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Projekt

Teilhabeforschung: Inklusion wirksam gestalten

Viele unterschiedliche Figuren unterschiedlichster Farben liegen gleichberechtigt nebeneinander
©Vitalii Vodolazskyi - stock.adobe.com
Die UN-Behindertenrechtskonvention unterstreicht die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Forschungen zur Verbesserung der Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen. Das eigene Leben in der Gesellschaft selbstbestimmt und gleichberechtigt zu gestalten, ist ein wesentlicher Aspekt der individuellen Teilhabe. Im interdisziplinären Forschungsfeld der Teilhabeforschung hat der Paritätische mit Unterstützung der Aktion Mensch Stiftung ein eigenes Forschungsprojekt gestartet, dass dem Zweck gewidmet ist, Teilhabebarrieren sichtbar machen zu helfen und mit und für die Betroffenen öffentliche Aufmerksamkeit für notwendige Verbesserungen zu erreichen. Mithilfe eigener Forschungen des Paritätischen soll die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen bzw. Behinderungen in unterschiedlichen Lebensbereichen untersucht, gestärkt und gefördert werden.

Der Paritätische Teilhabebericht 2021: Armut von Menschen mit Behinderung

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember legt das Projekt „Teilhabeforschung: Inklusion wirksam gestalten“, welches an der Forschungsstelle des Paritätischen Gesamtverbandes angesiedelt ist und von der Aktion Mensch Stiftung gefördert wird, einen jährlichen Teilhabeforschungsbericht vor. Der Teilhabebericht stellt auf der Basis von eigenen Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panels, einer seit 1984 jährlich stattfindenden, repräsentativen Wiederholungsbefragung von Privathaushalten, aktuelle Ergebnisse zur Lebenslage von Menschen mit Behinderung in Privathaushalten vor.

Schwerpunkt des Paritätischen Teilhabeberichts 2021 ist die Untersuchung der Armutsbetroffenheit von Menschen mit Behinderung. Er adressiert damit insbesondere Fragen der materiellen Teilhabe bzw. finanziellen Ressourcenausstattung. Die Analysen zeigen, dass eine Behinderung mit einem höheren Armutsrisiko verbunden ist und weist vor diesem Hintergrund auf die Dringlichkeit, Menschen mit Behinderung besser vor Armut zu schützen und auf eine inklusive Gesellschaft mit gleichen Lebens- und Teilhabechancen für Menschen mit und ohne Behinderung hinzuwirken.

Zentrale Ergebnisse

  • Es lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Behinderung und der Armutsbetroffenheit erkennen. Im Zeitraum von 2000 bis 2018 ist die Armutsquote von Menschen mit Behinderung von 12,1 Prozent auf 19,6 Prozent gestiegen, bei Menschen ohne Behinderung von 10,6 Prozent auf 13,2 Prozent.
  • Seit Mitte der 2000er Jahre leben Menschen mit Behinderung deutlich häufiger in einem Haushalt mit einem Einkommen unterhalb der Armutsschwelle. Die Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sind im zeitlichen Verlauf in der Tendenz gewachsen.
  • Armutsbetroffene Menschen mit Behinderung sind im Durchschnitt deutlich älter als einkommensarme Menschen ohne Behinderung. Wenig überraschend gibt daher der Großteil der einkommensarmen Menschen mit Behinderung auch an, eine Rente bzw. Pension zu beziehen. Auch viele Personen, die eine Erwerbsminderungsrente beziehen, sind in der Gruppe der einkommensarmen Menschen mit Behinderung enthalten.
  • Bei der Betrachtung längerer Zeiträume lebt im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung ein höherer Anteil der Menschen mit Behinderung zumindest punktuell in prekären finanziellen Verhältnissen, Tendenz steigend.
  • Der Eintritt bzw. die Anerkennung einer Behinderung verringert das individuelle Armutsrisiko im Vergleich zu Personen ohne anerkannte Behinderung. Dennoch verfügt ein erheblicher Anteil dieser Personen auch nach Anerkennung der Behinderung über kein Einkommen oberhalb der Armutsschwelle.

Zentrale Forderungen

  • Das Sozialsystem armutsfest ausgestalten.
  • Verbesserte Ansprüche für Erwerbsminderungsrentner*innen realisieren.
  • Inanspruchnahme sozialer Leistungen fördern, Aufklärung und Beratung verbessern.
  • Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben für alle Menschen garantieren.
  • Eingliederungshilfe unabhängig von Einkommen und Vermögen gewähren.

Der Paritätische Teilhabebericht 2020: Teilhabe und Geschlecht im frühen und mittleren Erwachsenenalter

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen legt die von der Aktion Mensch Stiftung geförderte Forschungsstelle des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes einmal jährlich ihren Teilhabeforschungsbericht vor. Sie stellt darin auf der Basis von eigenen Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panels, einer seit 1984 jährlich stattfindenden, repräsentativen Wiederholungsbefragung von Privathaushalten, aktuelle Ergebnisse zur Lebenslage von Menschen mit Behinderungen vor.

Schwerpunkt des Paritätischen Teilhabeberichts 2020 ist die vergleichende Untersuchung der Lebenssituation von Frauen und Männern im Alter zwischen 18 und 49 Jahren für das Berichtsjahr 2018 (SOEP-Core Version 35). Viele der Menschen in dieser Altersgruppe sind von Geburt oder Jugend an beeinträchtigt. Ihre Lebenslage unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der von Menschen, die erst im Alter eine Beeinträchtigung erfahren. Der Paritätische folgt damit einer Differenzierung nach Altersgruppen, wie sie u. a. auch im Teilhabebericht der Bundesregierung vorgenommen wurde.

Der Teilhabebericht ist entstanden im Rahmen des Projekts: „Teilhabeforschung: Inklusion wirksam gestalten“.


Teilhabebericht des Paritätischen Gesamtverbands 2019

Der Schwerpunkt des ersten Teilhabeberichtes des Paritätischen Gesamtverbandes liegt auf der Teilhabe von älteren Menschen mit Beeinträchtigungen – also auf Personen, die 65 Jahre oder älter sind. Insbesondere ihnen soll (neben Frauen und Mädchen) laut Artikel 28 Absatz 2 der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) der Zugang zu Programmen des sozialen Schutzes und der Armutsbekämpfung zugesichert werden. 

Einige Ergebnisse sind: 

  • Menschen mit Beeinträchtigungen über 65 Jahren in Privathaushalten haben im Schnitt weniger Einkommen und Vermögen in Form von Wohneigentum oder Rücklagen für Notfälle zur Verfügung als Menschen ohne Beeinträchtigungen. Daraus resultiert auch eine geringere Zufriedenheit mit dem eigenen Einkommen und eine größere Sorge um die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Diese Kluft gilt es zu schließen. Ein Mittel dazu muss es sein, die Anrechnung von Einkommen und Vermögen weiter zu reduzieren. 
     
  • Auch bei der Zufriedenheit mit der Freizeitgestaltung gibt es negative Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen in Privathaushalten. Bezüglich der Ursachen für das Ausbleiben von Freizeitaktivitäten und Urlauben lassen die vorliegenden Daten jedoch nur wenige Rückschlüsse zu – finanzielle Gründe sind zumindest meist nicht die Hauptursache. Die Förderung von Barrierefreiheit im öffentlichen Raum sowie die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur könnten somit Faktoren sein, um bestehende Unterschiede zu vermeiden. 
     
  • Die Hälfte der Menschen mit Schwerbehinderungen in Privathaushalten hat ein starkes oder sogar sehr starkes Interesse an Politik. Ihre Sorge um den Zusammenhalt der Gesellschaft ist ähnlich hoch ausgeprägt wie bei Menschen ohne Beeinträchtigungen. Quer durch alle Gruppen hinweg bestehen große oder zumindest einige Sorgen um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Es ist deshalb wichtig, die spezifischen Interessen und Bedarfe von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen stärker in der Politik zu berücksichtigen und gleichzeitig, die betroffenen Menschen stärker einzubinden und zu beteiligen.

Den Bericht, auch als barrierefreies PDF, sowie Zusammenfassungen in Leichter Sprache und als Hörversion finden Sie hier zum Download.