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Monatsreport 07- & 08-26


Der Paritätische Gesamtverband Bundeskoordination Jugendsozialarbeit

Monatsreport 07/08-25

Jugendsozialarbeit im Paritätischen


Aktuelles

Geplante Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe: Diese Reform scheitert im Alltag der Familien

Der Paritätische Gesamtverband kritisiert den Entwurf zur Reform der Kinder- und Jugendhilfe scharf. Statt die Bedürfnisse von Kindern und Familien in den Mittelpunkt zu stellen, orientiert sich das Gesetz zu stark an Verwaltung, Zuständigkeiten und Kosten. Die Idee einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe wird komplett aufgegeben. Familien mit Kindern mit Behinderungen müssen weiterhin zwischen verschiedenen Sozialleistungssystemen navigieren. Auch beim Thema Bildungsassistenz zeigt sich Realitätsferne: Kinder mit seelischen Behinderungen sollen zunächst Gruppenangebote nutzen. Zudem drohen Einsparungen bei Hilfen zur Erziehung.

Weitere Neuregelungen sind beispielsweise die Einführung einer Experimentierklausel für Kommunen zur Erprobung der Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für Leistungen der Eingliederungshilfe für junge Menschen mit (drohenden) Behinderungen oder ein Vorranggebot im Hinblick auf Infrastruktur- und Regelangebote sowie Hilfen und Maßnahmen der Jugendsozialarbeit bei Jugendlichen und jungen Volljährigen.

Positiv ist, dass die bisher befristeten Verfahrenslots*innen entfristet werden sollen. Außerdem soll der Behinderungsbegriff im SGB VIII an die UN-Behindertenrechtskonvention angepasst werden. Der Paritätische Gesamtverband warnt vor den langfristig höheren sozialen Folgekosten des Reformentwurfs und fordert deutliche Nachbesserungen im Bundestag.





Auswertung und Positionierung: Kürzungspläne bei Kindern, Familien und Menschen mit Behinderungen

Der Paritätische Gesamtverband bewertet die Beschlüsse des Treffens von Bund und Ländern zu geplanten Kürzungen bei Kindern, Familien und Menschen mit Behinderungen kritisch. Zwar wurden nach öffentlichen Protesten die ursprünglich 108 Seiten mit zahlreichen konkreten Sparvorschlägen auf 14 Seiten allgemeiner Zielsetzungen reduziert. Dennoch bleiben zentrale Vorhaben problematisch. 
Dazu gehören das Pooling von Assistenzleistungen, der Vorrang struktureller Hilfen, Einschränkungen bei der Betreuung junger Volljähriger und des Wunsch- und Wahlrechts sowie erweiterte kommunale Kontrollmöglichkeiten.

Der Verband kritisiert außerdem eine Begrenzung der tariflichen Refinanzierung und Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss. Er warnt vor einer Schwächung des Subsidiaritätsprinzips und möglichen Folgen für Betroffene.
Gemeinsam mit anderen Wohlfahrtsverbänden fordert der Paritätische Gesamtverband eine sozial gerechte Politik, die Teilhabe sichert und nicht zulasten benachteiligter Menschen spart.




Jeder zehnte junge Erwachsene in Deutschland ohne Ausbildung oder Beschäftigung

Der Anteil der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland, die weder in Ausbildung noch erwerbstätig sind, ist zwischen 2022 und 2025 leicht von 8,8 Prozent auf 10 Prozent gestiegen. Trotz des Anstiegs liegt Deutschland unter dem EU-Durchschnitt von 12,9 Prozent. In Deutschland ist der Anteil derjenigen, die nicht in Ausbildung oder Beschäftigung sind, mit 10,6 Prozent in größeren Städten höher als in ländlichen Gebieten mit 7,9 Prozent und unter jungen Frauen mit 10,5 Prozent etwas höher als unter jungen Männern mit 9,6 Prozent.
Häufige Gründe für junge Menschen, weder in Ausbildung noch Beschäftigung zu sein, sind Betreuungspflichten, gesundheitliche Einschränkungen und die Suche nach Ausbildung oder Studium.




JuWe – Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen zum Neuen Wehrdienst: erste Ergebnisse der bundesweiten Studie

Die bundesweite JuWe-Studie untersucht, wie Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren den Neuen Wehrdienst wahrnehmen. Dafür wurden 4.181 Datensätze einer quantitativen Online-Befragung ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich über 80 Prozent mit dem Thema beschäftigen, sich jedoch nur etwa ein Drittel ausreichend informiert fühlt. 
Die Haltungen sind sehr unterschiedlich und reichen von Überforderung, dem Gefühl kumulativer Belastung bis zur Bereitschaft, Verantwortung für die nationale Sicherheit zu übernehmen. Eine Mehrheit von 52,3 Prozent hält den Wehrdienst für eher oder gar nicht notwendig. Zudem lehnen 64,7 Prozent einen freiwilligen Wehrdienst ab. Auffällig ist das geringe Vertrauen in die Politik: 64,3 Prozent vertrauen ihr wenig oder gar nicht. Nur 13,6 Prozent fühlen sich politisch berücksichtigt.




Broschüre „Selbstständig leben“ vom Paritätischen Landesverband Nordrhein-Westfalen

Die Broschüre „Selbstständig leben“ des Paritätischen Landesverbands NRW unterstützt junge Menschen auf dem Weg in ein eigenständiges Leben. Als praktisches Nachschlagewerk soll sie dabei helfen, alltägliche Entscheidungen sicherer zu treffen. Sie bündelt Informationen zu den Bereichen Wohnen und Haushalt, Geld und Finanzen, Arbeit, Job und Zukunft, Gesundheit und Hilfe, Behörden, Anträge und Rechte sowie digitale Welt.
Die Inhalte wurden gemeinsam mit jungen Menschen entwickelt. Die Broschüre umfasst außerdem eine Übersicht über sämtliche Beratungs- und Unterstützungsangebote.




Servicestelle Jugendberufsagenturen: Methode der kollegialen Fallberatung in der Jugendberufsagentur im Jerichower Land

Die Servicestelle Jugendberufsagenturen stellt in einem Praxisbericht der Jugendberufsagentur im Jerichower Land Erfahrungen mit kollegialer Fallberatung vor. Das niedrigschwellige Format unterstützt Fachkräfte dabei, Fälle gemeinsam zu reflektieren, voneinander zu lernen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. In der Jugendberufsagentur Jerichower Land ist die Beratung seit vielen Jahren etabliert, findet alle drei Wochen statt und bringt verschiedene Bereiche zusammen.
Die Erfahrung zeigt, dass die Fachkräfte ein besseres Verständnis für die Arbeitsweisen und Möglichkeiten anderer Institutionen bekommen und stärker zusammenarbeiten.  




Neues aus dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

Impuls: Übergang Schule Beruf für junge Menschen mit geringen Chancen neu denken

Der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit fordert in einem Impuls, den Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf für junge Menschen mit geringen Chancen neu zu gestalten. Die zersplitterten Fördermaßnahmen müssen in einer aufeinander abgestimmten Förderkette zusammengeführt werden, die den individuellen Bedarfen und Lebenslagen gerecht wird. Jugendberufsagenturen sollen dabei als zentrale Koordinationsstellen wirken. 
Der Kooperationsverbund schlägt vor, junge Menschen durch ein intensives Casemanagement bis zu 36 Monate zu begleiten. Dabei spielen die freien Träger der Jugendsozialarbeit eine tragende Rolle. Die Träger haben ein fünfstufiges Phasenmodell entwickelt, das sozialpädagogische Arbeit, Bildungsförderung und arbeitsmarktpolitische Instrumente zu einem ganzheitlichen Ansatz verbindet und eine individuelle, kontinuierliche und bedarfsgerechte Förderung gewährleistet.





Veranstaltungen

Erasmus+ Jugendbeteiligungsaktivitäten: Antragssprechstunde
3. September 2026 (zur Antragstellung)
14.00 Uhr bis 15.30 Uhr
online

Das EU-Programm Jugendpartizipationsprojekte (KA154) im Rahmen von Erasmus+ richtet sich an Einrichtungen sowie an informelle Gruppen junger Menschen mit dem Ziel, das Engagement für die Zivilgesellschaft und die Beteiligung am demokratischen Leben in Europa zu stärken. Die Online-Sprechstunde zur Antragstellung beantwortet individuelle Fragen.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldeschluss für die Sprechstunde ist der 1. September 2026. 





Erasmus+ Jugendbeteiligungsaktivitäten: Antragsprechstunde
9. September 2026 (zur Inklusionsförderung)
15.00 Uhr bis 16.30 Uhr
online

Das EU-Programm Jugendpartizipationsprojekte (KA154) im Rahmen von Erasmus+ richtet sich an Einrichtungen sowie an informelle Gruppen junger Menschen mit dem Ziel, das Engagement für die Zivilgesellschaft und die Beteiligung am demokratischen Leben in Europa zu stärken. Die Online-Sprechstunde zur Inklusionsförderung beantwortet individuelle Fragen.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldeschluss für die Sprechstunde ist der 7. September.





Neue Förderperiode der EU: Aktuelle Entwicklungen
10. September 2026
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
online

In der neuen EU-Förderperiode drohen deutliche Kürzungen für Soziales bei der Förderung von Bildung, Beschäftigung, Inklusion, Asyl und Migration, Armutsbekämpfung und sozialer Teilhabe. Der Paritätische Gesamtverband informiert über den aktuellen Stand der Verhandlungen zum EU-Finanzrahmen 2028–2034 und die möglichen Auswirkungen auf die sozialen Träger. Im Fokus stehen die Position des Europäischen Parlaments, die deutsche Haltung zu den Verhandlungen sowie die Zukunft des Europäischen Sozialfonds.

 Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung bis zum 6. September 2026 wird gebeten.





Bühne frei gegen Ungleichheit
30. September 2026
18.30 Uhr bis 21.00 Uhr
in Berlin

Unter dem Motto „Bühne frei gegen Ungleichheit“ veranstalten die Nationale Armutskonferenz, die Diakonie Deutschland, die Evangelische Kirchengemeinde vor dem Halleschen Tor und der Paritätische Gesamtverband einen politischen Kulturabend in Berlin. Menschen mit Armutserfahrung bringen ihre Lebensrealität in einem Theaterstück auf die Bühne und laden Bundespolitiker*innen zur Auseinandersetzung ein. Ergänzt wird das Programm durch eine Lesung von Marc-Uwe Kling sowie Musik von Bernadette La Hengst und dem Chor der Statistik.




„Junge Menschen stärken – Übergänge gelingen lassen, Potenziale erschließen, Zusammenarbeit stärken" 
8. Oktober 2026 
in Stuttgart

Im Mittelpunkt der Fachtagung des Paritätischen Landesverbands Baden-Württemberg steht die arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit am Übergang von Schule zu Beruf. Das Programm verbindet Praxisbeispiele, die Erstpräsentation der paritätischen Studie „Social Return on Investment“ zum gesellschaftlichen Nutzen der Jugendsozialarbeit sowie Perspektiven aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Diskutiert wird, welche Rahmenbedingungen und Kooperationen für das Gelingen von Bildungsbiografien junger Menschen nötig sind.

Mitglieder: kostenfrei / Regulär: 30 Euro




Online-Veranstaltung: Wie politisch darf gemeinnützig sein? Politisches Engagement rechtssicher gestalten
8. Oktober 2026 
11.00 Uhr bis 12.30 Uhr
online

Für viele gemeinnützige Organisationen gehört politisches Engagement zum Kern ihrer Arbeit, der gerade in Zeiten zunehmender Menschen- und Demokratiefeindlichkeit immer wichtiger wird. Die Veranstaltung beschäftigt sich mit der Frage, welche politischen Aktivitäten im Rahmen der Gemeinnützigkeit zulässig sind, vermittelt rechtliche Grundlagen, adressiert verbreitete Missverständnisse rund um Neutralität und stärkt Organisationen darin, ihre Anliegen und Werte rechtssicher zu vertreten.

Die Teilnahme ist kostenfrei.