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Monatsreport 05-24


Der Paritätische Gesamtverband Bundeskoordination Jugendsozialarbeit

Monatsreport 05-24

Jugendsozialarbeit im Paritätischen


Aktuelles

Berufsbildungsbericht 2024 veröffentlicht

Laut des aktuellen Berufsbildungsberichtes verfügten in 2022 19,1 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 34 Jahren in Deutschland über keinen Berufsabschluss. Hochgerechnet lag die Zahl der nicht formal Qualifizierten bzw. der Ungelernten in dieser Altersgruppe bei 2,86 Millionen. In dem Bericht wird u.a. deutlich, dass die Herausforderungen beim Zusammenführen von Angebot und Nachfrage steigen. Der Anteil unbesetzter Stellen am betrieblichen Angebot liegt weiterhin höher als der Anteil noch suchender Bewerberinnen und Bewerber an der Nachfrage.
Die Zahl der Anfänger und Anfängerinnen in der Berufsausbildung ist 2023 im Vorjahresvergleich gestiegen. Innerhalb dieses Sektors stiegen die Anfängerzahlen in der dualen Berufsausbildung um 1,7 Prozent, die in den schulischen Ausbildungen des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesens um 2,0 Prozent Im „Übergangsbereich“ nahm die Zahl der Anfänger*innen um 4,3 Prozent zu. Hierin zeigt sich vermutlich die verstärkte Einmündung von zugewanderten ukrainischen Jugendlichen.
Im Jahr 2022 wurden 29,5 Prozent der begonnenen Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Die Vertragslösungsquote lag damit merklich oberhalb des üblichen Schwankungsbereichs von 20 bis 25 Prozent.





Paritätischer legt Expertise zu Erstergebnissen des Mikrozensus zur Armutsentwicklung 2023 vor

Die Erstergebnisse des Mikrozensus weisen für Deutschland eine Armutsquote von 16,6 Prozent aus. Sollten sie in einigen Monaten, wenn die Endergebnisse vorliegen, bestätigt werden, ist die Armut in Deutschland damit gegenüber 2022 um 0,2 Prozentpunkte und gegenüber 2021 um 0,3 Prozentpunkte zurückgegangen. Lassen sich diese Werte auch durchaus noch als Stagnation auf sehr hohem Niveau interpretieren, so ist es doch zumindest das erste Mal seit Einführung der Armutsstatistik auf Basis des Mikrozensus in 2005, dass die Armut in zwei Jahren in Folge, wenn auch nur leicht, so doch abnimmt.
Gleich in neun Bundesländern ist die Armut 2023 zurückgegangen, in den meisten davon sogar sehr deutlich. So nahm die Armutsquote in Mecklenburg-Vorpommern um 1,5 Prozentpunkte ab, in Thüringen um 1,1, in Niedersachsen und Hamburg um 0,8 und 0,7 Prozentpunkte. Insbesondere der relativ starke Rückgang der Armut um 0,9 Prozentpunkte in Nordrhein-Westfalen, dem einwohnerstärksten Bundesland, fällt positiv ins bundesdeutsche Gewicht.
Dem stehen in anderen Ländern allerdings auch ebenso deutlich steigende Quoten gegenüber: Im Saarland um 0,7 und in Brandenburg um 0,8 Prozentpunkte. Einen echten Ausreißer stellt Berlin dar. War die Armutsquote in der Hauptstadt von 2021 auf 2022 um sehr auffällige 2,7 Prozentpunkte – von 20,1 auf 17,4 Prozent – zurückgegangen, sprang der Wert in 2023 wieder hoch auf 20 Prozent.

Insgesamt zeigt sich Deutschland auch nach den Erstergebnissen des Mikrozensus für 2023 weiterhin sehr heterogen und armutspolitisch dreigeteilt. An der Spitze steht der Süden, Bayern und Baden-Württemberg, mit Quoten von „nur“ 12,8 und 13,5 Prozent. Auch Brandenburg liegt mit einer Quote von 15,0 Prozent noch deutlich unter dem Bundeswert.





Paritätischer für Verbot der AfD

Mit einem Appell, die Bedrohung durch die “Alternative für Deutschland” (AfD) und andere rechtsextreme Akteur*innen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt abzuwehren, richtet sich der Verbandsrat des Paritätischen Gesamtverbandes an staatliche Institutionen und ihre Vertreter*innen. Der Wohlfahrtsverband ermahnt die demokratischen Parteien, die Regierungen der Bundesländer sowie Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat wie auch alle staatlichen Behörden, ihren Schutzpflichten gegenüber den Menschen in Deutschland und dem Schutz der sozialen Infrastruktur vor Angriffen rechtsextremer Kräfte wie der AfD nachzukommen. Darüber hinaus fordert der Paritätische unter anderem die ernsthafte Prüfung der Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD.

Bereits 2015 und 2018 hat der Paritätische in der “Charta gegen Rassismus und Rechtsextremismus” und der “Positionierung zu Rechtsextremismus und Politik der AfD” die Unvereinbarkeit der verbandlichen Werte und Grundsätze mit Positionen und der Agenda von Parteien festgestellt, die auf Ideologien der Ungleichwertigkeit basieren. Der Verband setzt sich seitdem verstärkt für Aufklärung, Sensibilisierung und Stärkung der demokratischen Werte ein.





ifo-Institut mit neuer Studie: Bildungschancen unterscheiden sich deutlich zwischen den Bundesländern

Die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland unterscheiden sich deutlich zwischen den Bundesländern. Das ist das Ergebnis einer neuen ifo-Studie. Am wenigsten negativ wirkt sich ein ungünstiger familiärer Hintergrund für Kinder in Berlin und Brandenburg aus: Es ist etwa halb so wahrscheinlich (Berlin: 53,8 Prozent; Brandenburg: 52,8 Prozent), dass Kinder aus benachteiligten Verhältnissen ein Gymnasium besuchen wie Kinder aus günstigen Verhältnissen. Bundesweit beträgt der Wert 44,6 Prozent. Am unteren Ende liegen Sachsen mit 40,1 und Bayern mit 38,1 Prozent. Chancengleichheit wäre bei 100 Prozent erreicht. Bildung und Einkommen der Eltern sind nach wie vor entscheidende Faktoren für die Bildungschancen von Kindern in Deutschland.
Anhand von acht Beispielen guter Praxis aus den Bereichen frühkindliche Förderung, Unterstützung von Eltern und Schulen in herausfordernden Lagen, datenbasierte Sprachförderung, verringerte schulische Aufteilung und Mentoring werden konkrete Maßnahmen für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung vorgestellt.





DeZim-Studie „Grenzen der Gleichheit: Rassismus und Armutsgefährdung“ veröffentlicht

Im Kurzbericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) unter dem Titel „Grenzen der Gleichheit: Rassismus und Armutsgefährdung“ untersucht das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschungs (DeZIM) die Armutsgefährdung von rassistisch markierten Gruppen in Deutschland.
Eine der bedeutendsten Versprechen der modernen Demokratie und des Wohlfahrtsstaates ist die Abkopplung von Herkunft und Schicksal. Eine ganze Reihe von Institutionen, Praktiken und Gesetzen soll garantieren, dass nicht Umstände wie Geschlecht, religiöse Zugehörigkeit, Familieneinkommen oder Herkunft über den Lebensweg eines jeden Einzelnen entscheiden. Wäre das Leben einer Person von der Geburt bis zum Tod unmittelbar von diesen Faktoren abhängig, wäre dieses nicht frei und gleichberechtigt. In Deutschland entscheiden jedoch diese Faktoren maßgeblich, wie der Lebenslauf eines Menschen sich entwickelt wird.

In diesem Bericht werden die Zusammenhänge zwischen Rassismus und Armut zum ersten Mal im deutschen Kontext untersucht, da die bisherigen Armuts- und Reichtumsanalysen der Bundesregierung lediglich den Migrationshintergrund berücksichtigen. Zum ersten Mal wird nun die Bedeutung von Rassismus für das Armutsrisiko mitanalysiert. Dies wurde bei drei  rassistisch markierten Gruppen in den Blick genommen: bei asiatischen, muslimischen und Schwarzen Menschen mit den Daten des NaDiRa-Panels. Die Analyse integriert zudem eine geschlechtsspezifische Sicht, um Mehrfachbenachteiligungen zu verdeutlichen. Die Ergebnisse zeigen, dass rassistisch markierte Menschen  ein höheres Armutsrisiko als nicht rassistisch markierte Menschen haben. Es wird deutlich, dass hohe Bildung und eine Erwerbstätigkeit rassistisch markierte Menschen nicht gleichermaßen vor Armutsgefährdung schützen und dass der Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft das Armutsrisiko signifikant reduziert.





Neues aus dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

Neue Ausgabe der DREIZEHN: „Zukunft auf der Kippe – Jugendsozialarbeit mit jungen Menschen in prekären Lebenslagen“

In der aktuellen Ausgabe der DREIZEHN stehen die komplexen Herausforderungen, denen sich junge Menschen in prekären Lebenslagen stellen, im Mittelpunkt. Diese Lebenslagen sind oft geprägt von multiplen Problemlagen und Diskontinuität. Prekäre Wohnverhältnisse, geringe Teilhabechancen am gesellschaftlichen Leben, psychische Belastungen und Krankheiten, Diskriminierungserfahrungen, unsicherer Asyl- und Aufenthaltsstatus und wenig Zugang zu unterstützenden Ressourcen im eigenen sozialen Umfeld werden beispielsweise näher beleuchtet.
Es werden aber nicht nur Probleme aufgezeigt, sondern auch praktikable Lösungen und Erfolgsgeschichten aus den Handlungsfeldern der Jugendsozialarbeit präsentiert, die hoffentlich Mut machen und zum Handeln anregen.





Druckfrisch zum Berufsbildungsbericht 2024: Jugendberufshilfe muss Teil der Lösung bei Passungsproblemen sein

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Berufsbildungsberichtes stellt der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit fest, dass die Wahrscheinlichkeit selten so hoch war, einen Ausbildungsplatz zu finden. Die erweiterte Angebot-Nachfrage-Relation ist weiter positiv für die jungen Menschen. Auf 100 Ausbildungssuchende kommen aktuell 101,8 Ausbildungsangebote; und dass, obwohl die Nachfrage nach Ausbildung um 17.300 Jugendlichen auf 552.900 (+3,2 Prozent) im letzten Jahr erstmals wieder gestiegen ist, nachdem sie seit der Corona-Pandemie stark eingebrochen war. Rein rechnerisch kann also jeder junge Mensch eine Ausbildung finden. Faktisch hatten aber 63.700 junge Menschen im September 2023 noch keinen Ausbildungsplatz, 11,5 Prozent der Ausbildungsplatz-Nachfragenden blieb damit auf dem Ausbildungsmarkt erfolglos. Die Hürde liegt nicht darin, dass die Ausbildungsplätze zu hohe schulische Zugangsvoraussetzungen haben. Denn bei mehr als der Hälfte der unbesetzten Ausbildungsstellen wurde lediglich ein Hauptschulabschluss erwartet (41.749 oder 56,8 Prozent). Die Hürden liegen damit eher darin, dass sie beruflich oder geografisch nicht zusammenfinden. 
Der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit zieht daraus den Schluss, dass eine positive Angebots-Nachfrage-Relation für junge Menschen längst nicht für alle Ausbildungssuchende den Weg in die Ausbildung ebnet. Dieses Passungsproblem wird seit Jahren diskutiert, die Jugendberufshilfe dabei allerdings viel zu wenig als Teil der Lösung verstanden.





Veranstaltungen

Abschlusskonferenz Projekt „Klimaschutz in der Sozialen Arbeit stärken“
5. und 6. Juni 2024 in Berlin

Der Paritätische feiert den Abschluss des Projekts „Klimaschutz in der Sozialen Arbeit stärken“ und lädt am 5. und 6. Juni 2024 herzlich in die Zirkuszelte von Cabuwazi auf dem Tempelhofer Feld in Berlin ein.
Dort sollen gemeinsam auf die vergangenen drei Projektjahre zurückgeschaut, Ergebnisse vorgestellt, Erfolge gefeiert und auch der Blick nach vorne gerichtet werden. Die Abschlusskonferenz bietet eine Plattform für einen intensiven Austausch über wichtige Themen im Bereich der Sozialen Arbeit im Kontext des Klimaschutzes. Neben informativen Vorträgen erwarten Sie interaktive Workshops, die Raum für Diskussionen und praktische Erfahrungen bieten.
Hier sind einige der Hauptthemen der Abschlusskonferenz:
// Klimakrise und Emotionen: Wie können wir Kraft für die notwendige Transformation aus ihnen schöpfen?
// Politische Lobbyarbeit: Welche Möglichkeiten und Herausforderungen gibt es, politischen Einfluss für den Klimaschutz in der Sozialen Arbeit zu nehmen?
// Aktivismus zum Klimaschutz: Wie können Menschen in sozialen Organisationen aktiv für den Klimaschutz eintreten und sich engagieren?
// Selbstfürsorge und positive Zukunftsvisionen: Wie können wir unsere eigene Resilienz stärken und partizipativ positive Zukunftsbilder gestalten?
// EU und Klimapolitik: Welche Rolle spielt die Europäische Union in der Gestaltung von Klimapolitik im sozialen Kontext?
// Ökologischer Handabdruck: Welche konkreten Maßnahmen können wir ergreifen, um unseren ökologischen Handabdruck zu vergrößern?

Die Veranstaltung ist kostenfrei.




Männlichkeitskritische Jungen*arbeit – (k)ein Widerspruch(!)
21.
Juni 2024 von 10.00 bis 11.30 Uhr digital

Jungenarbeit entstand in den 80er Jahren in Folge der sich etablierenden Mädchenarbeit als eine Form von geschlechterreflektierter, zielgruppengerichteter Jugendarbeit mit Jungen und männlichen Jugendlichen. Jungen*arbeit sollte Fragen der Gleichberechtigung, Konstruktion von Männlichkeit(en) und Geschlechterverhältnisse thematisieren. Könnte sie dazu beitragen gesellschaftlichen Verhältnissen entgegenzuwirken, wie z.B. einer Retraditionalisierung von Geschlechterverhältnissen?

Die Veranstaltung findet im Rahmen der „Inforeihe Kinder, Jugend und Familie“ statt und ist kostenfrei.





Gemeinsamer Fachtag „Jugend – Cannabis – Prävention: Jugendhilfe und Suchthilfe im Dialog“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) und der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)
24.
Juni 2024 von 10.00 bis 16.00 Uhr in Berlin

Das vieldiskutierte Cannabisgesetz ist zum 1. April 2024 in Teilen in Kraft getreten. Jugendschutz und Suchthilfe stehen damit vor neuen Herausforderungen.
Denn der Konsum von Cannabis ist mit Risiken verbunden, insbesondere für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Welche Herausforderungen und Chancen für die Suchtprävention mit der Cannabisregulierung verbunden sind, soll gemeinsam mit Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis der Suchthilfe und des Kinder- und Jugendschutzes auf der Kooperationstagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) und der DHS diskutiert werden.
Die Veranstaltung will dazu anregen, über die verschiedenen Disziplinen hinweg in einen Dialog zu treten.