Gesundheitsförderung für und mit Migrant*innen: Ein Wegweiser für (migrantische) Organisationen

Wegweiser für Gesundheitsförderung mit und für Migrant*innen
Willkommen im digitalen Begleiter des Projekts „Gemeinsam für ein gesundes Leben: Gesundheitsförderung für und mit Menschen mit Migrationshintergrund im Quartier (GgLiQ)!
Der Wegweiser des Projekts „Gemeinsam für ein gesundes Leben: Gesundheitsförderung mit und für Menschen mit Migrationshintergrund im Quartier (GgLiQ)“ begleitet Sie dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen in migrantischen Lebenswelten erfolgreich umzusetzen.
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Was bietet Ihnen dieser Wegweiser?
Teil I: Von der Idee zur Umsetzung
Entdecken Sie praxisorientierte Strategien, nützliche Tipps und bewährte Ansätze, die Sie direkt in Ihrer Arbeit einsetzen können. Der Schwerpunkt liegt auf einer schrittweisen Anleitung, um Gesundheitsförderung in migrantischen Lebenswelten erfolgreich umzusetzen.
Teil II: Werkzeuge und Ressourcen
Erhalten Sie vertiefende Einblicke und praktische Unterstützung für Ihre Projekte:
- Grundlagen und weiterführende Informationen zur Gesundheitsförderung bei Migrant*innen.
- Inspirierende Praxisbeispiele aus den beteiligten Mitgliedsorganisationen.
- Praktische Werkzeuge wie Bedarfsanalysen und Evaluationsmethoden, die Ihre Arbeit strukturieren und unterstützen.
Mit diesem Wegweiser haben Sie alles, was Sie brauchen, um gesundheitsfördernde Maßnahmen effektiv und nachhaltig zu gestalten.
1. Vorbereitung
Planen Sie gesundheitsfördernde Maßnahmen für Migrant*innen? Eine fundierte Vorbereitung ist entscheidend für den Erfolg. Dazu gehören die konkrete Bestimmung der Zielgruppen, die Analyse der verfügbaren Ressourcen und erste Schritte zur aktiven Einbindung der Migrant*innen.
Bestimmung der Zielgruppen
Was wissen wir über die Zielgruppen? Was wissen wir über ihre Lebenslagen und Lebenswelten? Und wie finden wir Zugang zu ihnen?
Migrant ist nicht gleich Migrant! Die Lebenswelten und Lebenslagen von Menschen mit internationaler Geschichte, die in Deutschland leben, sind sehr unterschiedlich. Was waren die Gründe für ihre Einwanderung? Gehört jemand zur ersten oder zweiten Generation? Hat die Person möglicherweise eine traumatisierende Fluchterfahrung gemacht, lebt mit einer unsicheren Bleibeperspektive oder träumt davon, eines Tages zurückzukehren, wenn der Krieg vorbei ist? Kommt man als Kind oder Jugendlicher nach Deutschland oder erst als Erwachsener? – All das macht einen Unterschied.

Es lohnt sich, diese Fragen im Vorfeld zu klären, um ein genaues Bild der Zielgruppe zu erhalten. Gibt es bestimmte Gewohnheiten oder gemeinsame biografische und politische Erfahrungen, die die Gruppe prägen könnten?
Aber Vorsicht: Nicht alles, was ungewöhnlich oder fremd erscheint, ist kulturell bedingt. Vieles liegt im Charakter oder in der individuellen Biografie des Einzelnen. Dennoch können kollektive Erfahrungen oder Prägungen, die Gruppen stark beeinflussen, eine wichtige Rolle spielen und sollten berücksichtigt werden.
Checkliste: Zielgruppen definieren
Daten sammeln und analysieren:
- Demografische Daten (Alter, Geschlecht, Herkunftsland) erheben.
- Sozioökonomische Faktoren (Bildung, Beschäftigung, Wohnverhältnisse) berücksichtigen.
- Migrationsgeschichte (z. B. erste und zweite Generation) erfassen.
- Lebenswelten berücksichtigen: kulturelle Hintergründe, soziale Netzwerke, wirtschaftliche Bedingungen sowie geografische Gegebenheiten der Wohnorte (siehe A1.2 und A1.3 im Anhang Weiterführende Informationen und Grundlagen“).
Bedarfe und Barrieren identifizieren:
- Interviews oder Befragungen zur Ermittlung spezifischer Bedürfnisse durchführen.
- Potenzielle Zugangsbarrieren (z. B. Sprachprobleme, Diskriminierung) erfassen.
- Bestehende Studien oder Berichte nutzen, um herauszufinden, welche Probleme bis jetzt bekannt sind.
Zielgruppen unterteilen:
- Altersgruppen, Migrationserfahrung und kulturelle Hintergründe berücksichtigen.
- Relevante soziokulturelle Unterschiede, Gemeinsamkeiten sowie Stärken einbeziehen, z. B. unterschiedliche Sprachen, religiöse Überzeugungen, Geschlechterrollen, Familienstrukturen oder traditionelle Gesundheitsvorstellungen
Analyse eigener Ressourcen
Haben wir genug Mittel, um unser Vorhaben erfolgreich umzusetzen?
Die Analyse personeller, finanzieller und materieller Ressourcen ist essenziell, um die Machbarkeit der geplanten Maßnahmen realistisch einzuschätzen.
Checkliste: Eigene Ressourcen analysieren
Personelle Ressourcen
- Gibt es Mitarbeitende / Ehrenamtliche, die für das Vorhaben geeignet sind?
- Welche relevanten Fähigkeiten und Erfahrungen bringen die Mitarbeitenden / Ehrenamtlichen mit (z. B. Erfahrung in der Arbeit mit Migrant*innen oder in der Gesundheitsförderung)?
- Besteht Schulungsbedarf oder gibt es spezifische Fortbildungen, um die Mitarbeitenden/Ehrenamtlichen auf das Projekt vorzubereiten?
Infrastruktur
- Welche Räumlichkeiten stehen zur Verfügung? Sind diese für die Zielgruppe gut erreichbar und geeignet?
- Welche technischen Ausstattungen (z. B. Computer, Präsentationstechnik) und Materialien sind erforderlich und ggf. bereits vorhanden?
- Sind die Räumlichkeiten barrierefrei und ausreichend ausgestattet, um Gruppenaktivitäten durchzuführen?
Finanzielle Ressourcen
- Mit welchen Kosten muss ich rechnen, um das Projekt umzusetzen?
- Wie viel Eigenmittel stehen für das Projekt zur Verfügung?
- Werden zusätzliche Fördermittel benötigt, um die geplanten Maßnahmen vollständig zu finanzieren?
Strukturen und Netzwerke analysieren
Welche Partnerorganisationen und Netzwerke können uns unterstützen?
Das Einbinden lokaler Migrantenorganisationen, sozialer Netzwerke und relevanter Stakeholder ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und die Akzeptanz der Maßnahmen zu erhöhen.
Checkliste: Strukturen und Netzwerke analysieren
Migrant*innenorganisationen und Netzwerke
- Welche Migrant*innenorganisationen und -vereine sind in Ihrer Region aktiv und haben bereits
- einen Zugang zur Zielgruppe?
- Wie können diese Organisationen in Ihre Maßnahmen eingebunden werden, um Vertrauen und Akzeptanz zu erhöhen?
Institutionen und Einrichtungen
- Welche lokalen Gesundheitsdienste und sozialen Einrichtungen sind für die Zielgruppe von Bedeutung?
- Welche Schulen, Kulturzentren oder religiösen Einrichtungen haben regelmäßigen Kontakt zur Zielgruppe und könnten als Räume oder Partner*innen für Ihre Maßnahmen genutzt werden?
Informelle Netzwerke
- Gibt es informelle Netzwerke (z. B. Freundeskreise, religiöse Gemeinschaften, Online-Communities), die eine wichtige Rolle für Ihre Zielgruppe spielen?
- Wie können Sie diese Netzwerke für die Verbreitung Ihrer Maßnahmen und Informationen nutzen?
Relevante Stakeholder und Arbeitskreise
- Welche Arbeitskreise zu den Themen Migration, Gesundheit oder Integration existieren in Ihrer Region?
- Welche wichtigen Stakeholder (Gesundheitsdienste, soziale Einrichtungen, Gemeinden, religiöse
- Institutionen) sollten in das Projekt eingebunden werden?
- Wie können Sie diese Stakeholder gezielt ansprechen und in Ihre Maßnahmen einbinden?
2. Planung/Umsetzung
Wie können Sie die in der Vorbereitung gewonnenen Erkenntnisse in konkrete, umsetzbare Maßnahmen verwandeln? In der Planungs- und Umsetzungsphase liegt der Fokus darauf, die Bedarfe der Zielgruppen präzise zu erkennen, die Antragstellung strategisch zu planen und die Maßnahmen zielgruppenorientiert zu gestalten.
Diese Phase stellt sicher, dass Ihre geplanten Maßnahmen praxisnah, flexibel und wirksam umgesetzt werden. Dabei ist es wichtig, Herausforderungen aktiv zu bewältigen, den Erfolg kontinuierlich zu überprüfen und nachhaltige Strukturen zu schaffen.
In diesem Abschnitt erfahren Sie:
- Wie Sie Bedarfe erkennen und fundiert dokumentieren,
- die Antragstellung gezielt planen, und
- Maßnahmen passgenau und wirksam für Ihre Zielgruppen gestalten.
Bedarfe erkennen
Wie geht das denn mit dem Erkennen von Bedarfen? Wie kann ich herausfinden, was die Menschen brauchen? Was sie sich wünschen? Was fordert sie besonders heraus? Was bereitet ihnen große Schwierigkeiten? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, etwas über die Bedarfe und Bedürfnisse der Zielgruppe zu erfahren. Man kann sich über einschlägige Fachzeitschriften oder Publikationen informieren, durch gezielte Beobachtung – aber vor allem über Gespräche mit den Menschen selbst. Schließlich sind sie die besten Expert*innen in eigener Sache. Mit welchen Methoden komme ich mit den Menschen ins Gespräch? Und was muss ich sie fragen, um später sinnvolle Angebote zu entwickeln?
Checkliste: Zur Durchführung der Bedarfsanalyse
Vorbereitung
- Zielgruppe definieren: Welche spezifischen Gruppen von Migrant*innen sollen einbezogen
- werden? (z. B. Berücksichtigung von Herkunft, Sprache, Alter, Geschlecht oder Behinderung)
- Ziele festlegen: Zu welchen Themen sollen Informationen durch die Bedarfsanalyse gewonnen werden? (z. B. Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, Barrieren im Gesundheitssystem, Einsamkeit und Isolation)
- Ressourcen planen: Welche Ressourcen (Zeit, Personal, Budget) stehen für die Analyse zur Verfügung?
- Partizipation sicherstellen: Wie kann gewährleistet werden, dass die Migrant*innen-Zielgruppen aktiv in die Durchführung der Bedarfsanalyse einbezogen werden? (z. B. durch Workshops zur gemeinsamen Bedarfserhebung, Beteiligung an Fokusgruppen, Mitgestaltung von Fragebögen)
- Kooperationspartner*innen einbinden: Welche lokalen Akteur*innen, Organisationen oder Netzwerke können bei der Analyse unterstützen?
Methodenauswahl
- Geeignete Methoden wählen: Welche Methoden (Umfragen, Interviews, Fokusgruppen) sind für die Zielgruppe am geeignetsten?
- Sprachliche und kulturelle Aspekte berücksichtigen: Sind Übersetzungen oder muttersprachliche Moderator*innen erforderlich?
- Niedrigschwellige Zugänge schaffen: Wie können die Methoden so gestaltet werden, dass sie möglichst viele Migrant*innen erreichen?
Durchführung der Bedarfsanalyse
- Einladungen verschicken: Werden die Teilnehmenden über geeignete Kanäle (z. B. Flyer, soziale Medien, direkte Ansprache) eingeladen?
- Vertrauensvolle Atmosphäre schaffen: Ist der Rahmen der Befragungen oder Gruppendiskussionen für die Teilnehmenden sicher und angenehm gestaltet (z. B. durch vertrauliche Behandlung der Aussagen oder diversitätsbewusste Moderation)?
- Anonymität sicherstellen: Ist die Anonymität der Teilnehmenden gewährleistet, um ehrliche und offene Antworten zu fördern?
Datenauswertung
- Daten analysieren: Wurden die gesammelten Daten gründlich analysiert, um die Hauptbedarfe und Herausforderungen der Zielgruppen zu identifizieren?
- Ergebnisse aufbereiten: Sind die Ergebnisse der Analyse verständlich und übersichtlich zusammengefasst?
- Rückkopplung mit der Zielgruppe: Wurden die Ergebnisse mit der Zielgruppe oder den beteiligten Akteur*innen besprochen, um ihre Rückmeldung zu erhalten?
Ableitung von Maßnahmen
- Hauptbedarfe identifizieren: Welche Bedarfe und Herausforderungen sind am dringendsten und sollten vorrangig adressiert werden?
- Maßnahmen planen: Welche konkreten Maßnahmen lassen sich aus den Ergebnissen der Bedarfsanalyse ableiten, um die Bedarfe zu berücksichtigen und Herausforderungen zu bewältigen?
Dokumentation
- Ergebnisse dokumentieren: Sind alle Schritte der Bedarfsanalyse und die gewonnenen Erkenntnisse schriftlich festgehalten?
- Ergebnisse kommunizieren: Wurden die Ergebnisse mit den relevanten Akteurinnen und Kooperationspartner*innen geteilt?

Antragstellung planen
Die Sicherstellung finanzieller Mittel ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von Gesundheitsprojekten. In diesem Kapitel erfahren Sie, wer antragsberechtigt ist, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie Sie eine erfolgreiche Antragstellung planen und umsetzen können. Im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Finanzierung der geplanten Maßnahmen: die Projektförderung und die Förderung von Einzelmaßnahmen (Individualprävention).
Projektförderung zur Umsetzung gesundheitsförderlicher Maßnahmen
Die Projektförderung richtet sich an Organisationen und Institutionen, die Gesundheitsförderungsmaßnahmen umsetzen möchten. Das übergeordnete Ziel ist es in den meisten Fällen, gesundheitsfördernde Strukturen in den Lebenswelten der Zielgruppen – wie in Schulen, Vereinen oder Quartieren – zu schaffen und zu verbreiten. Häufig wird eine Einbeziehung bestimmter Zielgruppen angestrebt, die sozial benachteiligt sind oder in der Regelstruktur kaum wahrgenommen werden. So sprachen im Rahmen des vorliegenden Projekts GgLiQ die beteiligten Paritätischen Mitgliedsorganisationen gezielt diverse Migrant*innengruppen an und entwickelten gesundheitsförderliche Maßnahmen, um ihre gesundheitsbezogene Teilhabechancen zu verbessern.
Projektförderung durch die Krankenkassen
Die Krankenkassen spielen eine zentrale Rolle als Förderer im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention. Sie bieten sowohl finanzielle als auch inhaltliche Unterstützung für Projekte, die gezielt auf die Stärkung der gesundheitlichen Chancengleichheit abzielen. Das vorliegende Projekt sowie zahlreiche ähnliche Initiativen wurden mithilfe dieser Unterstützung realisiert.
Ein wesentlicher Unterschied zur Projektförderung durch Stiftungen und andere Programme besteht darin, dass die Projektförderung durch die Krankenkassen eng an die Vorgaben des Leitfadens Prävention geknüpft ist. Der Leitfaden Prävention definiert klare Kriterien und Standards, die Projekte erfüllen müssen, um förderfähig zu sein, und sichert so eine bedarfsgerechte Ausrichtung auf gesundheitliche Präventionsmaßnahmen. Für Projekte, die über diese Leitlinien hinausgehen und innovative oder ergänzende Ansätze verfolgen, ist es jedoch sinnvoll, auch andere Förderquellen in Betracht zu ziehen, um Flexibilität und Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu gewährleisten (siehe unten: Projektförderung durch weitere Förderer).
Die Gesundheitsförderung der Krankenkassen erfolgt als Projektförderung oder Förderung von Einzelmaßnahmen für einzelne Versicherte im Rahmen der Individualprävention (siehe unten). Die Projektförderung kann dabei durch einzelne Krankenkassen, einen freiwilligen Zusammenschluss mehrerer Krankenkassen wie im vorliegenden Projekt GgLiQ oder für größere Projekte kassenartenübergreifend durch das GKV- Bündnis für Gesundheit erfolgen.
Projektförderung durch einzelne Krankenkassen
Lebens-, Wohn-, Lern-, und Freizeitbedingungen haben einen erheblichen Einfluss auf die gesundheitliche Entwicklung. Auf der Grundlage des Leitfadens Prävention bieten einzelne Krankenkassen für verschiedene Lebenswelten Präventionsprogramme, die den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Angebote unterstützen. Sie unterbreiten Vorschläge für geeignete Maßnahmen und unterstützen inhaltlich und finanziell bei der Umsetzung vor Ort.
Die Antragstellung erfolgt direkt bei der jeweiligen Krankenkasse im Fachbereich Prävention. Ansprechpartner*innen und weitere Informationen finden sich auf den Webseiten der Krankenkassen.
Projektbezogen ist es möglich, dass mehrere Krankenkassen ein Projekt gemeinsam begleiten und anteilig finanzieren.
Für eine Finanzierung eines umfangreicheren Projektes in der Kommune, für das die Mitwirkung aller gesetzlichen Krankenkassen der Region erforderlich ist, ist eine Antragstellung über das GKV- Bündnis für Gesundheit sinnvoll.
Das GKV-Bündnis für Gesundheit als zentrale Unterstützung
Das GKV-Bündnis für Gesundheit ist ein wichtiger Partner für Organisationen und Einrichtungen, die Gesundheitsförderungs- und Präventionsprojekte in der Kommune mit Unterstützung der Krankenkassen umsetzen möchten. Es bietet auf kommunaler Ebene landesweite Beratungs- und Unterstützungsstrukturen, die es ermöglichen, spezifische Gesundheitsbedarfe vor Ort gezielt anzugehen und geeignete Fördermöglichkeiten zu erschließen. In jedem Bundesland stehen koordinierende Ansprechorganisationen zur Verfügung, die bei der Entwicklung von Projektideen unterstützen - von der ersten Planung bis zur Antragstellung und Umsetzung.
Zusätzlich organisiert das Bündnis vielfältige Netzwerkaktivitäten und Veranstaltungen, die Akteur*innen der Gesundheitsförderung in den Regionen miteinander verbinden. Auf diese Weise wird ein fachlicher Austausch gefördert und die Entwicklung lokaler Gesundheitsprojekte unterstützt. Eine Übersicht der Ansprechpartner*innen und Aktivitäten in den einzelnen Bundesländern finden Sie auf der Webseite des GKV-Bündnisses für Gesundheit.
Projektförderung durch weitere Förderer
Wenn ein Projektvorhaben auf die Gesundheitsförderung oder die Förderung gesundheitsbezogener Teilhabechancen benachteiligter Bevölkerungsgruppen abzielt, kommen neben den Krankenkassen auch andere Fördermöglichkeiten infrage. Dazu zählen Stiftungen, Soziallotterien sowie staatliche Förderprogramme auf kommunaler und Bundesebene. Beispiele für Stiftungen sind die Robert-Bosch-Stiftung und die Mercator-Stiftung. Soziallotterien wie Aktion Mensch sowie staatliche Programme wie das Berliner Partizipationsprogramm, das Bundesprogramm Demokratie Leben oder das Programm Bildung und Engagement ein Leben lang des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) stellen zusätzliche Förderoptionen bereit.
Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband stellt diverse Fördermöglichkeiten zur Verfügung, die von Paritätischen Mitgliedsorganisationen genutzt werden können. Weitere Infos finden Sie unter https://www.der-paritaetische.de/
Förderung der Einzelmaßnahmen (Individualprävention)
Eine weitere Möglichkeit der finanziellen Unterstützung für geplante Gesundheitsmaßnahmen durch Krankenkassen bietet die sogenannte Individualprävention. Im Gegensatz zur umfassenden Projektförderung, die in der Regel alle Schritte – von der Bedarfserhebung bei den Zielgruppen über die Konzeptentwicklung bis hin zur Umsetzung – abdeckt, konzentriert sich die Individualprävention auf die Förderung einzelner, bereits bestehender gesundheitsförderlicher Maßnahmen.
Haben Sie bereits konkrete Ideen zur Förderung der Gesundheit bestimmter Zielgruppen oder bieten gesundheitsfördernde Kurse, wie Bewegungsförderung, Stressbewältigung oder gesunde Ernährung (z.B. Nordic Walking, Yoga, Autogenes Training) an, wissen jedoch nicht, wie diese finanziert werden können? Dann könnte die Individualprävention die passende Fördermöglichkeit für Sie sein.
Wichtig ist, dass es sich hierbei um den Leistungsanspruch einzelner Versicherter gegenüber ihrer Krankenkasse handelt. In der Regel gehen Versicherte bei der Finanzierung des Kurses in Vorleistung und können sich die Kursgebühr nach erfolgreichem Abschluss anteilig oder vollständig erstatten lassen. Auf den Webseiten der Krankenkassen erhalten die Versicherten entsprechende Informationen darüber, in welchem Umfang die jeweilige Krankenkasse Maßnahmen der Individualprävention (Kurse) bezuschusst.
Wie bei der Projektförderung durch die Krankenkassen gilt, dass die Maßnahmen den Vorgaben des Leitfadens Prävention und des §20 SGB V entsprechen müssen. Zur erleichterten Überprüfung und Zertifizierung solcher Angebote wurde die zentrale Prüfstelle Prävention von der Kooperationsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen eingerichtet. Anbieter können sich dort registrieren und ihre Präventionskurse online zur Zertifizierung einreichen.
Zielgruppenorientierte Gestaltung
Eine zielgruppenorientierte Gestaltung ist entscheidend, um die Wirksamkeit von Gesundheitsförderungsmaßnahmen zu steigern. Maßnahmen, die auf die spezifischen Bedürfnisse, Lebenswelten und Hintergründe der Zielgruppe abgestimmt sind, erhöhen die Chancen auf Akzeptanz und Erfolg.

Warum ist eine zielgruppenorientierte Gestaltung so wichtig?
- Relevanz und Akzeptanz: Wenn Maßnahmen die Bedürfnisse und Interessen der Zielgruppe berücksichtigen, fühlen sich die Menschen verstanden und wertgeschätzt. Das steigert ihre Bereitschaft zur Teilnahme und Mitarbeit.
- Effektivität: Maßnahmen, die gezielt auf die Lebensrealität und Herausforderungen der Zielgruppe eingehen, erzielen wirksamere und nachhaltigere Ergebnisse.
- Vermeidung von Missverständnissen: Das Eingehen auf sprachliche und kulturelle Besonderheiten reduziert Missverständnisse und fördert Vertrauen und eine offene Kommunikation.
- Stärkung der Eigenverantwortung: Zielgruppenorientierte Ansätze unterstützen Migrant*innen dabei, ihre Gesundheit aktiv und eigenverantwortlich zu gestalten.
- Nachhaltigkeit: Maßnahmen, die passgenau auf die Zielgruppe zugeschnitten sind, haben eine höhere Chance, langfristig Wirkung zu zeigen und positive Veränderungen zu bewirken.
Eine zielgruppenorientierte Gestaltung ist der Schlüssel zu erfolgreichen Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen und ein wichtiger Beitrag zur Förderung der gesundheitlichen Chancengleichheit.
Checkliste: Zielgruppenorientierte Gestaltung der Maßnahmen
Bedürfnisse und Besonderheiten der Zielgruppe verstehen
- Bedarfsanalyse durchführen: Wurden die Bedarfe und Herausforderungen der Zielgruppe durch Umfragen, Interviews oder Fokusgruppen ermittelt?
- Interkulturelle Sensibilität / Diversitätsgerechtigkeit berücksichtigen: Sind z. B. kulturelle und sprachliche Unterschiede bei der Gestaltung der Maßnahmen beachtet worden?
Anpassung der Maßnahmen
- Maßnahmen flexibel gestalten: Sind die Maßnahmen flexibel genug, um an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst zu werden?
- Niedrigschwellige Angebote: Sind die Angebote ohne große bürokratische Hürden und unabhängig von etwaigen Sprachbarrieren zugänglich?
Beteiligung der Zielgruppe
- Partizipation fördern: Wurde die Zielgruppe aktiv in die Planung und Umsetzung der Maßnahmen einbezogen (z. B. durch Workshops, Fokusgruppen)?
- Feedback einholen: Wird regelmäßig Feedback von der Zielgruppe gesammelt, um die Maßnahmen kontinuierlich zu verbessern?
Kommunikation und Zugang
- Gezielte Kommunikationswege: Werden Kommunikationswege genutzt, die die Zielgruppe bevorzugt nutzt (z. B. soziale Medien, Messenger-Dienste, lokale Treffpunkte)?
- Informationsmaterialien anpassen: Sind die Informationsmaterialien an die Zielgruppe angepasst (z. B. mehrsprachig, kulturell sensibel / diversitätsgerecht)?
Überprüfung und Anpassung
- Fortlaufende Überprüfung: Werden die Maßnahmen regelmäßig überprüft und bei Bedarf an die sich ändernden Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst?
- Erfolge dokumentieren: Werden erfolgreiche Anpassungen und positive Ergebnisse dokumentiert, um sie für zukünftige Projekte nutzen zu können?
3. Praxisbeispiele aus den beteiligten Standorten
Was macht ein Projekt wirklich erfolgreich? In dieser Kachel stellen wir Ihnen inspirierende Beispiele aus den verschiedenen GgLiQ-Standorten vor. Sie zeigen, wie Gesundheitsförderung für und mit Migrant*innen erfolgreich umgesetzt werden kann.
Die Best-Practice-Beispiele veranschaulichen, wie durch Zusammenarbeit, kreative Ansätze und die Anpassung an lokale Bedürfnisse nachhaltige Veränderungen erzielt werden können::
- Verband binationaler Familien und Partnerschaften in Leipzig
- Duha e.V. in Mannheim
- Ezidische Akademie e.V. in Hannover
- ViFi e.V. in Bochum
- SOS-Kinderdorf in Merzig
- Divan e.V. in Berlin
Verband binationaler Familien und Partnerschaften in Leipzig
Titel des Projekts im Rahmen des GgLiQ: Miteinander für Empowerment, Partizipation und Chancengleichheit: Gesundheitsförderung und Sensibilisierung für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft
Website: Verband binationaler Familien und Partnerschaften Leipzig binational-leipzig.de

Leipzig zeichnet sich als siebtgrößte Stadt Deutschlands durch ein lebendiges Netzwerk von Akteur*innen im Bereich Migration und Gesundheit aus. In diesem dynamischen Umfeld setzt(e) sich der Verband binationaler Familien im Rahmen des Projektes GgLiQ mit diversen gesundheitsfördernden Initiativen für Menschen mit Migrationsgeschichte im Leipziger Osten ein. Zu den zentralen Maßnahmen gehörten muttersprachliche Fachworkshops sowie muttersprachliche interkulturelle Natur- und Stadtteilführungen, die die Gesundheitskompetenz der Betroffenen stärken sollen, sowie Netzwerktreffen mit verschiedenen Akteur*innen des Quartiers. Trotz der bereits hohen Aktivität in Leipzig wurde festgestellt, dass viele Fachkräfte und Multiplikator*innen im Migrationsbereich noch nicht ausreichend für migrationsbedingte gesundheitliche Belange sensibilisiert sind.
Daher verfolgt(e) der Verband im Projekt das Ziel, durch Workshops interkulturelle Kompetenzen und rassismuskritische Perspektiven zu fördern. Zusätzlich wurde durch den Aufbau und die Stärkung von Vernetzungsinitiativen der Austausch zwischen verschiedenen Akteur*innen angeregt, um Ressourcen gezielter zu nutzen und so die gesundheitliche Chancengleichheit zu verbessern.
Diese vielfältigen Maßnahmen zielen darauf ab, die Gesundheitskompetenz zu stärken und eine nachhaltige gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern.
Zwei konkrete Praxisbeispiele verdeutlichen die erfolgreiche Umsetzung dieser Ansätze in Leipzig. Sie zeigen, wie durch gezielte Maßnahmen das Engagement der angesprochenen Communities gefördert und durch die Zusammenarbeit mit Migrant*innenorganisationen und -initiativen nachhaltige Gesundheitsförderung erreicht werden kann:

Förderung von Engagement
Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften in Leipzig hat im Rahmen des Projektes GgLiQ verschiedene Maßnahmen durchgeführt, um das Engagement der Zielgruppe zu fördern. So zielte z. B. ein bedeutender Workshop zu "Migration und Gesundheit" darauf ab, die interkulturellen Kompetenzen sowie die rassismuskritischen Perspektiven von Fachkräften und Multiplikator*innen zu stärken. Das Ziel war es, die Teilnehmer*innen für zentrale gesundheitliche Aspekte im Zusammenhang mit Migration zu sensibilisieren und ihre Achtsamkeit gegenüber migrationsbedingten gesundheitlichen Belangen und Herausforderungen zu schärfen.
Des Weiteren wurden auch zwei Broschüren zum Thema "Rassismusedingter Stress" in Zusammenarbeit mit mehreren engagierten Betroffenen und Expert*innen in dem Bereich Migration und Gesundheit entwickelt. Die gemeinsame Arbeit hatte einen doppelten Nutzen: Die Beteiligten wurden nicht nur inhaltlich eingebunden, sondern auch beraten und empowert. Eine der Broschüren richtet sich an Familien, die Rassismuserfahrungen gemacht haben, während die andere für Multiplikator*innen und Fachkräfte entwickelt wurde. Dadurch konnte nicht nur das Wissen über die Thematik erweitert, sondern auch eine Grundlage für eine nachhaltige gesundheitsförderliche Sensibilisierung für das Thema erreicht werden. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass die Förderung von Engagement und die aktive Beteiligung in Form von Mitgestaltung und inhaltlicher Mitentscheidung entscheidend für das Gelingen von Gesundheitsförderungsprojekten sind.
Für die Zusammenarbeit mit Migrant*innenorganisationen
Die Zusammenarbeit des Standorts Leipzig mit lokalen Migrant*innenorganisationen zeigt, wie durch gezielte Kooperationen nachhaltige und effektive Gesundheitsförderungsmaßnahmen und -initiativen entwickelt und umgesetzt werden können. Aufbauend auf den Grundsätzen und Zielen des Vereins, bildete der Verband binationaler Familien und Partnerschaften (iaf e.V.) dabei eine zentrale Schnittstelle zwischen Familien-, Migrations- und Bildungspolitik – eine Funktion, die der Verein seit Jahren bei ihrem Engagement für die Rechte und Interessen bi- und transnationaler Familien, bereits ausfüllt.
Als besonders relevante und wirksame Aktivitäten im Rahmen des Projektes sind die erste und zweite Frauenkonferenz (2023, 2024) für und von Migrantinnen in Leipzig zu nennen. Zwei Jahre in Folge kooperierten mehrere Migrant*innenorganisationen und -initiativen miteinander, um den großen Bedarf an Informationen und Austausch im Bereich Gesundheit und Soziales so umfassend wie möglich zu decken. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sehr gute und positive Entwicklungen auch mit begrenzten finanziellen Ressourcen sowie viel Engagement möglich sind. Der intensive Austausch mit den Teilnehmerinnen ergab, dass unter anderem erhebliche Zugangsbarrieren, beispielsweise bei der Gesundheitsversorgung aufgrund fehlender Kommunikationswege und unübersichtlicher Webseiten der Krankenkassen, bestanden. Diese Barrieren konnten durch niedrigschwellige und mehrsprachige Angebote überwunden werden. Die Workshops wurden gemeinsam mit den Teilnehmerinnen partizipativ entwickelt, um die spezifischen Bedarfe der Teilnehmerinnen angemessen berücksichtigen zu können. Auch der „Peer-zu-Peer“ Ansatz trug dazu bei, die Akzeptanz und Teilnahmebereitschaft der Communitymitglieder zu steigern.
Ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Kooperation mit Migrant*innenorganisationen und deren Multiplikatorinnen sind die mehrsprachigen interkulturellen Naturführungen. Diese Aktivitäten hatten das Ziel, das gesundheitliche Wohlbefinden, die Gesundheitskompetenzen und die soziale Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte zu fördern. Dabei spielten die Migrant*innenorganisationen eine entscheidende Rolle, indem sie dem Verband auf Basis einer vertrauensvollen, wertschätzenden und transparenten den Zugang zu ihren Communities ermöglichten und diese motivierten, an den interkulturellen Naturführungen teilzunehmen. Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe erwies sich dabei als entscheidender Erfolgsfaktor.
Duha e. V. - Verein für soziale Dienste in Mannheim
Website: Duha e.V. duha-ev.de

Der Verein Duha e. V. wurde 2013 mit der Zielsetzung gegründet, insbesondere für Menschen mit Migrationsgeschichte einen geeigneten Ansprechpartner und Leistungserbringer bereitzustellen. Das Gründungsmitglied Mustafa Dedekeloglu, der durch seine späte Einwanderung in Deutschland die Schwierigkeiten und Herausforderungen mit Sprache und Kultur am eigenen Leib erlebte, bemerkte sehr schnell den Bedarf eines kultursensiblen Hilfs- und Unterstützungsangebots im Mannheimer Sozialraum. Seitdem widmen sich der Verein und ihre mehrsprachigen Fachkräfte durch die kultursensiblen Beratungs-, Betreuungs- und Begleitungsangebote der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen.
Titel des Projekts im Rahmen des GgLiQ: Präventionsorientierte Frauen – ein gesundes Netzwerk!
In Mannheim, einem kulturell vielfältigen Stadtbezirk, hat der Duha e. V. eine Bedarfsanalyse im Quartier Rheinau durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Analyse zeigten, dass viele Frauen mit türkischem Migrationshintergrund sowohl unter Bewegungsmangel als auch unter Stress leiden, was erhebliche physische und psychosoziale Auswirkungen hat. Bemerkenswert war das Fehlen präventiver und gesundheitsfördernder Angebote, die kulturelle und religiöse Bedürfnisse berücksichtigen.


Vor diesem Hintergrund entwickelte Duha e. V. im Rahmen des Projekts GgLiQ einen detaillierten Präventionsmaßnahmenplan. Dieser Plan beinhaltet maßgeschneiderte, modular aufgebaute Maßnahmen, die sowohl theoretische Inhalte als auch praktische Übungen umfassen. Ein Beispiel für die theoretischen Inhalte ist das Modul “Mein Körper - Eine Einführung”, während der praktische Teil bspw. Dehnübungen oder Ausdauertraining umfasst. Diese ersten Maßnahmen wurden von einer muttersprachlichen Physiotherapeutin geleitet. Darüber hinaus wurde auch ein Gesundheitsmanager eingesetzt, der für die Informationsvermittlung und praktische Umsetzung ebenfalls zuständig war. Dies erwies sich als weniger hilfreich, insbesondere bei der Durchführung von Bewegungseinheiten. Nach Befragung der Teilnehmenden wurden die Gründe schnell festgestellt: Aufgrund des männlichen Geschlechts des Gesundheitsmanagers fühlten sich viele Teilnehmerinnen oft weniger komfortabel, Übungen wie Krafttraining gemeinsam durchzuführen.
Um gezielt auf die psychosozialen Auswirkungen einzugehen, wurden ab Ende 2023 weitere Maßnahmenblöcke von einer muttersprachlichen Psychologin durchgeführt. Unter dem Titel “Meine Kraftquelle – Der Fokus auf mich selbst” wurden Strategien zur Stressreduktion vermittelt. In diesen Sitzungen arbeiteten die Teilnehmerinnen an der Identifikation persönlichen Stresses, wobei insbesondere festgestellt wurde, dass Care-Arbeit einen großen Stressfaktor darstellt und einige Teilnehmerinnen pflegende Angehörige sind. Diese Aufgabe kann sehr fordernd und stressig sein, da pflegende Angehörige oft viel Zeit und Energie investieren, um sicherzustellen, dass die Familienmitglieder gut versorgt sind. Ergänzend wurden gemeinsam mit einer Yoga-Lehrerin Entspannungstechniken erlernt und Yoga praktiziert. Zudem wurde eine Walking-Gruppe gegründet und eine 10.000 - Schritte – Challenge ins Leben gerufen. Ab Sommer 2024 wurde der Block mit den Entspannungsübungen und der 10.000 - Schritte – Challenge eingestellt, und die Maßnahmen werden nun ausschließlich von der Psychologin durchgeführt. Die Gründe dafür waren, dass die Teilnehmenden sich gewünscht hatten, die Maßnahme “Meine Kraftquelle – der Fokus auf mich selbst, häufiger durchzuführen. Dabei wurde festgestellt, dass die Teilnehmenden sich in der Gruppe sehr wohlgefühlt haben und die Themen in den jeweiligen Sitzungen sehr vertieft wurden, wodurch pro Termin ein spezifisches Thema wie bspw. Selbstliebe und negative Energien festgelegt werden konnte.
Insgesamt liegt ein besonderer Fokus auf der Schaffung einer geschützten und vertrauensvollen Atmosphäre, in der sich Frauen austauschen können. Dies fördert nicht nur das Wohlbefinden, sondern stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Unterstützung.
Trotz der großen Resonanz der Maßnahme steht Duha e.V. weiterhin vor Herausforderungen, darunter die Suche nach geeigneten Räumen, die eine vertrauliche Umgebung bieten, und nach zusätzlichen Fachkräften, die die Bedürfnisse der Zielgruppe angemessen berücksichtigen können. Um den spezifischen gesundheitlichen Herausforderungen von Frauen mit Migrationshintergrund gerecht zu werden, setzt Duha e.V. eine Vielzahl von Maßnahmen um, die sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit der Teilnehmerinnen fördern:
- Wissensvermittlung über Gesundheitsthemen durch muttersprachliche Fachkräfte
- Praktische Übungseinheiten wie bspw. Yoga, Walken, - Zirkeltraining etc. angeleitet von Kursleiterinnen wie Physiotherapeutin, Gesundheitsmanager oder Yoga-Lehrerin
- Regelmäßige Treffen mit einer Psychologin unter dem Titel "Meine Kraftquelle – der Fokus auf mich selbst", die Strategien zur Stressbewältigung vermitteln
- Bereitstellung von Informationsbroschüren auf Deutsch sowie Flyer für social Media auf Deutsch und Türkisch, um den Zugang zu Gesundheitsinformationen zu erleichtern.
- Partizipativer Ansatz: Inhalte und Schwerpunkte werden gemeinsam mit den Teilnehmerinnen gesetzt
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Gesundheitskompetenz zu stärken und die gesundheitliche Chancengleichheit im Quartier Rheinau nachhaltig zu verbessern.
Ein zentrales Ziel von Duha e.V. ist es, die langfristige Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der umgesetzten Maßnahmen sicherzustellen. Durch gezielte Workshops, regelmäßige Austauschtreffen, den Aufbau von Netzwerken, die Planung und Umsetzung einer Frauenkonferenz sowie die Einbindung der Zielgruppe in die Entwicklung der Angebote wird sichergestellt, dass die Maßnahmen nachhaltig wirken und über die Projektlaufzeit hinaus Bestand haben.. Ein Praxisbeispiel aus Mannheim verdeutlicht diesen Ansatz:
Zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit
Ein zentrales Anliegen des Vereins ist die Nachhaltigkeit der umgesetzten Maßnahmen, damit diese auch nach dem Ende der Projektlaufzeit fortgeführt werden können. Dazu hat Duha e.V. verschiedene Ansätze entwickelt:
Ein bedeutender Schritt in dem Projekt ist die regelmäßige Durchführung der Workshops bzw. Termine. Sowohl die Termine mit der Physiotherapeutin als auch die aktuellen Sitzungen mit der Psychologin unter dem Titel “Meine Kraftquelle – Der Fokus auf mich selbst, um stressreduzierter zu leben” tragen dazu bei, niedrigschwellige Angebote zu schaffen, die die Frauen auch in ihrem Privatleben umsetzen können.
Bei den Maßnahmen gemeinsam mit der Physiotherapeutin wurde darauf geachtet, dass die Bewegungseinheiten leicht von zuhause aus nachgemacht werden können, ohne viel Material zu benötigen. Besonders die aktuellen Termine mit der Psychologin zielen darauf ab, das Selbstbewusstsein und die Selbstfürsorge der Teilnehmerinnen zu stärken. Viele Frauen berichten bereits von persönlichen Erfolgen, wie z.B. emotionale Befreiung, die sie durch die Ansätze der Psychologin erzielt haben. Diese Erfolge teilen sie in der Gruppe, was wiederum andere Teilnehmerinnen ermutigt, ebenfalls Veränderungen in ihrem Leben vorzunehmen und die ersten Schritte zu wagen.
Das Konzept des Empowerments spielt somit eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der gesamten Maßnahmen. Durch Empowerment werden langfristig positive Verhaltensänderungen, wie eine gesteigerte Motivation zur Teilnahme an sportlichen Aktivitäten und eine Verbesserung des Selbstbewusstseins, gefördert. Dies schafft eine Grundlage für nachhaltige, positive Lebensgewohnheiten.
Ein weiterer wichtige Aspekt ist, dass die Projektkoordinatorin sowie die Kursleiter*innen sich in die Lebenswelten der Teilnehmerinnen versetzten, um ein tieferes Verständnis aufzubauen. Diese Nähe ermöglicht es, eine vertrauensvolle Umgebung zu schaffen, in der über schwierige Alltagssituationen gesprochen werden kann. Durch diese Vertrauensbasis konnten die Gründe für Bewegungsmangel und Stress besser identifiziert werden. Diese sind unter anderem die Care-Arbeit sowie ein mangelnder “gesunder Egoismus”. Daraus folgt, dass sich die Teilnehmer*innen weniger Zeit für sich selbst und ihre Gesundheit nehmen.
Durch den partizipativen Ansatz und die kontinuierliche Einbindung der Teilnehmerinnen wird die Nachhaltigkeit der Maßnahmen sichergestellt, da die Frauen aktiv an der Gestaltung ihrer eigenen Gesundheitsförderung beteiligt sind.
Ein weiterer Erfolgsfaktor war die Nutzung eines bestehenden Sportvereins und weiteren Einrichtungen in Rheinau, um darauf abzuzielen, nach dem Ende der Projektlaufzeit Gesundheitssport anzubieten. Dies stellt sicher, dass die Frauen weiterhin Zugang zu regelmäßigen Bewegungsangeboten direkt in Rheinau haben, besonders in den Wintermonaten, wenn Outdoor-Aktivitäten weniger zugänglich sind.
Um gesundheitsfördernde Strukturen im Quartier weiter aufzubauen, sich stärker mit den Akteur*innen zu vernetzen, Frauen in Rheinau zu erreichen und das Ziel der nachhaltigen Verankerung des Projekts abzudecken hat Duha e. V. gemeinsam mit der Caritas Rheinau, dem Quartiersmanagement Rheinau sowie der Migrationsberatungsstelle von Duha e. V. eine Frauenkonferenz unter dem Titel “Gesund im Stadtteil” geplant und erfolgreich umgesetzt. Rund 70 Frauen haben sich über Gesundheitsthemen informiert, spannende Gespräche an den Informationsständen geführt, einen aufschlussreichen Vortrag über Ernährung gehört und aktiv an den Yoga- und Physiotherapie-Workshops teilgenommen. Die Inhalte der Frauenkonferenz orientierten sich an die bisherigen umgesetzten Maßnahmen sowie den Leitfaden Prävention - Handlungsfelder und Kriterien nach §20 Abs. 2 SGB V. Schnell wurde deutlich, dass die Frauenkonferenz in Rheinau jährlich durchgeführt wird. Die Auswertung der aktuellen Frauenkonferenz und die ersten Ideen für die Planung der Frauenkonferenz 2025 erfolgen bereits im Dezember.
Insgesamt hat Duha e. V. durch diese Ansätze Strukturen geschaffen, die nicht nur das körperliche und psychische Wohlbefinden der Frauen fördern, sondern auch eine nachhaltige Gesundheitsförderung im Quartier Rheinau gewährleisten.
Empfehlungen aus unseren Erfahrungen für zukünftige Projekte:
Basierend auf unseren Erfahrungen im Rahmen des Projekts GgLiQ möchten wir folgende Empfehlungen für zukünftige Projekte aussprechen:
Ein zentrales Element ist der Einsatz von muttersprachlichen, weiblichen Fachkräften. Diese Fachkräfte kennen nicht nur die Sprache, sondern auch die kulturellen Hintergründe der Teilnehmerinnen. Dadurch wird Vertrauen aufgebaut und eine effektive Kommunikation gefördert. Zudem können weibliche Fachkräfte durch ihre eigene Rolle als Frau ein tieferes Verständnis für die spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse der Teilnehmerinnen entwickeln.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist ein respektvoller Umgang mit den kulturellen Hintergründen der Teilnehmerinnen. Unterschiedliche kulturelle Prägungen sollten angemessen berücksichtigt werden. Ein vorurteilsfreier und empathischer Umgang ist essenziell, um den Frauen mit Respekt zu begegnen und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen.
Das Empowerment der Frauen steht im Mittelpunkt aller Maßnahmen. Ziel ist es, die Frauen zu befähigen, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Geschützte Räume, in denen Frauen offen über ihre Herausforderungen sprechen und Unterstützung erfahren können, sind hierfür von großer Bedeutung. Die Partizipation der Teilnehmerinnen, also ihre aktive Einbindung in die Planung der Maßnahmen, ist ebenfalls entscheidend. Dies stärkt ihre Motivation, sich einzubringen, und vermittelt ihnen, dass ihre Stimmen gehört werden.
Die Angebote sollten niedrigschwellig gestaltet sein, um möglichst viele Frauen zu erreichen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Anerkennung der Mehrfachbelastung durch Care-Arbeit und die Pflege von Angehörigen. Diese Belastungen müssen wahrgenommen und berücksichtigt werden.
In Quartieren mit wenigen gesundheitsbezogenen Angeboten empfiehlt es sich, gezielte Veranstaltungen zu planen, die Frauen ansprechen, aufklären und empowern. Diese Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Schaffung nachhaltiger Strukturen, die nicht nur die Lebenssituation der Teilnehmerinnen verbessern, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Unterstützung stärken.
Ezidische Akademie e. V. in Hannover
Titel des Projekts im Rahmen des GgLiQ: Gesundheit im Gleichgewicht
Webseite: Gesundheit im Gleichgewicht - Ezidische Akademie e. V. ezidak.de
Die Ezidische Akademie e. V. in Hannover hat erkannt, dass viele neu angekommene Migrant*innen in den ersten Monaten nach ihrer Ankunft in Deutschland erheblichen Stressoren ausgesetzt sind, die sowohl ihre physische als auch psychische Gesundheit beeinträchtigen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, plante die Akademie im Rahmen des GgLiQ-Projekts eine Reihe von Workshops, die sich auf den Stressabbau und die Förderung des allgemeinen Wohlbefindens konzentrieren.
Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Photovoice-Methode, bei der Teilnehmende ihre Erfahrungen und Gefühle durch Fotos und Erzählungen ausdrücken. Diese kreative Herangehensweise hilft, Sprachbarrieren zu reduzieren und eröffnet neue Möglichkeiten der Kommunikation. Ergänzt wird dieses Angebot durch Gesprächsgruppen, die Strategien zur Stressbewältigung vermitteln, sowie Kurse in Autogenem Training. Diese Selbstentspannungstechniken fördern die Resilienz der Teilnehmenden und verbessern ihr allgemeines Wohlbefinden.
Ursprünglich wurden die Maßnahmen im Quartier Hainholz umgesetzt. Doch aufgrund von Problemen wie dem Mangel an geeigneten Räumen und der eingeschränkten Erreichbarkeit der Zielgruppe verlegte die Akademie ihre Aktivitäten nach Hannover-Mitte. Dieser Umzug ermöglichte eine bessere Vernetzung mit lokalen Akteur*innen und die Nutzung einer geeigneteren Infrastruktur. Die ersten Workshops und Gruppenangebote wurden innerhalb der Community sehr positiv aufgenommen und bestätigten die Effektivität der Ansätze.
Um auf die spezifischen Bedarfe der Migrant*innen einzugehen, hat die Ezidische Akademie folgende Maßnahmen entwickelt:
- Photovoice-Workshops zur Stressbewältigung: Eine Besonderheit dieser Workshops ist, dass die Teilnehmenden ihre Erfahrungen visuell und narrativ darstellen können, um Sprachbarrieren zu überwinden.
- Gesprächsgruppen zur Stressbewältigung, in denen Techniken zur Bewältigung von Alltagsstress vermittelt werden.
- Autogenes Training, das den Teilnehmenden ermöglicht, ihre Selbstentspannungskompetenzen zu erweitern und Resilienz aufzubauen
- Verlagerung der Aktivitäten von Hainholz nach Hannover-Mitte, um eine bessere Vernetzung und Zielgruppenansprache sicherzustellen.
Die Ezidische Akademie hat auf Grundlage einer Bedarfsanalyse gezielt Maßnahmen entwickelt, die den spezifischen Stressoren und Herausforderungen neu angekommener Migrant*innen begegnen. Durch die flexible Anpassung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Angebote konnte die Akademie einen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten. Dies stärkt nicht nur die physische und psychische Gesundheit der Teilnehmenden, sondern auch ihr Gemeinschaftsgefühl und ihre Resilienz.

Vietnamesische Interkulturelle Fraueninitiative in Deutschland e. V. (VIFI e. V.) in Bochum
Titel des Projekts im Rahmen des GgLiQ: Bewegung für alle: Fit und Gesund mit VIFI
Webseite: Vietnamesische Interkulturelle Fraueninitiative in Deutschland vifi.de
Im Rahmen des GgLiQ-Projekts hat der VIFI e. V. in Bochum verschiedene Maßnahmen zur Gesundheitsförderung entwickelt, die gezielt auf die Bedarfe von Migrant*innen ausgerichtet sind. Durch das Angebot flexibler und bedarfsorientierter Aktivitäten möchte der Verein die Gesundheitskompetenz fördern und soziale Interaktion stärken.
Ein besonders erfolgreiches Beispiel aus Bochum ist der Yoga-Kurs, der speziell für Frauen mit (überwiegend vietnamesischem) Migrationshintergrund entwickelt wurde. Dieses Angebot zielte darauf ab,nicht nur die körperliche Flexibilität zu verbessern, sondern auch Stress abzubauen und das mentale Wohlbefinden zu fördern.
Der VIFI e. V. hat im Rahmen des Projekts folgende Maßnahmen entwickelt und durchgeführt:
- Online-Yoga-Kurs: Wöchentlich konnten Frauen mit vietnamesischem Migrationshintergrund online an einem interaktiven Yoga-Kurs teilnehmen. Ziel war es, körperliche Flexibilität zu verbessern und Stress abzubauen. Ursprünglich als Präsenzangebot geplant, wurde der Kurs auf Wunsch der Teilnehmenden in ein Online-Format umgewandelt, um den Frauen eine flexible Teilnahme zu ermöglichen.
- Kinderfreundliche Angebote während des Yoga-Kurses in Präsenz: Mütter, die ihre Kinder nicht allein zu Hause lassen konnten, hatten die Möglichkeit, ihre Kinder zum Kurs mitzubringen. Für die Kinder wurden Aktivitäten wie Malen und Basteln organisiert, sodass die Mütter sich voll auf die Übungen konzentrieren konnten.
- Nordic Walking: Dieses Angebot richtete sich sowohl an Familien mit Kindern als auch an Einzelpersonen mit vietnamesischer Migrationsgeschichte. Ziel war es, Bewegung an der frischen Luft zu fördern und gleichzeitig die soziale Interaktion zwischen den Teilnehmenden zu stärken. Das gemeinsame Nordic Walking trug nicht nur zur Verbesserung der körperlichen Fitness bei, sondern stärkte auch das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Gruppe.
- Kurs zur Gesundheitskompetenzförderung: Dieser Kurs zielte darauf ab, die Gesundheitskompetenz der Teilnehmenden zu stärken. Er vermittelte Wissen zu gesundheitsrelevanten Themen und förderte präventive Maßnahmen, die die Teilnehmenden in ihren Alltag integrieren konnten.
Ein zentrales Ziel der Arbeit von VIFI e. V. war die flexible Anpassung der Angebote an die Bedarfe der Zielgruppe. Das folgende Praxisbeispiel zeigt, wie die bedarfsorientierte Gestaltung durch die Umstellung eines Präsenzkurses auf ein Online-Format erfolgreich umgesetzt wurde, um den Teilnehmerinnen eine größere Flexibilität zu ermöglichen:
Bedarfsorientierte Gestaltung
Der VIFI e.V. in Bochum hat im Rahmen des Projekts ein Yoga-Kursangebot speziell für Frauen mit Migrationshintergrund entwickelt. Der Yoga-Kurs zielte darauf ab, die körperliche Flexibilität zu verbessern und Stress durch regelmäßige Yoga-Übungen abzubauen. Der Kurs fand ein bis zweimal pro Woche online statt, wobei die Teilnehmerinnen interaktive Sessions genießen konnten, die von einer erfahrenen Yoga-Lehrerin geleitet wurden. Die Kursinhalte umfassten sowohl theoretische als auch praktische Komponenten, um ein ganzheitliches Verständnis und eine Anwendung von Yoga zu fördern.
Zu Beginn des Kurses hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich mit der Yoga-Lehrerin und allgemein mit Yoga vertraut zu machen sowie einander kennenzulernen, da die meisten von ihnen noch nie Yoga praktiziert hatten. Einige Teilnehmerinnen brachten ihre Kinder und Familienangehörigen mit, was von VIFI e. V. angeregt wurde, da viele ihre Kleinkinder nicht unbeaufsichtigt zu Hause lassen konnten. Für die Kinder wurden spezielle Aktivitäten wie Malen, Zeichnen und Basteln organisiert. Dadurch konnten die Mütter ungestört am Yoga-Kurs teilnehmen und sich voll auf die Übungen konzentrieren.
Eine Herausforderung bestand anfangs darin, geeignete Zeiten für den Kurs zu finden, die mit den unterschiedlichen Zeitplänen der Teilnehmerinnen vereinbar waren. Um den Bedarfen und Lebensumständen der Frauen entgegenzukommen, wurde der Kurs früh morgens von 7 bis 8 Uhr durchgeführt, so dass die Teilnehmerinnen vor Arbeitsbeginn an der Gesundheitsaktivität teilnehmen und anschließend ihre beruflichen Verpflichtungen nachgehen konnten. Das ermöglichte den Frauen, von überall aus teilnehmen zu können und die An- und Abreise zu den Kursen zu sparen.
Der Yoga-Kurs wurde von den Teilnehmerinnen sehr gut angenommen. Die regelmäßige Teilnahme zeigte positive Effekte auf deren körperliche Flexibilität und mentale Gesundheit, insbesondere bei Frauen, die nach der Geburt ihres Kindes häufig Probleme mit der Wirbelsäule, dem Rücken und ihrer psychischen Gesundheit hatten. Aufgrund des positiven Feedbacks und der hohen Nachfrage plant VIFI e. V., den Yoga-Kurs auch in Zukunft fortzuführen und möglicherweise in ein Hybrid-Format zu überführen, um sowohl eine Präsenz- als auch Online-Teilnahme zu ermöglichen.
SOS-Kinderdorf in Merzig
Titel des Projekts im Rahmen des GgLiQ: Merziger Communities ansprechen, gewinnen und zusammenbringen – partizipativ, nachhaltig, gesund
Webseite: SOS-Kinderdorf Saar sos-kinderdorf.de/kinderdorf-saar
In Merzig hat sich das SOS-Kinderdorf-Saar im Rahmen des GgLiQ-Projekts auf die Förderung der Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund konzentriert, insbesondere auf die von Kindern und Familien. Durch gezielte Maßnahmen soll die gesundheitliche Teilhabe und Chancengleichheit dieser Zielgruppen verbessert werden. Die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen und die Nutzung partizipativer Ansätze spielten dabei eine entscheidende Rolle, um auf die spezifischen Bedarfe der angesprochenen Communities im Quartier einzugehen und die Gesundheitskompetenz in der Region zu stärken.

Folgende Maßnahmen wurden im Rahmen des Projekts in Merzig durchgeführt:
- Vorbereitungsgruppe für die Gesunde Koch-AG in einer Ganztagsschule: Diese Gruppe wurde ins Leben gerufen, um mit Schüler*innen gemeinsam die Maßnahme zu entwickeln und zu erproben. Dabei wurden die Schüler*innen spielerisch an eine gesunde Ernährung herangeführt und auf die Teilnahme an der „gesunden Koch AG“ vorbereitet. Auf Basis dieses Probedurchlaufs ist die „gesunde Koch-AG“ entstanden, die ein weiteres Schuljahr regulär angeboten wurde.
- Gesunde Koch-AG in einer Ganztagsschule: Schüler*innen mit Migrationshintergrund erlernten hier grundlegende Kenntnisse zu gesunder Ernährung und einfacher Kochtechniken. In regelmäßigen spielerisch gestalteten Feedback- und Quizrunden wurden die Schüler*innen zu der Umsetzung und dem persönlichen Nutzen der Maßnahme befragt. Die erarbeiteten Rezepte werden als spielerisches Kochbuch zur Verfügung gestellt.
- Sitzgymnastik für russischsprachige Seniorinnen (Aktiv - Fit – Sicher): Bei diesem Bewegungsangebot wurden Seniorinnen diverse Übungen und Techniken nähergebracht und eingeübt, die die Beweglichkeit und damit die Autonomie im Alter verbessern und erhalten können.

- Zuckerworkshop in türkischer Sprache (Wie süß ist Baklava?): Auf Türkisch wurden den Teilnehmenden die Auswirkungen eines erhöhten Zuckerkonsums auf die Gesundheit erklärt und Strategien erarbeitet, wie versteckter Zucker im Alltag vermieden werden kann.
- Bewegungsangebot für Frauen (Find Your Favorit): Bei diesem Bewegungsangebot für Frauen der türkischen Community in Merzig wurden verschiedene Sport- und Bewegungsarten vorgestellt und ausprobiert, um gemeinsam mit und für die Frauen ein kontinuierliches Angebot zu gestalten und langfristig umzusetzen.
- Lauftreff für Eltern und Kinder (Fit an der Saar): Eltern mit ihren Kindern der eritreischen Community in Merzig trafen sich, um angeleitet am Uferweg an der Saar eine Stunde Laufen zu gehen. Das Angebot zielt(e) darauf ab, durch die Förderung von körperlicher Aktivität und der Möglichkeit des Austauschs einen aktiven Lebensstil in den familiären Alltag zu etablieren.
- Zahngesundheitsvortrag: Das Merziger Gesundheitsamt informierte kostenlos über die Zahngesundheit im Erwachsenenalter und deren Bedeutung für die allgemeine Gesundheit. Die Inhalte wurden dabei von und für die Communities (Peer-to-Peer) übersetzt.
- Zuckerworkshop: Die AOK bot einen kostenlosen Workshop an, in dem über die gesundheitlichen Auswirkungen eines erhöhten Zuckerkonsums informiert und Strategien entwickelt wurden, um versteckten Zucker im Alltag zu vermeiden. Auch hier wurden die Inhalte von und für die Communities (Peer-to-Peer) übersetzt.
- Kooperation mit dem Amt für Soziale Angelegenheiten: Eine enge Zusammenarbeit mit der Integrationsbeauftragten ermöglichte den Zugang zu lokalen Gemeinschaften im Quartier, wie z. B. der türkischen Frauengruppe und dem Eritreischen Verein.
- Mehrsprachige Informationsmaterialien: In Zusammenarbeit mit interkulturellen Brückenbauer*innen wurden mehrsprachige Flyer erstellt, die die Reichweite und Akzeptanz in der migrantischen Gemeinschaft verbesserten.
- Regelmäßige Netzwerktreffen: Vertreter*innen verschiedener Communitymitglieder und Akteuer*innen im Präventions- und Gesundheitsbereich in Merzig wurden regelmäßig zu Netzwerktreffen eingeladen, um Informationen auszutauschen und die Teilnahme an gesundheitsfördernden Maßnahmen zu erhöhen.
- Nutzung eines Newsletters: Durch einen breit gestreuten Newsletter konnten Informationen zu Angeboten und neuen Projekten effizient über die Communities und Akteur*innen im Quartier an potentiell Interessierte weitergeleitet werden.
- Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen: Die Projektkoordinatorin stellte das Projekt bei öffentlichen Veranstaltungen vor, um mögliche Kooperationen anzuregen und weitere Interessierte direkt anzusprechen.
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Eine besondere Stärke in Merzig bestand in der bedarfsorientierten Kontaktaufnahme mit den Communities im Quartier, der gezielten Öffentlichkeitsarbeit und der partizipativen Maßnahmengestaltung. Zu Beginn des Projektes stand das SOS-Kinderdorf in Merzig vor der Herausforderung den Schwerpunkt ihrer Arbeit nun gezielt auf die Bedarfe von Communities mit Migrationsgeschichte auszurichten, was sich aufgrund fehlender etablierter Kontakte zunächst als anspruchsvoll erwies. Dieses Praxisbeispiel zeigt, wie durch strategische Maßnahmen die Akzeptanz, Teilnahme und Mitgestaltung an präventiven und gesundheitsfördernden Angeboten nachhaltig gesteigert werden kann.
Eine zentrale Maßnahme war die Kooperation mit dem Amt für Soziale Angelegenheiten in Merzig, besonders der Kontakt zur Integrationsbeauftragten der Stadt. Diese Zusammenarbeit war entscheidend, um einen Zugang zu lokalen Migrant*innenengemeinschaften, wie z. B. der türkischen Frauengruppe und dem Eritreischen Verein zu finden. Durch diese Kooperation konnten Bedarfe ermittelt und Angebote gezielt an die relevanten Gemeinschaften weitergegeben werden, was die Effizienz der Öffentlichkeitsarbeit deutlich steigerte.
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Bereitstellung mehrsprachiger Angebote und Informationsmaterialien. In Zusammenarbeit mit interkulturellen Brückenbauer*innen konnte die Mehrsprachigkeit und eine breite Streuung der Informationen im Quartier erreicht werden, was zu einer breiten Akzeptanz und Bereitschaft zur Mitgestaltung führte. Insbesondere nach der interkulturellen Woche 2023 in Merzig entstanden durch persönliche Vorstellungen erste feste Kontakte zur türkischen Frauengruppe, woraus in anschließenden Treffen im Rahmen der Netzwerkarbeit eine verlässliche Zusammenarbeit entstand. Im weiteren Verlauf konnten durch die Öffentlichkeitsarbeit und insbesondere durch den persönlichen Kontakt auch weitere Communities gewonnen werden: So wurde z. B. erst telefonisch Kontakt mit dem neu gegründeten „Eritreischen Verein Merzig e. V.“ aufgebaut, gefolgt von einem Kennenlerntermin mit Vorstellung des Projekts. Später wurde die Projektkoordinatorin zur Bekanntmachung und Projektvorstellung zu einem regulären Treffen der Community eingeladen, was den Startschuss für die weitere, bis heute anhalte Zusammenarbeit darstellte.
Auch der Zugang zur russischen Community im Quartier erfolgte hauptsächlich über den persönlichen Kontakt, nach der persönlichen Vorstellung und Bekanntmachung des Projektes durch die Projektkoordinatorin in der Chorgruppe. Der Informationsfluss und alle weiteren Absprachen erfolgten fast ausschließlich persönlich oder via Telefonate mit festen Ansprechpartner*innen der Communities. Durch diese direkte und persönliche Kommunikation konnte eine Vertrauensbasis geschaffen werden, die zu einem kontinuierlichen Austausch im Rahmen der Netzwerktreffen und zu einer verlässlichen Zusammenarbeit führte.
Ein zentrales Instrument der Öffentlichkeitsarbeit war der breit gestreute Newsletter des im Projekt entstandenen und gewachsenen Netzwerks, der Informationen, Angebote und Ideen der verschiedenen Akteur*innen bündelte. Hierdurch war es möglich, schnell und gezielt alle relevanten Communities und Stellen zu erreichen, ohne in der anonymen Masse ausschließlich deutschsprachiger Nachrichtenblätter oder Zeitungen (die häufig von den Communities selbst kaum oder gar nicht konsumiert werden) unterzugehen. So trug beispielsweise dieser Newsletter dazu bei, dass die Koordinatorin zu öffentlichen Veranstaltungen einzelner Bildungseinrichtungen eingeladen wurde, um sich und das Projekt jungen Menschen mit Migrationshintergrund vorzustellen. Mögliche Kooperationen oder Anbindungen in bestehende Angebote sind in Planung.
Das Beispiel aus Merzig verdeutlicht, wie wichtig eine gezielte und strategisch durchdachte Öffentlichkeitsarbeit ist, um eine partizipative und nachhaltige Angebotsgestaltung im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zu realisieren. Durch den Einsatz von mehrsprachigen Materialien, die direkte Ansprache über interkulturelle Brückenbauer*innen, die Nutzung persönlicher Kontakte und das Engagement der Communities selbst konnte die Reichweite und die Nachhaltigkeit des Projekts erheblich gesteigert werden.
Nachbarschaftszentrum Divan e. V. in Berlin
Titel des Projekts im Rahmen des GgLiQ: Gesundes Leben im Kiez
Webseite: Nachbarschaftszentrum Divan e. V. in Berlin nachbarschaftszentrum-divan.de
Im Rahmen des GgLiQ-Projekts lag der Fokus in Berlin, basierend auf der Entstehungsgeschichte und Ausrichtung des Vereins, auf der Förderung der Gesundheit von Menschen mit türkischer Migrationsgeschichte. Das Projekt richtete sich an Personen, die häufig mit mehrfachen Herausforderungen wie sprachlichen Barrieren, sozialer Isolation oder gesundheitlichen Einschränkungen konfrontiert sind. Um den Bedarfen dieser Menschen besser gerecht zu werden, wurden Maßnahmen entwickelt, die gezielt im Quartier „Klausener Kiez“ (Berlin-Charlottenburg) auf ältere Menschen mit Migrationsgeschichte und später auf Familien mit Migrationsgeschichte ausgerichtet waren. Durch die Zusammenarbeit mit Migrant*innenorganisationen und lokalen Akteur*innen wurden kultursensible und niederschwellige Angebote geschaffen, die die Gesundheit und das Wohlbefinden der Teilnehmenden nachhaltig fördern.
Um den spezifischen gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen von Menschen mit Migrationsgeschichte gerecht zu werden, wurden in Berlin verschiedene Maßnahmen entwickelt und umgesetzt, die auf die Bedarfe der angesprochenen Gruppen zugeschnitten waren.
Der DIVAN e. V. hat im Rahmen des GgLiQ-Projekts in Berlin folgende Maßnahmen entwickelt und durchgeführt:
- Ernährungs-Workshops: Diese Workshops deckten Themen der gesunden Ernährung ab. Darunter waren Qualifizierungsmaßnahmen von Multiplikator*innen, sowie offene Kochgruppen, wo es um die Vermittlung von alltäglicher gesunder Ernährung und deren praktische Anwendung an Familien mit Kindern geht.
- Muttersprachliche Informationsveranstaltungen: Veranstaltungen zu gesundheitlich relevanten Themen wurden in der jeweiligen Muttersprache oder mit Unterstützung von Sprachmittler*innen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Teilnehmenden die Informationen vollständig verstehen und umsetzen konnten.
- Bewegungsangebote und Freizeitaktivitäten zur Förderung der Mobilität und sozialen Teilhabe: Gemeinsame Ausflüge Kiez- und Waldspaziergänge) und Aktivitäten (Stuhl-Yoga) wurden organisiert, um die soziale Isolation zu reduzieren und die körperliche Mobilität zu fördern. Diese Aktivitäten trugen zur Verbesserung der körperlichen Gesundheit und des psychischen Wohlbefindens bei.
Das Praxisbeispiel zeigt, wie durch die Zusammenarbeit mit Migrant*innenorganisationen und kultursensible Angebote im Quartier die Akzeptanz und Teilnahme am Projekt gesteigert werden konnte:
Berücksichtigung mehrgenerationaler Aspekte im Quartier
In Berlin wurden mehrere Maßnahmen entwickelt, die speziell auf ältere Menschen mit Migrationsgeschichte und später auf Familien mit Migrationsgeschichte abzielten. Die Projektaktivitäten umfassten gesundheitsfördernde Maßnahmen, die die physischen, psychischen und sozialen Bedarfe dieser Communities im Quartier berücksichtigen. Dabei wurde eng mit lokalen Migrant*innenorganisationen zusammengearbeitet, um kultursensible Angebote zu entwickeln und durchzuführen.
Zusätzlich wurden Informationsveranstaltungen durch türkischsprachige Fachkräfte zu gesundheitsrelevanten Themen wie Ernährung, Bewegung und Prävention von chronischen Erkrankungen angeboten. Diese Veranstaltungen richteten sich an ältere Menschen und Familien mit Migrationsgeschichte. Die Zusammenarbeit mit lokalen Gesundheitsdiensten und Fachleuten war hierbei von großer Bedeutung, um sicherzustellen, dass die relevanten Informationen die angesprochenen Communities im Quartier erreichen. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts lag in der Förderung des psychischen Wohlbefindens durch regelmäßige Gruppentreffen und Gesprächsrunden, da viele ältere Migrant*innen unter Einsamkeit und sozialer Isolation leiden. Diese Treffen ermöglichen den Teilnehmenden, sich auszutauschen, Unterstützung zu finden und soziale Kontakte zu knüpfen. Die Gesprächsrunden werden von geschulten Moderatoren geleitet, die Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen haben. Die Maßnahmen wurden gut angenommen, so dass auf eine Verbesserung der Lebensqualität und Gesundheit hingearbeitet werden konnte.


