstützung für verschiedene nicht-pädagogische Tätigkeiten, insbesondere in der Verwaltung.
Stärkung der Leitung
Leitungskräfte übernehmen heute eine Vielzahl von Aufgaben, verfügen aber häufig nicht über die notwendigen Rahmenbedingungen: 77,6 Prozent springen regelmäßig im Gruppendienst ein, und 88,8 Prozent geben an, dass Verwaltungsaufgaben überwiegend von der Leitung erledigt werden. Demzufolge ist es nicht überraschend, dass 85,3 Prozent angeben, dass keine ausreichende Zeit für konzeptionelle Weiterentwicklung bleibt.
Gesundheit und kindliche Entwicklung
Im Schwerpunktkapitel Gesundheit zeigen sich erhebliche Belastungen. Ein großer Handlungsbedarf betrifft die Infrastruktur: 61,5 Prozent sehen einen Bedarf beim Hitzeschutz, 57,2 Prozent bei Sanierung und Instandhaltung und 50,8 Prozent beim Lärmschutz.
Zugleich berichten 89,5 Prozent der Einrichtungen von einer starken psychischen Belastung der Fachkräfte. In 43,5 Prozent der Kitas hat innerhalb eines Jahres mindestens eine Fachkraft die Einrichtung aufgrund psychischer Belastung verlassen. Mehr als die Hälfte der Einrichtungen (52,5 Prozent) gibt an, dass die Beziehung zwischen Kindern und pädagogischen Bezugspersonen unter der Personalsituation leidet.
Sprachliche Bildung
Sprachförderung ist ein zentrales Handlungsfeld, kann jedoch häufig nicht im notwendigen Umfang umgesetzt werden. Rund ein Viertel der Einrichtungen betreut einen hohen Anteil von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf beim Spracherwerb. 65,4 Prozent geben an, den sprachlichen Förderbedarf nicht ausreichend decken zu können. Zwar verfügen über 80 Prozent über geeignete Beobachtungs- und Förderinstrumente, es fehlt jedoch an Zeit und Personal. Als wirksamste Maßnahmen werden alltagsintegrierte Sprachförderung und Fortbildungen bewertet.
Gestaltung des Übergangs in die Schule
Der Übergang in die Schule wird zunehmend komplexer. Nur 9,1 Prozent der Kitas arbeiten mit lediglich einer aufnehmenden Grundschule zusammen. Die Mehrheit muss Übergänge in mehrere Schulen koordinieren.
Nur 35,5 Prozent der Einrichtungen bewerten die Verständigung mit den Grundschulen als ausreichend. Dabei gilt: Je mehr Schulen beteiligt sind, desto schwieriger wird die Kooperation.
Aus Sicht der Leitungen sind Selbstvertrauen (91,5 Prozent), Sprachentwicklung (87,1 Prozent) und Konzentrationsfähigkeit (72,6 Prozent) die wichtigsten Grundlagen für einen erfolgreichen Schulstart.
Zusammenarbeit mit Eltern und Digitalisierung
Die Zusammenarbeit mit Eltern gelingt überwiegend gut. 95,6 Prozent berichten von einem regelmäßigen Austausch mit Eltern. Gleichzeitig nehmen Unterschiede in Erziehungsvorstellungen zu: 56,9 Prozent berichten von häufigen Differenzen zwischen Eltern und Fachkräften. Besonders problematisch ist die Situation bei Sprachbarrieren. Professionelles Dolmetschen bei Elternabenden findet nur in 8,8 Prozent der Einrichtungen statt. In vielen Fällen werden Angehörige, andere Eltern oder sogar Kinder als Übersetzende eingesetzt.
Die Digitalisierung stagniert. Digitale Medien werden in Kitas nur selten regelmäßig in der Interaktion mit Kindern eingesetzt, und über den Zeitraum von 2021 bis 2025 ist keine relevante Entwicklung erkennbar. Auch die Einschätzung, ob Kinder in der Kita den selbstständigen Umgang mit digitalen Medien lernen, bleibt über den Zeitraum von 2021 bis 2025 sehr verhalten. Nur 19,6 Prozent der Einrichtungen vermitteln Kindern einen selbstständigen Umgang mit digitalen Medien.