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Textvorlage für Schreiben an Abgeordnete

Hinweis: Suche dir den Einstieg aus, der am besten zu deiner Situation passt. Passe die Details an deine eigene Geschichte an. Je persönlicher der Brief, desto wirkungsvoller.

Baustein 1: Der Einstieg

Variante A: Träger / Geschäftsführung

Ich bin Geschäftsführerin eines Trägers der Kinder- und Jugendhilfe. Mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begleiten wir Kinder und Familien in der sozialpädagogischen Familienhilfe und in der stationären Jugendhilfe, oft in hochbelasteten Situationen, in denen es um Schutz, Entwicklung und manchmal um sehr viel mehr geht. Aus dieser täglichen Praxis heraus schreibe ich Ihnen mit großer Sorge. Der vorliegende Gesetzentwurf würde es uns erschweren, jungen Menschen die Hilfe zu geben, die sie brauchen. Denn er setzt Anreize, individuelle Ansprüche zugunsten pauschaler Angebote zurückzudrängen. Wer jeden Tag sieht, was verlässliche Unterstützung bewirkt, weiß auch, was ihr Wegfall anrichtet. Das ist kein Verwaltungsvorgang. Es geht um die uns anvertrauten Kinder und ihre Familien.

Variante B: Persönlich betroffen

Mein Sohn ist zwölf Jahre alt und hat das Downsyndrom. Er geht zur Schule, er hat Freunde, er liebt Fußball. Das ist nicht selbstverständlich. Mein Mann und ich investieren täglich Zeit, Kraft und Geld, damit er an der Gesellschaft teilhaben kann. Und wir sind nicht allein: Unser Sohn bekommt seit Jahren Unterstützung durch eine Schulbegleitung, durch Förderangebote, durch Menschen, die ihren Beruf ernst nehmen. Genau diese Unterstützung steht jetzt auf dem Spiel. Denn es gibt Vorschläge für massive Kürzungen. Ich schreibe Ihnen, weil ich möchte, dass Sie wissen: Das ist kein Verwaltungsvorgang. Das ist das Leben meines Kindes.

Variante C: Fachkraft

Ich arbeite seit vierzehn Jahren in der Jugendhilfe. Ich habe Jugendliche begleitet, die ohne unsere Unterstützung heute nicht mehr da wären. Ich habe erlebt, was passiert, wenn Hilfe zu spät kommt oder ganz ausbleibt. Deshalb mache ich mir ernsthafte Sorgen, dass nun Leistungen gekürzt werden sollen, auf die diese Jugendlichen angewiesen sind. Ich schreibe Ihnen, weil ich möchte, dass Sie wissen: Das ist kein Verwaltungsvorgang. Es geht um Menschen, die ich aus meiner täglichen Arbeit gut kenne.

Baustein 2: Worum es jetzt geht

In den nächsten Wochen entscheiden Sie im Bundestag über das Erste Kinder- und Jugendhilfestrukturreform-Gesetz (1. KJHSRG). Es soll die Kinder- und Jugendhilfe effizienter machen, verschlechtert aber den Zugang für genau die Kinder, die am dringendsten darauf angewiesen sind.

Konkret sollen zum Beispiel individuelle Rechtsansprüche auf passgenaue Hilfe zurückgedrängt und durch pauschale Angebote in Kita und Schule ersetzt werden. Diese Strukturen sind personell, fachlich und finanziell jedoch längst nicht darauf vorbereitet.

Die geplante SGB-VIII-Reform trifft Familien zudem nicht isoliert. Sie kommt zu weiteren Einschnitten hinzu, etwa beim Unterhaltsvorschuss, beim Kindersofortzuschlag oder beim Wohngeld. Für die Betroffenen addieren sich diese Belastungen auf. Und sie treffen mit voller Wucht ausgerechnet die Familien, die es ohnehin am schwersten haben: Alleinerziehende, Familien mit wenig Geld, Familien mit einem Kind mit Behinderung.

Auch das Ziel, die öffentlichen Haushalte mit der Reform zu entlasten, wird mit den aktuellen Vorschlägen nicht erreicht. Denn der Bedarf an Unterstützung wächst, wenn Familien zu spät Unterstützung erhalten. Sparen an Kindern und Jugendlichen bedeutet nicht weniger Kosten, sondern spätere und höhere Folgekosten.

Baustein 3: Der Appell

Sie sind Mitglied im Deutschen Bundestag und haben es in der Hand. Die Leistungen, um die es geht, sind keine Wohltaten. Sie sind gleichermaßen eine gesellschaftliche Verpflichtung und eine Investition in Bildung, Teilhabe und Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Gerade angesichts des demografischen Wandels können wir es uns nicht leisten, die Potenziale junger Menschen durch verspätete oder fehlende Hilfe zu verschenken. 

Ich bitte Sie daher konkret: 

  • Setzen Sie sich für eine grundlegende Überarbeitung des Regierungsentwurfs zum 1. KJHSRG ein.
  • Verankern Sie die inklusive Kinder- und Jugendhilfe als Regelfall, nicht als Experiment einzelner Kommunen: Die vorgesehene Experimentierklausel sollte – wie in früheren Stadien des Gesetzentwurfs vorgesehen – durch ein Regelsystem der Zusammenführung von Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche ersetzt werden.
  • Sichern Sie den Zugang zu niedrigschwelligen Einzelfallhilfen, bedarfsgerechter Schulbegleitung und den Erhalt individueller Rechtsansprüche und sorgen Sie dafür, dass präventive Angebote ausgebaut statt abgebaut werden.
  • Setzen Sie sich für eine langfristige und tragfähige Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe ein.

Bitte tragen Sie dazu bei, dass dieses Gesetz grundlegend überarbeitet wird. Über eine Rückmeldung, wie Sie sich in dieser Frage positionieren, würde ich mich sehr freuen.

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