Monatsreport 06-26Jugendsozialarbeit im Paritätischen |
|
|
| Paritätischer Gesamtverband legt Vorschläge für echte Einsparpotenziale bei einer Reform des Sozialstaates vor |
|
Der Paritätische Gesamtverband legt 37 Vorschläge vor, um den Sozialstaat effizienter, gerechter und langfristig finanzierbar zu gestalten, ohne Leistungen für benachteiligte Menschen zu kürzen. Damit reagiert der Verband auf die aktuellen Debatten über Einsparungen im Sozialbereich, die soziale Probleme verschärfen und langfristig höhere Folgekosten verursachen. Statt bei Hilfeangeboten zu sparen, sollten ineffiziente Verwaltungsstrukturen, Doppelzuständigkeiten und digitale Rückstände abgebaut werden. Dazu gehören hohe Verwaltungskosten bei Fördergeldern, der Eingliederungshilfe und dem Bildungs- und Teilhabepaket. In Pflege, Gesundheit sowie Kinder- und Jugendhilfe sollte Prävention im Mittelpunkt stehen, um spätere Krisenkosten zu vermeiden. |
|
Paritätischer Armutsbericht 2026 |
|
Der Armutsbericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbandes zeigt, dass sich die soziale Spaltung in Deutschland weiter verschärft. 13,3 Millionen Menschen leben in Armut, die Armutsquote steigt auf 16,1 Prozent. Nach wie vor sind Ältere, Frauen und Alleinerziehende am stärksten von Armut betroffen. Mit 24,8 Prozent leben zudem überdurchschnittlich viele junge Erwachsene zwischen 18 und unter 25 Jahren in Armut – ursächlich dafür sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse, niedrige Ausbildungsvergütungen sowie die oft unzureichende finanzielle Absicherung von Studierenden und Auszubildenden. Besonders belastend wirken steigende Wohnkosten, für die viele junge Menschen einen überproportional hohen Anteil ihres Einkommens ausgeben müssen. Bildungsbenachteiligungen verstärken ihr Armutsrisiko zudem erheblich. Der Bericht verdeutlicht, dass Investitionen in Bildung, soziale Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum zentrale Voraussetzungen sind, um Armut wirksam zu bekämpfen und gesellschaftliche Teilhabe zu sichern. |
|
Wohlfahrtspflege braucht politischen Rückhalt und Schutz |
|
Eine neue Studie zeigt, dass Anfeindungen im Wohlfahrtsbereich inzwischen weit verbreitet sind. Für die Studie wurden 6.596 haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende des DRK, des Paritätischen und der AWO befragt. Rund 43 Prozent berichten von Beleidigungen, digitaler Hetze, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen. Besonders betroffen sind die Bereiche Diversität, Frauenarbeit, politische Bildung sowie Migration und Flucht. Die Folgen belasten nicht nur Einzelne, sondern erschweren auch die Gewinnung von Fachkräften, die Angebotsvielfalt und die öffentliche Positionierung von Organisationen. Der Paritätische Gesamtverband unterstützt seine Mitgliedsorganisationen beim Umgang mit Anfeindungen und fordert von Politik und Behörden wirksamen Schutz, verlässliche Finanzierung sowie mehr politische und gesellschaftliche Anerkennung für soziale Organisationen. |
|
Bildungsbericht 2026: Schwerpunktthema “Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft” |
|
Der Nationale Bildungsbericht zeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin zu den Staaten gehört, in denen Bildungsungleichheiten besonders stark von der sozialen Herkunft geprägt werden. Diese Bildungsungleichheiten bestehen bereits früh und verfestigen sich über den gesamten Bildungsverlauf hinweg. Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien nutzen seltener frühkindliche Bildungsangebote, starten mit geringeren sprachlichen und kognitiven Kompetenzen in die Schule und erhalten selbst bei vergleichbaren Leistungen seltener Empfehlungen für höhere Bildungswege. Während rund 79 Prozent der Jugendlichen aus sozio-ökonomisch bevorteilten Familien ein Gymnasium besuchen, sind es bei Gleichaltrigen aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien nur etwa 27 Prozent. Zudem verlassen junge Menschen aus benachteiligten Familien häufiger die Schule ohne Abschluss. Der Bericht konstatiert, dass in der Schule zielgruppenspezifische Maßnahmen zur Förderung von Kompetenzen einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Ein Großteil der genannten Maßnahmen richtet sich dabei an Schulen in belasteten Sozialräumen und bezieht außerschulische Akteur*innen ein. Der Bericht fordert gezielte Maßnahmen für mehr Chancengerechtigkeit, bessere Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher sowie einen Abbau struktureller Bildungsbarrieren. |
|
Drohende Kürzungen für Soziales in der kommenden EU-Förderperiode 2028-2034 |
|
Die EU plant für die Förderperiode 2028–2034 eine grundlegende Reform ihrer Förderpolitik. Obwohl das EU-Budget von 1,2 auf knapp 2 Billionen Euro steigen soll, drohen im Sozialbereich deutliche Kürzungen. Der Europäische Sozialfonds (ESF), über den in Deutschland zuletzt 3,5 Millionen Menschen unterstützt wurden und aktuell 6,56 Milliarden Euro bereitstehen, soll seine eigenständige Budgetlinie verlieren. Laut Bundesarbeitsministerium könnten inflationsbereinigt rund 45 Prozent weniger Mittel für bisherige ESF-Maßnahmen verfügbar sein. Zudem gefährden niedrigere Kofinanzierungssätze, leistungsabhängige Auszahlungen und stärkere Zentralisierung Projekte für Bildung, Armutsbekämpfung, Arbeitsmarktintegration und besonders benachteiligte Gruppen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege (BAGFW) fordert in einer gemeinsamen Stellungnahme für die Verhandlungen einen starken und eigenständigen ESF. |
|
Experten*innenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" legt Handlungsempfehlungen vor |
|
Die Expert*innenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt, die auf der Grundlage der Trias aus Schutz, Befähigung und Teilhabe basieren. Die Expert*innen verbinden dabei die Frage, was Kinder und Jugendliche in den unterschiedlichen Phasen ihres Aufwachsens benötigen, mit der Frage, welche Akteure dafür Verantwortung tragen. Dieser Ansatz verknüpft Entwicklungsbedürfnisse mit institutionellen Zuständigkeiten und verschiedenen Regulierungsebenen. Zu den Empfehlungen gehören verbindliche Standards für Plattformen, wirksamere Risiko- und Altersbewertungen, eine systematische Förderung von Medienkompetenz, stärkere Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche sowie eine engere Zusammenarbeit von Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Ziel ist ein vorsorgender, an den Lebensrealitäten junger Menschen orientierter Kinder- und Jugendmedienschutz. |
|
AGJ fordert Sicherstellung der SGB-VIII-Reform durch ein verbindlich geordnetes Verfahren |
|
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ warnt in einem Zwischenruf davor, die SGB VIII-Reform einzufrieren und nennt die Beibehaltung des Ist-Zustandes falsch und politisch sowie fiskalisch folgenschwer. Trotz bestehender Herausforderungen bei Finanzierung, Fachkräftemangel und Umsetzung sind die notwendigen gesetzlichen Grundlagen für die Reform bereits geschaffen. Die AGJ fordert eine Sicherstellung der Reform durch ein verbindlich geordnetes Verfahren. Unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) soll transparent im Dialog mit Bund, Ländern und Kommunen sowie den Verbänden und Selbstvertretungen ein Fahrplan für die Weiterentwicklung der – inklusiven – Kinder- und Jugendhilfe vereinbart werden. |
|
Podcast zur Einbeziehung der Eltern in die berufliche Orientierung |
|
Wie sollten Eltern ihre Kinder bestenfalls durch die berufliche Orientierung begleiten? Was sollten sie tun – und was auf keinen Fall? Die Folge 15 des Podcasts „Berufliche Orientierung begleiten“ der Initiative Bildungsketten widmet sich der Frage, wie Fachkräfte den Grundstein für eine gute Zusammenarbeit mit Eltern legen können, die die wichtigsten Bezugspersonen in der Berufsorientierung ihrer Kinder sind. |
|
Neue Daten des BIÖG zum Rauchverhalten und Nikotinkonsum von jungen Menschen in Deutschland |
|
Die Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zeigt einen Anstieg des Nikotinkonsums bei jungen Menschen. Der Anteil rauchender 12- bis 17-Jähriger stieg zwischen 2021 und 2025 von 6,1 Prozent auf 9,6 Prozent, während er bei 18- bis 25-Jährigen auf 26,3 Prozent sank. Besonders stark nahm der Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten zu: Bei Jugendlichen stiegen die Werte auf 6,7 Prozent (männlich) bzw. 7,8 Prozent (weiblich). Auch Nikotinbeutel gewinnen an Bedeutung, obwohl der Verkauf in Deutschland untersagt ist. Fachleute warnen vor gesundheitlichen Risiken und schneller Abhängigkeit. Sie fordern verstärkte Präventionsmaßnahmen, Aufklärung sowie einen besseren Schutz junger Menschen vor Werbung und die konsequente Durchsetzung des Jugendschutzes. |
|
Studie des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti– Zusammenfassung und Empfehlungen für kindliches Wohlbefinden |
|
Die Studie des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti zeigt, dass wirtschaftliche Ungleichheit das Wohlbefinden von Kindern erheblich beeinflusst. Kinder aus benachteiligten Familien haben schlechtere Voraussetzungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Lebenszufriedenheit. Deutschland schneidet im internationalen Vergleich erneut unterdurchschnittlich ab und landet auf Platz 25 von 37 untersuchten OECD- und EU-Ländern. UNICEF fordert, Kinderarmut konsequent zu bekämpfen und den Zugang zu hochwertiger Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Teilhabe für alle Kinder zu verbessern. Zudem sollen benachteiligte Familien gezielt unterstützt, Kinder stärker an politischen Entscheidungen beteiligt und die Lebensbedingungen in ihrem direkten Umfeld verbessert werden. Ziel ist es, Chancengleichheit zu stärken und das Wohlbefinden aller Kinder nachhaltig zu fördern. |
|
Neues aus dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit |
|
Veranstaltungsbericht: Jugendberufsagenturen jugendgerecht weiterentwickeln |
|
Bei einem Online-Austausch des Kooperationsverbunds Jugendsozialarbeit (KV JSA) diskutierten rund 160 Fachkräfte die jugendgerechte Weiterentwicklung von Jugendberufsagenturen (JBA). Anlass war ein vom KV JSA veröffentlichtes Impulspapier, das eine stärkere Orientierung an den Bedürfnissen junger Menschen fordert. Angesichts multipler Krisenerfahrungen und zunehmender Unsicherheit benötigen junge Menschen verlässliche, bedarfs- und biografieorientierte Unterstützung beim Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf. Praxisbeispiele aus Darmstadt, Stuttgart und Essen zeigten, dass dies besonders durch eine enge Einbindung der Jugendhilfe, ganzheitliche Beratung und verbindliche Kooperationen gelingt. Diskutiert wurden zudem Verbesserungen beim Datenaustausch, die Beteiligung junger Menschen und die stärkere Einbindung von Eltern in Übergangsprozesse. |
|
Reflexions- und Netzwerktagung der AGJ "Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von gesellschaftlicher Polarisierung, Demokratiefeindlichkeit und Rechtsruck" 15./16. September 2026 in Köln |
|
Die Demokratie ist in Europa und weltweit unter Druck, populistische und extremistische Akteure gewinnen an Zuspruch. Diese Entwicklungen machen auch vor der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland nicht halt: Demokratie- und menschenfeindlich motivierte Angriffe auf Einrichtungen, Fachkräfte und junge Menschen sowie der Einfluss extrem rechter Akteure nehmen zu. Die Tagung der AGJ bietet Raum für fachlichen Austausch, Vernetzung und die Entwicklung von Handlungsstrategien. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um verbindliche Anmeldung wird bis zum 17. Juli 2026 gebeten. |
|
Bühne frei gegen Ungleichheit 30. September 2026 18.30 Uhr bis 21.00 Uhr in Berlin |
|
Unter dem Motto „Bühne frei gegen Ungleichheit“ veranstalten die Nationale Armutskonferenz, die Diakonie Deutschland, die Evangelische Kirchengemeinde vor dem Halleschen Tor und der Paritätische Gesamtverband einen politischen Kulturabend in Berlin. Menschen mit Armutserfahrung bringen ihre Lebensrealität in einem Theaterstück auf die Bühne und laden Bundespolitiker*innen zur Auseinandersetzung ein. Ergänzt wird das Programm durch eine Lesung von Marc-Uwe Kling sowie Musik von Bernadette La Hengst und dem Chor der Statistik. |
|
|
| |
| |
|