Gemeinwesenorientierte Projekte (GWO)

Der Paritätische Gesamtverband steht in seiner Funktion als Zentralstelle den Mitgliedern des Paritätischen beim Antragstellungsprozess der Gemeinwesenorientierten Projekten zur Seite und leitet auch die Anträge nach Fertigstellung an das BAMF weiter.

 Zielgruppe: Zugewanderte mit dauerhafter Bleibeperspektive

  • Personen mit dauerhafter Bleibepersktive ab 12 Jahren ohne weitere Einschränkungen für altersunabhängige Projekte und Jugendliche (12 bis 27 Jahre) mit dauerhafter Bleibeperspektive für die Jugendprojekte.
  • Von dauerhafter Bleibeperspektive ist auszugehen, wenn die betreffende Person im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis von mindestens ein Jahr ist oder seit 18 Monaten eine Aufenthaltserlaubnis besitzt, es sei denn der Aufenthalt ist vörubergehender Natur. Zur Zielgruppe gehören auch Geflüchtete Menschen aus Krisenregionen, bei denen eine Rückkehr in ihr Heimatland nicht absehbar ist nach §44 Abs. 1 Satz 2 und §23 Abs 2 Aufenthaltgesetz.
  • auch für den in § 44 Abs. 4 S. 2 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) aufgeführten Personenkreis, nämlich deutsche Staatsangehörige, wenn sie nicht über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen und in besonderer Weise integrationsbedürftig sind, sowie für Ausländer, die eine Aufenthaltsgestattung besitzen und bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist, eine Duldung nach § 60a Abs. 2 S. 3 AufenthG oder eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 5 AufenthG besitzen.

Finanzierungsraum

Die Zuwendung wird vom Bundesamt im Rahmen der Projektförderung als Anteilsfinanzierung für maximal 36 Monate gewährt; dies bedeutet, dass der Projektträger (oder Dritte) einen Teil der Kosten selbst tragen muss. Der Eigenanteil sollte den finanziellen Möglichkeiten des jeweiligen Trägers entsprechen. Eine Eigenbeteiligung oder Drittmittelbeteiligung von 15% wäre wünschenswert. Der Zuschuss des Bundesamtes kann bei 12 Monaten Laufzeit bis zu einer maximalen Höhe von 70.000 EUR pro Jahr betragen. Wie bisher wird eine 5%ige Verwaltungskostenpauschale anerkannt.

Einbringung von Eigenmitteln und Einwerbung von Drittmitteln
Entsprechend ihren finanziellen Möglichkeiten sind von den Trägern Eigenmittel einzubringen sowie Drittmittel einzuwerben. Das Bundesamt berücksichtigt, dass Migrantenorganisationen und kleinere Organisationen aufgrund ihrer meist ehrenamtlichen Struktur kaum in der Lage sind, einen höheren Eigenanteil einzubringen. Ihnen kann ggf. ehrenamtliches Engagement als Eigenanteil angerechnet werden. Dies bedeutet keine Ungleichbehandlung der etablierten Träger, da der Eigenanteil schon nach den Vorgaben der Bundeshaushaltsordnung in jedem Einzelfall individuell zu prüfen ist und von der finanziellen Ausstattung abhängt.

Nicht geförderte Maßnahmen

  • Maßnahmen, die dem originären Zuständigkeitsbereich der Länder oder Kommunen zuzuordnen sind (beispielsweise Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen),
  • Maßnahmen, die in die alleinige Zuständigkeit der Arbeitsverwaltung fallen (berufliche Integration),
  • Maßnahmen zur individuellen Integrationsplanung (Beratung und Betreuung nach der Methode des Case-Managements) wie sie von der Migrationsberatung (MBE/JMD) durchgeführt werden,
  • Maßnahmen zur Integration durch Sport, Maßnahmen zu Erwerb und Verbesserung deutscher Sprachkompetenz und –performanz (Sprachkurse) sowie investive Maßnahmen (Baumaßnahmen).
  • Maßnahmen aus dem Bereich der Gesundheitsvorsorge
  • Wissenschafliche Forschungsprojekte
  • Maßnahmen der Vorintegration (in Ausland)
  • Maßnahmen im Ausland

Themenschwerpunkte 2020

1. Projektarbeit als flankierende Maßnahme zum Integrationskurs

Erwartete Wirkung von Projekten zu diesem Themenschwerpunkt:

Mehr soziale Kontakte zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sind durch eine stärkere Verknüpfung der Integrationskursteilnehmenden in die Aufnahmegesellschaft hergestellt.
Die Sprachkompetenzen der Integrationskursteilnehmenden sind in der Praxis zum Einsatz gekommen. Integrationskursteilnehmende kennen und nutzen Partizipationsmöglichkeiten (in Organisationen).

Gesucht werden Projekte, deren Maßnahmen sich speziell an Teilnehmende von Integrationskursen
richten und ihnen helfen, Kontakte zur Aufnahmegesellschaft zu knüpfen. Hierdurch soll die gleichberechtigte Teilhabe und das freiwillige Engagement von Kursteilnehmenden gestärkt werden.
Zugewanderten wird zum einem ermöglicht, die im Integrationskurs erlernten Sprachkompetenzen
durch den alltäglichen Austausch (keine Schulungsangebote) und die aktive Interaktion mit
deutschsprechenden Personen zu pflegen und zu erweitern. Zum anderen sollen die  Integrationskursteilnehmenden dazu ermutigt werden, sich gesellschaftlich freiwillig zu engagieren sowie die verschiedenen Partizipationsmöglichkeiten vor Ort kennen zu lernen und zu nutzen.
Die Projekte leisten dadurch sowohl einen Beitrag zum (interkulturellen) Zusammenleben, als
auch zur Stärkung des freiwilligen Engagements und zur aktiven Nutzung weiterer Partizipations und
Teilhabemöglichkeiten.

2. Teilhabe und Partizipation mit speziellem Fokus auf Mädchen und Frauen

Erwartete Wirkung von Projekten zu diesem Themenschwerpunkt:

Mädchen/Frauen mit und ohne Migrationshintergrund

  • kennen und nutzen unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten (in Organisationen).
  • verfügen über mehr Selbstvertrauen, Selbstverantwortung und Motivation
  • verfügen über mehr Kompetenzen und diese Kompetenzen sind in der Öffentlichkeit
  • sichtbarer
  • verfügen über mehr Wissen zu den Werten der freiheitlich demokratischenGrundordnung

Gesucht werden Projekte, deren Maßnahmen sich vordergründig an Mädchen und Frauen richten und geeignet sind, diese zu ermutigen, sich aktiv am sozialen und gesellschaftlich zu beteiligen sowie sich freiwillig zu engagieren und damit einen Beitrag zur Stärkung ihrer Teilhabechancen zu leisten. Im Rahmen der Projekte sollen ihnen Möglichkeiten aufgezeigt und geboten werden, sich auszutauschen und zu vernetzen, Informationen zu erhalten sowie soziale Kontakte zu knüpfen und Verantwortung zu übernehmen. Im Mittelpunkt soll hierbei insbesondere die Stärkung des Selbstvertrauens und der Selbstverantwortung sowie die Stärkung und Sichtbarmachung der Kompetenzen von Mädchen und Frauen stehen, aber auch das Verständnis und die Vermittlung von Werten der freiheitlich demokratischen Grundordnung als Teil einer pluralistischen Gesellschaft.

Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes zur Stärkung der Teilhabe- und Partizipationschancen von Mädchen und Frauen kann es des Weiteren sinnvoll und zielführend sein, in den Projekten auc männliche Bezugspersonen (wie z.B. (Ehe-) Männer/Väter) durch spezielle Maßnahmen zu adressieren.

Da sich insbesondere für Frauen und Mädchen in ländlichen Regionen die Erreichbarkeit von integrativen Maßnahmen oftmals schwierig gestaltet, können auch Konzepte für mobile Angebote
entwickelt und umgesetzt werden. Die Projekte leisten mit ihren Maßnahmen sowohl einen Beitrag zum (interkulturellen) Zusammenleben als auch zur Stärkung des freiwilligen Engagements und zur aktiven Nutzung weiterer Partizipations- und Teilhabemöglichkeiten von insbesondere Mädchen und Frauen.

3. Leben in einer vielfältigen und offenen Gesellschaft


Erwartete Wirkung von Projekten zu diesem Themenschwerpunkt:

 

  • Mehr soziale Kontakte zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sind hergestellt.Die Kompetenzen von Menschen mit Migrationshintergrund werden in der Öffentlichkeit sichtbarer. Diskriminierungserfahrungen und Rassismus wird entgegengebeugt.
  • Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sind für Vorurteile stärker sensibilisiert und wissen mit ihnen umzugehen. Der konstruktive Umgang im gegenseitigen Miteinander wird gestärkt.

Gesucht werden Projekte, deren Maßnahmen geeignet sind, die Interaktion zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu stärken sowie die deutsche Gesellschaft in ihrer Vielfalt darzustellen. Im Mittelpunkt der Projekte soll hierbei letztlich das vorurteilsfreie Miteinander von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund stehen. Basis hierfür können bspw. spezielle Begegnungsangebote, gemeinsame Aktivitäten oder Kampagnen sein. Als ein weiterer alternativer Projektansatz kann die Sichtbarmachung mitgebrachter und erworbener Kompetenzen von Menschen mit Migrationshintergrund und ihre positiven Beiträge zur Gesellschaft im Fokus stehen. Hierfür sollen auch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen eingeplant werden. Auch Projekte, die Rassismus und Diskriminierung entgegen zu beugen geeignet sind, sind ausdrücklich erwünscht.

Die Projekte leisten dadurch sowohl einen Beitrag zum (interkulturellen) Zusammenleben und zur
Stärkung der Mitte der Gesellschaft als auch zur Förderung der wechselseitigen Akzeptanz und
dem Abbau von Vorurteilen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.


4. Offener Themenschwerpunkt


In 2021 vergibt das BAMF erstmalig für 10 innovative Projektideen Fördermittel. Voraussetzung
ist, dass Ihre Projektidee vom BAMF als politisch relevant erachtet und der gewählte Ansatz als
innovativ betrachtet wird. Im Übrigen müssen wie bei den anderen Themenschwerpunkten die
festgelegten Antragsvoraussetzungen eingehalten, Zielgruppen, die Erreichbarkeit dieser sowie
die Maßnahmen und ihre erwarteten Wirkungen so genau wie möglich beschrieben werden.

 



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