Klassismus

Obwohl Deutschland ein reiches Land ist, konzentriert sich dieser Reichtum auf einen stetig kleiner werdenden Personenkreis. Armut und vor allem Kinderarmut steigen hierzulande von Jahr zu Jahr. Armut bzw. Reichtum sind starke Anhaltspunkte für den sozioökonomischen Status einer Person oder die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht. Klassismus ist die Diskriminierung aufgrund der sozialen Schicht, zu der jemand gezählt wird oder sich selbst zählt. Kurz gesagt, haben Menschen weitaus häufiger negative Einstellungen und Überzeugungen gegenüber armen Menschen und positive Einstellungen gegenüber wohlhabenderen Menschen.

Menschen aus armen Verhältnissen werden oft selbst dafür verantwortlich gemacht, obwohl auch hier die Mehrfachdiskriminierung eine Rolle spielt, denn generell machen wir Frauen weniger dafür verantwortlich, arm zu sein, als Männer.[1]

Die Selbstauffassung unserer Gesellschaft ist die, dass Leistungsbereitschaft und Talent ausschlaggebend für die soziale Position des Einzelnen sind und nicht Herkunft und sozialer Status.[2] Wenn der Zufall, der Kinder in einer bestimmten Familie aufwachsen lässt, darüber entscheidet, welche Lebenschancen sie haben, sind wir vom Ideal der Chancengerechtigkeit leider weit entfernt.

Beispiele:

"Ein Kind hat nur ein Paar No-Name-Turnschuhe. Die anderen Kinder lachen es aus, weil es keine Markenkleidung trägt und jeden Tag mit den gleichen Schuhen in die Einrichtung kommt." "Einige Eltern in der Kita können den Theaterbesuch nicht bezahlen. Beim Elternabend fordern die gut verdienenden Eltern die Durchführung des Theaterbesuchs, ggfs. ohne Beteiligung einiger Kinder." "Eltern mit höherem Einkommen schlagen relativ teure Ausflugsziele vor und setzen diese auch durch."

[1] Kite/Mary E., Bernard/Whitley Jr. E.: Psychology of Prejudice and Discrimination. Routledge, New York 2016. S. 30ff.

[2] Ebd.

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