Bund legt Fachkräfteoffensive für Erzieher*innen aufs Eis

Im Dezember 2018 kündigte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey eine Fachkräfteoffensive an, um 5.000 zusätzliche Auszubildende für die Erzieher*inausbildung in zwei Jahrgängen zu gewinnen. Doch jetzt ist plötzlich nach einem Jahrgang Schluss. Am Bedarf kann es nicht liegen.

In der aktuellen Vorhabensplanung des BMFSFJ, die die Ministerin dem Familienausschuss des Deutschen Bundestags vorgelegt hat, fällt vor allem auf, was alles nicht vorkommt. Das Bundesprogramm Sprach-Kita wird ebenso wenig erwähnt, wie die Fachkräfteoffensive des Bundes oder das Investitionsprogramm zum Kita-Ausbau. Die im Koalitionsvertrag festgehaltene Weiterentwicklung des Bundesprogramms Sprach-Kita wird erstmal nicht stattfinden. Und die seit 2008 laufende Kofinanzierung des Kita-Ausbaus durch den Bund wird eingestellt. Die Fachkräfteoffensive wird aufs Eis gelegt, d.h. die geplante zweite Welle mit weiteren 2.500 Ausbildungsplätzen für angehende Erzieher*innen fällt aus. Gründe dafür bleibt das BMFSFJ bislang schuldig. Am fehlenden Bedarf kann es nicht liegen. Drei parallele Entwicklungen verdeutlichen den Bedarf.

1. Die Personalschlüssel in den Kindertageseinrichtungen verbessern sich stetig. Darauf weist das Statistische Bundesamt hin. Die Betreuung von Kindern, die am 1. März 2019 nicht im schulpflichtigen Alter waren, erfolgt überwiegend in Gruppen mit Kindern im Alter von 2 bis unter 8 Jahren. In dieser Gruppenart besteht bundesweit ein Personalschlüssel von 1:8,3. Das Verhältnis hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert (1. März 2018: 1:8,4). Zudem geben die Länder etwa ein Viertel der Mittel aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz für die Verbesserung des Personalschlüssels aus. Das wird die Nachfrage nach Fachkräften weiter verstärken.

2. Gleichzeitig stagniert die Zahl der Absolvent*innen, die in den nächsten Jahren die Fachschulausbildung beenden wird bei rund 31.000 Personen pro Jahr. Darauf weist Prof. Dr. Stefan Sell mit Daten aus dem Fachkräftebarometer Frühe Bildung hin. Die Zahl der Absolvent*innen ist von 2008 bis 2017 jährlich gestiegen, aber derzeit ist kein weiterer Anstieg der Absolvent*innen in Sicht. Und Maßnahmen, die in diesem Ausbildungsjahr getroffen werden, zeigen frühestens 2023 ihre Wirkung.

3. Und schließlich soll bis zum Jahr 2025 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung eingeführt werden. Auch die dafür benötigten Fachkräfte müssten spätestens 2022 die Ausbildung zur Erzieher*in beginnen.


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