Diskriminierung

Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens mehrfach die Erfahrung, stigmatisiert oder diskriminiert zu werden, sei es aufgrund der Herkunft, des Geschlechts, des Alters oder anderer der Person zugeschriebenen Merkmale.

Diskriminierung ist, vereinfacht gesagt, ein Verhalten, das von subtilen Abwertungen und Kommentaren bis zu körperlicher Gewalt reicht. Es bezeichnet eine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen. Viele Menschen sind sich dessen allerdings nicht bewusst. Für viele Menschen, Kinder wie Erwachsene, gehört Diskriminierung aber zum täglichen Leben. Und Diskriminierung bedeutet nicht, dass sich zwei oder mehrere Menschen einfach nicht sympathisch finden. Diskriminierung ist das Produkt gesellschaftlicher Strukturen, die es begünstigen, dass wir andere beurteilen und verurteilen, ohne sie wirklich zu kennen. Die Strukturen werden durch Stereotype und Vorurteile über bestimmte Gruppen gespeist, die den einzelnen Personen in diesen Gruppen Charaktereigenschaften zuschreiben. 

Die Einteilung von Menschen in Gruppen ist nicht nur problematisch. Sie ist auch schwierig zu umgehen. Zum einen ist es schwierig, über marginalisierte Menschen zu sprechen und gegebenenfalls Hilfsmaßnahmen zu entwickeln, ohne diese in Gruppen mit ähnlichen Merkmalen zu bündeln. Zum anderen kann erst die Einteilung in Gruppen eine Gruppe überhaupt erschaffen und damit der Ausgrenzung und Diskriminierung Vorschub leisten. Menschen als Individuen und nicht als Stellvertretende einer zugeschriebenen Gruppe wahr zu nehmen, ist demnach ein erster Schritt gegen Diskriminierung.

Diskriminierung oder auch Benachteiligung erfolgt also im Kontext von Stereotypen und Vorurteilen über eine Gruppe, zu der das Individuum scheinbar gehört. Sie werden zur Rechtfertigung von Benachteiligung herangezogen.

Vor allem die Diskriminierung, die wir als Kind erfahren, kann lang anhaltende psychologische und soziale Nachwirkungen haben. Doch warum diskriminieren wir andere? Wann und wie entwickeln wir Ideen von "Wir" und "Die" oder den "Anderen"? Und warum ist es so wichtig, schon früh etwas gegen die Diskriminierung dagegen zu tun? Auf diese Fragen sollen hier Antworten gegeben werden. Wissenschaftliche Forschung hat immer wieder gezeigt, dass Stereotypen, Vorurteile und, daran anknüpfend, Diskriminierungen gegenüber einer bestimmten Gruppe schon im Kindesalter beginnen. Viele Menschen gehen davon aus, dass Kinder noch keine physischen oder andere Unterschiede wahrnehmen oder zumindest nicht bewerten. Tatsache ist, dass wir schon mit wenigen Monaten Menschen anhand ihrer Gesichtszüge und Stimme wiedererkennen. Mit etwa anderthalb Jahren fangen wir an, uns selbst als Individuen zu begreifen.

Mit etwa 2 Jahren beginnen wir bewusst Menschen in Gruppen einzuteilen und bedienen uns hierbei vor allem bei körperlichen Merkmalen, wie Haar- und Hautfarbe, aber auch körperlicher Behinderung oder dem Geschlecht. Wenn Kinder in dieser Zeit keine Erklärung für das andere Aussehen oder anderes Verhalten ihrer Mitmenschen erhalten, entwickeln sie oft eigene Theorien.[1] Dies geschieht aus dem Impuls heraus, die Frage nach unserer Identität zu beantworten. Antworten auf die Frage "Wer ich bin?" oder "Wer sind wir?", ziehen die Unterscheidung von den "Anderen", die nicht so sind wie ich oder wir, nach sich.

Diese Kategorisierung in Gruppen kann leicht zu Vorurteilen gegenüber den und Abwertungen der "Anderen" führen. Denn bei kleinen Kindern wie auch bei Erwachsenen gilt: Die Aufwertung der eigenen Gruppe oder Identität durch die Abwertung der anderen Gruppe ist ein hochwirksamer Mechanismus der Stabilisierung des Selbstwertgefühls.

Mit der Wahrnehmung dieser Unterschiede kann auch das Unbehagen im Umgang mit Menschen kommen, die nicht vertraute Merkmale aufweisen. Eben deswegen ist diese Phase der Entwicklung von Kindern für die Entwicklung eines Demokratieverständnisses so wichtig.

Siehe auch:

Diskriminierung (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterindividuelle, Öffnet internen Link im aktuellen Fensterstrukturelle, Öffnet internen Link im aktuellen Fensterindirekte und direkte, Öffnet internen Link im aktuellen Fensterunbewusste und bewusste)

[1] Ali-Tani/ Caroline: Wie Kinder Vielfalt wahrnehmen: Vorurteile in der frühen Kindheit und die pädagogischen Konsequenzen.Öffnet externen Link in neuem Fenster Hier im Netz, abgerufen am 09.05.2018, S. 1.

 

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Doll test - The effects of racism on children (ENG)

Sehen Sie Öffnet externen Link in neuem Fensterhier das Video.

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