Zum Hauptinhalt springen
Rückblick

5 Jahre Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal und der Region

Zeit sich zu erinnern – 5 Jahre Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal und der Region

Sich zu erinnern bedeutet, sich zu entsinnen, sich zu besinnen oder sich etwas oder Jemanden ins Gedächtnis zu rufen. Egal auf welche Art und Weise wir uns erinnern, es gibt Ereignisse, die sich tief ins kollektive Gedächtnis gegraben haben. Eines dieser Ereignisse ist mit Sicherheit die Flutkatastrophe vom Juli 2021 im Ahrtal und der Region. 

Es sind die Geschehnisse rund um den 15. Juli 2021, an die wir uns erinnern. Es sind die Tage, an denen ein extremer Starkregen allein im Ahrtal 134 Menschen das Leben kostete, viele ihre Existenz verloren. Tausende Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Orte, Straßen und Plätze verwüstet. Menschen verletzt an Körper und Seele. Insgesamt sind es mehr als 180 Menschen, die durch die Flutkatastrophe 2021 ihr Leben verloren haben.  

Wir erinnern uns auch an eine beispiellose Spendenbereitschaft der Bevölkerung, die Mitgefühl und Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck brachte. Es war eine Zeit, in der Menschen über sich hinausgewachsen sind, wo sie halfen und unterstützten im Großen wie im Kleinen. Wo sich, neben der Arbeit lang etablierter Hilfsorganisationen - auch spontan neue Vereine und Organisationen gründeten, um die notwendige Hilfe, systematisch und einfach zugänglich zu organisieren.

Um die Arbeit der Helfer*innen und Organisationen vor Ort unterstützen zu können, hatte die „Aktion Deutschland Hilft – Bündnis deutscher Hilfsorganisationen e. V.“ (ADH) noch im Juli 2021 eine Spendenaktion auf den Weg gebracht. Mit dem Bündnis, dem 22 deutsche Hilfsorganisationen angeschlossen sind, konnte schnell und umfassend Hilfe initiiert und umgesetzt werden. 

 

Das Bündnis wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, bei Katastrophen und Notsituationen im Ausland gemeinsam humanitäre Hilfe zu leisten. In Ausnahmefällen, wie z. B. im Rahmen der Hochwasserkatastrophe 2021, wird das Bündnis auch im Inland tätig. 

Zu diesem starken Bündnis gehört auch der Paritätische Gesamtverband. Er vertritt im Rahmen der Bündnisarbeit 10 seiner Mitgliedsorganisationen. Fünf der Organisationen sind dabei in der Hochwasserkatastrophe aktiv geworden: arche noVa, Bundesverband Rettungshunde, LandsAid, die Freunde der Erziehungskunst, und das Kinderhilfswerk Global Care. 

Über die eingegangenen Spenden beim Hochwasser 2021 wurden darüber hinaus über den Paritätischen eine ganze Reihe gemeinnütziger Träger und Organisationen unterstützt. Sie konnten über die Spenden Notfall- und Investitionshilfen erhalten sowie verschiedene psychosoziale Hilfen und Maßnahmen anbieten und Projekte umsetzen. Gemeinsam mit seinen dem Bündnis angehörigen Organisationen, den in den betroffenen Gebieten ansässigen Landesverbänden Nordrhein-Westfahlen, Rheinland-Pfalz und Bayern und den vielen Trägern, Initiativen und Vereine konnten knapp 100 Vorhaben gefördert werden. Über diese Vorhaben konnte viel erreicht werden. Die Einsatzfelder der Träger, Initiativen und Vereine waren vielfältig. Während sich einige auf die Beratung der Betroffenen bei der Antragstellung von individueller Hilfe konzentrierten und dabei oft direkt von Tür zu Tür gingen, um die Bedarfe zu erfassen und eine zielgenaue Hilfe anbieten zu können, organisierten andere psychosoziale Angebote, um traumatisierten Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten und neue Zuversicht zu gewinnen. Wieder andere Helfer*innen packten einfach an, säuberten und räumten, schaufelten Schlamm oder entkernten sach- und fachgerecht Häuser, um sie für den Wiederaufbau vorzubereiten oder rissen ab, was nicht zu retten war. Andere Organisationen boten Treffpunkte an, stellten eine erste Versorgung sicher oder kümmerten sich um in Not geratenen Tiere.  Alle Helfer*innen können sich mit Sicherheit an Menschen, Situationen und Geschichte erinnern, die unter die Haut gingen, die rührten, begeisterten oder erschütterten. 

Die Flutkatastrophe jährt sich 2026 zum fünften Mal. Wer heute durch die Straßen und Orte der betroffenen Region fährt, kann sehen, was die Menschen vor Ort und die vielen Helfer*innen erreicht haben, welche Fortschritte es beim Wiederaufbau gibt. Zerstörte Straßen, Plätze und Häuser wurden repariert und renoviert. Viele sind in ihre Städte und Dörfer zurückgekehrt. Dennoch hat die Flut ihre Spuren hinterlassen. Noch immer gibt es zerstörte Häuser, ist die Erinnerung an die Flut allgegenwärtig. Das Ahrtal und seine Region haben sich verändert. Die Natur hat gezeigt, welche Kräfte sie zu entfalten vermag. 

Die Erinnerungen an die Flut mahnt und verpflichtet zugleich, die Natur und ihre Kräfte nicht zu unterschätzen und entsprechende Vorkehrungen beispielsweise beim Hochwasser- oder Bevölkerungs- und Katastrophenschutz zu treffen. 

Wir erinnern uns aber auch an den Mut und Willen der Menschen vor Ort sowie den Einsatz der zahlreichen Helfenden. Ihnen gilt auch bei diesem Beitrag unser aller Dank. 

Stellvertretend für die vielen Helfer*innen, den verschiedenen Hilfsorganisationen, Trägern und Vereine, die seit der Flut 2021 im Ahrtal und der Region tätig waren, wollen wir Ihnen am 5. Jahrestag der Katastrohe eine kleine Auswahl der Träger mit ihrer Arbeit vorstellen.


Einblicke in Projekte vor Ort

Kinderlachen-Eifel e. V.

Die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 haben wir als Organisation nicht unmittelbar in existenzbedrohender Weise erlebt. In unserem Büro war ein Kellerraum betroffen, in dem durch eindringendes Wasser Akten und Unterlagen beschädigt wurden. Gleichzeitig haben wir sehr schnell wahrgenommen, welche massiven Auswirkungen die Flut insbesondere für Kinder und Jugendliche hatte: Verlust von Wohnraum, zerstörte Infrastruktur und starke psychische Belastungen bis hin zu Traumatisierungen. Vor Ort zeigte sich ein klarer Bedarf an niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten, die Kindern Abstand vom belastenden Alltag ermöglichen. Diesen Bedarf konnten wir im Rahmen unserer Arbeit aufgreifen, indem wir gezielt Freizeit- und Erholungsangebote für betroffene Kinder geschaffen haben.

Viele der teilnehmenden Kinder lebten zum Zeitpunkt der Freizeit noch in provisorischen Wohnsituationen oder waren weiterhin stark belastet. Unsere Ferienfreizeit hat ihnen ermöglicht: Abstand vom Alltag und von der Katastrophensituation zu gewinnen, Positive Gemeinschaftserfahrungen zu machen und Stabilität und Normalität zu erleben.

Solche Angebote sind ein wichtiger und ergänzender Bestandteil der Katastrophenhilfe, da neben materieller Hilfe auch die Verarbeitung von Erlebnissen und die Stärkung der Resilienz entscheidend sind. Es zeigt sich, dass der Bedarf an psychosozialer Unterstützung und entlastenden Angeboten für Kinder und Familien über Jahre hinweg bestehen bleibt. Der Wiederaufbau ist eine langfristige Aufgabe, und viele Betroffene sind weiterhin auf Unterstützung angewiesen. 

Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll, solche Angebote längerfristig zu verstetigen, niedrigschwellige Freizeit- und Bildungsangebote stärker in Katastrophenhilfestrukturen zu integrieren und gezielt Kinder und Jugendliche als eigene Zielgruppe stärker zu berücksichtigen.

Rückblickend bewerten wir unsere Maßnahme als sinnvoll und bedarfsgerecht. Besonders positiv war, dass wir schnell ein konkretes Angebot für betroffene Kinder umsetzen konnten. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung:
- Als Träger ohne direkte Betroffenheit liegt unsere Rolle vor allem in der ergänzenden Unterstützung (z. B. Freizeit- und Bildungsangebote)
- Flexible und unbürokratische Förderstrukturen sind entscheidend, um schnell reagieren zu können
- Der Bedarf an solchen Angeboten besteht oft länger als initial angenommen
Für zukünftige vergleichbare Situationen sind wir organisatorisch und konzeptionell gut vorbereitet und jederzeit bereit, entsprechende Maßnahmen erneut umzusetzen.

Der Zugang zu den Fördermitteln erfolgte über den Paritätischen Gesamtverband bzw. das Bündnis „Aktion Deutschland hilft“, bei dem wir einen entsprechenden Antrag eingereicht haben. Die Spendengelder wurden konkret für die Durchführung einer Ferienfreizeit eingesetzt („Osterferienfreizeit – Die Waldritter kommen“). Zielgruppe waren Kinder und Jugendliche aus den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Im Zeitraum vom 01. April bis 31. Mai 2022 konnten rund 60 betroffene Kinder teilnehmen. Im Mittelpunkt standen erlebnispädagogische Angebote mit Gruppenaktivitäten, Naturerfahrungen und Rollenspielen. Ziel war es insbesondere, soziale Kompetenzen zu stärken, Gemeinschaft zu erleben und den Kindern eine Auszeit von ihrem belastenden Alltag zu ermöglichen.

Fortuna Hilft e. V.

Als uns im Juli 2021 die ersten Bilder der Flutkatastrophe im Ahrtal erreichten, war sofort klar: Hier braucht es keine langen Überlegungen, sondern schnelles und entschlossenes Handeln. Das Ausmaß der Zerstörung war kaum vorstellbar. Innerhalb weniger Stunden verloren Menschen ihre Häuser, ihre Erinnerungen und ihre Lebensgrundlage. Hinter jedem zerstörten Gebäude stand ein Schicksal, hinter jeder Straße eine Familie, die plötzlich vor dem Nichts stand. Wir haben uns von Anbeginn in der Verantwortung gesehen, den betroffenen Menschen und Tieren beizustehen. Bereits in den ersten Tagen konnten wir gemeinsam mit zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern dringend benötigte Hilfsgüter, Lebensmittel, Hygieneartikel, Tierfutter und Sachspenden in die betroffenen Regionen bringen. Vor Ort wurde jedoch schnell deutlich, dass neben der materiellen Versorgung vor allem eines fehlte: Zeit zum Zuhören und das Gefühl, mit der eigenen Not nicht allein zu sein. 

Für viele betroffene Familien war es besonders schwierig, ihren traumatisierten Kindern inmitten von Zerstörung, Unsicherheit und Chaos Halt zu geben. Umso wichtiger war es, schnell sichere Orte zu schaffen, an denen Kinder zur Ruhe kommen, Vertrauen zurückgewinnen und ihre Erlebnisse verarbeiten konnten. Gemeinsam mit traumapädagogischen Fachkräften entstanden kinderfreundliche Schutzräume, die den jungen Betroffenen Stabilität, Geborgenheit und eine erste Perspektive in einer Ausnahmesituation boten. Die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen hat gezeigt, wie viel erreicht werden kann, wenn unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen. 

Über den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband und die Unterstützung von Aktion Deutschland Hilft erhielten wir die Möglichkeit, unsere Hilfe nachhaltig auszubauen. Die bereitgestellten Spendengelder ermöglichten es uns, weit über die klassische Soforthilfe hinaus tätig zu werden. Während viele Maßnahmen verständlicherweise auf den Wiederaufbau der Infrastruktur ausgerichtet waren, konnten wir den Fokus auf die Menschen legen – insbesondere auf Kinder, Jugendliche und Familien.

Aus dieser Unterstützung entstand unter anderem unser Herzensprojekt, der Malzirkus mit der Kunsttherapie und der tiergestützen Intervention. Was zunächst als kreatives Angebot zur Entlastung nach der Katastrophe begann, entwickelte sich zu einem niedrigschwelligen psychosozialen Unterstützungsangebot an mittlerweile drei Standorten. Dort konnten wir in den vergangenen fünf Jahren bereits über 20.000 Kinder und ihre Familien begleiten. Der Malzirkus ist weit mehr als ein Ort zum Malen. Er bietet einen geschützten Raum, in dem Kinder ihre Erlebnisse ausdrücken, Gefühle verarbeiten und Vertrauen zurückgewinnen können. Gleichzeitig finden Eltern einen Ort der Begegnung, des Austauschs und der Entlastung. Diese niedrigschwellige Form der Unterstützung hat sich als unverzichtbarer Baustein einer nachhaltigen Katastrophenhilfe erwiesen.

Fünf Jahre nach der Flut zeigt sich, wie wertvoll diese langfristige Begleitung ist. Viele Häuser sind wieder aufgebaut, Straßen saniert und Brücken erneuert. In unserer täglichen Arbeit erleben wir derzeit eine Entwicklung, die häufig unterschätzt wird. Viele Betroffene haben in den vergangenen Jahren unermüdlich funktioniert. Sie mussten den Wiederaufbau organisieren, Versicherungen kontaktieren, Behördenwege bewältigen und gleichzeitig ihren Familien Halt geben. Für die Verarbeitung des Erlebten blieb oftmals keine Kraft. Erst jetzt, da der größte Wiederaufbau abgeschlossen ist und langsam wieder Ruhe einkehrt, werden die psychischen Folgen der Katastrophe bei vielen Menschen deutlich spürbar. Traumatische Belastungsreaktionen, die während der Phase des permanenten Funktionierens häufig zurückgestellt wurden, treten nun verstärkt in den Vordergrund. Besonders betroffen sind davon auch die Kinder. Sie nehmen sehr sensibel wahr, wenn ihre Eltern erschöpft, belastet oder emotional instabil werden. Manche Kinder zeigen wieder Rückzugsverhalten, Schlafprobleme oder große Unsicherheiten. Unsere Erfahrungen zeigen deutlich: Die eigentliche Aufarbeitung beginnt für viele Familien erst jetzt.

Die Unterstützung durch Aktion Deutschland Hilft und den Paritätischen hat aus unserer Sicht weit mehr bewirkt als die Finanzierung einzelner Projekte. Sie hat nachhaltige Strukturen geschaffen. Durch die Förderung konnten wir Familien über Jahre hinweg begleiten, Vertrauen aufbauen und kontinuierliche Ansprechpersonen sein. Gerade diese Verlässlichkeit ist für traumatisierte Menschen von unschätzbarem Wert. Hilfe endet nicht nach wenigen Wochen – sie muss dort weitergehen, wo öffentliche Aufmerksamkeit und mediale Berichterstattung längst verschwunden sind. Aus unserer Sicht liegt der größte Erfolg deshalb nicht ausschließlich in den materiellen Hilfen oder der Anzahl durchgeführter Angebote. Der eigentliche Mehrwert liegt darin, dass Menschen wieder Hoffnung schöpfen konnten, Kinder sichere Orte gefunden haben und Familien erfahren durften, dass sie nicht vergessen wurden.

Die vergangenen fünf Jahre haben uns eindrucksvoll gezeigt, dass Katastrophenhilfe neu gedacht werden muss. Der Wiederaufbau von Gebäuden ist wichtig, der Wiederaufbau von Vertrauen, Sicherheit und seelischer Stabilität ist mindestens genauso bedeutsam. Psychosoziale Unterstützung sollte deshalb von Beginn an fester Bestandteil jeder Katastrophenhilfe sein und langfristig finanziert werden. Traumatische Erfahrungen lassen sich nicht nach wenigen Monaten bewältigen. Viele Menschen benötigen Begleitung über mehrere Jahre hinweg. Gleichzeitig braucht es starke Netzwerke zwischen Hilfsorganisationen, Kommunen, psychosozialen Diensten und ehrenamtlichem Engagement. Nur gemeinsam können nachhaltige Strukturen entstehen, die Menschen auch in zukünftigen Krisen auffangen.

Wenn wir heute auf die vergangenen fünf Jahre zurückblicken, erfüllt uns vor allem Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber Aktion Deutschland Hilft und dem Paritätischen, allen Spenderinnen und Spendern, unseren Kooperationspartnern, sowie den vielen Ehrenamtlichen, die unsere Arbeit möglich gemacht haben. Würden wir heute etwas anders machen, dann würden wir den Fokus auf die langfristige psychosoziale Begleitung noch früher legen und langfristig auf 10 Jahre planen. Die vergangenen Jahre haben uns deutlich gezeigt, dass die schwersten Folgen einer Katastrophe oft erst sichtbar werden, wenn der Wiederaufbau abgeschlossen scheint. Unser größter Wunsch ist deshalb, dass die Erfahrungen aus dem Ahrtal nicht in Vergessenheit geraten. Nicht aus Angst vor zukünftigen Katastrophen, sondern weil sie uns gelehrt haben, wie wichtig Menschlichkeit, Zusammenhalt und langfristige Begleitung sind. Denn nachhaltiger Wiederaufbau bedeutet nicht nur, Häuser wieder aufzubauen. Er bedeutet vor allem, Menschen dabei zu helfen, wieder Vertrauen, Sicherheit und Zuversicht für ihr Leben zu gewinnen. Genau dafür werden wir uns auch in Zukunft mit ganzem Herzen einsetzen.

Fotos des Fortuna Hilft e. V. (für größere Ansicht auf das Foto klicken)

Tennis-Sport Erftstadt e.V.

Im Juli 2021 wurde unsere Sportanlage samt dem Vereinsheim von der gewaltigen Hochwasserkatastrophe zerstört, die weite Teile von NRW und Rheinland-Pfalz verwüstet hatte. Unsere Anlage befindet sich im Landschafts- sowie seit der Flut auch Wasserschutzgebiet.

Aus eigener Kraft wäre ein Wiederaufbau völlig ausgeschlossen gewesen. Unser Verein war daher überwältigt von den unmittelbaren Hilfs- und Kooperationsangeboten, die uns aus unterschiedlichsten Quellen erreichten.

Unser Wiederaufbau stand unter zwei wesentlichen Leitmotiven:

  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Bauliche und sportliche Barrierefreihei

Als inklusiver und anerkannter Stützpunktverein ‚Integration durch Sport‘ stehen wir seit vielen Jahren für eine inklusive Gesellschaft. Wir sagen JA zu einem möglichst barrierefreien Aufenthalt in unserer Mitte und bieten eine barrierefreie Sportausübung. Im April 2022 war der Neubau von 6 Außenplätzen abgeschlossen. Herausheben möchten wir hier Bauweise auf Keramiksandbasis, was eine jährliche Wasserersparnis von bis zu 750.000 Litern ermöglicht, da der Belag nicht gewässert werden muss. Der Bau des Vereinsheimes in ökologischer Holzbauweise startete im Februar 2023 war bereits zum Jahresende bezugsfertig.

Unsere Ziele hätten wir alleine mit den öffentlichen Fördermitteln des Landes NRW nicht umsetzen können. Diese waren zwar ein wesentlicher und dankenswerter Bestandteil, aber erst die zahlreichen Spenden durch Private, Unternehmen, Stiftungen und andere Organisationen ermöglichten dem TSE die Errichtung einer modernen Sportstättenbau. Ein ebenfalls unverzichtbares Element des Wiederaufbaus war die Stadt Erftstadt, die uns im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten zügig und mit unbürokratischen Verwaltungswegen geholfen hat.

Durch unter anderem die Untersützung von Aktion Deutschland Hilft .e V., diesen „wahren Segen“ konnten wir eine unerwartet entstandene Finanzierungslücke schließen und das Projekt Wiederaufbau überhaupt erst in der vorliegenden Güte und Qualität realisieren. An dieser Stelle nochmals unser großer Dank an die Geschäftsleitung der Kämpgen-Stiftung Köln für diese Empfehlung und freundliche Kontaktvermittlung. Die Zusammenarbeit mit ADH haben wir sehr geschätzt. Ohne die überwältigende Unterstützungsbereitschaft, auch über die Grenzen von NRW hinaus, und die damit einhergegangenen Finanzmittel gäbe es unseren Verein heute nicht mehr. Inzwischen sind wir mit über 270 Mitgliedern zum zweitgrößten Tennisclub unserer Stadt avanciert. Infolge erreichten wir mit dem zweiten Platz die wundervolle Auszeichnung von WestDerby Zukunft als Nachhaltiger Sportverein 2024.

Die Elemente können wir nicht beeinflussen und müssen uns wesentlich auf die Vorsorge der behördlich Verantwortlichen verlassen, dass das nächste Hochwasser glimpflicher abläuft. Zumindest versicherungstechnisch hat der TSE aber für die nächste Flut vorgesorgt. Dies allerdings in der großen Hoffnung, dass ein solches Ereignis nicht wieder vorkommt.

 

Fotos des Tennis-Sport Erfstadt e.V. (für größere Ansicht auf das Foto klicken)

Neurologische Therapie RheinAhr

Am 14.07.2021 kam es im Kreis Ahrweiler und in Teilen Nordrhein-Westfalens zu einer verheerenden Flutkatastrophe. Die Lebenshilfe Kreisvereinigung Ahrweiler sowie das Neurologische Therapiezentrum RheinAhr waren hiervon unmittelbar betroffen. Das ambulante neurologische Therapiezentrum war zuvor aus einer privatwirtschaftlichen Struktur in eine gemeinnützige Trägerschaft überführt worden, um eine nachhaltige rehabilitative Versorgung für Menschen mit neurologischen Erkrankungen sicherzustellen. Das Zentrum verfügt über langjährige Expertise in der rehabilitativen tagesklinischen Behandlung von Erkrankungsfolgen, z.B. bei Schlaganfällen, Parkinsonkrankheit, Schädel-Hirn Traumata, Rückenmarkserkrankungen, Multiple Sklerose und weiteren neurologischen Erkrankungen. Das Therapiezentrum war vollständig überflutet worden und nicht mehr nutzbar. Das Untergeschoss mit allen Therapieräumen stand komplett unter Wasser, das Obergeschoss bis zu einer Höhe von etwa 1,20m. Server und das Inventar wurden zerstört; die Patientendaten waren cloudbasiert gesichert. Es brauchte einige Stunden, bis wir, das Team der NTRA, realisierten, was vor Ort passiert war. Einige konnten das Zentrum gar nicht erreichen, da die Straßen verwüstet waren. Alle halfen in den nächste Tagen und Wochen, das Zentrum von Schlamm und zerstörtem Inventar zu befreien. Die Frage, ob wir das Zentrum wieder aufbauen, stand kurz im Raum und wurde vom gesamten Team schnell mit Ja beantwortet. Ein Spendenaufruf wurde bereits am 2. Tag erstellt und verbreitet. 

Da keine Elementarschadenversicherung bestand, waren sämtliche Sachwerte verloren. In einer gemeinsamen Krisensitzung mit den Gesellschaftern wurde beschlossen, den Wiederaufbau einzuleiten und die Versorgung der Patientinnen und Patienten zunächst aufsuchend bzw. in Ersatzräumen in Bad Neuenahr und bei der ZNS Stiftung Hannelore Kohl in Bonn sicherzustellen. Die Krankenkassen unterstützten diese Übergangslösung unbürokratisch. Unter dem damaligen Geschäftsführer, der ärztlichen Leitung und durch den Einsatz aller Teammitglieder gelang es, auch im Flutgebiet Patienten aufsuchend rehabilitativ zu versorgen. Patienten, Angehörige und auch Mitarbeitende, die selbst betroffen waren, zeigten trotz des Schocks und Zeichen erheblicher psychischer Belastung ein kaum zu beschreibendes Engagement. Parallel wurde die Landespolitik über die gravierenden Schäden in der regionalen Rehabilitationslandschaft informiert. 

Als gemeinnützige Organisation, die Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband RLP ist, konnte das Rehazentrum auf umfangreiche Unterstützung durch private Spenden und Hilfsorganisationen zurückgreifen. Fördermittel wurden u. a. durch Aktion Deutschland Hilft, Aktion Mensch, HELP, die Hannelore-Kohl-Stiftung ZNS sowie weitere Stiftungen und regionale Initiativen bereitgestellt. Da das ursprüngliche Gebäude aufgrund der massiven Schäden nicht zeitnah wiederhergestellt werden konnte, wurde eine Ersatzfläche gesucht und auf dem Sprengnetter Campus in der Heerstraße in Bad Neuenahr gefunden. In einem ungeheuren Kraftakt und unter Einsatz von vielen wurde sowohl ein Raumkonzept, eine erforderliche Inventarliste und nicht zuletzt ein neues Versorgungskonzept entworfen und umgesetzt. Der Wiederaufbau hatte begonnen. Die Räumlichkeiten waren ursprünglich als Büros genutzt worden und mussten umfassend umgebaut werden. Die Umbauten umfassten: Herstellung barrierefreier Zugänge, Verbreiterung der Türen, Brandschutztechnische Anpassungen, Erneuerung von Elektrik, IT, Beleuchtung und Schallschutz und Umbau von Büroräumen zu barrierefreien Sanitäranlagen

Durch einen zweiten Förderantrag konnten zusätzliche Flächen im Erdgeschoss erschlossen werden. Nach weniger als einem Jahr entstand ein neues, modernes ambulantes Rehabilitationszentrum, das die Versorgung im Ahrtal wieder komplett aufnehmen konnte. Ohne die schnelle Hilfe durch die Hilfsorganisationen und die vielen privaten Spenden, hätte das Rehabilitationszentrum schließen müssen und für neurologisch Ekrankte aus dem Kreis Ahrweiler und dem weiteren Umland würde es keine ambulante neurologischen Rehabilitation mehr geben. Dank der finanziellen Unterstützung konnten wir nicht nur das vorher bestehende Rehazentrum wiederaufbauen, sondern durch den neuen, größeren Standort ergaben sich nun auch neue Entwicklungsperspektiven: Bis zur Flutkatastrophe hatte das Rehabilitationszentrum Verträge mit gesetzlichen und privaten Krankenkassen, Unfallversicherungen und den Berufsgenossenschaften. Seit Sommer 2024 können nun auch berufstätige Menschen eine ambulante neurologische Rehabilitation in Anspruch nehmen. Als glücklichen Zufall stellte sich die Neugründung einer beruflichen Rehabilitationseinrichtung im gleichen Gebäude heraus. Hier bietet die ebenfalls gemeinnützige Fortbildungsakademie der Wirtschaft (faw) gGmbH ein berufliches Trainingszentrum (BTZ) an, um jungen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen den Weg in das Berufsleben zu ermöglichen. Unter dem Gedanken der Vernetzung und Kooperation werden seitdem gegenseitige Unterstützungsangebote verwirklicht, z.B. durch konsiliarische Untersuchungen von Teilnehmenden der beruflichen Maßnahmen oder beruflichen Trainingsmöglichkeiten für Patienten der NTRA. Diese Kooperation befindet sich im kontinuierlichen Ausbau. Zukünftig möchten die NTRA und das BTZ gemeinsam an nachhaltigen Lösungen arbeiten, womit die Kooperation einen Gewinn für die gesamte Region darstellt. Berufliche und medizinische Rehabilitation soll hier ganzheitlich gedacht werden, – psychologisch, medizinisch und beruflich. Im November 2024 erfolgte ein Gesellschafterwechsel; die bisherigen Gesellschafter der Lebenshilfe gaben ihre Anteile ab und NTRA wurde in die faw integriert.

Aus unserer Sicht bestehen noch deutliche Defizite in der Resilienz der Gesellschaft und auch vort Ort. Dies betrifft auch die langfristige psychosoziale Stärkung der
betroffenen Region. Auch wenn die direkten Folgen der Flut inzwischen weniger sichtbar sind, gehen wir von langfristigen psychischen und auch körperlichen Folgen bei vielen Menschen im Ahrtal aus. Wir wollen im Bereich der Rehabilitaiton unseren Beitrag zu einer Abmilderung dieser Folgen leisten, gerade auch unter den Bedingungen einer Zunahme von Polykrisen und zunehmenden Wechselwirkungen u.a. der Klimafolgeschäden auf die psychische und körperliche Gesundheit. So können sich posttraumatische Symptome auch mit Verzögerung, in Körpersymptomen oder psychischen sowie somatischen Erkrankungen zeigen. Wir planen daher, eine ambulante psychosomatische Rehabilitation am Standort aufzubauen, um neben dem akutpsychiatrischen und psychosomatischen sowie psychotherapeutischen Behandlungsangeboten in der Region auch ein rehabilitatives, tagesklinsiches Setting vorzuhalten, das auch in die berufliche Rehabilitation venetzt werden wird. 

Die Flutkatastrophe hat gezeigt, dass extreme Wetterereignisse jederzeit auftreten können und erhebliche gesellschaftliche Herausforderungen mit sich bringen. Die Ereignisse im Ahrtal verdeutlichten zugleich die Bedeutung von Solidarität, ehrenamtlichem Engagement und Spendenbereitschaft sowie die Wichtigkeit untertützenden politischen Handels auf der Ebene der Landes- und Bundepolitik. Ohne Unterstützung wäre das ambulante neurologische Rehabilitationszentrum nicht wieder aufgebaut worden. Die entstandenen Strukturen wirken heute weit über die Region hinaus und zeigen, dass gemeinschaftliches Handeln selbst nach schwersten Katastrophen neue Perspektiven schaffen kann. Hilfreich war, das schnelle Finden eines neuen Standortes und die letzlich zügige Wiedereröffnung. Am meisten hat der Zusammenhalt des gesamten Teams geholfen und die Fähigkeit aller Beteiligten, selbst in Extremsitutationen Zukunfstpersektiven zu entwickeln. Tragend war der Gedanke und das Wissen, dass unsere Arbeit wichtig und sinnvoll ist. Allerdings sind viele Mitarbeitende im Laufe der Jahre an und über die Erschöpfungsgrenze gekommen. Ein etwas schmerzhafter Erkenntnisprozess war für viele von uns, dass die Sorgen des Ahrtals schon wenige Kilometer weiter keine große Rolle mehr spielten und auch durch die geopolitischen Ereignisse aus dem Fokus gerieten. Rückblickend haben wir nichts Wesentliches bereut oder bedauert, da wir so viel erreicht haben, für das wir dankbar sein können.

Haus Sonne gGmbH

Der Wohn- und Betreuungsverbund Haus Sonne betreibt zwei besondere Wohnformen für erwachsene Menschen mit psychischer Beeinträchtigung und/oder Suchterkrankung, das „Haus Sonne“ in Bad Münstereifel-Schönau und das „Haus Maria“ in Bad Münstereifel-Kernstadt, Ambulant Betreutes Wohnen in Anbieterverantworteten Wohngemeinschaften und der eigenen Wohnung sowie ein Wohnen für Seniorinnen und Senioren. Bei der Flutkatastrophe 2021 waren das vollständige Wohnen für Seniorinnen und Senioren an drei Standorten, zwei der Anbieterverantorteten Wohngemeinschaften, die Besondere Wohnform „Haus Sonne“ sowie die volständige externe Infrastruktur mit Wasser, Strom, Internet und Telefon betroffen. Den Verlauf ab dem Nachmittag des 14. auf den 15. Juli 2021 bleibt natürlich in der Erinnerung präsent. 

Auch wir haben die Situation zunächst verkannt. Man selbst hat am späteren Nachmittag noch routinemäßig Termine wahrgenommen und den nächsten Tag geplant. Auf dem Rückweg von einem Termin im Auto Richtung Bad Münstereifel wurde das drohende Ausmaß mehr und mehr deutlich. Der Bad Münstereifeler Ortsteil unserers Stammhauses „Haus Sonne“ konnte bereits nicht mehr mit dem Auto passiert werden, das Auto musste auf einer Höhe abgestellt werden und die Strecke teilweise zu Fuß durch stärkere über die Ufer getretene Strömungen zurückgelegt werden, die ansonsten zu dieser Jahreszeit häufig ausgetrocknet sind. Glückicherweise stellte sich der Stellplatz für das Auto im Nachhinein als hoch genug heraus, was zu dem Zeitpunkt aber längst nicht kalkulierbar war. Das Wasser stieg ab einem gewissen Zeitpunkt so schnell, dass nur noch das Nötigste gerettet werden konnte. Erdgeschosse und Keller mehrerer unserer Angebote für psychsich beeinträchtigte erwachsene Menschen oder Seniorinnen und Senioren standen unter Wasser – Räume, Möbel, Inventar, Erinnerungen vieles war durch Flutwasser und -schlamm zerstört. Die Infrastruktur für Strom, IT, Telefon und Abwasser waren gestört. Als Träger waren wir massiv betroffen. Wir benötigten zunächst Soforthilfe, um überhaupt wieder arbeitsfähig zu werden: nutzbare Räume, Computer, Internet, Telefon. Gleichzeitig explodierten die Bedarfe unserer Bewohner*innen – Menschen, die ohnehin schon in prekären Situationen lebten, hatten einen weitaus erhöhten Betreuungsbedarf. In unserem Wohnen für Seniorinnen und Senioren mussten Menschen aus Sicherheitsgründen zunächst aus Ihren Wohnungen evakuiert werden. Vor Ort stellten wir nach und nach fest: Die Menschen brauchten sofort praktische Hilfe – Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel. Grundversorgung, Reinigung und Entsorgung von Flutmassen standen im Vordergrrund. Aber auch situationsbedingt psychosoziale Unterstützung. Die Herausforderung war: selbst betroffen sein und gleichzeitig für andere da sein. Beispielhaft konnten wir selbst auch die ortsansässige Caritas, die ebenfalls flutbedingt betroffen war, über Monate mit einem kostenlos zur Verfügung gestellten Büro unsere Hilfe anbieten und somit unterstützen. Durch situationsbedingt richtiges Verhalten sind wir im Nachhinein zufrieden darüber, dass kein Mensch aus unseren Angeboten und keine Mitarbeiterin oder Mitarbeiter einen Schaden genommen hat, was beim letzlichen Ausmaß nicht selbstverständlich war.

Fünf Jahre danach können wir sagen: Die Arbeit der Organisation Aktion Deutschland Hilft und der gezielte Einsatz von Spendenmitteln waren grundlegend. Nicht nur für uns als Einrichtung, sondern an den eingesetzten Stellen für das gesamte soziale Gefüge und vor allem die Menschen in Bad Münstereifel.Wie ADH konkret unterstützt hat: Die Mittel kamen schnell und unbürokratisch dort an, wo sie gebraucht wurden. Die direkte Schnittstelle zum Paritätischen Landes- und Gesamtverband vereinfachten das Vorgehen enorm. Einheitliche und erreichbare Ansprechpersonen mit direktem Projektbezug und Know-How in der Beratung ermöglichten einen schnellen Aufbau für uns als Organisation und für die mit ihrem Wohnraum betroffenen Menschen. Während andere Hilfen mit Entscheidungen teilweise lange brauchten und schnelle Unterstützung durch das Prüfen von Mitteln verhindert wurde, konnte durch die Spendenzusage sofort gehandelt werden. Das hat Vertrauen geschaffen und kam den betroffenen Menschen direkt zugute.

Zusammenfassend hat ADH hat das ermöglicht, was bestehende Strukturen sonst verzögern oder verhindern. Der direkte Draht von Hilfsorganisation zu Betroffenen hat in unseren Fällen konkret das geleistet, was aufgrund der Katastrophe benötigt wurde.Die diesbezügliche Resilienz im Vergleich zu 2021 ist allgemein besser geworden und auch die Wachsamkeit, was Ankündigungen und Hinweise bezüglich Extremwetterereignissen anbelangt, aber noch nicht ausreichend. Es bleibt ein Entwicklungsprozess. Wir haben gelernt, Notfallpläne zu erstellen, digitaler zu arbeiten und dabei redundate Sicherheiten auf- und einzubauen, Ersatzmöglichkeiten zu definieren. Intern und innerhalb des Netzwerks ist ein Füreinanderdasein entstanden und auch nachhaltig wichtig, um im Krisenfall auch niemanden zu vergessen. Gerade bei der Arbeit mit Menschen, ist es wichtig, dass jede*r in die Maßnahmen und Pläne einbezogen ist, damit diese eine vollumfängliche und nachhaltige Wirkung gewährleisten.

Die Klimakrise macht deutlich, dass solche Ereignisse häufiger werden. Was fehlt, ist auch eine strukturelle Absicherung sozialer Träger für Katastrophenfälle. Knappe Budgets und fehlende Rücklagen erhöhen das Schadensmaß solcher Extremsituationen zusätzlich. Eine externe Unterstützung mit einem hohen präventiven Ansatz ist ein wichtiger Baustein:

  • Verbindliche Katastrophenschutzkonzepte, die soziale Infrastruktur mitdenken.
  • Finanzielle Puffer bzw. Versicherungslösungen für gemeinnützige Träger.
  • Stärkung und Förderung präventiver Maßnahmen – baulich wie organisatorisch.
  • Langfristige psychosoziale Unterstützungsstrukturen, teilweise über mehrere Jahre

Es ist wichtig, dass eine Sensibilität in der Gesellschaft vorherrscht, Solidarität weiter eine Tugend bleibt, auch abseits von Krisen, langristig systematische und strukturelle Verbesserungen auf den Weg gebracht und gefördert werden. Das betrifft die Planung, Umsetzung und Finanzierung.

Was gut gelaufen ist:

  • Die unbürokratische Soforthilfe der Aktion Deutschland Hilft hat unsere Angebote kurzfristig aufrecht erhalten bzw. schnell wiederbelebt.
  • Die Solidarität – lokal wie überregional – war überwältigend.
  • Wir haben als Team enger zusammengefunden und sind krisenerfahrener geworden. Unterstützung steht im Mittelpunkt und auf der Tagesordnung.
  • Die Vernetzung mit anderen Trägern, Institutionen und Personen vor Ort hat gewonnen und funktioniert auf bestimmten Ebenen jetzt besser.

Was es zu beachten gilt:

  • Viele Köche verderben den Brei: neben der überwiegenden Solidarität gab es auch die negativen Aspekte, dass zu viele Zuständigkeiten in der Abwicklung des Wiederaufbaus den Prozess verlangsamt, verteuert und im schlimmsten Fall verhindert haben. Wo möglich sollten Schnittstellen abgebaut werden.
  • Frühzeitig und klar kommunizieren, dass Unterstützung benötigt wird.
  • Systematisch dokumentieren und geordnet vorgehen:Auch im ersten Chaos bzw. Aufbruch ist es wichtig, Dinge korrekt und vollständig zu dokumentieren, ordnungsgemäße Rechnungen mit Leistungsnachweisen vorzuhalten.
  • Aussagekräftige Angebote und Leistungsvereinbarungen schaffen hier grundsätzlich eine Klarheit.
  • Bei allem Tatendrang, den Menschen im Blick behalten.
  • Präventive Maßnahmen ausbauen und finanziell stärken: Baulicher Art, automatisierte und technische Systeme, Datensicherung, Redundanz, Notfallplanung und -schulung.
  • Es sollte nicht erst auf die nächste Katastrophe gewartet werden, um Strukturprobleme anzugehen.

Auf den Paritätischen und die Aktion Deutschland Hilft sind wir über unseren Landesverband aufmerksam geworden. In den ersten Tagen war viel Reaktion und Improvisation gefragt – wir wussten nicht, wie wir den Wiederaufbau stemmen sollten. Der direkte Kontakt zum Paritätischen war entscheidend. Antragstellung und Unterstützung waren unkompliziert, gerade in dieser Ausnahmesituation eine enorme Erleichterung. Die Soforthilfe der Aktion Deutschland Hilft haben wir genutzt, um unsere Arbeitsfähigkeit und eine Grundversorgung in Teilbereichen in der ersten Phase nach der Katastrophe wiederherzustellen sowie auch für die Entsorgung des mit Flutschlamm kontaminierten Inhalts der Wohn- und Arbeitsbereiche: Zusammenarbeiten und das vorhandene Equimpment bedarfsgerecht einsetzen und nutzen. So konnten wir innerhalb kurzer Zeit wieder arbeitsfähig sein und hatten die Möglichkeit, den vorhandenen Lebensraum für die Bewohner*innen mit Einschränkungen zu nutzen.

Die weiteren Spendenmittel setzten wir konkret ein für:

  • Einrichtung eines provisorischen Sammelbüros mit Internetversorgung über zusätzliche Infrastruktur mit SIM-Karten.
  • Grundversorgung mit Lebens- und Hygienemitteln.
  • Entsorgungsleistungen.
  • Trocknen von überfluteten Wohnbereichen.
  • Rückbau und Wiederherstellung von kontaminiertem Wohnraum.
  • Unterstützung beim Neubau einer flutbeschädigten Fußbrücke als Zugang zu einem Wohnangebot für Seniorinnen und Senioren.

Ohne diese Mittel wäre ein längerfristiger Ausfall der Arbeitsfähigkeit und die Nicht-Nutzung von Wohnräumen die Konsequenz gewesen – mit allen negativen Folgen für die Menschen, die auf unsere Leistungen angewiesen sind.

Die AHRche e. V.

Der Verein „Die AHRche“ wurde in Folge der Flutkatastrophe im Juli 2021 im Ahrtal von der lokalen Bevölkerung wie auch von Helferinnen und Helfern aus ganz Deutschland ins Leben gerufen. Unsere Mission nach der Flut ist die Katastrophenhilfe und der Wiederaufbau. So unterstützt die AHRche von ihrem Sitz in Ahrweiler aus Betroffene der Flutkatastrophe 2021. Am Donnerstag nach der Flut im Ahrtal startete diese Hilfsaktion mit einem Lichtmast, einer Stromquelle zum Laden von Handys, einer Dusch- und Waschmöglichkeit sowie einer kleinen Verpflegungsstation. Diese inmitten von Trümmern errichtete Hilfsstation entwickelte sich fortgehend weiter, so dass sie zur zentralen Anlaufstation für das gesamte Viertel und zu einer von mehreren übergreifend wirkenden Hilfsstationen geworden ist. Von der AHRche aus wurden Projekte gestartet wie die Installation von über 1.000 „1-Raum-Heizungen“, der Wiederaufbau von mehreren Spiel- und Sportstätten, die Förderung lokaler Institutionen sowie das Projekt der „Helfenden Hände“, bei welchem mit Betroffenen zusammen wiederaufgebaut wurde.

Nach der Flut bildeten sich viele kleine, lokale Hilfsstationen im Stadtgebiet. Mit fortschreitender Zeit und nahendem Winter stellte sich die Frage wie diese, für die lokale Bevölkerung wichtigen Anlaufstellen auch in der kalten Jahreszeit den Anwohnern ein Anlaufpunkt erhalten bleiben können. Daher wurde das Projekt der „Wintertreffs“ ins Leben gerufen, welches ADH förderte. Darunter waren zwei Wintertreffs, welche der Paritätische finanzierte, die AHRche koordinierte und die lokalen Akteure fortführten. Es handelte sich um den Wintertreff am Ahrweiler Markt sowie den Wintertreff an der Sebastianstraße auf dem Gelände des KBM-Autohauses. Hier blieb das Angebot des sozialen Treffpunkts und der Essensausgabe erhalten – denn man darf nicht vergessen: ein halbes Jahr nach der Flut waren die meisten Betroffenen weiterhin ohne Heizung, ohne Küche und ohne Wohnzimmer.

Ohne die Spendenmittel von ADH und der dahinterstehenden großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung wären insbesondere die kleinen Projekte, welche später zu Wintertreffs wurden, vor der Existenzfrage gestanden. Durch ADH konnten die Treffpunkte winterfest gemacht werden, etwa durch Zelte und Heizungen, und es konnten feste Ansprechpersonen eingestellt werden, welche die längerfristige Koordination dieser Treffpunkte übernahmen. So wurden diese Treffpunkte weiterhin für die Essensausgaben und noch viel wichtiger als soziale Austauschorte für die Betroffenen erhalten. Viele beschrieben es nach der Flut als ihr neues Wohnzimmer in dem sogar zusammen mit der Nachbarschaft Weihnachten gefeiert wurde. Damit hat ADH wesentlich zum notwendigen, sozialem Heilungsprozess beigetragen, in dem die lokale Gemeinschaft gestärkt wurde und für die Grundbedürfnisse der Bevölkerung gesorgt wurde.

Die Menschen haben ein Recht dazu, zu einem „normalen“ Leben (wenn man es denn so nennen kann) zurückzukehren. Ohne Ängste, Albträume und den kräftezehrenden Wiederaufbau. Mittlerweile ist mehr Ruhe eingekehrt, doch verarbeiten die Menschen weiterhin das Unfassbare. Immernoch kommen Erinnerungen hoch, die an den Kräften der Menschen zehren. Wie resilient die Bevölkerung aus dem Erlebten herausgeht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Dabei ist es wichtig das richtige Maß des Erinnerns zu finden. Zum Einen die Katastrophe, den Wiederaufbau und den erlebten Zusammenhalt nicht zu vergessen – zum anderen aber auch genug Raum zu lassen, dass die Erinnerung die erlebten Traumata nicht ständig wiederaufleben lassen. Ob und wie sich eine sozial verträgliche Erinnerungskultur etabliert, welche zur Resilienzbildung beiträgt, wird sich zeigen.

Wir haben nach der Flut die Selbsthilfe erst einmal lernen müssen. Alles, was wir gemacht haben, war zunächst sich ergebendes Potenzial nutzbar zu machen – angefangen beim Aufstellen eines Zeltes mit einem Wassertank als Dusche – bis hin unsere selbst geschaffene Infrastruktur für gebündelte Handwerker-Aktionen zur Verfügung zu stellen. Schlüsselfunktion waren dabei feste Zuständigkeiten und Ansprechpersonen. Somit konnten Projekte nicht nur kurzfristig ein paar Tage oder Wochen geführt werden, sondern über mehrere Monate ausgerichtet werden. Zur Verfügung gestelltes Geld ist hier schon früh notwendig, damit die Helferinnen und Helfer für ebenjene langfristige Tätigkeit ausreichend Rückhalt haben.

ASH Sprungbrett e. V.

Die Flutkatastrophe im Juli 2021 hat die Menschen im Rhein-Erft-Kreis tief getroffen. Auch wenn wir als Organisation selbst nicht direkt von den Wassermassen betroffen war, waren viele der Kinder, Familien und Zugewanderten, mit denen die Organisation arbeitet, unmittelbar von den Folgen betroffen. Schnell wurde deutlich, dass es beim Wiederaufbau nicht nur um beschädigte Gebäude und Infrastruktur geht, sondern auch um die Verarbeitung der Erlebnisse. Besonders Kinder hatten vertraute Orte wie Schulen, Spielplätze und Freizeitflächen verloren und litten unter Verunsicherung und Ohnmachtsgefühlen. Über die enge Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW konnte der Sprungbrett e.V. rasch Unterstützung erhalten und das Projekt „Kinder und Umwelt in Erftstadt“ ins Leben rufen. Ziel des Projekts war es, Grundschulkinder dabei zu unterstützen, ihre veränderte Umwelt neu zu entdecken und die Fluterfahrungen besser zu verarbeiten. Dazu wurden spielerische Natur- und Umweltangebote, Ausflüge zu den Themen Wasser, Klima und Umwelt sowie Bildungsangebote für Kinder, Eltern und Lehrkräfte zu Klimawandel und Hochwasserschutz umgesetzt.

Rückblickend zeigt sich, wie wichtig das schnelle Engagement der Zivilgesellschaft nach der Katastrophe war. Während öffentliche Strukturen oftmals Zeit benötigen, konnten Hilfsorganisationen und Spendengelder unmittelbar helfen und gleichzeitig langfristige Projekte ermöglichen. Dank der Förderung durch Aktion Deutschland Hilft entstand ein Angebot, das den Kindern nicht nur bei der Bewältigung ihrer Erlebnisse half, sondern ihnen auch Wissen vermittelte und ihre Handlungsfähigkeit stärkte. Kinder, die verstehen, wie Hochwasser entsteht und wie sie mit solchen Ereignissen umgehen können, entwickeln mehr Resilienz gegenüber zukünftigen Krisen.

Trotz positiver Entwicklungen sieht der Sprungbrett e.V. weiterhin Handlungsbedarf. Zwar gibt es heute mehr Bewusstsein, bessere Konzepte und verstärkte Hochwasserschutzmaßnahmen, doch viele Vorhaben sind noch nicht umgesetzt. Zudem gerät die Erinnerung an Katastrophen oft schnell in den Hintergrund. Deshalb sollten Klimabildung, Umweltbildung und Katastrophenschutz dauerhaft in Schulen verankert werden. Ebenso wichtig ist es, Wohlfahrtsverbände und soziale Träger langfristig so auszustatten, dass sie auch in zukünftigen Krisen schnell und wirkungsvoll handeln können.

Besonders positiv bewertet wir die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, die gute Vernetzung der beteiligten Träger und die Möglichkeit, mit regionaler Expertise passgenaue Angebote für die Menschen vor Ort zu entwickeln. Gleichzeitig wurde deutlich, dass psychosoziale Unterstützung für Kinder, Familien und Erwachsene künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken sollte. Auch eine systematische Dokumentation und Wirkungsanalyse hätte helfen können, die Erfolge der Maßnahmen besser sichtbar zu machen.

Die Flutkatastrophe von 2021 hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig das Zusammenspiel von Zivilgesellschaft, Spenderinnen und Spendern sowie sozialen Organisationen ist. Der Sprungbrett e.V. bedankt sich daher bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die durch ihre Spenden dazu beigetragen haben, Kindern in der Region neue Perspektiven zu eröffnen, Naturverständnis zu fördern und wichtige psychosoziale Hilfe zu ermöglichen.