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Monatsreport 07/08-25


Der Paritätische Gesamtverband Bundeskoordination Jugendsozialarbeit

Monatsreport 07/08-25

Jugendsozialarbeit im Paritätischen


Aktuelles

Bundeshaushalt 2025: Auswertung des Regierungsentwurfs

Der Paritätische Gesamtverband kritisiert soziale Versäumnisse im Entwurf des Bundeshaushalts 2025. Die ausbleibende Anpassung der Mittel für die Freie Wohlfahrtspflege trotz höherer Tarife und Kostensteigerungen bedeutet eine faktische Kürzung, die freiwilliges Engagement, Digitalisierung und Teilhabe gefährdet.
Der Paritätische fordert eine deutlich stärkere Förderung im Bundeshaushalt und eine konsequente Einbeziehung in Förderprogramme aus den Sondervermögen. Der Verband kritisiert außerdem die geplante Unterstützung der Sozialversicherungen mittels eines Darlehens statt eines steuerfinanzierten Zuschusses und fordert grundlegende Reformen wie eine Pflegevollversicherung oder eine solidarische Gesundheitsversicherung. Zu weiteren Kritikpunkten gehören die Unterfinanzierung der Jobcenter, die Eingliederung in Arbeit gefährdet, sowie Kürzungen bei psychosozialen Zentren, Asylverfahrensberatung und humanitärer Hilfe.
Für 2026 warnt der Paritätische vor wachsender Entsolidarisierung und fordert, dass gesamtgesellschaftliche Aufgaben vollständig aus Steuern finanziert werden sowie die Einführung einer Erwerbstätigen- und Bürgerversicherung, bei der auch Wohlhabende stärker eingebunden werden.




Offener Brief: Organisationen warnen vor Kürzungen in der Arbeitsmarktintegration

Es drohen erneut Kürzungen bei der Unterstützung für die Eingliederung benachteiligter Menschen in den Arbeitsmarkt bei der Arbeitsmarktförderung. Die entsprechenden Titel im aktuellen Haushaltsentwurf der Regierung für 2025 konterkarieren das Vorhaben des Koalitionsvertrags, die Vermittlung in Arbeit zu stärken und sicherzustellen, dass die Jobcenter für die Eingliederung ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt bekommen.
Der Paritätische Gesamtverband sieht darin mit zahlreichen Mitgliedsorganisationen, die aktiv in der Arbeitsmarktförderung sind und praktische Erfahrungen mit Beschäftigungsmaßnahmen für Langzeiterwerbslose haben, ein falsches Signal. Diese Stimmen der Praxis rufen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages nun in einem Offenen Brief auf, die drohenden Kürzungen zu verhindern.





Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist in Kraft getreten

Das Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist in Kraft getreten. Es verankert erstmals gesetzlich das Amt der oder des Unabhängigen Bundesbeauftragten, die oder der regelmäßig Berichte über Ausmaß und Folgen sexueller Gewalt vorlegt, sowie des Betroffenenrats. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission soll durch regelmäßige Berichte den Stand der Aufarbeitung zum Gegenstand der politischen und öffentlichen Diskussion machen sowie Handlungsbedarfe offenlegen. Das Gesetz stärkt zudem Präventions- und Kinderschutzstrukturen: So erhält das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit erstmals einen gesetzlichen Auftrag zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs, Schutzkonzepte werden verpflichtender Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe und zur Einschätzung von Kindeswohlgefährdung wird zusätzlich ein medizinisches Beratungsangebot eingerichtet. Bestehende Unterstützungsangebote wie das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch und das Hilfe-Portal bleiben dauerhaft erhalten.




Gemeinsamer Aufruf: Jetzt in soziale Sicherheit, ökologischen Fortschritt und gesellschaftlichen Zusammenhalt investieren!

Ein breites Bündnis aus Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaft sowie Umwelt- und Sozialorganisationen fordert angesichts des Bundeshaushaltsentwurfs 2025 massive Investitionen in die öffentliche und soziale Infrastruktur sowie den Klima- und Naturschutz. Bundestag und Bundesrat dürfen äußere, innere, soziale und wirtschaftliche Sicherheit nicht gegeneinander ausspielen, mahnt der gemeinsame Aufruf. Die demokratischen Parteien müssen Verantwortung für die positive Weiterentwicklung unseres Landes übernehmen und dafür die erforderlichen Mittel bereitstellen. Das Bündnis fordert die Stärkung der Sozialversicherungen durch Zuschüsse statt Darlehen, eine bedarfsgerechte Ausgestaltung der Sozialtransfers und ausreichende Mittel für Integration in Arbeit. Ebenso zentral ist die Förderung der gemeinnützigen Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege, die einen unverzichtbaren Beitrag zum Sozialstaat leisten und dafür auf öffentliche Förderung angewiesen sind. Eine sozial-ökologische Investitionsoffensive – etwa für Gebäudesanierung, Energiewende und digitale Teilhabe – ist unerlässlich. Demokratie erfordert zudem die Stärkung zivilgesellschaftlicher Beteiligung.




Armut: Wenn Urlaub unmöglich ist

Urlaub ist für die meisten Menschen in diesem Land eine Selbstverständlichkeit. Doch laut einer EU-SILC Erhebung kann sich etwa jeder fünfte Haushalt in Deutschland keinen einwöchigen Urlaub leisten. Das betrifft über 17 Millionen Menschen und insbesondere einkommensarme Haushalte: etwa der Hälfte fehlt das Geld für Urlaub.
Besonders betroffen sind Alleinerziehende mit ihren Kindern und kinderreiche Familien – 68 Prozent aller finanziell bedingten Einschränkungen minderjähriger Kinder in Deutschland entfallen auf die Möglichkeit, mindestens eine Woche im Jahr Urlaub an einem anderen Ort zu machen. Zu den einkommensarmen Haushalten gehören außerdem Erwerbstätige mit geringen Löhnen, Rentner*innen mit geringem Einkommen, junge Erwachsene und Arbeitslose. Besonders dramatisch ist die Situation für Bürgergeldbeziehende, da Urlaub nicht als existenzsichernd anerkannt ist. Zu den im Paritätischen Armutsbericht benannten Maßnahmen, die mehr soziale Teilhabe ermöglichen, gehören daher mehr finanzielle Unterstützung, bezahlbarer Wohnraum und Mobilität sowie eine massive Stärkung der Freien Wohlfahrtspflege.




Aktuelle Zahlen zur Wohnungslosigkeit: Deutlicher Anstieg in 2025 – besonders viele junge Menschen betroffen

Laut Statistischem Bundesamt waren zum Stichtag 31. Januar 2025 insgesamt rund 474.700 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht – ein Anstieg um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Zuwachs ist teilweise auf verbesserte Meldestrukturen zurückzuführen, unterstreicht aber den dringenden Handlungsbedarf.
Besonders alarmierend ist der weiterhin hohe Anteil junger Menschen – fast die Hälfte ist jünger als 25 Jahre. Zudem trifft Wohnungslosigkeit vor allem Menschen mit Migrationshintergrund. 86 Prozent haben keine deutsche Staatsangehörigkeit, allein 29 Prozent stammen aus der Ukraine. Paare mit Kindern bilden mit rund 34 Prozent die größte Gruppe unter den untergebrachten Wohnungslosen, knapp vor den Alleinstehenden mit 31 Prozent. Alleinerziehende machen rund 17 Prozent aus.
Der Paritätische fordert, Wohnungslosigkeit strukturell durch einen zügigen Ausbau bezahlbaren Wohnraums, präventive Unterstützungsangebote speziell für junge Menschen und Familien sowie eine verlässliche Finanzierung der Wohnungslosenhilfe zu bekämpfen.




IAB-Forum: Zwischen Schulabschluss und Berufsausbildung – Die Barrieren für Jugendliche aus Haushalten mit Grundsicherungsbezug sind besonders hoch

Das Magazin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat in der Serie „Befunde aus der IAB-Grundsicherungsforschung 2021 bis 2024“ eine neue Analyse veröffentlicht. Jugendliche aus Haushalten, die Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) beziehen, haben ein erhöhtes Risiko instabiler Übergänge von der Schule ins Berufsleben, da familiäre Unterstützung oft fehlt. Sie verlassen die Schule häufiger mit niedrigerem Bildungsniveau und beginnen in den ersten vier Jahren nach Schulabschluss seltener eine Berufsausbildung als Gleichaltrige aus Haushalten ohne Leistungsbezug. Selbst bei vergleichbaren Bildungsstand bleiben Unterschiede bestehen. Dies weist auf weitere strukturelle Hürden hin, die die Ausbildungswahrscheinlichkeit mindern.
Um Übergänge in Ausbildung zu erleichtern, sollten sich bildungspolitische Maßnahmen daher auf frühzeitige Interventionen wie gezielte Berufsberatung, Mentoring-Programme oder den Ausbau niedrigschwelliger Ausbildungsangebote konzentrieren.




Neue Website "Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol"

Auf der Website der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bietet die neue Themenseite der AG „Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol“ umfassende Informationen für die Allgemeinbevölkerung. Die Arbeitsergebnisse der Gruppe wurden außerdem in einem Ergebnispapier zusammengetragen, das ebenfalls auf der Seite zu finden ist.




Deutscher Kinder- und Jugendhilfepreis 2026 ausgeschrieben

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ schreibt den Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis 2026 – Hermine-Albers-Preis – in den Kategorien Praxispreis, Theorie- und Wissenschaftspreis sowie Medienpreis der Kinder- und Jugendhilfe aus. Der Praxispreis wird zum Thema "Demokratiebildung und -förderung in der Kinder- und Jugendhilfe" vergeben, beim Medienpreis sowie dem Theorie- und Wissenschaftspreis gibt es keine Themenbindung.
Die Ausschreibung läuft noch bis zum 10. Oktober 2025 und ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert.




Veranstaltungen

Sexualität und sexualisierte Gewalt online – Schutz, Befähigung, Teilhabe
3. September
13.30 Uhr – 15.00 Uhr
online

Die selbstbestimmte Entfaltung der kindlichen/jugendlichen Sexualität im digitalen Umfeld ist mit Herausforderungen verbunden. Parallel dazu ist sexualisierte Gewalt online gegenüber Kindern ein drängendes Problem. In der Veranstaltung wird über aktuelle Phänomene und Betroffenheiten, die Rechtslage und Handlungsmöglichkeiten informiert.

Die Teilnahme ist kostenlos.





Vernetzungsworkshops Klimaanpassung
23. September
10.00 Uhr – 16.00 Uhr
Potsdam

25. September
11.00 Uhr – 17.00 Uhr
Nürnberg

Soziale Einrichtungen stehen angesichts der Klimakrise vor großen Herausforderungen: steigende Temperaturen, Extremwetterlagen und neue gesetzliche Anforderungen erfordern klare Strategien und wirksame Schutzmaßnahmen – insbesondere für vulnerable Gruppen. In Potsdam finden am 23. September und in Nürnberg am 25. September Vernetzungstreffen rund um Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen statt, die Raum für Austausch, Inspiration und regionale Vernetzung bieten. Zu den Themenschwerpunkten gehören Gesundheitsschutz, Klimaanpassungskonzepte, kommunale Strategien und Fördermöglichkeiten, erste Maßnahmen für Einrichtungen sowie Schnittstellen zum Katastrophenschutz.

Die Teilnahme ist kostenlos.





Digitale Gesprächsrunde zur Situation geflüchteter junger Menschen in Deutschland
30. September
14.30 Uhr – 16.00 Uhr
online

Grundlage für die Gesprächsrunde über die Situation junger Geflüchteter sind die Ergebnisse einer Umfrage des Bundesfachverbandes Minderjährigkeit und Flucht (BuMF). Sie zeigen zunehmende Gewalt- und Rassismuserfahrungen sowie Ausschlüsse vom Schulunterricht. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es deutliche Rückschritte bei Schutz, Bildung und Teilhabe. Politische Maßnahmen wie die GEAS-Reform, Zurückweisungen und Einschränkungen beim Familiennachzug verdeutlichen eine Politik der Abschottung und Abschreckung. Diese Entwicklungen prägen die Praxis der Jugendhilfe. Gleichzeitig stellen sich Fachkräfte mit großem Engagement gegen Entrechtungen und bringen Praxiserfahrungen ein, wie Teilhabe gestärkt werden kann.

Die Teilnahme ist kostenlos.





Wohlfahrt DIGITAL – Mitgestaltung erwünscht!
19. November
online

Die digitale Jahreskonferenz vernetzt Akteur*innen und Interessierte der Freien Wohlfahrtspflege aus dem Bereich Digitalisierung. Wohlfahrt DIGITAL versteht sich vom Programm bis zur Umsetzung als Plattform für Austausch, Inspiration und kollaboratives Lernen.
Für die Jahreskonferenz werden Akteur*innen der Freien Wohlfahrtspflege gesucht, die ihre Projekte vorstellen und das Programm aktiv mitgestalten.





Gelingende Übergänge gestalten: Kooperation und Netzwerke als Schlüssel zur Teilhabe am Übergang Schule - Beruf
3. Dezember 2025
10.00 Uhr – 15.45 Uhr
online

Ein zentraler Faktor, um junge Menschen besser beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen, ist Kooperation und Netzwerkarbeit auf Augenhöhe. In der Online-Veranstaltung werden verschiedene Netzwerke aus der Praxis, die am Übergang tätig sind, vorgestellt und diskutiert. Welche Vorteile bieten sie, was können sie leisten und wie können Netzwerke zwischen Akteuren aus verschiedenen Bereichen gefördert und initiiert werden? Wie werden die Stimmen junger Menschen einbezogen? Welche Handlungsempfehlungen gibt es zur stärkeren Förderung junger Menschen am Übergang?

Die Teilnahme ist kostenlos.





Paritätische Jahrestagung Asyl 2025
4. Dezember 13.00 Uhr – 5. Dezember 13.00 Uhr
Leipzig

Mehr denn je ist die Soziale Arbeit mit Geflüchteten großen Herausforderungen ausgesetzt – umso wichtiger ist es für uns, zusammenzukommen, uns zu informieren, auszutauschen, zu vernetzen und gegenseitig zu stärken. Die Jahrestagung zum Thema "Ohne uns geht es nicht! Soziale Arbeit mit Geflüchteten unter Druck" richtet sich an Vertreter*innen aus den Landesverbänden des Paritätischen, Mitarbeiter*innen von Mitgliedsorganisationen und sonstige Vertreter*innen von Wohlfahrtsverbänden und im Bereich der Flüchtlingspolitik tätigen Organisationen. 

Im Tagungshaus gibt es ein Zimmerkontingent, das bis zum 06.10.2025 abgerufen werden kann. Der Preis für ein Einzelzimmer beträgt pro Nacht 97,00 €, zuzüglich 18,00 € Frühstück.