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Monatsreport 09-26


Der Paritätische Gesamtverband Bundeskoordination Jugendsozialarbeit

Monatsreport 09-26

Jugendsozialarbeit im Paritätischen


Aktuelles

Sozialstaatsbündnis zur Haushaltswoche: Wer am Sozialen spart, schwächt das Rückgrat unserer Demokratie

Anlässlich der Haushaltswoche im Deutschen Bundestag fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband mit den 13 Organisationen des Sozialstaatsbündnisses eine verlässliche und ausreichende Finanzierung sozialer Sicherungssysteme. Das Bündnis warnt vor Kürzungen bei Renten-, und Krankenversicherung, Wohn- und Elterngeld sowie vor Einsparungen bei der Bundesagentur für Arbeit und im Klimaschutz. Gerade in unsicheren, von Krisen und Transformationen geprägten Zeiten ist ein starker Sozialstaat entscheidend für gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Sicherheit.
Das Sozialstaatsbündnis fordert eine gerechte Finanzierung des Gemeinwesens: Sehr hohe Einkommen, Vermögen und Erbschaften sollten stärker beitragen, kleine und mittlere Einkommen entlastet werden.




BAGFW fordert Unterstützung der Bundespolitik für junge Menschen und ihre Familien

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) kritisiert den Regierungsentwurf zum 1. Kinder- und Jugendhilfe-Strukturreformgesetz als fachlichen und politischen Rückschritt. Das Ziel einer inklusiven, bedarfsgerechten und zukunftsfesten Kinder- und Jugendhilfe werde mit dem Entwurf nicht erreicht.
Die BAGFW warnt insbesondere vor Einschränkungen individueller Rechtsansprüche und zusätzlichen Bürokratiebelastungen. Sie fordert ein einheitliches, bedarfsgerechtes und barrierefreies Leistungssystem, verlässliche Finanzierungsstrukturen sowie eine stärkere Einbindung der Wohlfahrtsverbände im weiteren Gesetzgebungsverfahren. Die inklusive Kinder- und Jugendhilfe ist kein Kostenproblem mit Einsparpotenzial, sondern gehört zur Grundverantwortung unseres Sozialstaats.




Freiwilligendienste stärken

Angesichts einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht und eines neuen Zivildienstes fordern die verbandlichen Zentralstellen eine kohärente Stärkung aller Freiwilligendienste. Mit einem Freiwilligendienste-Stärkungsgesetz (FWD-Stärkungsgesetz) sollen insbesondere die Jugendfreiwilligendienste (FSJ, FÖJ und IJFD) verlässlich abgesichert und weiterentwickelt werden.
Ziel sind mehr Planungssicherheit, zusätzliche Plätze, eine hochwertige pädagogische Begleitung und attraktivere Rahmenbedingungen. Ein FWD-Stärkungsgesetz ist zudem ein wichtiges Signal für Chancengerechtigkeit und die Anerkennung freiwilligen Engagements. Unabhängig vom gewählten Dienst müssen vergleichbare Möglichkeiten und faire Bedingungen gelten. Wer gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratisches Engagement stärken will, muss freiwilliges Engagement insgesamt anerkennen, fördern und zukunftsfest gestalten.




Neue Rechtsexpertise: Beratung und Schutz für Kinder und Jugendliche nach dem Gewalthilfegesetz im Verhältnis zum SGB VIII

Eine neue Rechtsexpertise des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. (DIJuF) im Auftrag der Frauenhauskoordinierung e.V. arbeitet zentrale Schnittstellen zwischen dem neuen Gewalthilfegesetz (GewHG) und dem SGB VIII auf. Im Mittelpunkt stehen die eigenen Ansprüche von Kindern und Jugendlichen, die Einbeziehung des Jugendamts sowie Fragen zu Kinderschutzkonzepten, Betriebserlaubnissen und Sorgerecht. Die Expertise zeigt, wann Leistungen nach dem SGB VIII Vorrang haben und unter welchen Voraussetzungen Minderjährige auch ohne Zustimmung der Eltern Beratung erhalten können. Sie bietet Fachkräften praxisnahe Orientierung bei der Umsetzung des GewHG.




Ausbildung, Wohnen, Zukunft: Jugendumfrage des DGB Berlin/Brandenburg

Eine explorative Online-Jugendumfrage des DGB mit 162 jungen Menschen aus Berlin und Brandenburg zeigt zentrale Hürden beim Übergang in Ausbildung und Beruf: fehlende Ausbildungsplätze, niedrige Vergütung, stark gestiegene und für viele unbezahlbare Mieten, lange Wege und schlechte Nahverkehrsverbindungen sowie frustrierende Bewerbungsverfahren erschweren ihren Start ins Berufsleben. Vor allem die Themen Wohnen und Mobilität werden dabei zunehmend zur Ausbildungsfrage.
Die Ergebnisse der Umfrage, die als Stimmungsbild gelesen werden kann, sind vergleichbar mit anderen Bundesländern.
Der DGB fordert mehr betriebliche Ausbildungsplätze, eine solidarische Ausbildungsumlage, höhere tarifliche Ausbildungsvergütungen, den Ausbau bezahlbarer Wohnheimplätze sowie einen bezahlbaren und verlässlichen ÖPNV. Betriebe und öffentliche Arbeitgeber müssen Auswahlverfahren einfacher, fairer und wertschätzender gestalten.




PISA-Ergebnisse 2025: Zusammenhang zum sozio-ökonomischen Status der Familien so stark wie nie zuvor

Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen für Deutschland in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen die niedrigsten Ergebnisse seit Beginn der Studien. Ein Fünftel der 15-Jährigen verfügt in keinem Bereich über ausreichende Basiskompetenzen. Deutschland liegt damit nur noch auf OECD-Durchschnittsniveau. 
Der mit Abstand wichtigste Faktor für die Fähigkeiten der Jugendlichen ist der sozio-ökonomische Status ihrer Familien. In den Naturwissenschaften ist dieser Zusammenhang so stark wie nie zuvor: Nur 2 Prozent der Jugendlichen aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien erreichen hohe Kompetenzen, gegenüber rund 25 Prozent aus sozio-ökonomisch privilegierten Familien. In fast keinem anderen Staat ist dieser Zusammenhang derart ausgeprägt.
Für die neunte PISA-Studie wurden rund 6.700 repräsentativ ausgewählte 15-Jährige an etwa 250 Schulen aller Schularten getestet und ergänzend Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen befragt.




Abschließende Berichte der Unabhängigen Expert*innenkommission „Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt“

Die Unabhängige Expert*innenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat zwei abschließende Berichte vorgelegt.

Der Bericht zur Kinder- und Jugendbeteiligung dokumentiert die Ergebnisse von sieben Workshops mit 12- bis 18-Jährigen. Aus dem Prozess sind 70 Forderungen zu Medienkompetenz, Kinderschutz und Sicherheit, Wohlergehen und mentale Gesundheit sowie Künstlicher Intelligenz hervorgegangen.

Der Abschlussbericht der Unabhängigen Expert*innenkommission bündelt wiederum die umfassende Bestandsaufnahme, Handlungsempfehlungen sowie Ergebnisse der Beteiligung und strategischen Vorausschau. Die Veröffentlichungen zeigen, dass sich junge Menschen mehr Schutz vor digitalen Risiken und Belastungen wünschen, zugleich aber mehr Autonomie und Mitbestimmung.
Zu den Empfehlungen der Kommission gehören die Weiterentwicklung von Schutzmechanismen, eine stärkere Verantwortung der Plattformen, der Ausbau von Prävention und Medienkompetenz sowie eine dauerhafte Verankerung der Kinder- und Jugendbeteiligung im Jugendschutz. Die Kommission empfiehlt mit Blick auf Medienbildung in Schulen außerdem die Stärkung von Schulsozialarbeit sowie schulpsychologischer Angebote.





Digitalpakt 2.0 startet

Der Digitalpakt 2.0 startet am 1. September und setzt die gemeinsame Förderung digitaler Bildung durch Bund und Länder fort. Die Vereinbarung gilt rückwirkend ab Januar 2026. Insgesamt stehen über fünf Jahre fünf Milliarden Euro zur Verfügung – jeweils 2,5 Milliarden Euro von Bund und Ländern. Gefördert werden unter anderem der Ausbau und die Modernisierung digitaler Bildungsinfrastrukturen wie leistungsfähige Schulnetzwerke, WLAN, Schulserver, digitale Ausstattung von Unterrichtsräumen, mobile Endgeräte sowie digitale Lehr- und Lernplattformen. Auch länderübergreifende Lösungen und praxisorientierte Forschung zur digitalen Weiterentwicklung von Unterricht und Schule werden unterstützt. 
Im Vergleich zum Digitalpakt Schule sollen die Verfahren verwaltungsvereinfacht werden und pauschalierte Zuweisungen und weniger Berichtspflichten den Aufwand reduzieren. Die Antragstellung und konkrete Ausgestaltung regeln die Länder.




Kostenlose App: Hilfen für suchtkranke Kinder und Jugendliche

Eine neue, kostenfreie App des Bundesverbands der Elternkreise e. V. (BVEK) erleichtert Eltern und Angehörigen suchtkranker Kinder und Jugendlicher den Zugang zu Informationen, Selbsthilfe und Unterstützung. Über die App lassen sich zudem Elternkreise, Selbsthilfeangebote und Onlineangebote in der Nähe finden sowie Seminare und News des BVEK. Elternkreise und Landesverbände können ihre Angebote sichtbar machen und über ein „Schwarzes Brett“ veröffentlichen. Ziel ist es, mit der App langfristig eine Plattform zu schaffen, auf der möglichst viele Selbsthilfe- und Unterstützungsangebote für Angehörige bundesweit sichtbar werden.




Neues aus dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

Zwischenruf “Einsamkeit bei jungen Menschen begegnen”

Der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit fordert in einem Zwischenruf, Einsamkeit junger Menschen als Querschnittsthema von gesellschaftlicher Teilhabe, Demokratieförderung und psychischer Gesundheit ernst zu nehmen. Einsamkeit betrifft besonders diejenigen, die bereits von sozialer Benachteiligung, Armut oder fehlenden Teilhabemöglichkeiten betroffen sind. 
Jugendsozialarbeit kann durch niedrigschwellige, lebensweltorientierte Angebote, vertrauensvolle Beziehungen und Gruppenangebote im digitalen- und Sozialraum Einsamkeit entgegenwirken. Dabei ist die Beteiligung junger Menschen entscheidend, ebenso wie gut erreichbare und qualifizierte Ansprechpersonen.
Der Kooperationsverbund fordert daher eine verlässliche Finanzierung der Angebote sowie eine dauerhafte Stärkung der sozialen Infrastruktur, die junge Menschen erreicht, bevor Einsamkeit sich verfestigt.




Veranstaltungen

„DigiBasics – Cyber Security & NIS2“
30. September 2026
10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
online

Cyberangriffe stellen für soziale Organisationen ein wachsendes Risiko dar. Gleichzeitig rücken mit der europäischen NIS2-Richtlinie neue Anforderungen an das Risikomanagement und die Sicherheit von IT-Systemen in den Fokus. Vor diesem Hintergrund bietet die Veranstaltung einen praxisnahen Einstieg in das Thema Cybersicherheit und stellt konkrete Handlungsempfehlungen für den Arbeitsalltag vor. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmenden einen Überblick über den aktuellen Stand der NIS2-Richtlinie.

Die Teilnahme ist kostenfrei.




„Junge Menschen stärken – Übergänge gelingen lassen, Potenziale erschließen, Zusammenarbeit stärken“
8. Oktober 2026 
9.00 Uhr bis 17.00 Uhr
in Stuttgart

Im Mittelpunkt der Fachtagung des Paritätischen Landesverbands Baden-Württemberg steht die arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit am Übergang von Schule zu Beruf. Das Programm verbindet Praxisbeispiele, die Erstpräsentation der paritätischen Studie „Social Return on Investment“ zum gesellschaftlichen Nutzen der Jugendsozialarbeit sowie Perspektiven aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Diskutiert wird, welche Rahmenbedingungen und Kooperationen für das Gelingen von Bildungsbiografien junger Menschen nötig sind.

Mitglieder: kostenfrei / regulär: 30 Euro. Anmeldeschluss ist der 2. Oktober 2026.





„Wie politisch darf gemeinnützig sein? Politisches Engagement rechtssicher gestalten“

8. Oktober 2026 
11.00 Uhr bis 12.30 Uhr
online

Für viele gemeinnützige Organisationen gehört politisches Engagement zum Kern ihrer Arbeit, der gerade in Zeiten zunehmender Menschen- und Demokratiefeindlichkeit immer wichtiger wird. Die Veranstaltung beschäftigt sich mit der Frage, welche politischen Aktivitäten im Rahmen der Gemeinnützigkeit zulässig sind, vermittelt rechtliche Grundlagen, adressiert verbreitete Missverständnisse rund um Neutralität und stärkt Organisationen darin, ihre Anliegen und Werte rechtssicher zu vertreten.

Die Teilnahme ist kostenfrei.