
Ergebnisse der bundesweiten Fachkräftebefragung zur frühen Demokratiebildung (2025)
Was brauchen pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen an Unterstützung, um Demokratiebildung im Alltag wirksam umzusetzen?
Eine bundesweite Befragung mit über 2.576 Teilnehmenden gibt Antworten: Sie zeigt zentrale Bedarfe, strukturelle Herausforderungen und thematische Schwerpunkte früher Demokratiebildung – von Partizipation der Jüngsten über Mediennutzung bis hin zu Inklusion und Armutsbetroffenheit.
Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Ausrichtung der Praxis-Dialoge und die Weiterentwicklung unserer Angebote. Erste Befunde stellen wir hier vor – praxisnah, verdichtet und mit Blick auf die Realität in Kita und Kindertagespflege.
Bedarfe, Belastungen und Perspektiven
Ergebnisse der bundesweiten Fachkräftebefragung zur frühen Demokratiebildung (2025)
Im Herbst 2025 führte das Projekt „Frühe Demokratiebildung – Kinder beteiligen, Vielfalt gestalten“ eine bundesweite Onlinebefragung durch. Die Erhebung erfolgte in Kooperation mit den am Sondervorhaben „Demokratie und Vielfalt in der frühen Kindheit“ beteiligten Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege. Ziel war es, aktuelle Unterstützungs- und Fortbildungsbedarfe pädagogischer Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen im Themenfeld früher Demokratiebildung systematisch zu erfassen.
An der Befragung beteiligten sich mehr als 2.570 pädagogisch Tätige aus allen Bundesländern. Vertreten waren Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen, der Kindertagespflege sowie Fachberatungen. Besonders ist der hohe Anteil von 48 % selbstständigen Kindertagespflegepersonen, der die Ergebnisse maßgeblich prägt und zugleich einen vertieften Einblick in jene Bereiche frühkindlicher Bildung ermöglicht, die besonders eng am familiären Alltag und an den Lebensrealitäten sehr junger Kinder angesiedelt sind.
Zielsetzung der Befragung
Ausgangspunkt der Erhebung war die Veröffentlichung „Aktivierung für Demokratie in strukturschwachen Räumen – Raumtypologie, Praxis und Gelingensbedingungen der Engagementförderung“. Vor diesem Hintergrund sollte untersucht werden, ob und in welchem Ausmaß sich regionale Unterschiede in den Unterstützungs- und Fortbildungsbedarfen pädagogischer Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen zeigen. Die vorliegenden Ergebnisse stellen erste übergreifende Befunde dar; eine vertiefende Auswertung nach Raumtypologien ist vorgesehen.
Lebenslagen von Kindern und Familien
Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist die hohe Bedeutung, die Fachkräfte den sozialen und ökonomischen Lebenslagen von Kindern und Familien in ihrer Region beimessen. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass familiäre Armut die Teilhabechancen von Kindern spürbar einschränkt. Häufig benannt werden zudem Unterstützungsbedarfe im familiären Alltag, etwa bei Behördenkontakten, Sprachbarrieren oder der Organisation von Bildung und Betreuung.
Die offenen Antworten verdeutlichen eine große Spannbreite familiärer Lebensbedingungen: von gut situierten, bildungsnahen Haushalten bis hin zu stark belasteten Familien, die von Armut, Wohnraummangel, Migrationserfahrungen oder fehlender Infrastruktur betroffen sind. Viele Fachkräfte beschreiben eine zunehmende soziale Spreizung, die sich unmittelbar im pädagogischen Alltag widerspiegelt – teilweise sogar innerhalb einzelner Einrichtungen/Kindertagespflegestellen oder Sozialräume.
Zentrale Themenfelder früher Demokratiebildung
Insgesamt wählten die Befragten mehr als 11.000 Themenfelder aus. Die Ergebnisse zeigen klare Schwerpunkte. Besonders häufig genannt wurden:
- Mediennutzung junger Kinder,
- Inklusion,
- Umgang mit Konflikten,
- Partizipation von Kindern unter drei Jahren,
- Kinderschutz,
- Umgang mit Armut und Diskriminierung.
Die starke Gewichtung der Altersgruppe unter drei Jahren (86 % der Befragten arbeiten ganz oder überwiegend im U3-Bereich) verdeutlicht, dass Demokratiebildung im frühkindlichen Bereich vor allem als alltagsintegrierte Beziehungs- und Beteiligungsarbeit verstanden wird. Fachkräfte äußern insbesondere den Bedarf nach Unterstützung darin, frühe Formen von Mitbestimmung, Selbstwirksamkeit und Beteiligung professionell wahrzunehmen und zu begleiten.
Formate und strukturelle Barrieren
Die Befragung zeigt eine klare Erwartung an Fortbildungs- und Unterstützungsangebote: Sie sollen praxisnah, niedrigschwellig und zeitlich flexibel zugänglich sein.
56 % der Befragten wünschen sich Online-Formate,
49 % Präsenzangebote,
besonders geschätzt werden dialogische und austauschbasierte Formate wie Praxis-Dialoge oder kollegiale Fachgespräche.
Als zentrale Barrieren für die Teilnahme an Fortbildungen werden vor allem Zeitmangel, Kosten sowie Personal- und Fachkräftemangel genannt. Technische Hürden bei digitalen Formaten spielen hingegen eine untergeordnete Rolle.
Fazit und weitere Schritte
Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen die hohe Relevanz früher Demokratiebildung im pädagogischen Alltag sowie einen ausgeprägten Bedarf an praxisnaher Unterstützung. Zugleich machen sie sichtbar, unter welchen strukturellen Belastungen Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen arbeiten.
Auf Grundlage der ersten Auswertung werden die Themenschwerpunkte der Praxis-Dialoge gezielt neu bestimmt und stärker an den erhobenen Bedarfen ausgerichtet. Die Ergebnisse flossen damit unmittelbar in die Weiterentwicklung der Fortbildungs- und Austauschformate des Projekts ein.
Aktuell werden u. a. Praxis-Dialoge zu folgenden Themen angeboten, die sie hier finden:
Link zum Veranstaltungskalender
Weitere Termine und Themen werden fortlaufend auf Basis der Rückmeldungen aus den Veranstaltungen sowie der vertiefenden Auswertung der Befragung entwickelt und veröffentlicht.
Das Informations- und Qualifizierungsangebot zum Thema "Frühe Demokratiebildung – Kinder beteiligen, Vielfalt gestalten" ist ein Kooperationsprojekt vom Bundesverband für Kindertagespflege in enger Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Gesamtverband. Es ist aus dem Projekt "Partizipation und Demokratiebildung in der Kindertagesbetreuung" (2020 bis 2024) hervorgegangen.
Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben!