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Monatsreport 01-25


Der Paritätische Gesamtverband Bundeskoordination Jugendsozialarbeit

Monatsreport 01-25

Jugendsozialarbeit im Paritätischen

Eine farbenfrohe Collage zeigt einen fröhlich und motiviert in die Luft springenden Jungen mit Rucksack. Er ist umgeben von geometrischen Formen, die Bewegung, Kreislauf und Fortschritt symbolisieren.

Aktuelles

Neue Expertise der Paritätischen Forschungsstelle zeigt Wohnarmut auch bei jungen Menschen

Eine neue Expertise der Paritätischen Forschungsstelle zeigt, dass 5,4 Millionen Menschen mehr von Armut betroffen sind als gedacht. Die Paritätische Wohnarmuts-Berechnung macht damit ein bislang unsichtbares Ausmaß der Armut sichtbar. In Deutschland gelten diejenigen als armutsgefährdet, die weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens haben. Demnach sind nach konventioneller Berechnung in Deutschland 14,4 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet.

Ermittelt man aber das Einkommen, dass die Menschen frei zur Verfügung haben, nachdem sie ihre Wohnkosten bezahlt haben, sind 21,2 Prozent der Bevölkerung, also 17,5 Millionen Menschen in Deutschland von Wohnarmut betroffen. Besonders unter jungen Erwachsenen (18 bis unter 25 Jahre), von denen viele in Ausbildung sind oder am Anfang der Erwerbstätigkeit stehen, ist der Anteil mit 31 Prozent hoch. Frühere Expertisen des Paritätischen zeigen, dass auch Studierende im hohen Maße von Armut betroffen sind; ein Befund, der den Verbesserungsbedarf beim unterfinanzierten System des BAföG im Rahmen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes verdeutlicht.

Die Erkenntnisse der Expertise unterstreichen, wie sehr die Bundesregierung in der Pflicht steht, entschieden gegen den rasanten Anstieg der Mieten vorzugehen. Deshalb beschränkt sich der Paritätische nicht auf eine reine Problembenennung, sondern unterbreitet konkrete Vorschläge für bezahlbares Wohnen und für das Schließen der Armutslücke.





Paritätisches Positionspapier: Selbstbestimmung stärken – Für eine Umsetzung und Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes

Der Paritätische beteiligt sich mit einem umfassenden Positionspapier, das auch die Bereiche Inklusives Wohnen, Arbeiten und Bildung beinhaltet, an der Debatte um die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG). Das zentrale Ziel des BTHG war im Jahr 2016 die Entwicklung eines modernen Teilhaberechts. Dieses Ziel wurde leider noch immer nicht in zufriedenstellendem Maße erreicht. Dies hat auch der zuständige UN-Fachausschuss 2023 im Rahmen des Staatenberichtsverfahrens festgestellt und zahlreiche Empfehlungen abgegeben, deren Umsetzung Leitschnur für weitere politische wie praktische Entwicklungen sein muss.
Mit seinem Positionspapier leistet der Paritätische Gesamtverband nun einen Beitrag zu dieser dringend notwendigen Debatte darüber, was getan werden muss, damit Menschen mit Behinderungen ihre menschenrechtlich garantierten Rechte auch einlösen können. Diese Debatte muss unter breiter Beteiligung insbesondere von Menschen mit Behinderungen als Expert*innen in eigener Sache geführt werden.




Weil alle zählen! Paritätische Schwerpunktseite zur Bundestagswahl

Mit der Kampagne „Weil alle zählen!“ bringt sich der Paritätische anlässlich der Bundestagswahl am 23. Februar d. J. in den Wahlkampf für eine solidarische, offene und vielfältige Gesellschaft ein. Der Paritätische Gesamtverband hat 50 Vorschläge gemacht, die aus seiner Sicht in ein gutes Wahlprogramm gehören. Sie umfassen die gesamte Breite des Paritätischen Einsatzgebietes von sozial-ökologischer Transformation und Steuergerechtigkeit, über Gesundheit, Pflege, Inklusion, Schutz vor Armut und Soziale Arbeit in allen Lebensbereichen sowie Geschlechtergerechtigkeit bis hin zum Einsatz für Schutzsuchende und den Zusammenhalt in der Einwanderungsgesellschaft.
Die Vorschläge basieren auf der breiten Erfahrung Paritätischer sozialer Praxis und setzen sich auch mit der akuten Gefährdung der Demokratie auseinander. Sie können auf der Schwerpunktseite zur Bundestagswahl heruntergeladen werden. Zu weiteren Materialien, die zum Download zur Verfügung stehen, gehören fortlaufend ergänzte Fact Sheets, die Paritätische Lösungsvorschläge für drängende soziale Probleme kurz und knapp zusammenfassen, Sharepic-Serien zu den 50 Vorschlägen zur Bundestagswahl sowie das Kampagnenlogo „Weil alle zählen!“.





Praxishilfen der Servicestelle Jugendberufsagenturen

Die Servicestelle Jugendberufsagenturen hat gemeinsam mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) und in Zusammenarbeit mit Vertreter*innen aus Jugendberufsagenturen die Praxishilfen der Reihe „Jugendberufsagenturen gestalten“ entwickelt, um bewährte Ansätze und Konzepte aus der Praxis bundesweit zugänglich zu machen. Die Praxishilfen richten sich an Entscheidungsträger*innen sowie Leitungs- und Fachkräfte in Jugendberufsagenturen und sowohl an Bündnisse, die sich noch am Anfang ihrer Kooperation befinden, als auch an diejenigen, die schon länger im Rahmen einer Jugendberufsagentur zusammenarbeiten.

Aktuell stehen Praxishilfen zu den Themen „Organisations- und Kommunikationsstrukturen schaffen“ sowie „Die Zusammenarbeit strukturiert weiterentwickeln“ zur Verfügung. Die Praxishilfe „Mit Schulen zusammenarbeiten“ wird demnächst veröffentlicht.





Evaluation des Modellprogramms „Mental Health Coaches“

Um den in den vergangenen Jahren stark gestiegenen psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen zu begegnen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Herbst 2023 das Modellprogramm „Mental Health Coaches“ (MHC) ins Leben gerufen. Das präventive Angebot wurde für Schulen konzipiert und parallel zur Umsetzung von der Universität Leipzig evaluiert. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen nun eine hohe Akzeptanz des Programms und den klaren Bedarf an Präventionsangeboten.

So bewerteten 83 Prozent der Schulleitungen die Akzeptanz des Programms bei Schüler*innen als „eher gut“, „überwiegend gut“ oder „sehr gut“. Die Reichweite der MHC-Angebote schätzten knapp 77 Prozent von ihnen auf bis zu 50 Prozent der Schüler*innenschaft, während 23 Prozent eine Reichweite von über 50 Prozent angaben. Zwei Drittel der Schulleitungen beurteilten den administrativen Aufwand als „sehr niedrig“ oder „niedrig“. Die Qualifikation der Mental Health Coaches schätzten 80 Prozent als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein. Zudem zeigten sich 90 Prozent der Schulleitungen mit der Zusammenarbeit mit den MHC „eher zufrieden“ oder „voll und ganz zufrieden“. Über 90 Prozent gaben an, sich eine flächendeckende Verstetigung des Programms an Schulen in Deutschland zu wünschen. Die häufigsten Verbesserungsvorschläge betrafen eine „unbefristete Laufzeit“ (20 Prozent), „mehr Präsenzzeit an der Schule“ (20 Prozent) und „höhere Planungssicherheit“ (15 Prozent).

Zusätzlich wurden in einer repräsentativen Befragung von Schulleitungen allgemeinbildender Schulen in öffentlicher Trägerschaft aus 13 Bundesländern das MHC-Programm und die Tätigkeit der Coaches vorgestellt. Auf die Frage, ob es an ihrer Schule Bedarf für einen MHC gebe, antworteten knapp 81 Prozent mit „eher ja“ oder „ja“. Schlussfolgernd heißt es in der Evaluation, die Ergebnisse würden zeigen, wie wichtig die langfristige Investition in bewährte und flächendeckende Präventions- und Unterstützungsangebote sei, um die steigenden psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen, besonders in Schulen, aufzufangen. Nur so könne die psychische Gesundheit heutiger und zukünftiger Generationen nachhaltig geschützt werden.





Studie der Bertelsmann-Stiftung: Einsamkeit junger Menschen 2024 im europäischen Vergleich

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung stellt auf Basis einer eupinions-Befragung fest, dass etwa 57 Prozent der jungen Europäer*innen zwischen 18 und 35 Jahren zumindest moderat einsam sind. Der seit der Covid-19-Pandemie bestehende Trend hoher Einsamkeit unter jungen Menschen hält damit EU-weit an, aber zwischen den Mitgliedstaaten gibt es teils merkbare Unterschiede. Die höchsten Werte weist Frankreich auf: Hier sind 63 Prozent der jungen Menschen moderat und 23 Prozent stark von Einsamkeit betroffen. Während die moderate Einsamkeit mit 51 Prozent in Deutschland am niedrigsten ist, sind die jungen Niederländer*innen am wenigsten von starker Einsamkeit betroffen.
Einen besonderen Risikofaktor stellt länderübergreifend der Bildungshintergrund dar. Zu möglichen Gründen für diesen Zusammenhang gehört, dass höher Gebildete oft über ein besseres Einkommen bzw. Familieneinkommen verfügen und damit umfangreicher am sozialen Leben teilhaben können. Gerade starke und chronische Einsamkeit wird von Betroffenen als Problem wahrgenommen und kann nicht nur die psychische Gesundheit, sondern auch das gesellschaftliche Zugehörigkeitsgefühl gefährden. Handlungsempfehlungen der Studie umfassen eine gute Datenlage, einen Fokus insbesondere auf junge Menschen, internationales Lernen und die Unterstützung sozialer und emotionaler Fähigkeiten.




Vielfalt ist Pflicht! Neue Broschüre der Inforeihe Kinder, Jugend und Familie

Begleitend zur Online-Inforeihe „Kinder, Jugend und Familie“, in denen der Paritätische Gesamtverband Fachgespräche zu aktuellen kinder-, jugend- und familienpolitischen Themen anbietet, ist die Online-Broschüre „Vielfalt ist Pflicht!“ erschienen. In insgesamt 16 Beiträgen schildern Expert*innen, warum Vielfalt in der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik so wichtig ist. Ihre Beiträge thematisieren unterschiedliche Dimensionen von Vielfalt: Soziale Herkunft, Nationalität, Geschlecht und geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung, Beeinträchtigung und Behinderung spielen eine Rolle. Die Broschüre liefert auch mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen eine gute Grundlage dafür, was noch getan werden muss, damit Vielfalt 2025 zur gelebten Realität wird. 




Neues aus dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

BAG KJS veröffentlicht Monitor Jugendarmut

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) hat den neuen „Monitor Jugendarmut in Deutschland 2024/2025“ veröffentlicht. Der Monitor zeigt, dass jede*r vierte Jugendliche in Deutschland armutsgefährdet ist und Jugendarmut damit eine der drängendsten sozialen Herausforderungen bleibt. Er verdeutlicht außerdem die tiefgreifenden Folgen von Jugendarmut: Benachteiligte Jugendliche haben schlechtere Bildungschancen, höhere gesundheitliche Risiken und weniger gesellschaftliche Teilhabe. Um die Weichen für mehr Chancengleichheit zu stellen, fordert die BAG KJS die stärkere Förderung von Bildungsgerechtigkeit, mehr bezahlbare und bedarfsgerechte Wohnräume sowie einen vereinfachten Zugang zu sozialen Leistungen.




Veranstaltungen

BAGFW informiert zu „Fördermöglichkeiten im Klimaschutz – Die novellierte Kommunalrichtlinie im Überblick“

30. Januar 2025
10.00 Uhr bis 11.30 Uhr
online

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) veranstaltet gemeinsam mit der Agentur für kommunalen Klimaschutz ein Webinar zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten im Klimaschutz für Wohlfahrtsverbände, ihrer Träger und Einrichtungen im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI). Erfahrungen aus der Praxis, Tipps zur Antragstellung sowie Zeit für Rückfragen vervollständigen das Angebot.

Die Teilnahme ist kostenlos.





Infoveranstaltung zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: Inhalte, Anforderungen und Praxisbeispiel

13. Februar 2025
10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
online

Der Paritätische Gesamtverband lädt zu einer Online-Infoveranstaltung zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ein. In der Veranstaltung wird ein Überblick über die Inhalte und Anforderungen des BFSG gegeben. Dabei werden insbesondere Hinweise dazu gegeben, unter welchen Voraussetzungen eine gemeinnützige Organisation mit welchen von ihr angebotenen digitalen Dienstleistungen dem BFSG unterfällt. Im Rahmen eines Praxisbeispiels einer Mitgliedsorganisation werden Möglichkeiten zur Prüfung und Umsetzung eines barrierefreien Webangebots vorgestellt. Darüber hinaus haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen an die Expert*innen zu stellen. 

Die Veranstaltung ist kostenlos. Anmeldefrist: 30. Januar 2025.





Mädchenperspektiven: Gesunde Beziehungen und Empowerment für junge Frauen in der Kinder- und Jugendhilfe

27. Februar 2025
14.00 bis 15.30 Uhr
online

Im Rahmen der Awareness-Kampagne #Mädchenperspektiven hat der SOS-Kinderdorf e.V. das ungleiche Aufwachsen von Mädchen und Jungen thematisiert. Der Verein möchte die Selbstbestimmung junger Frauen stärken und auf die Auswirkungen der Beziehungsqualität auf die mentale Gesundheit aufmerksam machen. Parallel wurde beim Deutschen Jugendinstitut (DJI) die Studie „Beziehungen, Sexualität und Partnerschaftsgewalt bei Mädchen und jungen Frauen in der stationären Erziehungshilfe“ in Auftrag gegeben, die die Lebensrealitäten junger Frauen in der Kinder- und Jugendhilfe abbildet.
In der Veranstaltung werden die Ergebnisse der Studie vorgestellt und Empfehlungen für die Beziehungsarbeit und die Sexualpädagogik abgeleitet.

Die Teilnahme ist kostenlos.





Woche der Seelischen Gesundheit 2025:
Psychisch fit in die Zukunft

Der Schwerpunkt der diesjährigen Woche der Seelischen Gesundheit liegt auf präventiven Angeboten, die insbesondere die Bedürfnisse (psychisch erkrankter) junger Menschen in den Blick nehmen. Die bundesweite Aktionswoche findet erneut vom 10. bis 20. Oktober statt. Jährlich beteiligen sich rund 50 Regionen und Städte mit über 800 Events regional vor Ort und online. Während der Aktionswoche stellen psychiatrische und psychosoziale Einrichtungen Interessierten ihre Angebote in verschiedenen Veranstaltungsformaten wie Vorträgen, Workshops, Podcasts oder Kunstausstellungen sowie mit Aktionstagen vor. Die Aktionswoche unterstützt alle Veranstaltenden, Akteure, Betroffenen sowie alle Interessierten inhaltlich mit fachlichen Informationen, Hilfsangeboten und Tipps sowie Experteninterviews, umfangreicher Pressemappe und Werbematerialien.