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Monatsreport 09-25


Der Paritätische Gesamtverband Bundeskoordination Jugendsozialarbeit

Monatsreport 09-25

Jugendsozialarbeit im Paritätischen


Aktuelles

Paritätische Handreichung: Vom Bürgergeld zur neuen Grundsicherung

Die Bundesregierung plant, das Bürgergeld in eine „neue Grundsicherung“ umzugestalten, die zahlreiche Veränderungen und Einschnitte enthält. Der Paritätische hat diese kritisch geprüft und eine Handreichung erstellt. Sie basiert auf Erfahrungen aus sozialer Arbeit, Beschäftigungspolitik, Sozial- und Schuldner*innenberatung sowie wissenschaftlicher Armutsforschung.
Daraus ergibt sich ein großer Reformbedarf beim Bürgergeld und die Notwendigkeit armutsfester Sozialleistungen, nachhaltiger Arbeitsmarktmaßnahmen und eines klaren Verzichts auf Sanktionen. Besonders problematisch sind die niedrigen Angemessenheitsgrenzen bei Unterkunftskosten, die soziale Spaltung verstärken. Die politischen Debatten setzen jedoch vor allem auf Verschärfungen. Die Handreichung liefert deshalb Daten, Fakten, Argumente und Impulse für Politik und Praxis sowie Vorschläge, wie negative Folgen einzelner Vorhaben abgemildert werden könnten.




Paritätischer setzt sich bei Sozialstaats-Kommission gegen Sozialkürzungen und für Entbürokratisierung ein

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat am 21. August 2025 die Kommission Sozialstaatsreform (KSR) eingesetzt. Anders als der Name suggeriert, konzentriert sie sich auf steuerfinanzierte Leistungen wie Wohngeld, Kinderzuschlag sowie die Sozialgesetzbücher II und XII. Der Paritätische kritisiert massiv, dass Wohlfahrts- und Sozialverbände in der Kommission nicht vertreten, sondern nur über Stellungnahmen und kurze Stakeholder-Gespräche beteiligt sind.
Beim ersten Gespräch am 12. September setzte der Paritätische folgende Schwerpunkte: Absicherung bei Arbeitsmarktintegration, Mieterschutz statt Kürzungen bei Unterkunftskosten, Abbau von Armut, Ablehnung von Sanktionen, Schutz besonderer Wohnbedarfe (z.B. Frauenhäuser) sowie Entbürokratisierung durch Bagatellgrenzen und neue Einkommensberechnung.
Offen bleibt bisher, ob die Kommission vor allem Einsparungen anstrebt oder Verbesserungen für Leistungsberechtigte und Verwaltung erarbeitet.




Servicestelle Jugendberufsagenturen: Tipps aus erfolgreicher Praxis

Die Servicestelle Jugendberufsagenturen hat auf ihrer Website eine Sammlung von Praxistipps veröffentlicht. Diese speist sich aus eigenen Recherchen sowie aus Anregungen und Ideen von Fachkräften vor Ort. Die Tipps umfassen die Bereiche Strategie- und Qualitätsentwicklung, interne Organisation und Kommunikation, Beratung und Unterstützung junger Menschen, Öffentlichkeitsarbeit, Zugangswege sowie Netzwerkmanagement. Jugendberufsagenturen sind eingeladen, die Sammlung durch ihre eigenen Praxiserfahrungen zu ergänzen.




Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ): Von der Schule in die Arbeitswelt – Zur Bedeutung sozialer Dienstleistungen (außer-)schulischer Akteure in der beruflichen Orientierung

Das IAQ und die Universität Duisburg-Essen haben Forschungsergebnisse zur Bedeutung von Akteuren beruflicher Orientierung beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt veröffentlicht. Der Report beruht auf Interviews mit über 20 Fachkräften an verschiedenen Schulformen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Er zeigt, dass (außer-)schulische Akteure wie BO-Koordinator*innen, Beratungslehrkräfte, Schulsozialarbeit und Berufsberatung wichtige und vielfältige soziale Dienstleistungen zur Unterstützung der beruflichen Orientierung leisten.
Sie organisieren Angebote, fördern Berufswahlkompetenz, beraten individuell und leisten Vernetzungsarbeit. Besonders bei Schüler*innengruppen mit heterogenen Unterstützungsbedarfen ist eine effektive multiprofessionelle Kooperation essentiell. Gleichzeitig stoßen viele beteiligte Akteure jedoch an ihre zeitlichen und personellen Grenzen. Um eine nachhaltige, bedarfsgerechte Unterstützung sicherzustellen, fordert der Report klarere Zuständigkeiten, mehr Transparenz sowie zusätzliche Ressourcen und Steuerung auf Schul-, kommunaler und bildungspolitischer Ebene.




Studie der Bertelsmann-Stiftung: Was macht die duale Ausbildung attraktiv? Wünsche von jungen Menschen und Angebote von Unternehmen im Vergleich

Der Handlungsbedarf, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, bleibt hoch. Laut einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft konnten viele Unternehmen im vergangenen Jahr ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen, während ein Viertel der Jugendlichen zu wenige Angebote sieht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Ausbildungsbetriebe zwar vieles bieten, was Jugendliche attraktiv finden, aber oft zu wenig informieren.
Besonders fehlen Angaben zu Vergütung, konkreten Aufgabeninhalten und Ablauf des Bewerbungsverfahrens, obwohl jungen Menschen diese Transparenz sehr wichtig ist. Ein gutes Betriebsklima gilt für fast alle als entscheidend und wird auch von Unternehmen betont. Die Studie zeigt außerdem, dass die Unternehmen zwar bei den geforderten Qualifikationen flexibler werden, aber Förderinstrumente wie AsA-Flex kaum bekannt sind.




Bildung auf einen Blick 2025: OECD-Länderbericht Deutschland

Der diesjährige OECD-Länderbericht für Deutschland zeigt, dass sich 59 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in Ausbildung oder Studium befinden, mehr als der OECD-Durchschnitt von 53 Prozent. Nur 10 Prozent sind weder in Bildung noch Beschäftigung, weniger als der OECD-Wert von 14 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt mit 2,7 Prozent ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt. Mit 35 Prozent ist der Anteil an MINT-Abschlüssen weltweit am höchsten.
Der Bericht zeigt zudem, dass der Anteil geringqualifizierter junger Erwachsener in Deutschland auf 15 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig wächst die Kluft bei Bildungsabschlüssen: während hochqualifizierte Abschlüsse zunehmen, stagniert oder sinkt der Anteil mittlerer Abschlüsse. Der familiäre Hintergrund spielt in Deutschland weiterhin eine starke Rolle für Bildungschancen – Kinder aus Haushalten mit niedrigerem sozioökonomischem Status haben deutlich schlechtere Aussichten auf höhere Bildungswege.




BIBB-Report: Ausbildungssuchende ohne Kontakt zur Arbeitsagentur und Geflüchtete sind oft im Nachteil

Ein neuer BIBB-Report analysiert die Situation von Ausbildungssuchenden, insbesondere von Geflüchteten und Personen ohne Kontakt zur Bundesagentur für Arbeit. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass diejenigen, die den Kontakt zur Arbeitsagentur abbrechen, deutlich seltener in Ausbildung oder Studium kommen, häufiger arbeitslos sind und weniger zufrieden mit ihrer Situation. Junge Geflüchtete nehmen zudem deutlich seltener an Berufsorientierungsangeboten teil. Dies betrifft vor allem praxisnahe Angebote wie Praktika oder Schnuppertage.
Der Report zeigt außerdem, dass Jugendliche, die Angebote der Berufsorientierung bei ihrer Ausbildungsplatzsuche als hilfreich erlebt haben, häufiger einen berufsqualifizierenden Bildungsweg einschlagen.




Expert*innenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" einberufen

Die Bundesregierung hat eine Expert*innenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ einberufen, die im Herbst ihre Arbeit aufnehmen soll. Sie wird Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Zivilgesellschaft entwickeln, um Kinder und Jugendliche digital besser zu schützen. Schwerpunkte sind Rahmenbedingungen für ein sicheres, digitales Umfeld für Kinder und Jugendliche sowie gesundheitliche Folgen des Medienkonsums und Förderung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen, Eltern und Fachkräften. Die Kommission besteht aus 16 Mitgliedern aus Wissenschaft und Praxis und bindet Länder, Fachpraxis und Jugendbeteiligung ein.




Veranstaltungen

Auftaktveranstaltung zur Woche der Seelischen Gesundheit
10. Oktober 2025
17.30 Uhr
in Berlin

Die Woche der Seelischen Gesundheit findet vom 10. bis 20. Oktober unter dem Motto „Lass Zuversicht wachsen – Psychisch stark in die Zukunft“ statt. Wie können wir mit Zukunftsängsten umgehen? Wie finden wir trotz Krisen zueinander? Und wie gestalten wir gemeinsam eine lebenswerte Gesellschaft? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Aktionswoche. Das Aktionsbündnis stellt für die Bewerbung Ihrer Veranstaltungen vielfältige Web- und Printmaterialien zur Verfügung. Auf der Website finden Sie außerdem umfangreiches Informationsmaterial über das diesjährige Schwerpunktthema.




Wie politisch darf gemeinnützig sein? Politisches Engagement rechtssicher gestalten
16. Oktober 2025
11.00 Uhr bis 12.30 Uhr
online

Inwieweit dürfen sich gemeinnützige Organisationen politisch betätigen? Ob im Wahlkampf für Demokratie und Vielfalt, bei öffentlichen Veranstaltungen oder im klaren Widerspruch zu menschenfeindlichen Positionen – viele soziale Organisationen wollen Haltung zeigen. Die Veranstaltung richtet sich an alle Mitarbeitenden Paritätischer Mitgliedsorganisationen und gibt einen fundierten Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen, zeigt Handlungsspielräume auf und bietet Raum für Austausch.

Die Teilnahme ist kostenlos.





Kinder psychisch oder suchtkranker Eltern
sehen – stärken – schützen
20. Oktober 2025
14.00 Uhr bis 16.00 Uhr
online

Drei bis vier Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leben mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil zusammen – jedes vierte Kind ist betroffen. In der Veranstaltung wird die Arbeitshilfe des Paritätischen Gesamtverbandes „Kinder psychisch erkrankter Eltern sehen - stärken – schützen“ vorgestellt. Es werden Einblicke in die Perspektive der Kinder, Eltern und Familien gegeben und die korrespondierenden Hilfesysteme von Kinder- und Jugendhilfe, Suchthilfe, Gesundheitswesen und Selbsthilfe mit ihren spezifischen Angeboten und Handlungslogiken sowie Standards der Kooperation und Netzwerkarbeit und gute Praxis vorgestellt.

Die Teilnahme ist kostenlos.





Bürgergeld: Neue Perspektiven schaffen durch gute Förderangebote
22. Oktober 2025
14.00 Uhr bis 15.40 Uhr
online

Die Veranstaltung des „Bündnis für ein menschenwürdiges Existenzminimum“ untersucht die zentralen Herausforderungen in der Arbeitsförderung im SGB II sowie Bedingungen für das Gelingen einer nachhaltigen Integration in Arbeit. Wie kann eine ausreichende Finanz- und Personalausstattung der Jobcenter für gute und wirksame Fördermaßnahmen gelingen? Was wäre notwendig, um mehr erwerbslosen Personen eine gute Perspektive zu eröffnen und was ist von den seitens der Bundesregierung angekündigten Änderungen zu erwarten?

Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen sind bis zum 17. Oktober 2025 möglich.





Wohlfahrt DIGITAL – Mitgestaltung erwünscht!
19. November 2025
online

Die digitale Jahreskonferenz vernetzt Akteur*innen und Interessierte der Freien Wohlfahrtspflege aus dem Bereich Digitalisierung. Wohlfahrt DIGITAL versteht sich vom Programm bis zur Umsetzung als Plattform für Austausch, Inspiration und kollaboratives Lernen. Für die Jahreskonferenz werden Akteur*innen der Freien Wohlfahrtspflege gesucht, die ihre Projekte vorstellen und das Programm aktiv mitgestalten.




Chancen schaffen für junge Menschen – Jugendberufsagenturen als Partner für den Übergang von der Schule in den Beruf
24. November 2025
13.00 Uhr bis 15.00 Uhr 
online

Im Zentrum der Veranstaltung stehen die Fragen: Welche Rolle kommt Jugendberufsagenturen zu, um junge Menschen am Übergang Schule-Beruf zu unterstützen? Welchen Beitrag können sie leisten, um insbesondere junge Menschen ohne formale Qualifizierung zu unterstützen? Wie können sie bei der Berufsorientierung junge Menschen unterstützen? Ein Praxisbeispiel zeigt zudem mögliche Schnittstellen zwischen Jugendberufsagenturen und sozialen Einrichtungen.

Die Teilnahme ist kostenlos.





Gelingende Übergänge gestalten: Kooperation und Netzwerke als Schlüssel zur Teilhabe am Übergang Schule-Beruf
3. Dezember 2025
10.00 Uhr bis 15.45 Uhr
online

Ein zentraler Faktor, um junge Menschen besser beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen, ist Kooperation und Netzwerkarbeit auf Augenhöhe. In der Online-Veranstaltung werden verschiedene Netzwerke aus der Praxis, die am Übergang tätig sind, vorgestellt und diskutiert. Welche Vorteile bieten sie, was können sie leisten und wie können Netzwerke zwischen Akteuren aus verschiedenen Bereichen gefördert und initiiert werden? Wie werden die Stimmen junger Menschen einbezogen? Welche Handlungsempfehlungen gibt es zur stärkeren Förderung junger Menschen am Übergang?

Die Teilnahme ist kostenlos.