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Monatsreport 01/02-26


Der Paritätische Gesamtverband Bundeskoordination Jugendsozialarbeit

Monatsreport 01/02-26

Jugendsozialarbeit im Paritätischen


Aktuelles

Junge Stimmen im Paritätischen: Jetzt zur Jugendkonferenz anmelden!

Wir wollen uns gemeinsam mit jungen Menschen noch besser für ihre Anliegen einsetzen. Denn zu häufig werden die Stimmen junger Menschen nicht gehört. Wir ändern das! Wir laden junge Menschen ein, mit uns gemeinsam zu gestalten, sich direkt in die Arbeit des Paritätischen einzubringen und so ihre Stimmen besser zu Gehör bringen zu können.
Das wollen wir in einer Jugendkonferenz vom 12. bis zum 14. Juni 2026 in Dessau tun. Dort sollen 60 Menschen (mit Bezügen zu Paritätischen Einrichtungen, Angeboten, Mitgliedsorganisationen) zwischen 14 und 25 Jahren aus ganz Deutschland für ein Wochenende zusammenkommen. Es gibt spannende Workshops, Diskussionen und ein interessantes Begleitprogramm.
Und aus ihrer Mitte wählen sie eine Gruppe junger Menschen, die in den nächsten zwei Jahren im und mit dem Paritätischen wirken kann.





Kritik an "neuer Grundsicherung": Bündnisse fordern Korrekturen am Gesetzentwurf

Zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen kritisieren den Gesetzentwurf zur „neuen Grundsicherung“, der derzeit im Bundestag diskutiert wird. Sie warnen vor sozialen Verschlechterungen durch strengere Auflagen, mehr Sanktionen und erhöhten Druck auf Leistungsberechtigte. Die Maßnahmen sind nicht geeignet, um eine nachhaltige Integration in Erwerbsarbeit zu erreichen.
Die Organisationen kritisieren besonders die Wiedereinführung des Vermittlungsvorrangs, die Abschaffung der Karenzzeit Vermögen, strengere Sanktionsregeln und restriktivere Wohnkostenregelungen. Sie warnen zudem vor negativen Folgen für Familien und Kinder, etwa durch haushaltsweite Sanktionen und unrealistische Anforderungen an Eltern. Eine öffentliche Anhörung im Ausschuss Arbeit und Soziales soll die Kritikpunkte und mögliche Änderungen am Gesetzentwurf erörtern.




Zulassungsstopp von Integrationskursen: Presse-Statement von Dr. Joachim Rock

Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, kritisiert den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angekündigten Zulassungsstopp für Integrationskurse als katastrophale integrationspolitische Fehlentscheidung und fordert, dass diese sofort zurückgenommen werden muss. Rund 130.000 Asylsuchenden, EU-Bürger*innen, Geflüchteten aus der Ukraine sowie Geduldeten werde damit der Zugang zu den Angeboten verwehrt. 
Integrationskurse sind eine zentrale Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe, Arbeitsmarktintegration und ein selbstbestimmtes Leben. Für die Kursträger ist die Entscheidung existenzbedrohend, da Kurse aufgrund sinkender Teilnahmezahlen nicht stattfinden können, Räume ungenutzt bleiben und Personal entlassen werden muss.




Aktuelle Änderungen im Asyl-, Aufenthalts- und Staatsangehörigkeitsrecht

Am 5. Dezember 2025 hat der Deutsche Bundestag Änderungen im Asyl-, Aufenthalts- und Staatsangehörigkeitsrecht beschlossen. Künftig kann die Bundesregierung sichere Herkunftsstaaten per Rechtsverordnung festlegen. Der Paritätische Gesamtverband kritisiert dieses Konzept, da es die Beweislast für Betroffene umkehrt, ihre Rechte einschränkt und demokratische Debatten umgeht. 
Ebenfalls beschlossen wurde die Abschaffung der Pflichtanwält*in bei Abschiebehaft und Ausreisegewahrsam. Dieses Vorhaben hat der Paritätische wiederholt kritisiert, insbesondere vor dem Hintergrund verschärfter Haftregelungen sowie zahlreicher fehlerhafter Abschiebungshaftanordnungen. Positiv bewertet der Paritätische die Verlängerung wichtiger Anschlussregelungen zum Chancen-Aufenthaltsrecht bis Mitte 2027, die erreichte Integrationsfortschritte sichern. Neu eingeführt wurde zudem eine zehnjährige Sperrfrist für Einbürgerungen bei Täuschung oder falschen Angaben im Verfahren.




Umfrage ergibt: Soziale Angebote gefährdet

Eine aktuelle Umfrage der Wohlfahrtsverbände zeigt: Finanzielle Engpässe gefährden soziale Angebote, freiwilliges Engagement und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Steigende Kosten und gekürzte Mittel führen dazu, dass soziale Angebote eingeschränkt oder vollständig eingestellt werden müssen – mit erheblichen Auswirkungen auf Menschen in schwierigen Lebenslagen und auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mehr als 80 Prozent der befragten Einrichtungen erwarten, dass sie künftig Leistungen reduzieren müssen. Rund 28 Prozent gehen sogar davon aus, dass Angebote vollständig wegfallen könnten.
Ohne stabile soziale Infrastruktur verlieren nicht nur Menschen in belastenden Situationen wichtige Anlaufstellen, sondern auch Orte, an denen Solidarität, Vertrauen und gesellschaftliche Teilhabe entstehen. Bei der Vorbereitung des Haushalts 2027 muss für die Bundesregierung daher die Absicherung sozialer Dienste Priorität haben.





Arbeitshilfe zum erweiterten Führungszeugnis in der Eingliederungs-, Kinder- und Jugendhilfe

Die aktualisierte Arbeitshilfe zum erweiterten Führungszeugnis bietet praxisnahe Orientierung für Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe. Sie erläutert, wann ein erweitertes Führungszeugnis erforderlich ist, und stellt Musterformulare zur rechtssicheren Umsetzung bereit. Außerdem informiert die Broschüre über Antragstellung, mögliche Gebührenbefreiungen sowie datenschutzkonforme Verfahren. Ziel ist es, den Schutz von besonders schutzbedürftigen Menschen sicherzustellen.





Appell "Hinsehen – schützen – stärken" für Kinder aus psychisch und suchtbelasteten Familien

Insgesamt 650 Organisationen, Verbände und Einzelpersonen haben den Appell „Hinsehen – schützen – stärken“ unterzeichnet, um bessere Unterstützung für etwa vier Millionen Kinder mit psychisch oder suchtkranken Eltern zu fordern. Der Appell ist an Abgeordnete der Ausschüsse Gesundheit, Bildung und Familie sowie Arbeit und Soziales gegangen. 
Das Bündnis KipsFam verlangt frühzeitige, präventive und familienorientierte Hilfen sowie eine bessere Zusammenarbeit der beteiligten Systeme. Gefordert werden gesetzliche Grundlagen für koordinierte Leistungen „aus einer Hand“, kommunale Gesamtkonzepte, ein Monitoring bestehender, aber nur teilweise umgesetzter Empfehlungen sowie stärkere Entstigmatisierung. Anlass ist der weiterhin hohe Handlungsbedarf, obwohl der Deutscher Bundestag 2025 parteiübergreifend die Stärkung der Prävention beschlossen hat. Das Bündnis will den politischen Prozess weiter begleiten und die Umsetzung vorantreiben.




Aktuelle Daten zu Jugendsexualität

Jugendliche werden zunehmend später sexuell aktiv und gehen insgesamt verantwortungsbewusst mit ihrer Sexualität um. Das zeigt die aktuelle Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Die Mehrheit erlebt ihr erstes Mal heute im Alter von etwa 19 Jahren – meist bewusst geplant und in einer festen Beziehung. Beim ersten Geschlechtsverkehr verhüten die meisten zuverlässig, vor allem mit Kondomen; nur sechs Prozent verzichten auf Schutz.
Jugendliche sprechen in knapp neun von zehn Beziehungen offen über Verhütung, viele thematisieren auch den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Die wichtigste Informationsquelle bleibt für sie der Schulunterricht, während das Internet leicht an Bedeutung verliert. Die Ergebnisse unterstreichen die Wirksamkeit kontinuierlicher Aufklärungsarbeit.




Bargeld muss bleiben!

Der Paritätische Gesamtverband fordert im Bündnis mit Verbraucherschutz-, Sozial-, Wohlfahrts-, und Wirtschaftsverbänden die Bundesregierung dazu auf, sicherzustellen, dass Bargeld grundsätzlich als Zahlungsmittel akzeptiert wird und alle Menschen kosten- und barrierefrei in angemessener Nähe Zugang zu Bargeld haben. Immer mehr Geschäfte akzeptieren kein Bargeld mehr, während Bankfilialen und Geldautomaten abgebaut werden. 
Für Viele – etwa armutsbetroffene oder wohnungslose Menschen ohne Konto – ist Bargeld jedoch die einzige Zahlungsform. Der zunehmend eingeschränkte Zugang trifft besonders ländliche Regionen.
Die Verbände warnen vor einer Abwärtsspirale aus sinkender Nutzung und weiterem Infrastrukturabbau sowie vor einem aufwendigen Wiederaufbau der Bargeldinfrastruktur, wie er gegenwärtig in skandinavischen Ländern zu beobachten ist.




Appell für eine Modernisierung der Schuldenregel

Der Paritätische Gesamtverband appelliert gemeinsam mit einem breiten Bündnis aus 14 Verbänden aus Gewerkschaften, Umwelt-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, Mieterbund, Jugendverbänden und Kirchen an die demokratischen Parteien, die Schuldenregel zügig zu modernisieren. Das Bündnis fordert eine Modernisierung, die den sozialen Zusammenhalt garantiert und von starren Schuldenquoten im Grundgesetz absieht. Zukunftsinvestitionen in eine moderne Wirtschaft und Infrastruktur, Klimaschutz, soziale Sicherheit, bezahlbaren Wohnraum und Bildung sollen dauerhaft abgesichert werden. Zudem braucht es eine stärkere Einnahmebasis durch eine höhere Besteuerung großer Vermögen und Erbschaften, um nachhaltiges Wachstum und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit zu sichern.




Leitfaden für die Unterbringung wohnungsloser Menschen

Der neue Leitfaden definiert adäquate und menschenwürdige Standards für die Unterbringung wohnungsloser Menschen und wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) erarbeitet. Die Publikation macht deutlich, dass Unterbringung keine bloße Gefahrenabwehr sein darf, sondern menschenwürdig, bedarfsgerecht und integrationsorientiert sein muss.
Aus nationalem Recht ergeben sich zahlreiche Rechtsansprüche, etwa auf Leistungen nach SGB II/XII sowie ausdrücklich Hilfen für junge Volljährige nach SGB VIII und Angebote der Jugendsozialarbeit. Kommunen sind verpflichtet, Beratung, sozialpädagogische Begleitung und Teilhabeleistungen auch in Unterkünften zu gewährleisten.
Der Leitfaden hat für den Paritätischen und seine Einrichtungen strategische Bedeutung: Er stärkt menschenrechtliche Argumentationen, definiert Qualitätsstandards, fördert integrierte Hilfesysteme mit Sozialarbeit und Prävention und betont die Partizipation, Selbstbestimmung und Würde Betroffener.




Erzeugung erneuerbarer Energien gefährdet nicht länger die Gemeinnützigkeit

Die Bundesregierung hat auf die Forderung der Wohlfahrtsverbände reagiert und den Klimaschutz in der Sozialwirtschaft gestärkt. Sie hat im Steueränderungsgesetz 2025 verankert, dass ab dem 01.01.2026 gemeinnützige Organisationen Solar- und PV-Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien errichten und betreiben dürfen, ohne ihre Gemeinnützigkeit zu gefährden. Einnahmen bis 50.000 Euro jährlich bleiben steuerfrei, auch Verluste sind unter bestimmten Bedingungen unschädlich. 
Die Gesetzesänderung stärkt das Potenzial für Klimaschutz in der Sozialwirtschaft. Einrichtungen können Energiekosten senken, Kommunen entlastet und Emissionen reduziert werden.
Wohlfahrtsverbände begrüßen die Reform, sehen jedoch weiterhin großen politischen Handlungsbedarf für die Stärkung des Klimaschutzes und der Transformation zur Klimaneutralität in der Sozialwirtschaft bzw. Freien Wohlfahrtspflege.




Bedarfsanalyse zur Gewaltprävention

Die „Bedarfsanalyse zur Prävention von geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend liefert erstmals umfassende, bundesweite Daten über bestehende Präventionsmaßnahmen, ihre Wirkung und ungedeckte Bedarfe. Die Analyse zeigt, dass Angebote zur Gewaltprävention in Bildung, Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitswesen sowie auf kommunaler Ebene ungleich verteilt, oft befristet finanziert und selten systematisch evaluiert sind. 
Zu den Empfehlungen des Berichts gehören die Entwicklung einer ressortübergreifenden nationalen Präventionsstrategie, langfristig gesicherte Finanzierung, systematische Evaluation und flächendeckende Umsetzung wirkungsvoller Programme, um Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt wirksam vorzubeugen.




Neues aus dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit: Vorschläge für eine jugendgerechte Weiterentwicklung von Jugendberufsagenturen

Der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit hat Impulse für die Bundesregierung formuliert, um Jugendberufsagenturen (JBA) jugendgerecht und qualitativ weiterzuentwickeln. So sollten junge Menschen aktiv an der Gestaltung und Angebotsplanung in Jugendberufsagenturen beteiligt werden. Zentral ist die Stärkung der Jugendsozialarbeit (§ 13 SGB VIII) innerhalb der JBA, da sie junge Menschen in besonderen Lebenslagen im Übergang Schule-Beruf begleitet und Persönlichkeitsentwicklung sowie soziale und berufliche Integration fördert. 
Zudem sollen rechtskreisübergreifende, niedrigschwellige und flexible Förderangebote individuelle Bedarfe besser und zeitnah aufgreifen. Mindestanforderungen, jugendgerechte analoge und digitale Zugänge sowie ein verbesserter Datenschutz für reibungslosen Datenaustausch sollen die Qualität und Wirksamkeit der JBA bundesweit sichern.




Bitte um Mitwirkung: Umfrage zu digitalen Fähigkeiten und Bedarfen in der Jugendsozialarbeit

Der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit analysiert den Stand der digitalen Transformation in der Jugendsozialarbeit. Eine kurze Umfrage dient dazu, Bedarfe, Erfahrungen und konkrete Wünsche von Fachkräften für eine stärker digital orientierte Arbeitsweise der Jugendsozialarbeit zu erfassen. Außerdem soll dokumentiert werden, welche digitalen Formate und Werkzeuge bereits genutzt oder benötigt werden.

Die Umfrage ist anonym, eine Teilnahme ist bis 30. April 2026 möglich. Für die Umfrage sind etwa 5 bis 10 Minuten Zeitaufwand zu kalkulieren.

Die Arbeitsgruppe Digitale Jugendsozialarbeit im Kooperationsverbund wird die Ergebnisse auswerten und Empfehlungen erarbeiten. Die Ergebnisse dienen außerdem der politischen Interessenvertretung sowie der Entwicklung von Unterstützungsangeboten.





Veranstaltungen

DigiBasics - Datenschutz und KI
19. März


10.30 Uhr bis 14.00 Uhr
online

Die Veranstaltung gibt einen kompakten Überblick über Datenschutzanforderungen bei der Nutzung von KI in sozialen Einrichtungen. Erläutert werden zentrale Vorgaben aus DSGVO und KI-Verordnung, typische Risiken im Umgang mit sensiblen Daten sowie praxisnahe Do’s & Don’ts. Ziel ist es, Mitarbeitende und Führungskräfte für einen sicheren, verantwortungsvollen und menschenzentrierten KI-Einsatz in der Wohlfahrt zu sensibilisieren.

Die Teilnahme ist kostenfrei.





Digitale wohnungspolitische Mittagspause: Wohnarmut in Deutschland – Ursachen, Folgen und politische Handlungsoptionen

28. April
11.30 Uhr bis 12.30 Uhr
online

Anlass der Veranstaltung ist die Veröffentlichung des aktuellen Wohnarmutsberichts des Paritätischen, der die wachsenden sozialen Probleme auf dem Wohnungsmarkt in den Mittelpunkt stellt. Vor dem Hintergrund der angespannten wohnungspolitischen Lage und anstehender politischer Weichenstellungen soll mit ausgewählten Bundestagsabgeordneten über Ursachen, Folgen und politische Handlungsoptionen diskutiert werden.

Die Teilnahme ist kostenfrei.