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Nationale Weiterbildungsstrategie: Umsetzungsbericht und weitere Planungen

Der Umsetzungsbericht zur Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) liegt vor. Die NWS startete im Jahr 2019. An der Erarbeitung der Strategie waren neben Bund und Ländern auch die Sozialpartner, Kammern und BA beteiligt. Stoßrichtung war die Bündelung und Verzahnung von beruflichen Weiterbildungsprogrammen von Bund und Ländern und die Förderung einer neuen Weiterbildungskultur. Innerhalb von zehn definierten Handlungsfeldern haben sich die NWS-Partner auf Maßnahmen und Aktivitäten zur Fortentwicklung des Weiterbildungssystems sowie zur Stärkung der Weiterbildungskultur verständigt.

Der vorliegende Umsetzungsbericht zur Nationalen Weiterbildungsstrategie dokumentiert das bisher Erreichte.

 

Ausgangspunkt des Berichts ist ein Blick auf das aktuelle Fachkräftemonitoring der Bundesregierung: Bis zum Jahr 2040 werden in Deutschland rund 3,6 Millionen Arbeitsplatze neu entstanden und etwa 5,3 Millionen Arbeitsplatze weniger vorhanden sein. Zwar seien aufgrund des demografiebedingten „Verrentungseffekts“ das Ausmaß der neu entstehenden und wegfallenden Arbeitsplätze mit jeweils rund 3,6 Mio. ungefähr gleich. Weil der Ab- und Aufbau der Arbeitsplätze aber nicht dieselben Berufe und Branchen betrifft, ergibt sich für viele ein hoher Bedarf an beruflicher Umorientierung. Trends zur Höherqualifizierung sind in bestimmten Branchen/Berufen ebenso festzustellen wie ein stärkerer Bedarf an gering qualifizierten Arbeitskräften.

Ausgewählte Aspekte des Berichts:

Aufbau einer Nationalen Online-Weiterbildungsplattform: Die KI-gestützte Plattform wird in Verantwortung von BMAS und BA aufgebaut und könnte Ende diesen Jahres, Anfang nächstes Jahres freigeschaltet werden. Mit ihr soll die Orientierung und Beratung für Weiterbildungsinteressierte und Unternehmen einen neuen, zentralen virtuellen Ort finden.  Ausgehend von einer Selbsteinschätzung sollen Weiterbildungsinteressierte zu passenden Lernangeboten geführt werden.  Vorhandene digitale Tools der BA wie z.B. NewPlan könnten integriert werden.

Alphabetisierung und Verbesserung von Grundkompetenzen:

Das Thema nimmt in der Begleitpublikation viel Raum ein, konkret Greifbares ist allerdings bislang kaum erreicht worden. Zur Verbesserung der Grundkompetenzen von Menschen mit Lese- und Schreibschwierig­keiten strebt das BMAS u.a. zukünftig an, „den Erwerb von Grundkompetenzen auch bei nicht abschluss­orientierter beruflicher Weiterbildung befristet zu ermöglichen“, dazu bedarf es aber erst einer gesetzlichen Änderung in § 81 SGB III. Die BA wird sich dafür einsetzen, dass die beste­henden Fördermöglichkeiten stärker genutzt werden, um auch gering Literalisierte an eine Weiterbildung heranzuführen. Die Länder verfolgen laut Bericht das Ziel eines bedarfsgerechten und nachhaltigen Ausbaus der Angebote für Alphabetisierung und Grundbildung. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll anhand von Praxiserfahrungen prüfen, welche Kursmodelle für eine flächendeckend Umsetzung zielführend wären.

Beratung: Mit der Einführung der Lebensbegleitenden Berufsberatung (LBB) in Form der Berufsberatung wurde laut Bericht bei der BA ein flächendeckendes Beratungsangebot für beschäftigte Arbeitnehmer*innen geschaffen; welche Beratungskapazitäten konkret zur Verfügung stehen, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Zur Beratung für Unternehmen hat die BA den Einsatz von sog. „Spezialisten für Arbeitsmarktberatung“  erprobt. Die BA will als wichtiger Impulsgeber für die benötigte Netzwerkarbeit in der lokalen Weiterbildungsberatung aufzutreten.  

Förderung von Teilqualifikationen (TQ): TQ gelten als eine Möglichkeit der modularen Nachqualifizierung. Die Förderung von Nachqualifizierungen in Form von TQ soll zukünftig eng an das Ziel des Erwerbs eines Berufsabschlusses geknüpft werden. Die BA wird deshalb die Förderung bei Teilnehmenden von TQ verstärkt auf die Ziel­erreichung des Erwerbs eines Berufsabschlusses ausrichten.

Die NWS hatte sich zum Ziel gesetzt, die Verwertbarkeit informellen beruflichen Lernens zu verbessern. Im Projekt „Valikom“ wurden dazuValidierungs­verfahren für über 30 Kammerberufe entwickelt; eine Verstetigung der entsprechenden Projektförderung wird nun geprüft.  In die nächste Legislaturperiode geschoben wird das Anliegen, die Voraussetzungen für die Einführung einer gesetzlichen Grundlage für die Validierung informell und nonformal erworbener berufsbezogener Kompetenzen von arbeitserfahre­nen Personen zu klären.  

„Aufbau von Weiterbil­dungsverbünden“. Mithilfe regionaler Koordi­nierungsstellen werden Kooperations- und Vernetzungsstrukturen u.a. zwischen Unternehmen sowie Bildungs- und Beratungseinrichtungen aufgebaut, um die Weiterbildungsbeteiligung von Beschäftigten, insbesondere in KMU, zu erhöhen sowie regionale Wirtschafts- und Inno­vationsnetzwerke zu stärken. Im Rahmen des dafür aufgelegten Programms werden aufgrund der großen Nachfrage rund 40 anstatt der zunächst geplanten 10 Projekte gefördert. Im 3. Quartal 2021 soll ein zweiter Förderaufruf gestartet werden, sodass weitere Weiterbildungsverbünde sowie eine Koordinierungsstelle unter­stützt werden können.

Digitalisierung und Weiterbildungseinrichtungen: Die  Weiterbildung hat während der Pandemie notwendigerweise einen Digita­lisierungsschub erfahren. Der Bericht stellt fest, dass  Bildungsträger für die Entwicklung digitaler Angebote sowohl das entsprechende Know-how als auch Investitionsmittel benötigen, was einige Träger vor Herausforderungen stellt. Andere Träger profitieren von bereits in der Vergangenheit getätigten Investitionen in diesem Bereich. Es waren eher größere Unternehmen, die in der Krise davon profitiert haben, dass sie umfangreiche interne digitale Personalentwicklungs- und Weiterbildungsplatt­formen aufgebaut hatten.  Laut einer Studie des BIBB rechnen manche Beobachter in diesem Zusammenhang mit einer Verringerung der Unternehmenszahl auf dem Weiterbildungsmarkt aufgrund von Insolvenzen oder Übernahmen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), die Gewerkschaften GEW und Ver.di haben die Veröffentlichung des Berichts zur Umsetzung der NWS zum Anlass genommen, um mehr Unterstützung von Bund und Ländern für die Digitalisierung der Weiterbildungseinrichtungen einzufordern (siehe auch unten).

Die Fördermöglichkeiten für Arbeitsagenturen und Jobcenter bei der Fort- und Weiterbildung von Beschäftigten wurden in der ausgehenden Legislaturperiode mit dem „Qualifizierungschancengesetz“ und dem Arbeit-von-Morgen-Gesetz“ erweitert.

Materialien des BMAS zur Nationalen Weiterbildungsstrategie und Umsetzungsbericht:

https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Aus-und-Weiterbildung/Weiterbildungsrepublik/Nationale-Weiterbildungsstrategie/nationale-weiterbildungsstrategie.html

Forderungen von BAGFW, GEW und Ver.di anlässlich zur Digitalisierung der Weiterbildungseinrichtungen:

https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/gemeinsame-pm-zur-digitalisierung-bagfw-verdi-gew/

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