Perspektivenwechsel: Interkulturelle Öffnung der Behinderten- und der Altenhilfe

Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte in der Behindertenhilfe sowie von Senior*innen mit Migrationsgeschichte in der Altenhilfe. Darüber hinaus sollen ihre Bedarfe und Perspektiven sowie die ihrer Angehörigen stärker sichtbar und hörbar gemacht werden.

Dieses Projekt ist auf Initiative des Forums der Migrantinnen und Migranten im Paritätischen entstanden. Es wird gefördert aus dem Europäischen Sozialfonds für Asyl, Migration, Integration und Flüchtlinge und ko-finanziert von der Glücksspirale.

Die Projektlaufzeit: 01.07.2018 - 30.06.2020.

Handlungsbedarfe

Bei der Bevölkerung mit Migrationsgeschichte gibt es, wie auch in der restlichen Bevölkerung, einen demografischen Alterungsprozess: "2012 lebten knapp 1,6 Mio. Migrantinnen und Migranten in Deutschland, die älter als 64 Jahre waren. 2030 wird sich ihre Zahl voraussichtlich auf 2.8 Mio. erhöht haben" (11. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2016).

Schon jetzt tritt die Pflegebedürftigkeit bei Menschen mit Migrationsgeschichte aufgrund ihrer benachteiligten Position in der Gesellschafft 10 Jahre früher auf als bei Menschen ohne Migrationsgeschichte (BMG). Mehrfache strukturelle Benachteiligungen führen auch dazu, dass ältere Menschen mit Migrationsgeschichte stärker von Altersarmut betroffen sind.
Dennoch sind die Strukturen der Pflege und Altenhilfe (noch) nicht ausreichend auf die Bedürfnisse und Lebenslagen dieser Menschen ausgerichtet. Dies zeigt sich auch daran, dass Senior*innen mit Migrationsgeschichte bei der Inanspruchnahme von Hilfe und Leistungen der Pflege und der Altenhilfe unterrepräsentiert sind.

Bei Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte ist eine ähnliche Situation zu verzeichnen. Im Jahr 2013 leben in Deutschland 12,77 Millionen Menschen mit Behinderung, das sind Menschen mit Lernschwierigkeiten, körperlicher Beeinträchtigung, Komplexer Behinderung (2. Teilhabebericht der Bundesregierung, 2016). Wie viele von ihnen eine Migrationsgeschichte haben, ist nicht bekannt, bzw. es liegen keine verlässlichen Daten vor.

Gesellschaftliche Benachteiligungs- und Ausgrenzungsrisiken treffen Menschen mit Migrationsgeschichte und Behinderung besonders schwer. Diese manifestieren sich unter anderem in dem eingeschränkten Zugang zu Bildung und Arbeit, zu materieller Sicherheit, zum Wohnungsmarkt und zu den allgemeinen Hilfe- und Sozialsystemen. Durch die Vielfalt der Barrieren und Ausgrenzungsmechanismen kann auch bei dieser Zielgruppe von Mehrfachdiskriminierung gesprochen werden.

Notwendige Informationen über die Hilfesysteme und Selbsthilfestrukturen in Deutschland sowie über pädagogische, medizinische und therapeutische Angebote erreichen Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte sowie deren Angehörige oftmals nicht, oder in unzureichendem Maße.

Zugangsbarrieren stellen weiterhin fehlende Mehrsprachigkeit in den Ämtern, in den Einrichtungen und bei den Diensten der Behindertenhilfe und der Altenhilfe, fehlendes Bewusstsein für die Bedarfslagen sowie wenig Kenntnisse über die Lebenslagen der genannten Zielgruppen. Unter anderem stellt die Nicht-Passung von Hilfsangeboten ebenfalls eine Zugangsbarriere dar.

Mit Blick auf beide Zielgruppen gilt es daher nicht nur die Versorgungslücken zu schließen, sondern auch die Zugangsbarrieren zu identifizieren und abzubauen, sodass sie ihr Recht auf Teilhabe sowie auf ein diskriminierungsfreies Leben verwirklichen können.

Inklusionsprozesse müssen stets die Menschen, um die es geht, als Maßstab nehmen. Gemäß dem Grundsatz "Nichts über uns, ohne uns!".

Daher werden wir im Projekt "Perspektivwechsel: Interkulturelle Öffnung der Behinderten- und Altenhilfe" bundesweit Gesprächskreise durchführen. Im Rahmen dieser Gesprächskreise wollen wir die Perspektiven und Bedarfe beider Zielgruppen sowie die ihrer Angehörigen erfassen. Ihre Rückmeldungen werden anonymisiert und dienen als Grundlage für Handlungsempfehlungen, die zum Ende des Projektes veröffentlicht und der Fach-/Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Die Gesprächskreise zur Schnittstelle "Behinderung & Migration" führen wir in Zusammenarbeit mit dem Verein InterAktiv e.V. in dem Zeitraum von Januar bis März 2019 durch.

Diese Gesprächskreise finden bei folgenden Organisationen statt:

  • AVP e.V. - Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive (Düsseldorf),
  • Duha e.V. (Mannheim),
  • InterAktiv e.V. (Berlin),
  • MINA - Leben in Vielfalt e.V. (Berlin),
  • TIM e.V. (Nürnberg).

Vor Ort werden diese Gesprächskreise von Judy Gummich, bzw. von Yasmina Ouakidi moderiert.

Im Rahmen des Projektes werden darüber hinaus Werkstattgespräche auf Bundesebene stattfinden. Ferner sollen im Rahmen des Projektes Fachexpertisen sowie Videoportraits entstehen, die allen Interessierten zugänglich gemacht werden.

Kontakt

Anh Ngo
Referentin für "Perspektivenwechsel: Interkulturelle Öffnung der Behinderten- und Altenhilfe"
Der Paritätische Gesamtverband
Oranienburger Str. 13-14
10178 Berlin
Tel: 030/2 46 36-329
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Nils Anders
Sachbearbeiter für "Perspektivenwechsel: Interkulturelle Öffnung der Behinderten- und Altenhilfe"
Der Paritätische Gesamtverband
Oranienburgerstr. 13-14
10178 Berlin
Tel: 030/ 2 46 36-438
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Dieses Projekt wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert

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